Niederschöna ist ein Ortsteil der Gemeinde Halsbrücke im Landkreis Mittelsachsen. Die Gemeinde Niederschöna mit ihren Ortsteilen wurde am 1. Januar 2006 nach Halsbrücke eingemeindet.
Geografie Lage und Verkehr Der Ortsteil liegt am westlichen Rand des Tharandter Waldes im Tal des Rodelandbaches, eines rechtsseitigen Nebenflusses der Bobritzsch, zirka acht Kilometer nördlich der Kreisstadt Freiberg. Durch den Ort führt die Bundesstraße 173 von Freiberg nach Dresden. Zudem ist der Ort an das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs angeschlossen. mini|Ortskern mini|Blick von der ehemaligen Bahnstrecke nach Niederschöna mini|Wasserhaus und Güterwaggon im ehemaligen Bahnhofsgelände mini|Von der Oberen Dorfstraße in den Tharandter Wald mini|Niederschöna mit Sicht auf Falkenberg, Conradsdorf und die „Hohe Esse“ Halsbrücke
Nachbarorte
Geschichte mini|Ehemaliges Gemeindeamt Niederschöna In den Jahren 1228–1230 wird Niederschöna als landesherrliches Dorf, verlehnt an die Familie von Mergenthal, S. 83 ein meißnisch-sächsisches Adelsgeschlecht, welches durch den Freiberger Bergbau zu Ansehen und Vermögen gekommen ist,Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 6, Voigt, Leipzig 1865, S. 243–244. erstmals erwähnt. Der Ortsname leitet sich von der niederen schönen Aue ab (1364 Schonaw, 1427 Neder Schona, 1691 Niederschöna). Um 1350 als Allodium Schonaw erwähnt, gehörte das Waldhufendorf 1378 zum castrum Tharandt. Die Grundherrschaft über den Ort lag zwischen 1551 und 1764 beim Rittergut Krummenhennersdorf. Das Erbgericht Niederschöna wird 1447 erwähnt, als der Freiberger Rat sich gegen das seiner Meinung nach unberechtigtes Brauen und Mälzen der Niederschönaer Erbrichter wandte. Es befand sich in des Dorfes Mitte, war zugleich ein starker Gasthof und besaß einen kleinen Steinbruch. Durch den Hof des Erbgerichts führte die Chaussee, ein bis ins 19. Jahrhundert von Freiberg nach Dresden auf der Spur eines älteren Hufenweges folgender Fahrweg, der als Poststraße diente.
Seit Ortsgründung wird das Dorf durch die Landwirtschaft geprägt. Etliche Bauernhöfe und Häuser sind noch in Fachwerkbauweise vorhanden. Neben der Landwirtschaft war der Bergbau in früherer Zeit eine bedeutende Erwerbsquelle. Die 1704 entstandene Grube König-August-Erbstolln war das bedeutendste Bergbauunternehmen Niederschönas. Ein Höhepunkt im Bestehen dieser Grube war der Besuch des russischen Zaren Peter I. im Jahr 1711. Der Grubenbetrieb wurde 1715 wegen Unbauwürdigkeit der Erzgänge auf der Falkenberger Talseite weiter betrieben.
Niederschöna und die auf seiner Flur entstandenen Orte Hetzdorf, Wüsthetzdorf und Hutha bildeten bis 1836 eine südliche Exklave des kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamts Meißen.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 46 f. Ab 1836 gehörten die vier Orte kurzzeitig zum Kreisamt Freiberg.Niederschöna, Hetzdorf, Wüsthetzdorf und Hutha als Orte im Kreisamt Freiberg, Buch "Handbuch der Geographie", S. 618 und 629f. 1856 wurde Niederschöna dem Gerichtsamt Freiberg und nach Trennung von Justiz und Verwaltung 1875 der Amtshauptmannschaft Freiberg angegliedert.
