Das Alpenvereinsjahrbuch ist eine seit 1949 erscheinende jährliche Publikation des österreichischen, deutschen und Südtiroler Alpenvereins. Es ist der Nachfolger der von 1872 bis 1942 erschienenen Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins. Mit dem Jahrbuch wird die Tradition der alten Zeitschrift fortgeführt, es trägt daher bis heute auf dem Titelblatt diesen Zusatz. Der vollständige Titel beispielsweise der Ausgabe für 2011 lautet Alpenvereinsjahrbuch Berg 2011, Zeitschrift Band 135. Es gibt neben der Redaktion für das Jahrbuch einen Beirat, der aus Vertretern der drei Alpenvereine besteht.

Geschichte Der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein, seit dem Anschluss Österreichs im März 1938 nur noch Deutscher Alpenverein, wurde durch die Alliierten, aufgrund seiner nationalsozialistischen Ausrichtung unter seinem Führer Arthur Seyß-Inquart, 1945 verboten. Der seit 1938 durch die Gleichschaltung nicht mehr eigenständig in Erscheinung tretende Österreichische Alpenverein wurde noch im gleichen Jahr neu gegründet, der DAV durfte sich hingegen erst 1952 neu konstituieren. Das Jahrbuch wurde daher 1949 zunächst allein vom ÖAV herausgegeben, 1951 erschien erstmals eine Ausgabe des DAV, die allerdings bis auf den Titel identisch mit der österreichischen war und als sogenannter Überbrückungsband 1943 - 1951 bezeichnet wurde. Auch alle folgenden Ausgaben des Jahrbuchs wiesen wörtlich den gleichen Inhalt auf.

1970 traten die beiden Vereine wieder gemeinsam als Herausgeber auf. Im Doppeljahrgang 1982/83 schloss sich der Alpenverein Südtirol (AVS) an.

Autoren und Inhalt Neben einigen alten Autoren, wie der Geologe Raimund Klebelsberg, die Fotografin Erika Hubatschek und der Historiker Karl Finsterwalder, die bereits vor 1945 für die Zeitschrift schrieben, traten nun neue auf. Walther Flaig, der spätere Kenner der Bernina, schrieb 1949 in einem schwärmerischen Stil über die RoggspitzeJahrbuch des Österreichischen Alpenvereins, Innsbruck 1949, S. 81 ff. 1950 berichtete der Wegbereiter des Freikletterns Matthias Rebitsch über seine Erstbesteigung der Laliderer-Nordwand im Jahr 1932.Jahrbuch des Österreichischen Alpenvereins, Innsbruck 1950, S. 53 ff. 1951 schrieb Herbert Paidar, seinen letzten Beitrag für das Jahrbuch mit dem Titel Schicksal Himalaja, in dem er über seine Expedition des Jahres 1939 berichtet (Paidar kam im September 1951 durch Steinschlag an der Pallavicini-Rinne am Großglockner ums Leben).

