Die Oiscingas (auch Oiscinger, Æscingas, altenglisch für „Nachfahren des Oisc“) waren das Königsgeschlecht des angelsächsischen Königreiches Kent. Sie benannten sich nach Oeric, der den Beinamen Oisc trug.Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum. 2,5. Die Dynastie herrschte vom 5. bis ins 8. Jahrhundert.J. Insley: Oiscingas. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 22, de Gruyter, 2002, ISBN 3-11-017351-4, S. 33–38.

Genealogie Mythische Herkunft Ob Hengest und Horsa historische Personen waren, gilt als „offene Frage“. Auch Oiric und Ohta sind, zumindest in Hinblick auf ihre Taten, als eher mythisch einzustufen. Die geschichtliche Zeit beginnt mit Eormenric.Nicholas Brooks: Anglo-Saxon Myths: State and Church, 400–1066. Hambledon & London, 1998, ISBN 0-8264-5792-4, The Kentish Origin Myth. S. 37–46.

Einige Historiker halten diese Genealogie für eine frühe Verquickung zweier Überlieferungen. Spätere Könige wollten ihre Herkunft auf Hengest, den „Gründungsvater“ Kents, zurückführen. Dennoch nannte sich die Dynastie nach Oeric/Oisc, mit dem auch die folgenden Königsnamen alliterieren, was darauf hindeutet, dass die Abstammung von Hengest wohl unhistorisch in die Oiscinga-Linie eingereiht wurden.Seiichi Suzuki: The Quoit Brooch Style and Anglo-Saxon Settlement: A Casting and Recasting of Cultural Identity Symbols. Boydell, 2000, ISBN 0-85115-749-1, S. 111–121. Beda Venerabilis’ Historia ecclesiastica gentis Anglorum und die Angelsächsische Chronik weisen gegenüber der Anglian Collection und Nennius’ Historia Brittonum für Oeric und Ohta sowie für Wecta/Wægdæg und Witta eine umgekehrte Reihenfolge auf, worin unterschiedliche Überlieferungstraditionen bzw. verschiedene Ursprungsmythen gesehen werden. Ein weiterer Hinweis auf einen doppelten Ursprung ist die in der Angelsächsischen Chronik berichtete zweimalige Thronbesteigung Oerics: 455 mit seinem „Vater“ Hengest und 488 als alleiniger König.

Der Geograph von Ravenna (7. Jahrhundert) nannte einen princeps (etwa „Fürst“) Ansehis, der die „Sachsen“ nach Britannien geführt haben soll. Möglicherweise erhielt Oeric seinen Beinamen Oisc, der etymologisch mit Ansehis verwandt ist, um ihn nachträglich mit dem mythischen Gründer zu identifizieren.

Könige sind durch Fettschrift hervorgehoben. Geat (Gautr) Godwulf Finn Frithuwulf FrithowaldNennius: Historia Brittonum Kap. 31., FrealafAnglian Collection Wodan Wecta (Vecta, Wægdæg) Witta Wihtgils (Victgilsus) Horsa, 455 Hengest, 455–488 Renwein ⚭ Vortigern Name unbekannt (Vater/Mutter des Ebissa) Ebissa (Neffe des Ohta)Nennius: Historia Brittonum. Kap. 38. Anmerkung: Bei Nennius ist das Vater-Sohn Verhältnis zwischen Oeric und Ohta vertauscht. Oeric (Œric, Oisc, Aesc, Æsc), 488–512 Ohta (Ochta, Ocga), 512–522/539 Eormenric, 512/522/539?–um 560/585

