Finn Juhl (* 30. Januar 1912 in Frederiksberg; † 17. Mai 1989 in Ordrup) war ein dänischer Designer. Er hat das skandinavische Design maßgeblich beeinflusst und erhielt dafür als einer der ersten auch international Anerkennung.
miniatur|Porträt von Finn Juhl (Fotograf unbekannt)
Leben und Wirken Trotz des Widerstands durch seinen Vater interessierte sich Finn Juhl schon früh für Kunstgeschichte. Er ließ sich schlussendlich aber dennoch davon überzeugen, ein Architekturstudium an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen aufzunehmen. Von 1930 bis 1934 studierte Finn Juhl, anschließend fand er eine feste Stelle bei Vilhelm Lauritzen, dem führenden Architekten des dänischen Modernismus. Im Rahmen dieser Tätigkeit erhielt er 1944 die C.F. Hansen Medaille. 1945 begann er an der Kopenhagener Schule für Innenarchitektur zu lehren und gründete ein eigenes Büro für Möbel- und Innendesign. Schon 1937 hatte er in Zusammenarbeit mit Niels Vodder mit dem Möbeldesign begonnen und für Aufregung in Kunsttischlerkreisen gesorgt.Regina Voges: , Wohnkultur 66, abgerufen am 22. März 2017. Sein gesamtes Leben lang betonte Juhl immer wieder, dass er autodidaktisch die Gestaltung von Möbeln erlernt hatte. Da er nicht in der Tradition von Kaare Klint stand, stieß er in Dänemark lange auf Widerstand. 1948 stellte der amerikanische Architekt und Autor Edgar Kaufmann Jr. – der Sohn von Edgar J. Kaufmann – Juhls Arbeiten in einem Artikel der Zeitschrift Interiors ausgiebig vor. Damit begann der Siegeszug des Dänen in den USA. Drei Jahre später fertigte Finn Juhl für eine Ausstellung in Chicago zwei Dutzend Möbelstücke. Die amerikanische Firma Baker Furniture stellte Juhls Möbel dann industriell her. 1950, im Alter von 38 Jahren, übernahm er die Gestaltung eines Sitzungssaals – der Trusteeship Council Chamber – des UNO-Hauptsitzes in New York.Karin Leydecker: Ein Meister der weichen Form, in NZZ vom 1. Dezember 2016, abgerufen am 22. März 2017.One Collection: , abgerufen am 22. März 2017.
1954 und 1957 nahm er an der Triennale in Mailand teil und wurde dort mehrfach ausgezeichnet. In den 1950er und 1960er Jahren gestaltete Finn Juhl zahlreiche Interieurs, unter anderem die dänische Botschaft in Washington, D.C., sowie Büros und die Inneneinrichtung eines Flugzeugs der SAS. Sein Stil hatte nicht nur Einfluss auf das skandinavische Design, z. B. bei Peter Hvidt, sondern auf den weltweiten Erfolg dänischer Inneneinrichtung. Mit seinen abstrakten, organischen Linien ähneln Juhls Sofa- und Stuhlentwürfe modernen Skulpturen, bei denen er sich einst von Plastiken Henry Moores, Hans Arps, Barbara Hepworths und Erik Thommesens inspirieren ließ.
Auch nach seinem Tod 1989 blieb das Interesse an Juhls Entwürfen bestehen, wenngleich seine design-historische Bedeutung zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten war.Interview mit Anne-Louise Sommer: Finn Juhl, abgerufen am 23. März 2017. 2012 wurde Juhl mit einer Wanderausstellung – The Universe of Finn Juhl – zu seinem 100. Geburtstag geehrt.Susanne Fritz: CELEBRATING A SCANDINAVIAN ICON: 100 YEARS FINN JUHL, in Architonic vom 7. März 2012, abgerufen am 22. März 2017., abgerufen am 22. März 2017. Das Designmuseum in Gent widmete Juhl 2014 eine Einzelausstellung.Finn Juhl – A Danish Design Icon, abgerufen am 22. März 2017. Auf Auktionen erzielten erste Exemplare seiner legendären Chieftain-Entwürfe bis zu sechsstellige Erlöse und setzten damit neue Auktionsrekorde im Bereich des skandinavischen Mid-Century-Designs.Gwendolyn Horton: , 11. Oktober 2013, abgerufen am 22. März 2017.Phillips: FINN JUHL, 'Chieftain' armchair, abgerufen am 22. März 2017Artcurial: , abgerufen am 22. März 2017.Véronique Lorelle: Finn Juhl, l’acmé du design nordique, in Le Monde vom 19. Mai 2015, abgerufen am 22. März 2017. Die Preise für lizenzierte Reproduktionen des 2012 mit dem Dänischen Design Award prämierten Stuhls sind in ähnlicher Weise gestiegen.Joan Kron: Home Beat, in New York Times vom 1. Dezember 1977, abgerufen am 22. März 2017.William L. Hamilton: Design Notebook; What's Cool, Calm and Collected? Nordic Modern, in New York Times vom 26. Februar 1998, abgerufen am 22. März 2017.DWR: Chieftains Chair, abgerufen am 22. März 2017Jacob Bernstein: Wyeth, a Temple of Midcentury Modern Design, Seeks New Wallets, in New York Times vom 1. Juni 2016, abgerufen am 22. März 2017.One Collection: , abgerufen am 22. März 2017 Seine Entwürfe befinden sich mittlerweile auch in diversen Museumssammlungen, darunter in der des MoMa, des V&A und des Museum of Fine Arts, Houston.Google Cultural Institute: Chair, Model No. NV-45, abgerufen am 23. März 2017.Model FJ 48, abgerufen am 23. März 2017.Model FJ 45, abgerufen am 23. März 2017.Finn Juhl Armchair (model 48) c. 1946, abgerufen am 23. März 2017.Finn Juhl Armchair 1951, abgerufen am 23. März 2017.
