Altenhundem ist ein Ortsteil, der zentrale Ort und das Verwaltungszentrum von Lennestadt im Kreis Olpe des Landes Nordrhein-Westfalen. Altenhundem zählte zum 30. Juni 2020 insgesamt 4281 EinwohnerAuskunft der Stadt Lennestadt und ist damit der größte von 43 Ortsteilen der mit der Gebietsreform zum 1. Juli 1969 gebildeten Stadt Lennestadt. Die Einwohneranteile der Senioren und der Ausländer liegen mit 21,7 % bzw. 12,3 % über den Durchschnittswerten des Stadtgebiets. Altenhundem ist ein typischer Eisenbahnerort.

Geografie Der Ort liegt im Sauerland dort, wo das Tal der Hundem auf das Lennetal trifft. Da die beiden Täler sehr eng sind, zieht sich die Bebauung größtenteils an den Hängen der Täler hin, zumal der Talgrund des Hundemtales im Ortsgebiet von ausgedehnten, allerdings heute zum größten Teil stillgelegten Bahnanlagen eingenommen wird.

Lenneaufwärts liegen die Lennestädter Stadtteile Kickenbach, Langenei und Saalhausen, lenneabwärts liegen die Stadtteile Meggen und Grevenbrück. Im Hundemtal grenzt der Ort an die Gemeinde Kirchhundem. Über einen kleinen Pass in der Nähe der Hohen Bracht gelangt man in den Stadtteil Bilstein.

Geschichte mini|Rathaus von Lennestadt Die erste schriftliche Erwähnung Altenhundems befindet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1379 des Graf von Spee’schen Archivs Schloss Ahausen, in der ein „Henneken Pystes Son von Altenhundeme“ erwähnt ist.vgl. Günther Becker: Altenhundem – vom Bauerndorf zum Zentrum von Lennestadt. In: Schützenverein Altenhundem 1861 e. V. (Hrsg.): 1861–2011, 150 Jahre Schützenverein Altenhundem. Lennestadt-Altenhundem 2010, S. 28. Der Ortsname beruht auf dem Gewässernamen Hundem. Eine Bezugnahme auf das germanische „hunda“ für „schwellend“ führt zu dem möglichen Namensinhalt „schwellender Bach“. Das dem Ortsnamen vorangestellte „Alten-“ dürfte darauf hindeuten, dass es sich im Vergleich zu Kirchhundem und Oberhundem um die älteste der drei Siedlungen handelt.vgl. Michael Flöer: Die Ortsnamen des Kreises Olpe. Westfälisches Ortsnamenbuch (WOB), Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2014, S. 138–141

Frühe Anhaltspunkte über die Größe des Ortes ergeben sich aus einem Schatzungsregister (diente der Erhebung von Steuern) aus dem Jahr 1543. Demnach gab es in „Alten Hundeman“ seinerzeit 25 Steuerpflichtige, deren Anzahl in etwa mit der Zahl der vorhandenen Häuser übereingestimmt hat. Altenhundem dürfte um 1530 bis 1540 damit etwa 150 Einwohner gehabt haben. In den folgenden 300 – 400 Jahren ist die Bevölkerung nur mäßig gewachsen. Dies lag an der hohen Kindersterblichkeit, todbringenden Krankheiten wie insbesondere der Pest und auch an dem kargen Nahrungsangebot bzw. Erträgen der Landwirtschaft.

Ein gewisser Strukturwandel im bisher landwirtschaftlich geprägten Ort zeichnete sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts ab. Im Jahr 1783 erhielten die Gebrüder Berg die bergamtliche Erlaubnis, an der Hundem zwischen Altenhundem und Kirchhundem zwei Stabeisenhämmer anzulegen. Die Ära der Hammerwerke in Altenhundem endete nach mehrfachem Betreiberwechsel in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1931.vgl. Günther Becker: Altenhundem – vom Bauerndorf zum Zentrum von Lennestadt. In: Schützenverein Altenhundem 1861 e. V. (Hrsg.): 1861-2011, 150 Jahre Schützenverein Altenhundem. Lennestadt-Altenhundem 2010, S. 30, 31

Mit der Säkularisation im Jahr 1803 fiel das ehemals zum kurkölnischen Amt Bilstein gehörende Altenhundem zunächst mit dem Herzogtum Westfalen an den Großherzog von Hessen-Darmstadt, der es aber 1816 zusammen mit dem Herzogtum Westfalen an den König von Preußen abtreten musste. Das Herzogtum Westfalen wurde in die 1815 geschaffene Provinz Westfalen eingegliedert, diese ging 1946 in das Land Nordrhein-Westfalen ein.

