mini|Darstellung der Abtei im Jahr 1736 mini|Großes Konventssiegel der Abtei Wadgassen mit der Darstellung der Gottesmutter Maria als apokalyptischer Frau () mini|Bous, Forsthaus der Abtei Wadgassen, Saarbrücker Straße mini|Wadgasserhof in Kaiserslautern mini|Wadgassen, Reste der Sockelzone der barocken Abteikirche als Fundamente von Werkstätten mini|Wadgassen, Outlet-Center auf dem ehemaligen Abteigelände mit Resten der Mauer der ehemaligen Kirche
Die Abtei St. Maria in Wadgassen war eine Prämonstratenserabtei im Südwesten des heutigen Saarlandes an der Mündung der Bist in die Saar.
Geschichte mini|Wadgassen, Figurentorso des sogenannten „Wadgasser Engels“, gelber Kalksandstein, vermutlich 13. Jahrhundert, vermutlich Abdeckplatte einer Grabtumba in der Klosterkirche der ehemaligen Abteikirche Wadgassen
Der Königshof Wadgassen („Villa Wadegozzinga“) wurde erstmals am 19. September 902 als Ausstellungsort einer Urkunde Ludwigs des Kindes erwähnt. Im Jahr 1080 übergab König Heinrich IV. in einer in Mainz ausgestellten Urkunde seinem Getreuen Sigibert die Villa Wadgassen („Villa Wuadegozzingen“) als Amtsgut bei dessen Bestellung zum Grafen im unteren Saargau:Urkunde im Landesarchiv Saarbrücken, Abt. 22, Nr. 6251.Michael Tritz: Geschichte der Abtei Wadgassen, zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wadgassen 1901 mit einer Einleitung von Hans-Walter Herrmann und einem Register, Saarbrücken 1978, S. 17–18.
Zwei von Sigiberts Söhnen besetzten als Geistliche hohe kirchliche Positionen, der Speyerer Bischof Bruno von Saarbrücken und der Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken. Beim Tod von Sigiberts Haupterben, Friedrich von Saarbrücken, vermachten dessen Witwe Gisela, eine Enkelin des Grafen Dietmar von Selbold-Gelnhausen, und der gemeinsame Sohn Simon I. von Saarbrücken im Jahr 1135 gemäß einem Gelübde des Verstorbenen den Besitz Wadgassen der Kirche von Trier mit allen Rechten zur Gründung eines Augustinerchorherrenstiftes. In der Umgebung Wadgassens bestand spätestens seit dem Spätmittelalter ein ähnliches Stift in St. Arnual saaraufwärts. Das Wadgasser Stift war der Jungfrau Maria geweiht, daher der lateinische Name Abbatia Beatae Mariae Virginis. Ziel der Schenkung war, dass in dem neugegründeten Kloster Seelenmessen zur Rettung der Seele des Verstorbenen Grafen und der Seelen seiner Vorfahren aus dem Fegefeuer gelesen werden sollten.Michael Tritz: Geschichte der Abtei Wadgassen, zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wadgassen 1901 mit einer Einleitung von Hans-Walter Herrmann und einem Register, Saarbrücken 1978, S. 21–23.
Der Trierer Erzbischof Albero von Montreuil unterstellte das Kloster einer Vogtei, die de facto bei den Grafen von Saarbrücken verblieb, und verlieh ihm das Predigt-, Tauf- und Begräbnisrecht sowie die freie Abtswahl:Übersetzung aus dem Lateinischen nach Michael Tritz: Geschichte der Abtei Wadgassen, Zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wadgassen 1901 mit einer Einleitung von Hans-Walter Herrmann und einem Register, Saarbrücken 1978, S. 21–23.
Bis zur Vollendung einer neuen Klosterkirche nutzten die ersten Mönche unter ihrem Abt Wolfram die Wadgasser Nikolauskapelle, die inmitten eines Sumpfes auf einer Insel stand, der heutigen Gemarkung „Kapellenwies“. Diese Kapelle stand bis zum Jahr 1682, als die Franzosen die Steine zum Bau der Festung Saarlouis verwandten.Michael Tritz: Geschichte der Abtei Wadgassen, zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wadgassen 1901 mit einer Einleitung von Hans-Walter Herrmann und einem Register, Saarbrücken 1978, S. 24. Am 2. Oktober 1137 weihte Erzbischof Albero die neuerbaute Konventskirche, die bis ins 14. Jahrhundert hinein als Grablege der Grafen von Saarbrücken diente. Ende des 15. Jahrhunderts wurden Kirche und Konventsgebäude weitgehend umgebaut.
Ursprünglich gehörte Wadgassen dem Reformkreis des Klosters Springiersbach in der Eifel an. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts ist Wadgassen dann als Kloster des Prämonstratenserordens belegt. Der Orden ist ein Zusammenschluss selbständiger Klöster (Kanonien) und wurde im Jahr 1120 von Norbert von Xanten in der Abtei Prémontré bei Laon, auf Fernbesitz der Abtei Prüm, gegründet.Informationen zur Wadgasser Abtei, museum, academia wadegotia, abgerufen am 1. September 2011.