1951 bis 1960 Die nächsten Jahrgänge wiesen einen ähnlichen Inhalt auf wie die alte Vorkriegszeitschrift, eine Mischung aus wissenschaftlichen Abhandlungen, Reiseberichten aus aller Welt, Volkstum und auch Anekdoten. Im Jahrgang 1953 dominierte das Thema Nanga Parbat. Ein Beitrag von Karl Maria Herrligkoffer über die erfolgreiche Expedition zum angeblichen Schicksalsberg der Deutschen, die er als Willy-Merkl-Gedächtnis-Expedition bezeichnete (Willy Merkl verunglückte 1934 bei der gescheiterten Deutschen Nanga-Parbat-Expedition) leitete eine Reihe von umfangreichen Aufsätzen ein. Herrligkoffer beendete seinen Bericht mit den pathetischen Worten, ...setzte somit den Schlußstrich unter den dramatischen Kampf um den deutschen Schicksalsberg im Himalaya – die Deutsch-Österreichische-Willy-Merkl-Gedächtnis-Expedition hatte das Vermächtnis der toten Kameraden erfüllen dürfen.Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins, München 1953, S. 5 ff. 1954 schrieb der Münchner Arzt Karl Leibl über den Höhenschwindel und stellt zu Anfang gleich fest, dass es ein „Tabu“ der Kultur [sei], offen Angst zu zeigen.Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins, München 1954, S. 131 ff. Auch in den folgenden Jahren blieb der Himalaya ein Hauptthema des Jahrbuchs. In der Ausgabe von 1957 erschien als ein Ergebnis der zahlreichen Himalayaexpeditionen seit den 1920er Jahren eine Alpenvereinskarte im Maßstab 1:25.000 mit dem Mount Everest von Erwin Schneider als Beilage zum Jahrbuch. Im gleichen Band berichtet auch Arnold Fanck über seine Arbeit als Regisseur seiner Bergfilme und darüber, wie er 1939 von dem nationalsozialistischen Propagandaminister Joseph Goebbels kaltgestellt wurde und auch nach dem Krieg nicht mehr beruflich Fuß fassen konnte.Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins, München 1957, S. 151 ff. In den nächsten Jahren lag dann der Schwerpunkt bei großen Expeditionen zunächst in Südamerika. Im Jahrgang 1960 standen wieder Kundfahrten, wie Expeditionen im Alpenverein traditionell genannt wurden, in den Himalaya und zum Hindukusch im Mittelpunkt. Der Zoologe Friedrich Schaller beschrieb in der gleichen Ausgabe unter dem Titel Neues vom Gletscherfloh neue Erkenntnisse über den Springschwanz.Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins, München 1960, S. 159 ff.

1961 bis 1970 Schrieben bisher für das Jahrbuch fast ausschließlich Männer, nur während der Kriegszeit durfte die Fotografin Erika Hubatschek einmal publizieren, begann mit Liselotte Buchenauer 1964 eine neue Zeit. Ihr Aufsatz mit dem Titel Drei große Bergsteigerinnen widmete sich der teilweise tragischen Geschichte dreier junger Frauen und Mädchen, die ihren männlichen Kollegen in ihrer bergsteigerischen Leistung nicht unterlegen waren, der slowenischen Alpinistin Mira Marko Debelakova, der 1926 die erste Durchsteigung der Špik-Nordwand gelang, der Österreicherin Grete Rieder, die 1932 als erste Frau den Güntherweg am Hochschwab bestieg und durch einen Wettersturz am Kleinen Buchstein 35-jährig ums Leben kam und Maria Kampitsch, die 1946 mit Kurt Maix die Route Toter Hund am Türlspitz (Schwierigkeitsgrad UIAA VI) bestieg. Sie verunglückte 1956 bei einem Wettersturz in der MeijeJahrbuch des Deutschen Alpenvereins (Alpenvereinszeitschrift, Band 89), München 1964, S. 139 ff. 1967 erschien im Jahrbuch der Vorabdruck des Buches Von der Krinoline zum 6. Grad, von Felicitas von Reznicek, die hier die 400-jährige Geschichte der Bergsteigerinnen umreißt.Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins 1967, München 1967, S. ff. 1969, zum einhundertjährigen Jubiläum des Deutschen Alpenvereins, erschien im Jahrbuch die Festansprache des Theologen, Philosophen und ersten Vorsitzenden des DAV, Ulrich Mann, mit dem Titel DAV – Woher? Wo? Wohin? Ein Aspekt der Rede war die sogenannte Vergangenheitsbewältigung in Hinblick auf die Zeit nach 1933. Der Verein sei immer unpolitisch gewesen. Ab 1933 habe es größte Mühe gekostet, den Verband vor der drohenden politischen Überfremdung zu bewahren; unter mancherlei Gefahren, und nicht ohne notwendige raffinierte Schliche ist dies auch einigermaßen gelungen. Dann weiter: Es ist meine Pflicht, gegenüber nicht wenigen [...], dies objektiv festzustellen. Er beendet das Thema mit dem Satz: Wer es nicht selbst erlebt hat, kann da nicht mitreden.Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins, München 1969, S. 7 ff. Unerwähnt bleibt, neben anderem, der seit den 1920er Jahren bestehende offene Antisemitismus in den meisten Sektionen des Alpenvereins. Wurden im Jahrbuch nur selten leitende Redakteure namentlich erwähnt, erschienen ab der Ausgabe von 1969 regelmäßig die Namen der für die sogenannte Schriftleitung verantwortlichen Autoren im Wechsel zwischen DAV und OeAV. 1970, zum Jahr des europäischen Naturschutzes, steuerte Peter Pernthaler, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Innsbruck, eine Festrede zum Thema Alpenverein und Naturschutz heute bei, in der er ein jähes Erwachen in einer restlos denaturierten Welt befürchtet.Alpenvereinsjahrbuch 1970, Innsbruck, München 1970, S. 5 ff.

