Die Herren von Waldeck waren ein Adelsgeschlecht, das im 12. Jahrhundert im Südschwarzwald nachgewiesen ist.
Der umfangreiche Besitz der Familie vor allem im Kleinen Wiesental mit den Burgen Alt-Waldeck und Neu-Waldeck und im Oberen Wiesental geht wahrscheinlich auf ihre Abstammung von einem Zweig der Hessonen zurück. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts schenkten zwei Zweige der Familie den Großteil ihres Besitzes an das Kloster St. Blasien und das Bistum Basel, die mutmaßlich letzte urkundliche Erwähnung eines Familienmitgliedes datiert aus dem Jahr 1166.
Geschichte Das wahrscheinlich älteste bekannte Familienmitglied der Herren von Waldeck war Wernher, der als Edelherr in einer Urkunde von 1168Urkundenbuch St. Blasien, Nummer 215 erwähnt wird. Die Urkunde bezieht sich allerdings auf deutlich in der Vergangenheit liegende Rechtsgeschäfte, Wernher dürfte vor oder um 1050 geboren sein. Gemäß der Urkunde war er gemeinsam mit drei anderen Adligen (Eberhard von Eichstetten, Adilgoz von Wehr und Seliger von Grenchen) Mitglied einer Erbengemeinschaft, die das Gebiet um Schönau im oberen Wiesental unter sich aufgeteilt hatte. Wahrscheinlich waren die vier genannten Adeligen alle Söhne oder Schwiegersöhne eines Erblassers, der die Erschließung und Rodung des Gebietes vorangetrieben hatte.Schubring, Tegernau, das Kleine Wiesental und das Obere Wiesental vor 900 Jahren, S. 15 Aus derselben Urkunde ergibt sich, dass Wernher von Waldeck einen Bruder namens Liutfried hatte. Über Liutfried kam ein Teil seines Besitzes in Schönau an dessen Sohn Walcho von Waldeck. Da dieser aber nur einen Teil von Wernhers ursprünglichem Anteil erhielt, könnte Wernher noch einen weiteren Bruder oder einen Sohn gehabt haben. Denkbar ist aber auch, dass Liutfried einen weiteren Sohn hatte.Maurer, Die Herren von Waldeck, S. 127ff. Der wahrscheinlichere Fall ist, dass Wernher einen Sohn hatte, für den Überlegungen aufgrund von lokalen Ortsnamen ebenfalls den Namen Wernher nahelegen. Die Familie könnte in diesem Fall in eine durch den älteren Wernher begründete ältere Linie und eine durch Liutfried begründete jüngere Linie aufgeteilt werden, die Aufteilung erfolgte wohl zugleich mit der Aufteilung bei Rodungs- und Erschließungsvorgängen.Schubring, Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals, S. 50f.
Walcho von Waldeck wurde 1113 mehrfach urkundlich erwähnt. Am 7. April schenkte er mit Zustimmung seiner Frau Mechtild und seines Sohnes Gerung fast seinen gesamten Besitz dem Kloster St. Blasien. Genannt wurden Besitzungen und Güter in Hägelberg, Tüllingen, Riehen, Wenkenhof, Leidikon, Obernbasel, Brombach, Blansingen, Rheinweiler, Welmlingen, Efringen, Fahrnau, Raitbach, Atzenbach, Hepschingen, Schönau, Ried, Gresgen, Schweigmatt, Hügelheim, Ebingen, Tailfingen und Neuweiler. Lediglich in Steinen behielt sich Walcho 3 Jucharte vor.Die eigentliche Urkunde ist nicht mehr vorhanden, es bestehen lediglich Abschriften einer deutschen Übersetzung; für diese siehe unter anderem Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 2, 1851, S. 194 () oder das Urkundenbuch St. Blasien, Urkunde Nr. 95. Vgl. Nils Widmer: Erste Erwähnung Riehens. In: Gemeinde Lexikon Riehen. Ebenfalls an das Kloster St. Blasien kam Besitz Walchos in Schönau, wobei nicht ganz klar ist, ob dies in der Urkunde vom 7. April 1113 schon enthalten ist oder ob in zeitlicher Nähe noch eine weitere Schenkung getätigt wurde. Die Urkunde selbst gibt Walchos Frömmigkeit und Gottesfürchtigkeit als Grund