In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Abtei Wadgassen zu einem geistig-kulturellen Zentrum der Region dessen Zirkarie Wadgassen von Oberlothringen über Süddeutschland bis zum Harz reichte. Der Abtei Wadgassen gehörten seit dem Spätmittelalter über 200 Güter, Gehöfte und Mühlen, Propsteien, Patronatsrechte und Pfarrkirchen.Die Abtei Wadgassen im Reiseführer der Prämonstratenser So ist zum Beispiel der Wadgasserhof, ein mittelalterliches Hospital mit angegliedertem Wirtschaftshof in Kaiserslautern, einer dieser ehemaligen Güter. Seltene Belege zeigen im 13. Jahrhundert einen Doppelkonvent mit Mönchen und Nonnen.Norbert Wilhelm Backmund: Monasticon Praemonstratense, id est historia circariorum atque canoniarum candidi et canonici ordinis Praemonstratensis, Attenkofersche Buchdruckerei Straubing, Band I: 1949/51, Band II: 1952/55, Band III 1955/60 – Band I erschien 1983 im De-Gruyter-Verlag Berlin in zweiter Auflage; S. 119–122, III, 1956 541 f.Wolfgang Peters: Springiersbach und die Anfänge des Prämonstratenserstiftes Wadgassen, Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 7, 1981, S. 1–15.
mini|Jean Baptiste Bordier, letzter Abt (1784–1792) der Abtei Wadgassen Im Jahr 1766 wurde die Abtei vom Territorium des Heiligen Römischen Reiches gelöst und dem Königreich Frankreich zugeschlagen. Wenige Jahre nach der Französischen Revolution wurde die Abtei im Jahr 1792 aufgegeben. Abt Bordier berichtete in einem in Bous ausgefertigten Akt vom 5. September 1792 über die Auflösung des Klosters:Michael Tritz: Geschichte der Abtei Wadgassen, zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wadgassen 1901 mit einer Einleitung von Hans-Walter Herrmann und einem Register, Saarbrücken 1978, S. 185–190.
Von Bous aus flohen die Mönche zunächst in ihre Propstei nach Ensheim. Hier mussten sie sich schließlich doch trennen. Die Ortsseelsorger des Klosters versorgten im Geheimen ihre Pfarreien weiter. Am 10. Oktober 1793 sendeten Abt Jean Baptiste Bordier und Prokurator Schmidt Kaiser Franz II. eine Bittschrift in der Hoffnung, wieder in den Besitz des Klostergutes zu kommen. Am 30. Juli 1799 starb Bordier im Prämonstratenserkloster Strahov zu Prag, wo er sich seit dem Jahr 1796 aufgehalten hatte, und wurde auf dem Kirchhof von Kleinprag beerdigt. Bordier hatte testamentarisch festgelegt, dass sein gesamtes Vermögen einer eventuellen Wiedergründung des Klosters Wadgassen dienen sollte oder, falls dies nicht am alten Ort möglich sei, eine Klosterneugründung außerhalb des französischen Einflussbereiches auf dem linken Rheinufer geschehen solle. Bei einer französischen Besetzung des gesamten linksrheinischen Gebietes sollte das Geld unter die ehemaligen Wadgasser Klosterbrüder verteilt werden. Als Testamentsvollstrecker wurde der Strahover Abt Wenzeslaus Mayer eingesetzt.
Die Abtei Wadgassen wurde nach der Flucht der Mönche zum Steinbruch. Von dem einstmals mächtigen Hauptgebäudekomplex blieb nur der große Abteihof erhalten. Im Jahr 1843 eröffnete Villeroy & Boch auf dem Gelände eine Kristallglasfabrik. Die Großproduktion wurde im Jahr 1986 eingestellt und die Herstellung der Kristallglasserie „Treveris“ Anfang der 1990er Jahre ganz beendet. Bis zum Jahr 2010 produzierte das Unternehmen noch zu Vorführzwecken Kristallglas. , abgerufen am 12. Februar 2016. , abgerufen am 12. Februar 2016. Seit Oktober 2012 befindet sich auf dem Betriebsgelände ein sogenanntes Factory-Outlet-Center. Gemeinde Wadgassen, abgerufen am 1. September 2011.
Aus der Ensheimer Niederlassung der Abtei Wadgassen ging die Pappmachédynastie Adt hervor. mini|Wadgassen, Outlet-Center auf dem ehemaligen Abteigelände mini|Wadgassen, Pfarrkirche Mariä Heimsuchung
Das Marienpatrozinium der ehemaligen Abteikirche Wadgassen wird heute von der in den Jahren 1880 bis 1882 errichteten neoromanischen Wadgasser Pfarrkirche Mariä Heimsuchung weitergeführt.