In den 1840er Jahren erfolgten der Ausbau der Lennetal-Straße von Altena über Grevenbrück, Altenhundem, Welschen Ennest bis Krombach und die Inbetriebnahme der Provinzialstraße von Altenhundem nach Schmallenberg.Günther Becker, Hans Mieles: Bilstein. Land Burg und Ort. Beiträge zur Geschichte des Raumes Lennestadt und der ehemaligen Herrschaft Bilstein. Lennestadt 1975, S. 58, 236

In wirtschaftlicher Hinsicht war im Jahre 1861 die Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke im Sauerland, der sogenannten Ruhr-Sieg-Strecke von Hagen über Altenhundem nach Siegen, von besonderer Bedeutung. 1887 folgte die Eröffnung der Nebenbahn lenneaufwärts nach Schmallenberg, 1914 der Strecke nach Erndtebrück. Altenhundem war damit zu einem bedeutenden Bahnknotenpunkt geworden.Stadtmarketing Lennestadt e. V. (Hrsg.): Lennestadt. Ein Platz zum Leben. Lennestadt 2008, S. 136, 137 Im Jahr 1899 waren bei der Bahnhofstation, der Güterabfertigung und der Betriebswerkstätte bereits insgesamt 302 Männer beschäftigt. Die Einwohnerzahl von Altenhundem insgesamt stellte sich im Jahr 1899 auf 2055 und war damit innerhalb von 40 Jahren um 1400 gestiegen. Der Ausbau des Bahnhofs Altenhundem mit der Errichtung eines Lokschuppens, eines Lokstandes mit Drehscheibe und einer Betriebswerkstatt war im Jahr 1927 abgeschlossen. Die Ära des „Eisenbahnerdorfes“ endete im Jahr 1965 mit der Schließung des Bahnbetriebswerkes. Hauptursache war die Elektrifizierung der Ruhr-Sieg-Strecke und damit das Ende der Dampflokzeit.vgl. Günther Becker: Altenhundem – vom Bauerndorf zum Zentrum von Lennestadt. In: Schützenverein Altenhundem 1861 e. V. (Hrsg.): 1861-2011, 150 Jahre Schützenverein Altenhundem. Lennestadt-Altenhundem 2010, S. 40, 51, 74

Der Bau einer öffentlichen Ortswasserleitung erfolgte im Jahr 1895; angeschlossen wurden 155 Häuser mit 1450 Einwohnern. Die Versorgung Altenhundems mit Licht- und Kraftstrom sowie einer elektrischen Straßenbeleuchtung konnte 1901 realisiert werden, In den Jahren 1928/29 wurden umfangreiche Straßenbauarbeiten für die Haus- und Straßenentwässerung durchgeführt.vgl. Günther Becker: Altenhundem – vom Bauerndorf zum Zentrum von Lennestadt. In: Schützenverein Altenhundem 1861 e. V. (Hrsg.): 1861-2011, 150 Jahre Schützenverein Altenhundem. Lennestadt-Altenhundem 2010, S. 39, 41, 52

Die Zuwanderungen, aber auch die Belange der Unternehmen und der Facharbeiter erforderten einen Ausbau des Schulwesens. Im Jahr 1911 wurde in Altenhundem eine Rektoratschule eingerichtet, die allerdings erst ab 1921 auch Mädchen aufnahm. Diese Schulform bereitete auf den Besuch des Gymnasiums (seinerzeit in Olpe bzw. Attendorn), einen kaufmännischen Beruf oder eine Tätigkeit in der Verwaltung vor.Stadtmarketing Lennestadt e. V. (Hrsg.): Lennestadt. Ein Platz zum Leben. Lennestadt 2008, S. 138 ff.

Zum 15. Oktober 1913 zählte Altenhundem 2930 Einwohner, davon war ein Anteil von 3,1 % 65 Jahre und älter. Dagegen betrug der Anteil der Rentner zum 30. Juni 2010 18,8 % und war damit wesentlich höher.Günther Becker: Altenhundem – vom Bauerndorf zum Zentrum von Lennestadt. In: Schützenverein Altenhundem 1861 e. V. (Hrsg.): 1861-2011, 150 Jahre Schützenverein Altenhundem. Lennestadt-Altenhundem 2010, S. 46, 47

mini|Aussichtsturm Hohe Bracht (errichtet 1929/30)

Für den Tourismus in Altenhundem und Umgebung war die Errichtung des Aussichtsturms auf der Hohen Bracht in den Jahren 1929/30 von großer Bedeutung. Die Eröffnungsfeier am 12. Oktober 1930 war die erste Außenübertragung des Westdeutschen Rundfunks.50 Jahre Hohe Bracht. Schriftenreihe des Kreises Olpe Heft 1,Olpe 1980, S. 30 Die Hohe Bracht ist das Ziel vieler Wanderer und wegen ihrer Höhenlage auch für den Wintersport geeignet.

Neben der Errichtung des Aussichtsturms zählten auch der Bau der Zufahrtsstraße zur Hohen Bracht und der Verbindungsstraße Bilstein – Altenhundem zu den wichtigen Beschäftigungsmaßnahmen in der wirtschaftlichen Notzeit 1926 bis 1928. Eine denkmalgeschützte rechteckige Stele aus Sandstein an der Hohe-Bracht-Straße in Bilstein erinnert daran (siehe auch Liste der Baudenkmäler in Lennestadt Denkmal Nr. 9). Die Straße Bilstein-Altenhundem verbindet auch das Hundem- mit dem Veischedetal.

