mini|Buchdeckel der US-amerikanischen Erstausgabe von 1885 mini|Huckleberry Finn, Illustration der Ausgabe von 1884 mini|Huckleberry Finn und Jim auf dem Floß, Illustration der Ausgabe von 1884

Die Abenteuer des Huckleberry Finn (im Original Adventures of Huckleberry Finn) ist der erfolgreichste Roman von Mark Twain und gilt als Schlüsselwerk der US-amerikanischen Literatur. Er wurde am 10. Dezember 1884 in Großbritannien und Kanada und am 18. Februar 1885 in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Die erste deutsche Übersetzung verfasste Henny Koch mit dem Titel Huckleberry Finns Abenteuer und Fahrten (1890).

Der Ich-Erzähler ist Huck Finn selbst. Mark Twain simuliert die Perspektive und die Sprache eines Jungen, der seiner Zeit und seiner Umwelt verhaftet ist, sie aber auch in Frage stellt.

Handlung

In dem Roman gehen ein unbeschulter, individualistischer weißer Außenseiter und ein rechtloser dunkelhäutiger Sklave zusammen erfolgreich ihren widrigen Weg den Mississippi stromab.

Das Leben in St. Petersburg

Der Roman beginnt in Missouri am Ufer des Mississippi River in der fiktiven Stadt St. Petersburg, die dem Ort Hannibal nachempfunden ist, wo Mark Twain aufwuchs. Er spielt irgendwann zwischen 1835 (als das erste Dampfschiff den Mississippi befuhr) und 1845. Zwei junge Burschen, das Waisenkind Tom Sawyer und Huckleberry Finn, sind durch frühere Abenteuer zu einer beträchtlichen Geldsumme, jeweils 6000 Dollar, gekommen. Huck steht zu Anfang unter der Vormundschaft der Witwe Douglas, die zusammen mit ihrer Schwester Miss Watson versucht, ihn zu „zivilisieren“. Huck freut sich über ihre Bemühungen, findet aber zivilisiertes Leben zu beschränkt. Am Anfang der Geschichte erscheint kurz Tom Sawyer und hilft Huck nachts bei seiner Flucht aus dem Haus, vorbei an Miss Watsons Sklaven Jim, der später eine wichtige Rolle spielen wird. Sie treffen sich in der selbsternannten Bande Tom Sawyers, die sich – nach deutlichem literarischen Vorbild – vornimmt, abenteuerliche Aktionen und Verbrechen zu begehen. Das Leben von Huck wird allerdings durch das plötzliche Auftauchen seines Vaters massiv verändert. Dieser ist ein chronischer Trunkenbold, der sich nur selten blicken lässt, dann aber das Verprügeln seines Sohnes als berechtigte „Erziehung“ ansieht. Hucks Vater hat erfahren, dass sein Sohn zu Geld gekommen ist, und will es ihm abknöpfen. Huck wehrt sich anfangs erfolgreich dagegen, kann aber nicht verhindern, dass er von seinem Vater gekidnappt und gezwungen wird, mit ihm in einer Hütte auf einer einsamen Insel im Fluss zu leben. Dort hat er seinen Sohn ständig im Auge oder sperrt ihn ein, wenn er ihn für längere Zeit allein zurücklässt.

Huck gelingt es schließlich, aus seinem Gefängnis zu entkommen. Raffiniert schafft er es auch, seine eigene Ermordung vorzutäuschen, um dem Vater zu suggerieren, dass weitere Nachstellungen sinnlos wären. Huck begibt sich mit einem Boot auf den Mississippi und fährt einer ungewissen Zukunft entgegen.

Das Hausboot und Huck als Mädchen Huck lebt zunächst durchaus glücklich auf einer verwilderten, unbewohnten Insel namens Jackson's Island im Mississippi. Unerwartet trifft er auf den Sklaven Jim, der seiner Besitzerin Miss Watson weggelaufen ist, weil sie ihn für 800 Dollar nach New Orleans verkaufen will, wo das Leben für Sklaven noch härter ist. Damit beginnt eine lange gemeinsame Flucht.

Jim versucht, einen Weg zur Stadt Cairo in Illinois zu finden, um von dort nach Ohio zu kommen, einem freien Staat, um seiner Familie die Freiheit zu erkaufen. Zunächst überlegt Huck, ob er Jims Flucht melden soll. Aber schließlich reisen sie zusammen und führen ausführliche Gespräche über ihr Leben. Huck erfährt dadurch viel über Jims Vergangenheit und bekommt zunehmend Verständnis für seine Situation. Im Laufe dieses Prozesses ändert er seine Ansichten über die Sklaverei und über das Leben im Allgemeinen.

