Die FDP Niedersachsen ist der Landesverband der Freien Demokratischen Partei im Bundesland Niedersachsen. Seit 2022 befindet sie sich in der außerparlamentarischen Opposition.
Geschichte Nachkriegsjahre von 1945 bis 1962 mini|hochkant|Stellvertretender Ministerpräsident und Verkehrsminister von 1946 bis 1947: Theodor Tantzen
Die FDP in der Britischen Besatzungszone wurde vor Gründung des Landes Niedersachsen am 7. und 8. Januar 1946 in Opladen gegründet. Der FDP-Landesverband Niedersachsen entstand durch den Zusammenschluss der Landesverbände Braunschweig, Hannover und Oldenburg am 28. Mai 1947. Mitglieder waren oftmals vorherige Mitglieder liberaler Parteien wie der DDP und der DVP. In den Gründungstagen des Landes Niedersachsen war die Ausrichtung der FDP eher nationalliberal;Matthias Kortmann: Die Geschichte der FDP auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 30. August 2011.Jürgen Dittberner: Die FDP. Geschichte, Personen, Organisation, Perspektiven. Eine Einführung. 2., überarbeitete und aktualisierte Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17494-5, S. 35. liberale Hochburgen im Land waren damals Oldenburg, Ostfriesland und Göttingen.Birgit Pollmann: Niedersachsen in Geschichte und Gegenwart. Herausgegeben von der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, Hannover 1979, S. 39.
Die FDP Niedersachsen war vom 23. August bis zum 25. November 1946 im Kabinett Kopf des Landes Hannover mit dem geschäftsführenden Wirtschafts- und Verkehrsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Wilhelm Heile vertreten. Sie stellte 6 von 73 Abgeordneten im Landtag des Landes Hannover. Im ernannten Landtag des Landes Oldenburg stellte die FDP 16 von 54 Abgeordneten. Der FDP-Politiker Theodor Tantzen wurde am 24. April 1945 im Land Oldenburg Ministerpräsident. Am 23. November 1946 endete seine Amtszeit. In dem ernannten Landtag des Landes Braunschweig, das vom 21. Februar 1946 bis zum 21. November 1946 bestand, stellte die FDP 3 von 63 Abgeordneten. Mit der Gründung des Landes Niedersachsen im Spätherbst 1946 aus den ehemaligen Ländern Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe wurde ein neuer Landtag ernannt. Dort stellte die FDP 8 von 63 Abgeordneten. Im Kabinett Kopf I stellte sie mit Theodor Tantzen den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Verkehrsminister vom 25. November 1946 bis zum 11. Januar 1947. Der FDP-Politiker Ernst Martens wurde neuer Verkehrsminister. 1946 wurde Walther Hasemann zum Vorsitzenden der niedersächsischen FDP gewählt.
Die FDP zog bei der ersten Wahl zum Niedersächsischen Landtag 1947 mit einem Ergebnis von 8,8 % und 13 Sitzen in den Landtag ein und stellte mit Johann Albers einen Minister im Allparteien-Kabinett Kopf II. Ab 1948 (Kabinett Kopf III) blieb sie in der Opposition. 1949 löste Artur Stegner den Landesvorsitzenden Walther Hasemann ab. Bei der Landtagswahl 1951 erzielte die FDP mit einem Ergebnis von 8,3 % leichte Verluste und zog mit 12 Abgeordneten in den niedersächsischen Landtag. An der Regierung Kopf IV blieb die FDP unbeteiligt. 1954 wurde Joachim Strömer neuer Landesvorsitzender.
Die Zeit war geprägt von Flügelkämpfen zwischen dem linksliberalen Flügel, auch als Alt-Liberale bezeichnet und dem in Niedersachsen vorherrschenden nationalliberalen Flügel, auch Neu-Liberale genannt. Im Sommer 1953 wurde von linksliberalen Mitgliedern des Bezirksverbands Groß-Hannover und des Kreisverbands Hannover-Stadt der Liberale Bund gegründet. Der Liberale Bund fühlte sich weiterhin der Bundes-FDP zugehörig, nicht aber dem Landesverband und warf letzterem „Unterwanderung durch anti-liberale Elemente“ vor. Die Abspaltung erfolgte nach einem Streit des rechten und des linken Flügels der Partei, der liberale Bund gehörte dabei dem linken Flügel an. Dem Bund traten die Landtagsabgeordneten Bruno Schröder und Grete Sehlmeyer bei. Schröder schloss sich noch vor Ende der Legislaturperiode der SPD an.
