Die Schlacht von Mogadischu war eine militärische Auseinandersetzung während des somalischen Bürgerkrieges am 3./4. Oktober 1993. Das Gefecht wurde zwischen US-amerikanischen Streitkräften und Angehörigen der UN-Friedensmission UNOSOM einerseits sowie Milizionären der Somalischen Nationalen Allianz andererseits ausgetragen. Der Tod von 18 US-Soldaten bedeutete den bis dahin verlustreichsten Kampfeinsatz seit dem Vietnamkrieg und führte zu einer grundlegenden Änderung der Interventionspolitik der US-Regierung unter Bill Clinton hin zur Maxime „No Dead!“Die Army-Mission, TV-Doku von NGC aus der Reihe Countdown zur Katastrophe (Staffel 6), Nov. 2012. Die Schlacht ist in der westlichen Welt auch unter den Namen Operation Irene (dem Start-Code) oder als Schlacht um das schwarze Meer (nach dem Stadtteil Mogadischus, in dem sie größtenteils stattfand) bekannt. Der Operationsname war Gothic Serpent (dt. „Gotische Schlange“).
Hintergrund Die UNO-Mission Somalia befand sich seit 1988 in einem blutigen Bürgerkrieg, der die Auflösung der staatlichen Strukturen zur Folge hatte. Dies führte zu Beginn der 1990er Jahre zu einer gravierenden Hungersnot und das ostafrikanische Land hatte Zehntausende Hungertote zu beklagen. Um die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, begann am 1. April 1992 mit der UNOSOM I eine humanitäre Intervention der Vereinten Nationen (Resolution 751). Die UNO entsandte auch Truppen nach Somalia, um ihren Einsatz gegen die miteinander verfeindeten Milizen abzusichern. Ein weiteres Ziel der Mission war die Beendigung des Bürgerkrieges. Ab August 1992 beteiligte sich das US-Militär an der Friedensmission. Militärflugzeuge brachten Hilfsgüter nach Somalia und in die Flüchtlingslager im Norden des Nachbarlandes Kenia, z. B. nach Dadaab. Gleichzeitig begann ein kleines Team mit der Vorbereitung einer Militäroperation, um die Verteilung der Hilfsgüter zu gewährleisten, weshalb die UN-Truppen um 3.500 Soldaten erweitert wurden.
Operation Restore Hope mini|links|US-Soldaten während eines Einsatzes im Norden von Mogadischu, Januar 1993 mini|Air Combat Element der US Marine Forces Somalia am Flughafen von Mogadischu, Februar 1993
Trotz der Präsenz der UNO verschlechterte sich die Sicherheitslage rapide, Lebensmittellieferungen wurden geplündert und die Hungersnot nahm immer größere Ausmaße an. Im November 1992 beschossen bewaffnete Milizionäre ein mit Hilfsgütern beladenes Schiff, welches daraufhin abdrehte. Abkommen mit einzelnen Warlords wurden missachtet und viele Clans standen der UN-Präsenz feindselig gegenüber. Zum Hauptgegner der Intervention entwickelte sich der Führer der Somalischen Nationalen Allianz (SNA), Mohammed Farah Aidid, der sich dem Einsatz gewaltsam entgegenstellte und den Abzug der UN forderte. Nicht zuletzt auf Grund der drastischen Medienberichte verabschiedete der UN-Sicherheitsrat am 2. Dezember 1992 die Resolution 794 und kündigte die Aufstellung der Unified Task Force (UNITAF) unter militärischer Führung der Vereinigten Staaten an. Die UNITAF sollte in Südwestsomalia die öffentliche Ordnung wiederherstellen, um die Verteilung von Hilfsgütern zu ermöglichen. Der Militäreinsatz trug die Bezeichnung Operation Restore Hope (Operation Wiederherstellung der Hoffnung). Unter großem Medieninteresse landeten am 9. Dezember 1992 die ersten Angehörigen der US-Marines und Navy SEALs an der somalischen Küste sowie dem Flughafen Mogadischu. Die internationale UNITAF-Streitmacht wuchs auf 30.000 Soldaten an, wobei die US-Streitkräfte das mit Abstand größte Truppenkontingent stellten (25.000 Mann u. a. 10th Mountain Division, I. Marine Expeditionary Force).