Huck und Jim bleiben zunächst in einer Höhle auf einem Hügel auf Jackson’s Island, um einen schweren Sturm zu überdauern. Wenn sie können, schnorren sie rund um den Fluss auf der Suche nach Nahrung, Holz und anderem. Eines Nachts finden sie ein Floß und benutzen es später für ihre große Reise auf dem Mississippi. Später stoßen sie auf ein ganzes schwimmendes Haus und stehlen daraus alles, was sie greifen können. Jim findet in einem Raum dieses Hauses einen Mann, der tot auf dem Boden liegt, dem offensichtlich in den Rücken geschossen wurde, während man versuchte, das Haus zu plündern. Er verwehrt Huck den Blick auf das Gesicht des Mannes.

Huck will sich über die neuesten Nachrichten der Gegend informieren und kommt daher auf die Idee, sich als Mädchen zu verkleiden und sich in irgendeinem Haus mit einer erfundenen Geschichte unter dem Namen Sarah Williams vorzustellen. Er betritt das Haus einer Frau namens Judith Loftus, die neu in der Gegend ist, und glaubt daher, von ihr nicht erkannt zu werden. Während sie reden, erfährt Huck, dass 300 Dollar Belohnung ausgesetzt sind für Jim, dem vorgeworfen wird, Huck ermordet zu haben. Huck verrät sich und seine Lügengeschichte damit, dass er seinen Vornamen bei einer Wiederholung falsch angibt, und weil er eine Nadel nicht einfädeln kann, was zur damaligen Zeit jedes Mädchen konnte. Die Frau geht gnädig mit ihm um und will ihm sogar helfen. Sie weist aber in Unkenntnis seiner wahren Identität darauf hin, dass ihr Mann und einige andere die Insel, auf der die beiden hausen, bereits in Verdacht haben, Jim als Aufenthalt zu dienen, und sie sie bald überprüfen wollen. Huck kehrt sofort auf die Insel zurück, weckt den schlafenden Jim und erklärt ihm, dass sie beide sofort fliehen müssen. In großer Eile packen beide ihre Habseligkeiten auf das Floß und fliehen.

Die Grangerfords und die Shepherdsons Das Floß der beiden wird von einem vorbeifahrenden Dampfer überfahren, dadurch werden die beiden getrennt. Huck schwimmt an Land und wird in der wohlhabenden Familie Grangerford aufgenommen. Er freundet sich mit einem der jüngeren Söhne namens Buck an, einem gleichaltrigen Jungen, und erfährt, dass die Grangerfords in eine 30-jährige Blutrache gegen eine andere Familie, die Shepherdsons, einbezogen sind, von der aber keiner mehr genau weiß, worum es anfänglich ging. Die Grangerfords und die Shepherdsons gehen regelmäßig in die gleiche Kirche. Beide Familien bringen dabei stets Waffen mit, trotz der Predigt in der Kirche, die zur brüderlichen Liebe aufruft. Das Geschehen erreicht einen Höhepunkt, als Bucks Schwester Sophia mit Harney Shepherdson durchbrennt. In einer dadurch ausgelösten Schießerei sterben alle übrigen Männer der Familie Grangerford; beim Anblick der Leiche seines Freundes Buck ist Huck zu verstört, um über das Geschehene zu schreiben. Allerdings beschreibt er, wie er knapp seinem eigenen Tod entkam, und die spätere Wiedervereinigung mit Jim. Beide setzen ihre Flucht nach Süden auf ihrem alten, wider Erwarten unzerstörten Floß fort.

Der Herzog und der König Weiter unten am Fluss retten Jim und Huck zwei berufsmäßige Betrüger, die ebenfalls auf das Floß kommen. Der jüngere der beiden, ein Mann von etwa dreißig Jahren, stellt sich als Sohn eines englischen Herzogs vor, des Herzogs von Bridgewater. Er sei der rechtmäßige Nachfolger seines Vaters. Der ältere, etwa siebzig, behauptet sogar, er sei der Sohn von Ludwig XVI. und damit rechtmäßiger König von Frankreich. Diese beiden, der „Herzog“ und der „König“, überreden Jim und Huck, auf dem Floß mitreisen zu dürfen. Während der Reise nach Süden begehen sie diverse Betrügereien.

Einmal kommen sie in eine Stadt und mieten das Gerichtsgebäude für eine Nacht, um dort Plakate zu drucken, die eine Theateraufführung ankündigen, die sie das „Königliche Unvergleichliche“ nennen. Das Spiel entpuppt sich während der Aufführung als eine rohe Angelegenheit, und dies ärgert die Städter, die dafür gezahlt haben. Anstatt sich an den Schauspielern zu rächen, kommen sie auf die Idee – um nicht alleine als die Dummen dazustehen – die anderen Stadtbewohner ebenfalls ins Theater zu kriegen, indem sie ihnen vorlügen, es sei ein ganz wunderbares Stück.