Bei der Landtagswahl 1955 erzielte die FDP bei der Wahl ein Ergebnis von 7,9 % und zog mit 12 Abgeordneten in den niedersächsischen Landtag. Die 7-jährige Oppositionszeit endete. Zusammen mit CDU, GB/BHE und DP bildete sie die erste Regierung ohne Beteiligung der SPD in Niedersachsen. Im Kabinett Hellwege I stellte sie bis 1957 mit dem Aufbauminister Konrad Mälzig, dem Justizminister Arvid von Nottbeck (ab 3. Oktober 1956) und den Kultusministern Leonhard Schlüter (26. Mai 1955 – 11. Juni 1955) und Richard Tantzen (14. September 1955–28. Februar 1956), die sich mit der DP im Kultusministerium abwechselten, drei Minister. 1955 löste Konrad Mälzig den Landesvorsitzenden Joachim Strömer ab. Ein Jahr später wurde Carlo Graaff neuer Landesvorsitzender der niedersächsischen FDP.
Am 30. September 1957 bildeten FDP und die Vertriebenenpartei BHE eine gemeinsame Fraktion im Landtag. Am 4. November 1957 nahm diese die sechs Abgeordneten der rechtsextremen Deutschen Reichspartei als Gäste auf. Da sich die Fraktion weigerte, die Aufnahme rückgängig zu machen, beendete Ministerpräsident Hellwege die Koalition und bildete am 19. November 1957 eine neue Regierung aus DP, CDU und SPD. Für die FDP folgten 1½ Jahre Oppositionszeit bis zur nächsten Landtagswahl.
Mit einem Ergebnis von nur 5,2 % und 8 Abgeordneten schaffte die FDP bei der Landtagswahl 1959 den Wiedereinzug in den Landtag. Gegenüber der letzten Landtagswahl waren das Einbußen von 2,7 Prozentpunkten. Gemeinsam mit SPD und GB/BHE bildete sie eine Koalition und stellte im Kabinett Kopf V mit dem Wirtschafts- und Verkehrsminister Carlo Graaff und dem Justizminister Arvid von Nottbeck zwei Minister. Aufgrund des Todes von Hinrich Wilhelm Kopf wurde die Koalition unter dem neuen Ministerpräsidenten Georg Diederichs fortgeführt. Die FDP stellte im Kabinett Diederichs I mit dem Wirtschafts- und Verkehrsminister Carlo Graaff und dem Justizminister Arvid von Nottbeck erneut zwei Minister. Im Laufe der Zeit entfernte sich die FDP Niedersachsen dabei mehr von ihren nationalliberalen Wurzeln.Carl-Hans Hauptmeyer: Niedersachsen. Landesgeschichte und historische Regionalentwicklung im Überblick. Hrsg. v. d. Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung (NLPB), Isenseeverlag, Oldenburg 2004, ISBN 3-89995-064-X, S. 130.
Von 1963 bis 1999 mini|Innenminister von Niedersachsen von 1974 bis 1976 und 1977 bis 1978 sowie ehemaliger Landesvorsitzender: Rötger Groß (1976) mini|hochkant|Landesvorsitzender von 1978 bis 1991, sowie Landtagsabgeordneter von 1974 bis 1978, 1982 bis 1984 und 1986 bis 1994: Heinrich Jürgens Die Landtagswahl 1963 endete für die FDP mit einem Ergebnis von 8,8 %. Gegenüber der vorherigen Landtagswahl wurden Zugewinne in Höhe von 3,6 Prozentpunkten erzielt. Die Verluste der letzten drei Landtagswahlen konnten wieder ausgeglichen werden. Sie zog mit 14 Abgeordneten in den niedersächsischen Landtag. Gemeinsam mit der SPD bildete die FDP eine Koalition. Im Diederichs II stellte die FDP mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaft und Verkehrsminister Carlo Graaff, dem Finanzminister Jan Eilers, dem Justizminister Arvid von Nottbeck und dem Kultusminister Hans Mühlenfeld (bis 24. April 1965) vier bzw. fünf Minister. Am 13. Mai 1965 endete die Koalition und die FDP wurde Oppositionspartei.
