Bilshausen ist eine Gemeinde im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen. Sie liegt im Norden des Untereichsfelds und ist Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Gieboldehausen.
Geografie mini|Luftaufnahme des Ortes
Bilshausen liegt am westlichen Rand des Rotenbergs und wird in Südost-Nordwest-Richtung von der Rhume durchflossen, die mit ihrem Uferbereich hier als Naturschutzgebiet Rhumeaue, Ellerniederung, Schmalau und Thiershäuser Teiche ausgewiesen ist.
Der Ort befindet sich etwa 15 km nordwestlich von Duderstadt, 20 km nordöstlich der Kreisstadt Göttingen, 14 km südöstlich von Northeim und 13 km südwestlich von Osterode am Harz.
Nachbarorte
Geschichte Der Name des Ortes ist der Sage nach dadurch entstanden, dass sächsische Einwanderer, die das Dorf gründeten, dort den heidnischen Gott Biel verehrten. Die Ortsnamensforschung nimmt dagegen wie bei den meisten Orten mit der Endung -hausen den Bezug zu einem Personennamen an, in diesem Fall dem Kurznamen Bili, der auf das altsächsische bil = „Schwert, Beil“ zurückgeführt wird.Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph: Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB), Teil IV. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, , ISBN 3-89534-494-X, S. 52 f. Die Gründung fand vermutlich etwa im 8. bis 10. Jahrhundert nach Christus statt.
Bilshausen wird in der auf das Jahr 952 datierten Stiftungsurkunde für das Kloster Pöhlde erwähnt, bei der es sich jedoch um eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Fälschung handelt. Einige Hügelgräber im „Großen Berg“ bezeugen jedoch, dass die Umgebung von Bilshausen schon zur Bronzezeit besiedelt war. Die offizielle Ersterwähnung stammt von 1235 (Ecclesia in Bilshusen).
Im Jahr 1242 gelangte Bilshausen und die einstige Kirche, durch eine Schenkung des Markgrafen Heinrich von Meißen in den Besitz der Deutsch-Ordens-Ritter, die es 1318 an die Herren von Plesse verkauften und nach Göttingen weiterzogenStreich, Gerhard: Klöster, Stifte und Kommenden in Niedersachsen vor der Reformation, Verlag August Lax, Hildesheim 1986, S. 42..
Das Wappen der Gemeinde, ein blauer Schild mit drei silbernen Schrägbalken, entspricht dem Wappen des Bertram von Bilshausen, der 1314 Ordenshalter in Bilshausen war. Die Herren von Bilshausen waren vermutlich ursprünglich Ministeriale der Herren von Plesse, die in Bilshausen mit Aufgaben betraut worden waren. Urkundlich erwähnt wird bereits 1255 ein Vogt Konrad I. von Bilshausen (Conradus de Billeshusen cognomento advocatus). Weitere Angehörige des Geschlechts tauchen in den folgenden Jahrzehnten als Zeugen adliger Landverkäufe in Urkunden auf. 1317 verfügten die Herren von Bilshausen im Ort über acht Hufen als Lehen der Grafen von Schwalenberg, daneben über Besitz in Dorste sowie den späteren Wüstungen Ellingenhusen und Lemmershusen. Der Ritter Bertram von Bilshausen ist der einzige Angehörige des Geschlechts, der häufig, insgesamt (zwischen 1300 und 1340) sechzehnmal namentlich in Urkunden genannt wird. Er gehörte zum Gefolge Herzog Heinrich II. von Braunschweig-Grubenhagen. Das Geschlecht der Herren von Bilshausen, unter sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten eher zur unteren Schicht des niederen Adels gehörend, starb vermutlich 1395 mit dem Tode Ottos von Bilshausen aus.Hans-Joachim Winzer: Die Herren von Bilshausen, in: Heimat- und Museumsverein für Northeim und Umgebung e. V. (Hrsg.): Northeimer Jahrbuch 2021, S. 24–35
Von 1322 an gehörte Bilshausen politisch dem Bischof von Hildesheim, obwohl es kirchlich dem Erzbischof von Mainz (Erzbistum Mainz) unterstand, dessen Kurfürstentum es 1492 dann, zusammen mit dem Amt Lindau, für mehr als 300 Jahre auch politisch zugeordnet wurde. Nach 1802 kam Bilshausen vorübergehend zum Königreich Preußen und zum Königreich Westphalen (Kanton Gieboldehausen im Distrikt Duderstadt, Departement des Harzes) und nach dem Wiener Kongress mit dem Untereichsfeld zum Königreich Hannover, um dann 1866 wiederum preußisch zu werden.