für seine Schenkung an, und aus späteren Urkunden ergibt sich, dass Walcho wahrscheinlich bei dieser Schenkung als Laienbruder ins Kloster eintrat.Maurer, Die Herren von Waldeck, S. 122; Schubring, Tegernau, das Kleine Wiesental und das Obere Wiesental vor 900 Jahren, S. 11, Waldschütz, Walcho von Waldeck, S. 102 und 105 Er erschien 1113 nochmals als Zeuge bei der Weihe des Klosters St. PeterMaurer, Die Herren von Waldeck, S. 123 und starb wohl vor 1126.Schubring, Tegernau, das Kleine Wiesental und das Obere Wiesental vor 900 Jahren, S. 11 Noch vor seiner Schenkung, im Februar 1113, ist außerdem ein „Walcho von Staina“ als Zeuge bei einer Schenkung belegt. Die äußeren Umstände dieser Schenkung und Walchos Besitz in Steinen lassen vermuten, dass dieser identisch mit Walcho von Waldeck war.Maurer, Die Herren von Waldeck, S. 124 Über Walchos Sohn Gerung ist wenig bekannt. Eine spätere sanblasische Quelle besagt, sein Verbleib sei nicht bekannt, doch erscheint ein Mönch Gerung 1130 und 1141 als Zeuge in Urkunden des Klosters St. Blasien. Möglicherweise ist Gerung also auch in das Kloster eingetreten, und zwar als Vollmönch und nicht als Konverse wie sein Vater.Maurer, Die Herren von Waldeck, S. 122 und Anmerkung 27, Schubring, Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals, S. 50f.
Walchos Schenkung führte jedoch schon 1113/14 zu Rechtsstreitigkeiten, denn der Pfarrer von Tegernau im Kleinen Wiesental erhob Zehntansprüche auf die um Schönau im Oberen Wiesental gelegenen Güter, die nun dem Kloster St. Blasien gehörten. Im Dezember 1114 unterlag der Pfarrer von Tegernau, doch der Rechtsstreit wurde weitergeführt und erst 1168 endgültig durch einen Vergleich entschieden.Schubring, Tegernau, das Kleine Wiesental und das Obere Wiesental vor 900 Jahren, S. 13
1139 erschienen mit Trutwin und Heinrich von Waldeck zwei weitere Familienangehörige als Zeugen in einer Urkunde. Beide wurden außerdem 1149 in einer Urkunde König Konrads III. erwähnt, die dem Bistum Basel den Besitz der ihm von Trutwin und Heinrich geschenkten Burgen Alt- und Neu-Waldeck bestätigte. Diese Schenkung erfolgte wohl um 1147, wobei die Schenker die Burgen vielleicht sofort wieder vom Bistum zu Lehen erhielten. Trutwin erschien als Zeuge außerdem noch etwa 1147, Heinrich mutmaßlich nochmals 1166 als Vogt der Kirche von Tegernau. Trutwin und Heinrich können wahrscheinlich als Brüder angesehen werden sowie als Enkel des urkundlich nicht fassbaren jüngeren Wernher. Mit ihnen scheint auch die ältere Linie des Geschlechts ausgestorben zu sein.Maurer, Die Herren von Waldeck, S. 124ff., Schubring, Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals, S. 51 Insgesamt können die folgenden Generationen der Familie angenommen werden:Schubring, Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals, S. 52
Besitz und Herkunft mini|500px|Besitz der Herren von Waldeck Der von Walcho von Waldeck 1113 geschenkte Besitz lag fast gänzlich im heutigen Landkreis Lörrach und hatte einen Schwerpunkt im Kleinen und Oberen Wiesental, Teile lagen aber auch im Altsiedelland in Rheinnähe. Etwas abseits lagen Güter in den drei im heutigen Zollernalbkreis gelegenen Orten Tailfingen, Ebingen und Neuweiler. Der Besitz von Trutwin und Heinrich von Waldeck wird bei ihrer Schenkung an das Bistum Basel nicht genau erwähnt; die beiden Burgen Alt- und Neu-Waldeck standen jedoch ebenfalls im Kleinen Wiesental, und die mutmaßliche Vogtei Heinrichs über die Kirche in Tegernau legt nahe, dass diese und mit ihnen auch