Hurrikan Irene (offiziell vom US-National Hurricane Center empfohlene und auch von deutschsprachigen Medien benutzte Aussprache: ) war ein tropischer Wirbelsturm, der Auswirkungen auf Puerto Rico, die Dominikanische Republik, Haiti, die Turks- und Caicosinseln und die Bahamas hatte und anschließend an der Ostküste der Vereinigten Staaten Richtung Norden zog. Irene war der neunte tropische Sturm und erste Hurrikan der atlantischen Hurrikansaison 2011. Er entstand am 20. August 2011 östlich der Kleinen Antillen und zog dann über die Leeward Islands hinweg, bevor er eine nordwestlichere und später nordwärts gerichtete Zugbahn einschlug. Der Hurrikan traf in der Kategorie 1 in North Carolina auf das Festland der Vereinigten Staaten, gelangte südlich der Chesapeake Bay erneut über Wasser und schlug eine nordnordöstliche Zugrichtung ein, die ihn die Küste New Jerseys streifen ließ. Er hatte ein ungewöhnlich großes Windfeld, sodass die Auswirkungen des Hurrikans durch Windbruch, Sturmflut und Starkregen weitreichender waren als bei tropischen Wirbelstürmen vergleichbarer Intensität.

Verlauf mini|links|Zugbahnkarte des Hurrikans Am 15. August 2011 löste sich eine tropische Welle, die sich durch eine deutlich erkennbare bodennahe zyklonische Rotation hervorhob und von starker tropischer Humidität geprägt war, von der Küste Afrikas. Das System war gut definiert und bewegte sich stetig westwärts über die Kapverdischen Inseln hinweg, obwohl zu dem Zeitpunkt die atmosphärische Konvektion weitgehend südwestlich der Wellenachse auftrat. Als sich die Welle von den Kapverden entfernte, blieb die Entwicklung von Gewittern und Regenschauern weiter vereinzelt, und die Welle erschien breit ausgewalzt. Am 19. August begann die Konvektion des Systems Anzeichen einer zunehmenden Organisation zu zeigen, als der Luftdruck zurückging und die vor der Welle liegende Umgebung wurde deutlich günstiger für eine tropische Zyklogenese. Die starke Gewittertätigkeit des Systems um das Haupttiefdruckmerkmal wurde deutlicher, und am 20. August, als sich das System dem Antillenbogen annäherte, stellte das National Hurricane Center (NHC) fest, dass die Bildung eines tropischen Wirbelsturmes bevorstehe. Ein Aufklärungsflug der Hurricane Hunters bestätigte das Vorhandensein eines kleinen Zirkulationszentrums direkt südwestlich eines Ausbruches von heftiger Konvektion und ungewöhnlich hohen andauernden Winden, woraus das NHC schloss, dass das System ausreichend organisiert gewesen sei, um an diesem Tag um 23:00 UTC direkt als tropischer Sturm Irene eingestuft zu werden.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich Irene etwa 305 km östlich von Dominica in der Nachbarschaft eines sich abschwächenden Hochdruckgebietes über dem westlichen Zentralatlantik, was für den größten Teil der Wanderung des Hurrikans durch das östliche Karibische Meer eine grob west-nordwestwärts gerichtete Zugbahn vorgab.

Am 21. August bildete sich das bodennahe Zentrum näher an der Zone mit der stärksten Konvektion neu; ein Antizyklon förderte die Entwicklung des Sturmes durch die Bildung von unterstützender Ausströmung. Aufgrund der verbesserten Struktur und wegen der nur leichten Windscherung sowie den hohen Wasseroberflächentemperaturen gingen die Prognosen davon aus, dass Irene, bevor sie über Hispaniola ziehen werde, sich weiter intensivieren und dabei knapp unter der Stärke eines Hurrikans bleiben werde. Am darauffolgenden Tag zog Irene etwas weiter nördlich als ursprünglich erwartet nach Westen und passierte Saint Croix in geringer Entfernung in Richtung Puerto Rico, wobei Irene eine deutliche Zunahme an Stärke und Organisation zeigte. Einige Stunden später zog Irene im Südosten der Insel bei Punta Santiago über Land; die andauernden Windgeschwindigkeiten wurden dabei mit 110 km/h angenommen. Trotz der Einwirkungen durch das Land wurde bei den Beobachtungen des Hurrikans mit dem Wetterradar die Existenz eines augenähnlichen Merkmals festgestellt; außerdem deuteten Dopplerdaten darauf hin, dass die Windgeschwindigkeit Hurrikanstärke erreichte. Irene wurde deswegen zu einem Hurrikan der Kategorie 1 der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala hochgestuft. Die Aufstufung erfolgte direkt nach dem ersten Landfall des Wirbelsturmes. Der Sturm überquerte die Insel und setzte seinen eingeschlagenen Kurs fort. Während der Sturm sich direkt nördlich der gebirgigen Küste von Hispaniola befand, gewann Irene nur kurz an Kraft und die Zunahme der Organisierung war nur gering.