Liste der Wadgasser Äbte Wolfram: 1135–1158, I. AbtZur Person vgl. . Feregrinus: 1158–1163, II. AbtZur Person vgl. . Heinrich I.: 1163–1168Zur Person vgl. . Godefried: 1171–1201, III. AbtZur Person vgl. . Helwicus: 1202–1207Zur Person vgl. . Peregrinus: 1207–1218, IV. AbtZur Person vgl. . Reinerus: 1218–1250, V. AbtZur Person vgl. . Heinrich II.: 1250–1269, VI. AbtZur Person vgl. . Nicolaus: 1269–1288, VII. AbtZur Person vgl. . Johannes von Saarbrücken: 1288–1289Zur Person vgl. . Isenbardus: 1289–1301, VIII. AbtZur Person vgl. . Matthäus: 1301–1319, IX. AbtZur Person vgl. . Johannes von Kaiserslautern: 1319–1328, X. AbtZur Person vgl. . Rudolphus: 1328–1339, XI. AbtZur Person vgl. . Virricus: 1339–1353, XII. Abt Reinoldus: 1353–1358, XIII. Abt Gerlac von Randeck: 1358–1381, XIV. AbtZur Person vgl. . Philippus de Flamburn: 1381–1395, XV. AbtZur Person vgl. . Lambert von Forweiler: 1395–1404, XVI. AbtZur Person vgl. . Andreas von Zweibrücken: 1398–1400 (Doppelwahl)Zur Person vgl. . Jean de Lutra: 1404–1427, XVII. Abt Philipp II. von Kaiserslautern: 1427–1453, XVIII. Abt Antonius Jost: 1453–1473, XIX. AbtZur Person vgl. . Jean de Forstweiler: 1473–1478, XX. Abt Paulus Tronz: 1478–1510, XXI. Abt Johann von Tholey: 1510–1525, XXII. Abt Kilian Heilmann: 1525–1540, XXIII. Abt Leonhard Pfalz: 1541–1549, XXIV. Abt Richardus: 1549–1551, XXV. Abt Seifrid: 1551–1571Zur Person vgl. . Adamus Werbel: 1571–1579Zur Person vgl. . Claudius Bisten: 1579–1607Zur Person vgl. . Johann von Berus: 1607–1634Zur Person vgl. . Johannes Livensis: 1634–1636Zur Person vgl. . Philippus Gretsch: 1636–1667Zur Person vgl. . Jean Adami: 1667–1677Zur Person vgl. . Petrus Marx: 1678–1705Zur Person vgl. . Hermann Mertz: 1705–1743Zur Person vgl. . Michael Stein: 1743–1778Zur Person vgl. . Pierre Schmidt: 1778–1783Zur Person vgl. . Jean Baptist Bordier: 1784–1792Zur Person vgl. .Michael Tritz: Geschichte der Abtei Wadgassen, zugleich eine Kultur- und Kriegsgeschichte der Saargegend, unveränderter Nachdruck der Ausgabe Wadgassen 1901 mit einer Einleitung von Hans-Walter Herrmann und einem Register, Saarbrücken 1978, synchronistische Tabelle.Die Liste der Äbte wird von Reinhard Hager aus Völklingen korrigiert werden. Als Quelle hat er vom Prämonstratenser Kloster in Prag die lateinischen Annalen des Klosters Wadgassen von 1135 bis 1742, die der letzte Abt Jean Baptiste Bordier, der übrigens 1799 im Kloster Strahov Prag verstorben ist, zur Verfügung. Bis jetzt habe ich erst bis zum Abt Richardus übersetzt. Die Handschriften des Klosters Strahov sind von verschiedenen Mönchen der Abtei Wadgassen extra für den jeweiligen Abt angefertigt worden. Die Namen der Äbte sind gemalt und kein einziges Wort ist durchgestrichen oder schlecht geschrieben. Bei dieser Quelle handelt es sich um eine Schmuckhandschrift, die sonst nirgends zugänglich ist.
Architektur mini|Panoramabild des Abteihofes mini|Wadgassen, Weiher auf dem ehemaligen Abteigelände
Der erhaltene „Abteihof“ ist das ehemalige Verwaltungsgebäude des Klosters. Der schlichte Barockbau mit Walmdächern stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und wurde von dem Ebernburger Baumeister Bernhard Trabucco geplant und erbaut.Georg Skalecki: Baumeister und Bauhandwerkern beim barocken Neubau der Prämonstratenserabtei Wadgassen. In: Kurtrierisches Jahrbuch 33, 1993, S. 159–175 (in Auszügen ) Er wurde in den 1990er Jahren restauriert und enthält heute das Deutsche Zeitungsmuseum. Erhalten sind außerdem ein Krankenbau und zwei Wirtschaftsgebäude.