Bei der Landtagswahl 1967 wurde die FDP mit einem Ergebnis von 6,9 % und Verluste in Höhe von 1,9 Prozentpunkten und 10 Abgeordneten viertstärkste Fraktion im niedersächsischen Landtag. Sie wurde nicht an der Regierung beteiligt. 1968 löste Rötger Groß den langjährigen Landesvorsitzenden Carlo Graaff ab. Die Landtagswahl 1970 endete für die FDP mit einem Ergebnis von nur 4,4 % und Verlusten in Höhe von 2,5 Prozentpunkten. Damit blieb die FDP erstmals in Niedersachsen unter der 5-%-Hürde und schied aus dem Landtag aus. Es folgte eine 4 Jahre andauernde außerparlamentarische Oppositionszeit.
Mit der Landtagswahl 1974 gelang es der FDP mit 7,0 % und einem Stimmenzuwachs von 2,6 Prozentpunkten die außerparlamentarische Oppositionszeit zu beenden. Sie zog mit 11 Abgeordneten in den niedersächsischen Landtag. Gemeinsam mit der SPD bildete sie eine sozialliberale Koalition. Im Kabinett Kubel II stellte die FDP mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister Rötger Groß sowie dem Wirtschafts- und Verkehrsminister Erich Küpker zwei Minister. Die Koalition endete am 15. Januar 1976. Die SPD-FDP-Regierung wurde durch eine CDU-Alleinregierung abgelöste. Ab dem 6. Februar 1976 bildete die FDP mit der CDU eine christlich-liberale Koalition. Im Kabinett Albrecht II stellte die FDP mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister Rötger Groß und dem Wirtschafts- und Verkehrsminister Erich Küpker zwei Minister.
Die Landtagswahl 1978 endete für die FDP mit dem bis heute schlechtesten Wahlergebnis von 4,2 %, gegenüber der letzten Landtagswahl verlor die FDP 2,8 Prozentpunkte. Es folgte eine 4-jährige außerparlamentarische Oppositionszeit. Im Zuge der Landtagswahl 1982 kehrte die FDP mit einem Ergebnis von 5,9 % und 10 Abgeordneten als viertstärkste Fraktion in den niedersächsischen Landtag zurück. Im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl gewann sie 1,7 Prozentpunkte hinzu. Sie wurde Oppositionspartei. Heinrich Jürgens löste Rötger Groß als Landesvorsitzenden ab.
Die Landtagswahl 1986 endete mit einem Ergebnis von 6,0 % für die FDP. Im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl konnte die FDP mit einem Zugewinn von 0,1 Prozentpunkten ihr Ergebnis halten und zog mit 9 Abgeordneten in den niedersächsischen Landtag. Mit der CDU unter dem Ministerpräsidenten Ernst Albrecht bildete sie eine schwarz-gelbe Koalition. Im Kabinett Albrecht V wurde Walter Hirche Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr und Heinrich Jürgens Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten.
Mit der Landtagswahl 1990 wurde die schwarz-gelbe Koalition von einer rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder abgelöst. Die FDP erzielte 6,0 % und konnte ihr Ergebnis halten und wurde mit 9 Abgeordneten drittstärkste Fraktion. 1991 löste Stefan Diekwisch den langjährigen Landesvorsitzenden Heinrich Jürgens ab. In der darauf folgenden Landtagswahl im Jahr 1994 schied die FDP mit einem Ergebnis von 4,4 % und einem Verlust von 1,6 Prozentpunkten aus dem niedersächsischen Landtag aus. Es war der Beginn einer 8 Jahre andauernden außerparlamentarischen Oppositionszeit. 1994 wurde Walter Hirche Landesvorsitzender der niedersächsischen FDP. Die Landtagswahl 1998 brachte der FDP zwar Stimmenzuwächse von 0,5 Prozentpunkten, doch blieb ihr mit einem Ergebnis von 4,9 % der Einzug in den Landtag sehr knapp verwehrt.
2000er bis heute mini|Umweltminister in Niedersachsen von 2003 bis 2012: Hans-Heinrich Sander (2009) Bei der Landtagswahl 2003 wurde mit 3,2 Prozentpunkten Stimmenzuwachs ein Ergebnis von 8,1 % erzielt und somit 15 Sitze im Landtag gewonnen. Gemeinsam mit der CDU bildete sie mit dem neuen Ministerpräsidenten Christian Wulff eine schwarz-gelbe Regierung. Die rot-grüne Landesregierung unter den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, Gerhard Glogowski und Sigmar Gabriel wurde abgelöst. Die FDP stellte im Kabinett Wulff I mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Walter Hirche, sowie dem Umweltminister Hans-Heinrich Sander zwei Minister. 2006 wurde Walter Hirche von Philipp Rösler als Landesvorsitzender der niedersächsischen FDP abgelöst.