Zwischen 1923 und 1971 besaß der Ort einen Haltepunkt an der Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Oberdittmannsdorf. An die Kleinbahnlinie, heute Wander- und Radweg, erinnern Wasserhaus, Wasserkran und ein Güterwaggon. In Niederschöna arbeiteten einst zwei Mühlen, die „Obermühle“ bis etwa 1890 und die „Niedere Mühle“ bis etwa 1975. Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) „Otto Buchwitz“ Niederschöna wurde 1952 gegründet. Aus dieser ist die Agrargenossenschaft Niederschöna e.G. mit den Bereichen Pflanzenproduktion, Tierproduktion und der im Dezember 2002 in Betrieb genommenen Biogasanlage hervorgegangen. Die Biogasanlage erzeugt 330 Kilowatt elektrische Leistung und hat einen Gasspeicher von 900 Kubikmeter. Einsatzstoffe sind Gülle und Silomais.Biogasanlage Niederschöna, biomasse-freiberg.de
Am 1. Juli 1950 wurde Oberschaar mit seinem Gemeindeteil Haida nach Niederschöna eingemeindet. Ab 25. Juli 1952 gehörte die Gemeinde Niederschöna zum Kreis Freiberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Freiberg fortgeführt wurde und 2008 im Landkreis Mittelsachsen aufging. Am 1. März 1994 erfolgte der Zusammenschluss mit Hetzdorf zur Landgemeinde Niederschöna im Landkreis Freiberg.
Zum 1. Januar 2006 erfolgte die Eingemeindung nach Halsbrücke,StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands weil die Gemeinde Niederschöna mit 8,2 Millionen Euro verschuldet und nicht mehr handlungsfähig war.
Die zur Grundschule umgebaute ehemalige Mittelschule wurde am 7. August 2009 eingeweiht. Das Schulgebäude stammt aus dem Jahre 1888. Die alte Schule, 1819 errichtet (heute Wohnhaus), mit der Kirche und dem Pfarrgehöft, stellen ein wirkungsvolles Bauensemble dar.
Die im November 2011 fertiggestellte OPAL-Pipeline verläuft von der Anlandung bei Lubmin bis nach Olbernhau im Erzgebirge. Im Abschnittsbereich Niederschöna befand sich 2009/2010 das Rohrlager. Hier war auch eine Biegemaschine im Einsatz, mit der die Rohrstücke dem hügeligen Gelände angepasst wurden.
Entwicklung der Einwohnerzahl 1551: 52 besessene Mann und 109 Inwohner
1764: 35 besessene Mann, 23 Gärtner, 22 Häusler auf 31 Hufen je 16–18 Scheffel.
Stand jeweils 31. Dezember: 1834 bis 1946 1834: 818 1871: 1027 1890: 999 1910: 953 1925: 926 1939: 879 1946: 11671950 bis 2004 1950: 1525 1964: 1367 1990: 1140 1998: 2103 2000: 2105 2002: 2137 2004: 2073
Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung ErlichtGemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren vor 1875 Eingemeindung nach Herrndorf Herrndorf 01.04.1948 Eingemeindung nach Hetzdorf Hetzdorf 01.03.1994 Eingemeindung nach Niederschöna Hutha vor 1875 Eingemeindung nach Herrndorf Niederschöna 01.01.2006 Eingemeindung nach Halsbrücke Oberschaar (mit Haida) 01.07.1950 Eingemeindung nach Niederschöna Oberschaar, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Oberschaar Wüsthetzdorf 01.01.1887 Eingemeindung nach Hetzdorf
Bauwerke Kirche Niederschöna
Die heutige barocke Gestalt der Kirche Niederschöna mit Dachreiter und flachgedecktem Rechtecksaal mit doppelten Emporen entspricht dem Umbau von 1716. Zur älteren Bausubstanz, um 1600 datiert, gehören die gefasten Rundbogentürgewände im Chorbereich. Der große Taufstein zeigt eine spätgotische Ornamentik. Besonders ist die einmanualige Orgel des sächsischen Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann aus dem Jahre 1716 hervorzuheben.