Am 23. August verlor Irene ein wenig an Stärke, doch am darauf folgenden Morgen begann der Hurrikan mit der Bildung eines erkennbaren Auges, das von sich vertiefender Konvektion umgeben war. Der Wirbelsturm zog auf einem erratischen Weg über die südöstlichen Bahamas, wobei er sich über sehr warmen Wasser befand, sodass Irene sich rasch ausdehnte, nachdem die Ausströmung sich sehr gut ausgebildet hatte. Der Wirbelsturm intensivierte sich innerhalb weniger Stunden zu einem Kategorie-3-Hurrikan. Irene unterzog sich einer partiellen zyklischen Eyewall-Neubildung, wodurch der Hurrikan geschwächt wurde. Das Auge, das sich entwickelt hatte, zerfiel einige Stunden später wieder. Der Hurrikan konnte sich von diesem Zyklus nicht erholen, sondern schwächte sich weiter ab.

Früh am 27. August schwächte sich Irene bei der Annäherung an die Outer Banks von North Carolina zu einem Kategorie-1-Hurrikan ab. An dem Tag um 11:30 Uhr UTC traf Irene bei Cape Lookout, North Carolina mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 140 km/h auf Land.

Nachdem der Hurrikan sich etwa zehn Stunden über Land befand, füllte sich das Auge mit Wolken, doch auf Radarbildern blieb das Zentrum gut definiert erkennbar. Über Land hat der Hurrikan allmählich auch eine mehr nach Nordosten gerichtete Zugrichtung eingeschlagen. Später am 27. August gelangte Irene in der Nähe des südlichen Endes der Chesapeake Bay erneut über das Wasser des Atlantischen Ozeans. Irene zog weiter in nordnordöstlicher Richtung und verlor aufgrund stärkerer Windscherung und trockenerer Luft im südlichen Halbkreis leicht an Stärke, doch dehnte sich das Windfeld weiter aus.

Am 28. August um 9:00 Uhr UTC reichte das Windfeld der sturmstarken Winde von New York City bis nach North Carolina. Um 9:35 Uhr UTC gelangte Irene in der Nähe des Little Egg Inlet, New Jersey erneut über Land. Aufgrund der Beobachtungen eines Flugzeuges der United States Air Force wurde festgestellt, dass das Zentrum Irenes um 13.00 Uhr UTC (9.00 Uhr Ortszeit) über New York City zog. Die andauernde Windgeschwindigkeit zu dem Zeitpunkt wurde auf 100 km/h geschätzt, weswegen Irene zum tropischen Sturm zurückgestuft wurde.

Irene wurde ein extratropischer Sturm über Québec, Kanada am 29. August, und gelangte bis nach Labrador. In Folge verharrte es einige Tage als mächtiges Islandtief (ex-Irene), war für das nordwestliche Europa wetterbestimmend, und zerfiel dort erst um den 3. September.DWD-Wetterkarte 31. August und , Website der Freien Universität Berlin, abgerufen am 20. Dezember 2013.In dieser Saison zogen einige Hurrikanes weit nach Europa hinein, darunter der Orkan ex-Katia