In der Zwischenzeit kommt am Tag des Spiels ein Betrunkener namens Boggs in die Stadt und erregt Aufruhr, indem er einen bekannten Südstaatler namens Colonel Sherburn mit dem Tode bedroht. Dieser zeigt sich öffentlich, warnt Boggs und stellt ihm ein Ultimatum bis 1 Uhr. Bis dahin darf er ihn beleidigen, aber nicht später. Boggs behält aber sein Verhalten auch bis nach 1 Uhr bei, woraufhin Colonel Sherburn ihn erschießt.

Jemand in der Menge schreit, dass Sherburn gelyncht werden sollte, und alle machen sich auf zu seinem Haus, um ihn zu töten. Dort erwartet sie Colonel Sherburn mit geladenem Gewehr. Er hält eine längere Rede über die allgemeine Gemeinheit und Feigheit der amerikanischen Rechtsprechung. Er wirft der hysterischen Meute vor, sich völlig blind und ohne jede Vernunft einem Anführer untergeordnet zu haben. Er behauptet, dass solches Lynchen meist nur gelingt, wenn es sich um „echte Männer“ handelt, die nur nachts mit Masken ihr Tun verrichten würden (In dieser Rede bringt Mark Twain seine eigenen misanthropischen Ansichten zum Ausdruck: Huck, der Ausgestoßene, flieht aus dem Süden, während Sherburn, der Gentleman, diese Gesellschaft zurechtweist, wenn auch in einer zynischen und brutalen Weise).

Als der „König“ und der „Herzog“ versuchen, das Stück zum dritten Mal aufzuführen, sind die Einwohner entschlossen, sich das nicht bieten zu lassen, und kommen mit diversen Wurfgeschossen ins Theater, was aber von den anderen bemerkt wird. Alle vier fliehen umgehend aus der Stadt und fahren auf dem Floß weiter den Mississippi hinunter. Die Betrügereien des „Königs“ und des „Herzogs“ erreichen ihren Höhepunkt, als sie versuchen, sich in einer anderen Stadt als Brüder des soeben verstorbenen und sehr vermögenden Peter Wilkes auszugeben. Die notwendigen Detailkenntnisse haben sie sich kurz zuvor von einem weiteren, nichts ahnenden Familienmitglied besorgt. Sie gewöhnen sich einen absurden englischen Akzent an. Der „König“ schafft es, die meisten Einwohner der Stadt davon zu überzeugen, dass er und der „Herzog“ die beiden Brüder des Verstorbenen sind, die gerade eben aus England gekommen seien. Im Folgenden versuchen sie, sich einen Großteil des Erbes anzueignen. Ein einziger Mann aus dem Freundeskreis des Verstorbenen bezichtigt sie öffentlich des Betruges, allerdings vorerst ohne Erfolg. Trotzdem werden die beiden Betrüger vorsichtig. Der „Herzog“ will sofort fliehen, aber der „König“ will noch mehr aus dem Erbe an sich reißen und behauptet, es bestünde wenig Gefahr, „weil die meisten Trottel auf ihrer Seite stünden, und das sei schließlich die Mehrheit in jeder Stadt“ (auch in diesem Satz vermutet man ein „Glaubensbekenntnis“ von Mark Twain).

Huck ist entsetzt über den Plan der beiden, den Töchtern des Verstorbenen ihr Erbe wegzunehmen, und plant seinerseits, diesen Diebstahl rückgängig zu machen. Außerdem wendet er sich gegen den Plan der Betrüger, die Sklaven des Verstorbenen einzeln zu verkaufen und dadurch von ihren Familien zu trennen. Huck stiehlt das bisher geraubte Geld und versteckt es in dem noch offenen Sarg. Er fasst den Plan, von einer anderen Stadt aus einer der Töchter zu schreiben, wo sich das Geld befindet. Aber in dem ganzen Durcheinander weiß er selbst nicht mehr, ob das Geld nun im Sarg ist oder ob es jemand herausgenommen hat.

Kurz danach geraten die beiden Betrüger erneut in Schwierigkeiten, weil die angeblich wahren Brüder des verstorbenen Peter Wilkes, jedoch ebenfalls zwei Betrüger auftauchen. Als das Geld in Wilkes Sarg gefunden wird, gelingt es den beiden Betrügern, in der allgemeinen Konfusion zu fliehen und auf das Floß zu Huck und Jim zurückzukehren. Huck selbst ist sehr enttäuscht, weil er gehofft hat, die beiden endgültig abgehängt zu haben.

Jims Flucht