Sein 1942 von ihm selbst entworfenes Wohnhaus – ein schlichter, rechtwinkliger Bungalow aus weiß gekalktem Backstein – in Charlottenlund, nördlich von Kopenhagen, ist heutzutage als Teil des Museums Ordrupgaard zu besichtigen.A&W Architektur & Wohnen: , abgerufen am 22. März 2017.ZEIT Online: Im Chefsessel vorm Kamin, abgerufen am 22. März 2017. Über Google Maps lässt sich das Haus auch im 3D-Ansichtsmodus in einem Rundgang virtuell begehen.Finn Juhls Hus, abgerufen am 23. März 2017. Im japanischen Takayama, in Gifu, baute der Möbelhersteller Kitani eine Replik des Hauses, das seit 2012 als Finn Juhl Art Museum Club zugänglich ist., auf finn-juhl-house-takayama.orgFacebook-Seite der dänische Botschaft in Tokio: House of Finn Juhl – a copy of the designer’s house in Denmark – opens in Takayama, Gifu., abgerufen am 10. April 2017
2015 bezog der Künstler Danh Vo, im Rahmen seiner Ausstellung mothertongue im dänischen Pavillon auf der Biennale Venedig, Möbelstücke Juhls in seine Kunstwerke mit ein.Francesco Garutti: A breath of fresh air, in Domus vom 29. Mai 2015, abgerufen am 23. März 2017.Marianne Torp: , Pressemitteilung, abgerufen am 23. März 2017.
miniatur|Das Wohnhaus von Finn Juhl, heutzutage Museum miniatur|Das Interieur des Juhl-Wohnhauses mit den Stühlen NV45 (rechts) sowie dem Modell NV44 (links) miniatur|Der 2011 renovierte Treuhandrat, ausgestattet mit dem Stuhl FJ51
Werke miniatur|Möbel von Finn Juhl im Design-Museum in Kopenhagen: das Chieftain-Sofa (mittig) sowie sein 1953 entworfener Reading Chair (rechts) miniatur|Das FJ-Sideboard mit dem farbigen Schubladen-Element ist eine Verbeugung vor Goethes Farbenlehre
Möbel Pelikan Stuhl (1940) FJ41 (1941) NV44 Stuhl (1944) NV45 Stuhl (1945) FJ46 Stuhl (1946) BO64 Stuhl (1946) O59 Stuhl (1946) FJ48 Stuhl (1948) Ägyptischer Stuhl (1949) FJ49A auch bekannt als Chieftain Stuhl (1949) Judas Tisch (1946) BO98 Stuhl (1952) FD137 auch bekannt als Japanischer Stuhl (1953) FJ53 Stuhl (1953) BO101 Stuhl (1953) FJ55 Stuhl (1955) FD136 Stuhl (1958) BO62 Stuhl (1962) FD152 Stuhl (1962)
Gebäude und Inneneinrichtung Filiale von Bing & Grøndahl, Amagertorv, Kopenhagen (1946) Sitzungsraum des UN-Treuhandrats, New York (1951–52) Einfamilienhaus, Nakskov (1952) Dänischer Stand, Triennale, Mailand (1957) Dänische Botschaft in Washington, D.C. (1960) Sommerhaus von Anders Hostrup-Pedersen (1962)
Literatur Esbjørn Hiort: Finn Juhl - Furniture, Architecture, Applied Art, Copenhagen 1990/2010, ISBN 978-87-7407-404-5. Charlotte und Peter Fiell: Scandinavian Design: Skandinavisches Design. Taschen, Köln 2003, ISBN 978-3-8228-4115-0. Anne-Louise Sommer: Watercolours by Finn Juhl. Hatje-Cantz-Verlag, Berlin 2016. ISBN 978-3-7757-4209-2. Per H. Hansen: Finn Juhl and His House. Hatje-Cantz-Verlag, Berlin 2014. ISBN 978-3-7757-3797-5.
Weblinks
Finn Juhl scandinaviandesign.com, abgerufen am 2. September 2011. Finn Juhl. Der Siegeszug des dänischen Designs SoLebIch.de, abgerufen am 2. September 2011. Juhls Wohnhaus, Ordrupgaard Wohnkultur 66, abgerufen am 16. Dezember 2013.
Einzelnachweise
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