Vorkehrungen mini|Verbarrikadiertes Restaurant in Ocean City, New Jersey

Vereinigte Staaten Das National Hurricane Center gab für den größten Teil der US-Ostküste eine Hurrikanwarnung heraus, in den Staaten Delaware, Maryland, Massachusetts, New Jersey, New York, North Carolina und Virginia wurde der Notstand ausgerufen.Irene's flooding 'could be a hundred-year event', CNN, 25. August 2011. Abgerufen am 25. August 2011.Ostküste bereitet sich auf Hurrikan „Irene“ vor FAZ.net, 26. August 2011 Die Betreiber der New Yorker Metro haben den kompletten Nahverkehr in der Metropole am Mittag des 27. August eingestellt. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg ließ die tiefer gelegenen Stadtteile mit 250.000 Bewohnern präventiv evakuieren.Die Unruhe vor dem Sturm, Süddeutsche Zeitung, 26. August 2011. Abgerufen am 26. August 2011. Präsident Obama kehrte mit seiner Familie vorzeitig aus dem Urlaub zurück.Zwei Millionen Menschen müssen ihre Häuser verlassen vom 27. August 2011 auf zeit.de, abgerufen am 29. August 2011

New York City war im September 1938 vom New England Hurricane betroffen. Ähnliche Sturmereignisse wurden 1815, 1821, 1869 und 1893 verzeichnet.

Auswirkungen + Opfer Gebiet Tote Vermisste Puerto Rico 1 0 Dominikanische Republik 4 7 Haiti 3 0 Vereinigte Staaten 45 1 Kanada 1 0 Total 54 8

Leeward Islands Während Irenes Zuges durch die nordöstliche Karibik herrschten im gesamten Bereich der Leeward Islands Tropensturmbedingungen, die allgemein nur geringen Schaden anrichteten, jedoch kam es in niedrig gelegenen Gebieten zu Überflutungen. Nach Süden hin erstreckten sich starke Gewitter und Regenfälle über Martinique, doch der Großteil dieser Aktivität trat auf, bevor das NHC das System als tropisch klassifizierte. Zwar zog das Zentrum direkt nördlich an der zu Guadeloupe gehörenden Insel Grande-Terre vorbei, doch die stärksten Auswirkungen hatten die äußeren Regenbänder. Der Sturm erzeugte kurzzeitig eine raue See mit Wellenhöhen von maximal 5,6 m. Ein Großteil Martiniques war zwar von Überflutungen betroffen, doch war der Niederschlag allgemein nur mäßig. Aufgrund des Sturmes war LIAT gezwungen, früh am 22. August alle Flüge von und nach Antigua zu streichen.

Während der Sturm die Britischen Jungferninseln überquerte, intensivierte er sich und brachte böige Winde und starke Niederschläge mit sich; der daraus resultierende Sachschaden war jedoch gering. Blitzschlag über Necker Island entzündete das Wohnhaus des britischen Unternehmers und Ballonfahrers Richard Branson, das abbrannte. Am 21. August überquerte Irene Saint Croix, die bevölkerungsreichste Insel der Amerikanischen Jungferninseln als starker tropischer Sturm, doch auf der Insel selbst wurden relative geringe Windgeschwindigkeiten gemessen. Nördlich davon, in Saint Thomas waren die Bedingungen deutlich schlechter; um 21:20 Uhr UTC wurde eine Spitzenbö mit 110 km/h gemessen. Im Bereich der Amerikanischen Jungferninseln führte der Sturm zu vereinzelten Stromausfällen, von denen alle Inseln betroffen waren.

Puerto Rico mini|Niederschlagsmengen durch Hurrikan Irene in Puerto Rico

Auf Puerto Rico verursachten Starkregenfälle weitreichende Schäden am Straßennetz und die Winde des inzwischen zum Hurrikan intensivierten Wirbelsturms rissen zahlreiche Bäume und Masten von Versorgungsleitungen um, sodass für mehr als eine Million Bewohner der Insel die Versorgung mit elektrischem Strom ausfiel. US-Präsident Barack Obama rief den Notstand aus. Während Irene Puerto Rico passierte, waren vorübergehend 121.000 Abnehmer von der Versorgung mit Trinkwasser abgeschnitten, und 771 Personen mussten Notunterkünfte aufsuchen. In höheren Lagen näherte sich die anhaltende einminütige Windgeschwindigkeit der Marke 178 km/h an, ergab die Beurteilung der Aufnahmen des Wetterradars. Die höchsten Regenmengen fielen im Osten des US-Außengebietes; in Gurabo wurde mit 560 mm die höchste Niederschlagsmenge auf Puerto Rico gemessen. Die Regenfälle führten dazu, dass mehrere Flüsse über die Ufer traten.