In den folgenden Monaten gelang es, ohne den Einsatz von Gewalt, die Kämpfe einzudämmen und ein funktionierendes System zur Nahrungsmittelverteilung einzurichten. Parallel dazu begannen die Truppen mit dem Aufbau einer Basis in Mogadischu, sprachen sich mit den zahlreichen Hilfsorganisationen ab, die ihre Arbeit aufnahmen, und wiesen die übrigen Teile des internationalen Blauhelmkontingents ein. Im März 1993 sahen die US-Truppen ihre Aufgabe als beendet an, verlängerten jedoch auf Drängen der UN die Operation.
Operation Continue Hope mini|Verantwortungsbereiche der Leitnationen von UNOSOM II (1993) mini|Ein UH-1N während der Operation Continue Hope über Mogadischu
Die UN-Resolution 814 vom 26. März 1993 beschloss die Umwandlung des UNITAF-Mandats in die Friedensmission UNOSOM II. Die auch als Operation Continue Hope bezeichnete Operation sollte UNOSOM I mit erweiterten Aufgaben fortsetzen. Über die Unterstützung der humanitären Hilfe hinaus sollten politische Strukturen in Somalia wieder aufgebaut und das gesamte Land befriedet werden, einschließlich des Nordens Somalias (Somaliland), der sich im Mai 1991 für unabhängig erklärt hatte. Neben 3.000 Soldaten für die eigentliche UNO-Mission stellte die USA eine schnelle Eingreiftruppe (Quick Reaction Force – QRF) von 800 Mann. Letztere setzte sich aus einem leichten Infanterie-Bataillon und zwei Helikopter-Bataillonen der 10. US-Gebirgsjägerdivision zusammen.
Nach dem Beginn von UNOSOM II wurden erste Schwächen kritisiert. Die Truppenstärke galt als zu gering, um im gesamten Land auf Dauer die Ordnung aufrechtzuerhalten. Außerdem funktionierte die Koordination zwischen den verschiedenen beteiligten Nationalitäten schlecht. Auch den Versuchen, mit den Bürgerkriegsparteien zu verhandeln, war von Anfang an wenig Erfolg beschieden. Im Mai 1993 trafen sich auf Vermittlung des wichtigsten Clanführers Mohammed Farah Aidid UNO-Vertreter und Anführer von Bürgerkriegsmilizen zu Verhandlungen über einen Waffenstillstand. Als keine Einigung erzielt wurde, trafen sich am 4. Juni rund 200 Vertreter von Clans, um einen eigenen Waffenstillstand zu schließen. Im Zuge dieser Vereinbarung kündigten sie die Zusammenarbeit mit der UNO auf, die daraufhin den Waffenstillstand für ungültig erklärte. Am Tag darauf wollten pakistanische Blauhelme ein von Aidids SNA-Miliz genutztes Gebäude, in dem sich ein Waffenlager sowie ein Radiosender befanden, kontrollieren. Aidids Truppen eröffneten daraufhin das Feuer auf die Soldaten, wodurch 24 Pakistaner getötet wurden. Nach einer UNO-Resolution, die das Vorgehen der Milizen verurteilte und die Festnahme der Schuldigen verlangte, führten die UNO-Truppen Mitte Juni einen Luftschlag gegen Aidids Hauptquartier aus.
Verschärft wurden die Auseinandersetzungen zwischen US-Truppen und Somaliern, nachdem Kampfhubschrauber am 12. Juli 1993 im Rahmen der Operation Michigan eine vermeintliche Versammlung von Aidid-Kämpfern in der Annahme beschossen hatten, Aidid befinde sich unter ihnen. Dabei sollen etwa 70 Menschen getötet worden sein. Vermutungen zufolge hatte es sich um Friedensverhandlungen von Clan-Ältesten gehandelt. Eine Bestätigung dafür gab es nicht, weil vier Journalisten (u. a. Dan Eldon und Hansi Krauss) vor Ort von Somaliern getötet wurden.