Historische Dynastie Die Stellung der Könige Eanmund (um 764–765?), Heahberht (um 765–?), Ecgberht II. (764–779/784), Eadberht III. Præn (796–798) und Baldred (um 821–um 825) im Stammbaum ist unbekannt.R. H. Hodgkin: A History of the Anglo-Saxons. 2 Bände, Clarendon, Oxford 1935, S. 76. Könige sind durch Fettschrift hervorgehoben. Eormenric, 512/522/539?–um 560/585 Ricola ⚭ Sledda, König von Essex Æthelberht I., 560/585–616 ⚭I. Bertha ⚭II. Name unbekannt (I) Æthelburg ⚭ Edwin, König von Northumbria (I?) Eadburh, Äbtissin von Lyminge (legendenhaft) (?) (I)Eadbald, 616–640 ⚭I. Name unbekannt (Stiefmutter) ⚭II. Emma (auch Æmma oder Ymme)D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, London 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 25. (II) Ecgfrith (Egfrido)S 6 – Egfrido anglo-saxons.net. (II) Eanswith (auch Eansuuitha, Eanswiðe; legendenhaft), Heilige in Prosopography of Anglo-Saxon England (PASE);vgl.: John von Tinmouth: De sancta Eanswida virgine et abbatissa, 14. Jahrhundert (II) Eormenred (Ermenred) ⚭ OslavaKings of Kent in Foundation for Medieval Genealogy Æthelred († 664/673)D. P. Kirby: The Earliest English Kings, Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 37., Heiliger Æthelberht († 664/673), Heiliger Eormenburg (auch Domneva, Æbbe, Eafe), Heilige ⚭ Merewalh, Unterkönig der MagonsæteD. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 36.Eormenburg und Æbbe (Eafe) werden zum Teil als identische, zum Teil als unterschiedliche Personen dargestellt. siehe: Mary Dockray-Miller: Motherhood and mothering in Anglo-Saxon England. Palgrave Macmillan, 2000, ISBN 0-312-22721-3, S. 19. Ætheldryth, Heilige Eormengyth, Heilige Oswine (688–690/691) Eltern unbekannt, vermutlich ein Nachfahre (Enkel ?) EormenredsD. P. Kirby: The Earliest English Kings, Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 103. Eadburh, Äbtissin von Thanet, Eltern unbekannt, vermutlich Tochter von Æthelberht oder EormengythMary Dockray-Miller: Motherhood and Mothering in Anglo-Saxon England. Palgrave Macmillan, 2000, ISBN 0-312-22721-3, S. 31. (II) Earconberht I., 640–664 ⚭ Seaxburg Eorcengota Eormenhild ⚭ Wulfhere, König von Mercia Hlothhere, 673–685 Ecgberht I., 664–673 Eormenhild („Hermelinda“, unsicher) ⚭ Cunincpert, König der Langobarden Eadric, 685–686/687 (Usurpator) Wihtred, 690/691–725 ⚭I. Cynegyth ⚭II. Æthelburg ⚭III. Wærburg Æthelberht II., 725–762 Eadberht II., 762–um 764, (unsicher)evtl. Sohn oder Enkel von Æthelberht II. siehe: Julia Barrow, Andrew Wareham (Hrsg.): Myth, Rulership, Church and Charters: Essays in Honour of Nicholas Brooks, Ashgate, 2008, ISBN 978-0-7546-5120-8, S. 77. oder Sohn von Wihtred, siehe: D. P. Kirby: The Earliest English Kings. Routledge, 2000, ISBN 0-415-24211-8, S. 112. Ealric, 725–725? Eadberht I., 725–748 Eardwulf, 748?–vor 762

Literatur J. Insley: Oiscingas. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 22: Östgötalag – Pfalz und Pfalzen. de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017351-4, S. 33–38. Nicholas Brooks: Anglo-Saxon Myths: State and Church, 400–1066. Hambledon Press, London 1998, ISBN 978-1-85285-154-5.

Quellen Geoffrey von Monmouth: History of the Kings of Britain. Buch 8 (Volltext [Wikisource]) Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum. Online im Medieval Sourcebook (englisch).

Nennius: Historia Brittonum. Medieval Sourcebook (englisch).

Weblinks Anglian Collection. Kings of Kent in Foundation for Medieval Genealogy

Einzelnachweise

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