Dorf und Gericht ebenfalls ihnen gehörten. Denkbar wäre außerdem weiterer Besitz in Gresgen.Schubring, Tegernau, das Kleine Wiesental und das Obere Wiesental vor 900 Jahren, S. 18ff. Insgesamt gehörten die Herren von Waldeck damit wahrscheinlich „zu den wohlhabenderen Familien im südlichen Breisgau“.Waldschütz, Walcho von Waldeck, S. 104 Die Besitzschwerpunkte legen nahe, dass die jüngere Linie um Liutfried und Walcho vor allem die Kolonisation des Oberen Wiesentals vorantrieb, während die ältere Linie sich mehr auf das Kleine Wiesental konzentrierte.Schubring, Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals, S. 50
Die geographische Verteilung des Besitzes von Walcho, mit vereinzelten Gütern im Altsiedelland und bei Albstadt und einer Konzentration im Kolonisationsgebiet des Südschwarzwalds legt eine Abstammung von den Hessonen (auch „Hesso-Dietrich-Sippe“ oder „Hesso-Lampert-Sippe“) nahe. Die offenbare Verwandtschaftsbeziehung mit den Herren von Eichstetten bekräftigt dies noch weiter.Maurer, Die Herren von Waldeck, S. 131ff. Daneben liegen offenbar auch Verbindungen zu den Habsburgern vor: Wie auch Walcho von Waldeck hatte ein Rudolf von Habsburg im 11. Jahrhundert Besitz sowohl bei Ebingen und Tailfingen als auch im südlichen Breisgau. Der Name Wernher findet sich außerdem zum gleichen Zeitpunkt im Namensgut beider Familien.Schubring, Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals, S. 50
Besitznachfolger der Familie nach ihrem Aussterben waren natürlich die beiden beschenkten kirchlichen Institutionen St. Blasien und Basel. Noch verbliebener, von den Schenkungen nicht betroffener Besitz könnte außerdem an die Röttler und hier vor allem an ihre Seitenlinie der Rotenberger gekommen sein.Otto Konrad Roller: Die Geschichte der Edelherren von Rötteln. (= Blätter aus der Markgrafschaft Schopfheim Jahrgang 1927). Schopfheim 1927, S. 8f.; Maurer, Die Herren von Waldeck, S. 133f. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um Herrschaftsrechte in Gresgen und die um Tegernau gelegenen Besitzungen mit mehreren Weilern und Dorf, Dinghof und Kirchenvogtei Tegernau, vielleicht auch die Burgen Neu- und Altwaldeck mit Zubehörden als Basler Lehen. Wie genau die Herren von Rötteln zu Erben der Waldeckern wurden, ist noch unklar. Zwar gehen beide Familien auf die Hesso-Dietrich-Sippe zurück, doch dies allein würde ein Erben der Röttler wahrscheinlich nicht erklären, eine spätere Heiratsverbindung der beiden Familien ist deswegen wahrscheinlich; Auch erscheinen die letzten Waldecker Herren Trutwin und Heinrich mehrmals als Zeugen mit Dietrich von Rötteln. Wenn es eine Heiratsverbindung gab, geschah sie wahrscheinlich noch bevor sich die Röttler in die gleichnamige Hauptlinie und die Seitenlinie derer von Rotenberg aufteilten; der ererbte Besitz im Kleinen Wiesental kam dann bei dieser Linienteilung offenbar zum größten Teil an die Rotenberger.Schubring, Die endgültige Erschließung des Kleinen Wiesentals, S. 52 und 58–61 Kleinere Reste des waldeckischen Besitzes bei Schönau könnten darüber hinaus an das Kloster St. Trudpert im Münstertal gekommen sein.Maurer, Vom Viertel bis zum Vierundzwanzigstel, S. 130, Albrecht Schlageter: Besiedlungsgeschichte im Umfeld des Belchen. Mit Anhang: Der Nonnenmattweiher. In: LfU (Hrsg.): Der Belchen. Geschichtlich-naturkundliche Monographie des schönsten Schwarzwaldberges, Natur und Landschaftsschutzgebiete Baden-Württemberg 13, Karlsruhe 1989, S. 87–125, hier S. 97f.
Die Herren von Waldeck im lokalen Machtgefüge