Schlachtverlauf Die Ausgangslage mini|Die „grüne Linie“, Straße in Mogadischu und Trennlinie zwischen Nord und Süd
Die Hauptlast der Fahndung nach Aidid ruhte zunächst auf der schnellen Eingreiftruppe der 10. US-Gebirgsdivision (10th Mountain Division) unter dem Kommando von General Thomas Montgomery. Die Kommandeure vor Ort forderten vom US-Verteidigungsministerium gepanzerte Unterstützung an, die jedoch verweigert wurde. Dafür wurde Ende August eine Einsatzgruppe (Task Force, TF) bestehend aus Mitgliedern der Delta Force und US Army Rangers des 75th Ranger Regiment unter dem Kommando von General William F. Garrison nach Mogadischu verlegt. Die Task Force Ranger (TFR) sollte die schnelle Eingreiftruppe bei der Jagd nach Aidid entlasten.
Auch die CIA beteiligte sich mit bereits im Land befindlichen Agenten der Special Activities Division an der Informationsbeschaffung über den Aufenthalt Aidids, konnte jedoch keine verwertbaren Ergebnisse liefern. Die TFR führte mehrere Einsätze zur Ergreifung Aidids durch.
Parallel zur Jagd verhandelte das UNO-Kommando mit Aidid, um einen Waffenstillstand nach UNO-Bedingungen zu ermöglichen. Im gleichen Zeitraum nahmen Angriffe auf die UNO-Truppen sowie auf die schnellen Eingreiftruppen zu. Unter anderem stellte dies eine Reaktion Aidids und seiner SNA-Miliz auf die Einsätze der TFR dar, die zwar nicht ihn persönlich trafen, aber zur Festnahme mehrerer seiner Vertrauten führten. Gleichzeitig traten Auflösungserscheinungen innerhalb des UNO-Kontingents auf. Verschiedene Staaten zogen ihre Soldaten zurück oder weigerten sich, die Suche nach Aidid zu unterstützen.
Am 3. Oktober 1993 kam es schließlich zum verlustreichen Einsatz amerikanischer Truppen zur (schließlich vergeblichen) Ergreifung Aidids.
Der Plan mini|Bewaffnete Aufständische auf einem Technical 1993 in Mogadischu mini|Ein Little Bird beim Beginn der Mission
Geplant war, dass Mitglieder der amerikanischen Spezialeinheit Delta Force am frühen Nachmittag wichtige Berater Aidids oder den Clan-Chef selbst festnehmen sollten. Die Gesuchten sollten sich angeblich um 15 Uhr in einem Gebäude nahe dem Hotel Olympic im Bakara-Bezirk in Mogadischu zu Gesprächen treffen. Dieses Gebäude würden Männer der Delta Force, die um 15:45 Uhr aus MH-6 Little Bird-Helikoptern direkt am und auf dem Gebäude abgesetzt werden sollten, stürmen. Um 15:46 Uhr würden sich Rangers aus MH-60 Black Hawks abseilen und die vier Eckpunkte des Gebäudes sichern, um das Eindringen feindlicher Milizen oder die Flucht der im Gebäude befindlichen Personen zu verhindern. Nach der Festnahme sollte ein aus Humvees und 5-Ton-Trucks bestehender Konvoi alle Soldaten sowie die Gefangenen aufnehmen und zum US-Stützpunkt bringen. Die kalkulierte Operationsdauer betrug maximal zwei Stunden.
Der Verlauf mini|Übersicht Verlaufmini|Rangers in der Nähe des ZielgebäudesUm 15:40 Uhr begann die TFR mit dem Anflug auf das Ziel. Zunächst verlief die Operation wie geplant. Doch bald stellte sich heraus, dass die SNA-Miliz dieses Mal deutlich schneller reagierte als bei vorherigen Einsätzen der Task Force. Kurz nach Beginn der Aktion gab es unter den Rangern die ersten Verwundeten. Dennoch gelang das Verladen der Festgenommenen und eines Teils der TFR (Teile des 4. Zuges, „Chalk 4“) in den Fahrzeugkonvoi. Auf dem Rückweg nahm der Widerstand der Miliz deutlich zu. Diese zerstörte zwei US-Fahrzeuge mittels Panzerfäusten.