Zur Samtgemeinde Gieboldehausen und zum Landkreis Göttingen gehört Bilshausen seit der Gebietsreform von 1973, vorher gehörte es zum Landkreis Duderstadt.Zur Gebiets- und Verwaltungsreform vgl. Blazek, Matthias: Von der Landdrostey zur Bezirksregierung – Die Geschichte der Bezirksregierung Hannover im Spiegel der Verwaltungsreformen, Stuttgart 2004, ISBN 3-89821-357-9.
Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1610 400 1848 1370 1950 2221 1673 436 1858 1422 1970 2461 1698 531 1867 1316 1980 2342 1736 650 1871 1320 1990 2399 1782 852 1885 1420 2000 2470 1790 909 1900 1297 2010 2355 1803 1033 1919 1259 2015 2217 1812 1076 1925 1324 2020 2206 1821 1134 1939 1574 1835 1340 1946 2185
(Einwohnerzahlen bis 1950 nach Fricke; dabei bis 1925 jeweils Zahl der ortsanwesenden Personen, sofern verfügbar. Zahlen ab 1970 entstammen der amtlichen Statistik des Niedersächsischen Landesamts für Statistik, jeweils zum Stichtag 31. Dezember.)
Politik
Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Bilshausen besteht aus 13 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 2001 und 3000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Seit der Kommunalwahl 2021 setzt sich der Rat wie folgt zusammen:
Bürgermeister Ehrenamtlicher Bürgermeister ist seit Januar 2021 Matthias Diederich (CDU). Seine Stellvertreter sind Thomas Wüstefeld (UBB) und Georg Engelhardt (CDU).
Bisherige Amtsinhaber seit 1945:
2000–2021: Anne-Marie Kreis (CDU) 1964–2000: Carl Strüber (CDU) 1964: Paul Müller 1961–1964: Heinrich Jünemann 1949–1961: Hermann Dietrich 1946–1949: Fritz Engelhardt
Wappen, Flagge und Siegel
Blasonierung: „In Blau drei silberne (weiße) Schrägbalken.“
Das Wappen der Gemeinde wurde von der Duderstädterin Clara Gerlach entworfen und am 9. Juni 1938 vom Oberpräsidenten der preußischen Provinz Hannover verliehen. Es entspricht dem Wappen des Ritters Bertram von Bilshausen, das in einer Urkunde aus dem Jahr 1314 dokumentiert ist.
Beschreibung der Flagge: „Die Flagge ist blau-weiß quergestreift mit aufgelegtem Wappen in der Mitte.“
Beschreibung des Siegels: „Das Dienstsiegel enthält das Wappen und die Umschrift „Gemeinde Bilshausen“.“
Sehenswürdigkeiten und Kultur
Katholische Pfarrkirche St. Kosmas und Damian mini|Katholische Pfarrkirche St. Kosmas und Damian mini|hochkant=0.7|Hochaltar der Sankt-Kosmas-und-Damian-Kirche in Bilshausen Der heutige Kirchenbau entstand 1781 bis 1783 unter Einbeziehung des spätgotischen Vorgängerbau-Westturms von 1515 nach Plänen von Maurermeister Burchardt aus Nesselröden. Der Saalbau mit polygonalem Ostabschluss zeichnet sich im Außenbau durch Fassaden aus Rotsandsteinqadermauerwerk mit einer Lisenengliederung aus und wurde in der Denkmaltopographie als „eine der schönsten Dorfkirchen des Spätbarock im Landkreis“ bezeichnet. Das Innere zeigt sich als einschiffiger Saal, der von einer stuckverzierten Längstonne mit Stichkappen überwölbt wird und dessen Wände mit einem aufwändigen Architekturdekor aus Wandpilastern und Gesimsen gegliedert sind.