Die Ausschreitungen gegen die jüdischen Mitbürger in der Zeit des Nationalsozialismus richteten sich im Jahre 1938 gegen die Angehörigen der Familien Neuhaus und Winter. Hieran erinnern Stolpersteine, siehe auch den Beitrag Lennestadt. Aus der katholischen Pfarrgemeinde verloren mehr als 145 Soldaten ihr Leben, im Sterberegister der evangelischen Gemeinde sind 11 Gefallene verzeichnet. Nach einer Statistik aus August 1945 wurden von 390 Wohnhäusern (Stand 1939) 26 Häuser völlig zerstört, 45 wurden schwer beschädigt und 111 Gebäude mittelmäßig bis leicht.Günther Becker: Altenhundem – vom Bauerndorf zum Zentrum von Lennestadt. In: Schützenverein Altenhundem 1861 e. V. (Hrsg.): 1861-2011, 150 Jahre Schützenverein Altenhundem. Lennestadt-Altenhundem 2010, S. 60, 61 u. 64 mini|Luftbild Kloster und Gymnasium Maria Königin (errichtet 1957/58) Am 2. April 1946 verließen die Besatzungstruppen Altenhundem, die beschlagnahmten Wohnhäuser und sonstigen Gebäude (z. B. Sauerlandhalle und Fabrik Tobüren) wurden freigegeben. Ein wichtiger Neubeginn auf kulturellem Gebiet war die Gründung eines Kulturrings mit der späteren bzw. heutigen Bezeichnung „Kulturgemeinschaft Hundem-Lenne“; auf dem Programm stehen Gastspiele namhafter Tournee-Theater. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs erreichte Altenhundem im Oktober 1948 bereits 4488 Einwohner.Günther Becker: Altenhundem – vom Bauerndorf zum Zentrum von Lennestadt. In: Schützenverein Altenhundem 1861 e. V. (Hrsg.): 1861-2011, 150 Jahre Schützenverein Altenhundem. Lennestadt-Altenhundem 2010, S. 68, 69 u. 71

In den Jahren 1957/58 wurde das Kloster Maria Königin durch den Orden der „Missionare von der Heiligen Familie“ errichtet. Aus der mit dem Kloster verbundenen Missionsschule ging 1967 das heute unter privater Trägerschaft geführte Gymnasium Maria Königin hervor (siehe Hauptbeitrag Kloster und Gymnasium Maria Königin).

Am 1. Juli 1969 wurde Altenhundem im Zuge der Gebietsreform im Kreis Olpe ein Ortsteil der neu gegründeten Stadt Lennestadt. Der Vorschlag des Kreistags hatte zunächst vorgesehen, nach der kommunalen Neuordnung ein Amt Lennestadt mit den weitgehend selbstständigen Gemeinden Altenhundem, Grevenbrück und Kirchhundem zu erhalten. Diese Lösung fand im Landtag aber keine Mehrheit. Als größter Ortsteil erhielt Altenhundem den Verwaltungssitz der neu gegründeten Stadt.

Die Folgeabschnitte enthalten weitere geschichtliche Daten zu den beiden Kirchengemeinden, öffentlichen Einrichtungen sowie den städtebauliche Maßnahmen nach der Gebietsreform im Jahr 1969.

Öffentliche und karitative Einrichtungen mini|Haupteingang St.-Josefs-Hospital In Altenhundem befindet sich das in den 1970er-Jahren nach der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen erbaute Rathaus der neu gebildeten Stadt Lennestadt.

Weiterhin gibt es im Ort ein Krankenhaus, das St.-Josefs-Hospital. Mit dem Gymnasium der Stadt Lennestadt und einer Berufsschule, die ein Zweig des Berufskollegs Olpe ist, gibt es hier auch ein Angebot an weiterführenden Schulen. Im Kloster Maria Königin oberhalb des Ortes wird dieses Angebot durch ein privates Gymnasium ergänzt. An der Ruhr-Sieg-Strecke befindet sich der neu gestaltete Bahnhof Lennestadt-Altenhundem.

Als eines der ersten Hospize dieser Art in Deutschland wurde 1991 von Vertretern des Sozial- und Gesundheitswesens und der Kirchen das von einem Verein getragene St.-Elisabeth-Hospiz eingerichtet. Die Mitarbeiter des Hospizes begleiten sterbenskranke Menschen (unabhängig von deren Religion) und sorgen gemeinsam mit Therapeuten, Ärzten und Seelsorgern für eine bestmögliche Lebensqualität bis zu deren Lebensende.Stadtmarketing Lennestadt e. V. (Hrsg.): Lennestadt. Ein Platz zum Leben. Lennestadt 2008, S. 63

Religion

Katholische Kirche mini|hochkant|Außenansicht St. Agatha