mini|Charles-Armand Trépardoux Charles-Armand Trépardoux (* 26. Februar 1853 in Paris; † 4. Mai 1920 in Arcueil-Cachan) war ein französischer Ingenieur, Dampfwagenbauer und Pionier der französischen Automobilindustrie.

Jugend Charles Trépardoux wurde 1853 an der Rue Ferou im VI. Arrondissement in Paris geboren. Sein Vater ermutigte ihn zu einer technischen Laufbahn; so besuchte er von 1868 bis 1871 die École impériale des arts et métiers in Angers, die er mit einem Ingenieursdiplom abschloss. Seinen Militärdienst leistete er während des Deutsch-Französischen Krieges in einem Pionierregiment und wurde 1873 ehrenvoll entlassen. Danach arbeitete er als technischer Zeichner in Paris. 1877 heiratete er Marie Joly; seine Gattin verstarb jedoch wenige Monate nach der Heirat.

Georges Bouton und der Graf de Dion Zu dieser Zeit wohnte Trépardoux an der Rue de Clignancourt im Pariser XVIII. Arrondissement. Hier machte er die Bekanntschaft von Georges Bouton, einem Mechaniker aus dem gleichen Quartier. Gemeinsam eröffneten sie eine Werkstätte für physikalische Apparate und hochpräzise Geräte an der Passage Léon, nahe der Rue de La Chapelle im XVIII. Arrondissement. Zur Verbreiterung des Angebots nahm ihre Werkstätte auch Aufträge für dampfbetriebene Modellschiffe und -eisenbahnen für das Ladengeschäft Giroux am Boulevard des Italiens an. 1879 heiratete Trépardoux Boutons jüngere Schwester Eugènie Ernestine (1854–1890).

Ihre Tätigkeit vermochte zwar ihre beiden Familien zu ernähren, ihr Traum, einen eigenen Dampfwagen zu bauen, ließ sich jedoch nicht daraus finanzieren. Dennoch arbeiteten sie an der Entwicklung eines Kessels, der sich für ein leichtes Dampffahrzeug eignen sollte. Ende 1881 wurde Graf Albert Jules de Dion auf sie aufmerksam, als ihn eine Modelldampfmaschine aus ihrer Werkstätte beeindruckte, die er im Schaufenster von Giroux sah. Er suchte den Kontakt zu den Herstellern und erklärte sich bereit, das Kesselprojekt zu finanzieren. Die drei gründeten die Firma Trépardoux et Cie, ingénieurs-constructeurs. Der Name ergab sich, weil nur Trépardoux ein Ingenieursstudium abgeschlossen hat.

Etablissements De Dion, Bouton & Trépardoux Ihr Dampfkessel wurde patentiert und in Booten und Vergnügungsyachten auf der Seine eingebaut. 1884 zog die Firma nach Puteaux um, 1887 wurde sie umbenannt in De Dion, Bouton & Trépardoux. Im Jahr 1888 wurde Trépardoux in den Stadtrat von Puteaux gewählt, wo er der Verkehrskommission vorstand. In dieser Position trieb er die Verlängerung der Straßenbahn von der Porte Maillot im 16. Pariser Arrondissement nach Marly-le-Roi voran. Als Stellvertreter des Bürgermeisters war er später am Bau einer Brücke bei Puteaux beteiligt. miniatur|Dampfmobil De Dion, Bouton & Trépardoux (1887)

Seine Frau Eugénie starb 1890 bei der Geburt ihres zweiten Kindes noch im Kindbett. Trépardoux veränderte sich und fand sich immer weniger mit der Entwicklung der Firma ab, die der Graf de Dion vorantrieb: Weg vom Dampfmobil, hin zum Benzinfahrzeug. Trotzdem führte er die maßgeblichen Arbeiten an einer neuartigen Hinterachse aus, die 1893 patentiert wurde. Sie ist heute als De-Dion-Achse bekannt und wurde in der letzten Generation der Dampfwagen des Unternehmens erstmals verwendet. Auch in die Voiturette von 1899 und die meisten der folgenden Personenwagen der Marke wurde sie eingebaut.

Der Graf brachte 1889 erste Skizzen für einen Verbrennungsmotor zu Papier. Trépardoux war strikt dagegen: „Das Arbeiten am Explosionsmotor heißt, gegen den Dampf zu arbeiten – gegen uns selber zu arbeiten.“ Es schien eine Zeit lang, dass er den Motor tatsächlich verzögern könne. Dann wurde ein externes Konstruktionsbüro beauftragt. 1893 übernahm Georges Bouton die Entwicklung und stellte den ersten Prototyp fertig.Profile Publication Nr. 25, S. 4.

Als der Graf die Absicht bekannt machte, künftig ganz auf den Dampfantrieb zu verzichten, kam es zum Streit mit Trépardoux, der zu allem anderen den Verbrennungsmotor für nicht zuverlässig genug hielt. Noch im Jahr 1893 erfolgte eine Trennung im Zorn, die gemäß einigen Quellen derart heftig war, dass der Graf danach nicht nur Trépardoux’ Porträt aus den Clichés aller Druckunterlagen tilgen, sondern sogar im Archiv, auf Werkbildern und auf den Messingschildern an den Maschinen den alten Firmennamen De Dion, Bouton & Trépardoux entfernen ließ.gazoline.net: De Dion-Bouton Die von da an De Dion-Bouton genannte Marke liefert die letzten Nutzfahrzeuge mit Dampfantrieb 1904 aus.

Spätere Jahre Trépardoux ging später eine dritte Ehe mit Héloïse Godot ein und zog an die Rue de Paris 36 in Colombes. Er befasste sich vor allem mit Anwendungsmöglichkeiten für seinen leichten Dampfkessel. 1896 reichte er erneut Patente ein. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass der erzürnte Graf de Dion auch später noch seinen Einfluss geltend machte, um Trépardoux zu schaden. Dieser kapitulierte jedenfalls, mittlerweile verbittert, und zog 1902 auf das Gut seines Schwagers in Saint-Aubin-les-Forges, Département Nièvre. Am 4. Mai 1920 verstarb er in Arcueil-Cachan.

Literatur Anthony Bird: De Dion Bouton – First automobile Giant. (Ballantine's Illustrated History of the Car marque book No 6). Ballantine Books, New York 1971, ISBN 0-345-02322-6. (englisch) Anthony Bird: The single-cylinder De Dion Boutons. (Profile Publications Nr. 25). Profile Publications, Surrey, England 1966, . (englisch) Jacques Rousseau: Guide de l'Automobile française, Éditions Solar, Paris (1988); ISBN 2-263-01105-6 Hardcover (französisch) Richard J. Evans: Steam Cars (Shire Album). Shire Publications, 1985, ISBN 0-85263-774-8. (englisch) Anthony Bird, Edward Douglas-Scott Montagu of Beaulieu: Steam Cars, 1770–1970. Littlehampton Book, 1971, ISBN 0-304-93707-X. (englisch) Floyd Clymer, Harry W. Gahagan: Floyd Clymer's Steam Car Scrapbook. Literary Licensing, 2012, ISBN 978-1-258-42699-6. (englisch) John Headfield: American Steam-Car Pioneers: A Scrapbook. 1. Auflage. Newcomen Society in North, 1984, ISBN 99940-65-90-4. (englisch)

Weblinks

Biografie von Charles-Armand Trépardoux bei der Fondation Arts et Métiers (französisch) Geschichte von De Dion Bouton bei gazoline.net (französisch) Amicale De Dion-Bouton; Markenclub (französisch und englisch) La Marquise von 1884 bei conceptcarz.com (englisch)

Einzelnachweise

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