Mehrere Veränderungen und Vereinfachungen machten 1983–1985 eine durchgreifende Restaurierung des InnernRolf-Jürgen Grote: Die katholische Pfarrkirche St. Cosmas und Damian in Bilshausen/Eichsfeld. Rekonstruktion der Raumfassung vor dem Hintergrund der Restaurierungsgeschichte. In: Denkmalpflege, Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, Jg. 5, 1986, S. 116–121. erforderlich, „deren Ziel die Rückgewinnung der verlorengegangenen Einheit von Innenraum und Ausstattung als geschlossenes Interieur“Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 5.3: Landkreis Göttingen, Teil 2: Altkreis Duderstadt mit den Gemeinden Friedland und Gleichen und den Samtgemeinden Gieboldehausen und Radolfshausen. Bearbeitet von Peter Ferdinand Lufen, hrsg. vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, CW Niemeyer, Hameln 1997, ISBN 3-8271-8257-3, S. 87–88. (Digitalisat, abgerufen am 18. Juli 2021) war. Ein Hauptgegenstand der Restaurierung war der spätbarocke, zweistöckige Hauptaltar mit einer in rund 1400 Restauratoren-ArbeitsstundenRolf-Jürgen Grote: Die katholische Pfarrkirche St. Cosmas und Damian in Bilshausen/Eichsfeld. Rekonstruktion der Raumfassung vor dem Hintergrund der Restaurierungsgeschichte. In: Denkmalpflege, Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, Jg. 5, 1986, S. 116–121, hier S. 121. wiederhergestellten weiß-goldenen Farbfassung. Flankiert wird der Hochaltar von Figuren der Kirchenpatrone, des heiligen Brüderpaares Kosmas und Damian, im Auszug ist eine Darstellung der Verkündigung zwischen den heiligen Bonifatius und Martin zu sehen.Monika Tontsch: Bilshausen, St. Kosmas und Damian, in: Die Kirchen im Eichsfeld, Kirchen- und Kunstführer. Hrsg. Verein für Eichsfeldische Heimatkunde e. V. und Heimatverein Goldene Mark (Untereichsfeld) e. V.; zweite, bearbeitete und erweiterte Auflage, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2011, ISBN 978-3-936617-92-4, S. 41–42, hier S. 42. Das 1989 eingesetzte Altarbild mit einer Kreuzigung stammt aus der Lindauer Pfarrkirche. Auch Kanzel und Emporen wurden auf ihre ursprüngliche Farbigkeit in Weiß und Gold zurückgeführt.
In dem Rundfenster der hinteren Chorwand sind Dreifaltigkeitsfiguren und ein Strahlenkranz eingesetzt worden, während man in den beiden der Empore gegenüberliegenden Fenstern Fragmente mittelalterlicher Glasmalerei vorfindet.
Die Orgel wurde 1857 vom Orgelbauer Johann Andreas Engelhardt aus Herzberg gebaut und 1984 durch die Orgelbauwerkstatt Krell aus Duderstadt restauriert.
Seit 2015 gehören zur katholischen Pfarrgemeinde Bilshausen auch die Kirchorte Lindau, Krebeck und Renshausen.
Evangelisch-lutherische Pauluskirche mini|Evangelische Pauluskirche (2011) Die evangelisch-lutherische Pauluskirche geht auf Spenden der Amerikanischen Sektion des Lutherischen Weltbunds mit Unterstützung des Gustav-Adolf-Werks zurück und wurde nach nur knapp fünf Monaten Bauzeit am 7. Oktober 1951 eingeweiht. Den Kirchenbau plante der Darmstädter Architekt Otto Bartning, nach dessen Plänen über hundert sogenannte Notkirchen entstanden. Die evangelische Pauluskirche in Bilshausen im katholisch geprägten Eichsfeld ist eines von 33 Notkirchen-Gotteshäusern des Typs Diasporakapelle, die von Bartning als Holzgerüst-Fertigbau mit teilweise gemauerten Umfassungswänden entworfen und durch einfache Bauformen und Materialbeschaffung zu einem multifunktionalen Bau entwickelt wurde. Die besondere Holzkonstruktion ist dem Kirchenbau äußerlich kaum anzusehen, da sie seit der Erbauungszeit von verputzten Backsteinwänden verdeckt wird. Auf dem Dach sitzt ein niedriger Dachreiteraufsatz für die 1960 gegossene Bronzeglocke, die von dem Stuttgarter Glockengießer Heinrich Kurtz stammt.
Der Gottesdienstraum für rund 100 PersonenUlfrid Müller: Bilshausen, St. Paulus, in: Die Kirchen im Eichsfeld, Kirchen- und Kunstführer. Hrsg. Verein für Eichsfeldische Heimatkunde e. V. und Heimatverein Goldene Mark (Untereichsfeld) e. V.; zweite, bearbeitete und erweiterte Auflage, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 2011, ISBN 978-3-936617-92-4, S. 43. wird geprägt durch die offene Dachbinder-Konstruktion und verglaste Giebelseiten. Charakteristisch ist auch in Bilshausen die durchgehende Holzvertäfelung des Kirchenraums, welche nach Bartning Behaglichkeit und Gemeindenähe vermitteln sollte. Der schlichte Tischaltar mit einem Altarkreuz aus Ahornholz ist ein Werk des Holzschnitzers Marksteiner aus Wulften. Der Altar kann nach Bedarf in einer Wandnische mit Klappläden weggeschlossen werden. Im Anschluss an den Kirchenraum besteht ein Gemeinschaftsraum, dessen Dach ans Hauptdach angeschleppt ist.