1971 bis 1980 Die Umwelt bleibt die ganzen 1970er Jahre hindurch Thema im Jahrbuch. Ulrich Mann behauptet in seinem Aufsatz Erziehung zum Umweltbewußtsein als anthropologisch-ethische Aufgabe, dass der Mensch sich zwar ohne Fortschrittserwartung noch im Stadium des Pithecanthropus erectus befände, aber dennoch durch Transzendenz, Ordnung, Bewahren, was die drei Merkmale konservativen Denkens seien, etwas bewegen könne. Als Beispiel führt er die damaligen Proteste Stockholmer Bürger, besonders der Jugendlichen an, die ganz ohne sozialkritische Töne, die Bäume ihrer Stadt erhalten haben.Alpenvereinsjahrbuch 1973, Innsbruck, München 1973, S. 168 ff. 1975, zur 100. Ausgabe des Jahrbuches, seit Gründung der Zeitschrift, stellt Nils Faarlund die Frage, Bergsteigen – warum?, Renate Katarina Oswald ruft zur Rettung der Wildnis auf und Michael Schweikert schildert Umweltprobleme im Alpenraum.Alpenvereinsjahrbuch 1975, München, Innsbruck 1975, S. 141 ff. Auch in den folgenden Jahren setzt sich die kritische Auseinandersetzung mit dem Alpenverein fort. Ist der Alpenverein auf dem richtigen Weg? fragt Louis Oberwalder und Reinhold Messner liefert einen Beitrag für das Jahrbuch mit einem Bericht über die Südtiroler Andenexpedition 1974 ab. Zahlen zum geringen Anteil der Frauen in führenden Ämtern der Sektionen liefert Richard Grumm in seinem Aufsatz Frauen im Alpenverein und stellt 1976, anlässlich des Internationalen Jahres der Frau 1975 fest, dass Frauen am häufigsten das Amt des Schriftführers, des Schatzmeisters bekleiden und in der Jugendbetreuung tätig sind. Fünf von 42 Artikeln in dieser Ausgabe wurden von Autorinnen verfasst.Alpenvereinsjahrbuch 1976, Innsbruck, München 1976, S. 46 ff. Einen Bericht über die erste Winterbesteigung der Matterhorn-Nordwand in einer reinen Frauenseilschaft veröffentlichte die polnische Bergsteigerin Wanda Rutkiewicz im Jahrbuch 1978, in der auch die Rivalität mit einer gleichzeitig aufsteigenden gemischten japanischen Seilschaft erwähnt wird, die auf die Frage hinauslief, welche Frau als erste auf dem Gipfel stehen wird.Alpenvereinsjahrbuch 1978, Innsbruck, München 1978, S. 153 ff. Ab Mitte der 1970er Jahre gewann das Sport- und Wettkampfklettern im Alpenvereinsjahrbuch eine größere Beachtung. Prägender Autor zu diesem Thema war Reinhard Karl, der mehrere Beiträge verfasste.

1981 bis 1990