Niederschönaer Sandstein mini|Ehemaliger Sandsteinbruch am Forsthaus mini|hochkant|Tafel am ehemaligen Sandsteinbruch Von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Einwohner Niederschönaus war der Abbau von Sandstein in mehreren Steinbrüchen auf dem Gemeindegebiet und im Tharandter Wald. Aus dem Niederschönaer Sandstein wurden viele Architekturteile für Gebäude im Raum Freiberg hergestellt. Kursächsische Postmeilensäulen, insbesondere die Wappenteile der Distanzsäulen, im Erzgebirge bestehen ebenfalls oft aus diesem Gestein. Im Jahre 1915 wurde der Betrieb eingestellt. Von den zahlreichen ehemaligen Sandsteinbrüchen in und bei Niederschöna ist der am Forsthaus gelegene am besten erhalten. Die Funde prähistorischer Pflanzen in den Tonsteinlagen der nach dieser Typlokalität benannten Niederschönaer Schichten (modern Niederschöna-Formation) sind durch Hanns Bruno Geinitz in die Geologiegeschichte eingegangenen und haben auf geowissenschaftlichem Gebiet internationale Beachtung erlangt. Hier liegen Sandstein, Tonstein sowie Schluffstein und an der Schichtenbasis paläogeographische Flussschotter in Wechsellagerung übereinander. Die Schotter sind Relikte eines prähistorischen Flusslaufes. Einzelne Sandsteinschichten dieser Sedimentabfolge wurden von Häntzschel (1934) als Dünensandstein erklärt. Obere Schichten sind jedoch schon marinen Ursprungs (Glaukonitgehalte, Kriechspuren von Lebewesen), weisen ein marines Basalkonglomerat auf und in den darüber liegenden Schichten der Oberhäslich-Formation sowie der Dölzschen-Formation befindet sich kompakter Sandstein als Meeresablagerung. Es wird auf Grund dieser Merkmale eine spätere Flussmündung angenommen, die sich bis zur küstennahen Flachmeerzone entwickelte. Schwankendes Vordringen des Meeres und eben solches Zurückweichen im Zusammenspiel mit einem prähistorischen welligen Gelände hinterließen einen komplizierten Schichtenaufbau in der Sedimentabfolge zwischen Grillenburg und Niederschöna. Für das Verständnis paläogeographischer Zusammenhänge kreidezeitlicher Ablagerungen im Raum Dresden sind diese geologischen Aufschlüsse und spätere Forschungsbohrungen innerhalb der Wissenschaftsgeschichte Sachsens von herausgehobener Bedeutung.Werner Pälchen, Harald Walter (beide Hrsg.): Geologie von Sachsen. Geologischer Bau und Entwicklungsgeschichte. Stuttgart 2008. S. 317–319 ISBN 978-3-510-65239-6Frank Haubrich, Mareike Eberlein: Der Tharandter Wald als Sinnbild der Geologie von Sachsen. Exkursionsführer zur Jahrestagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft. 2007 (PDF; 16 MB).
Ehemaliges Freigut Niederschöna Das Herrenhaus (Wiesenweg 7) des früheren Freigutes Niederschöna,Das Freigut Niederschöna auf www.sachsens-schloesser.de wurde 1910 umgebaut und 1946 in ein Kurheim für Tbk-Kranke umfunktioniert. Etwa ab Ende der 1960er Jahre wurde es als Pflegeheim für ältere Bürger genutzt. Gegenwärtig sind nur noch die Anbauten des einst stattlichen Herrenhauses vorhanden.
Ein geschichtlicher Abriss des Freigutes NiederschönaChristine Zimmermann: Niederschöna – Geschichte(n) zwischen Tharandter Wald und Bobritzschtal, Hrsg. Gemeinde Halsbrücke, 1. Auflage 2009. ist durch die nachfolgende Nennung der früheren Besitzer des Gutes ab 1600 gegeben.
Erste sichtbare Spuren des Anwesens sind in einer Karte des Markscheiders Oeder um 1580 zu finden:
„Hans Heinrich von Schönbergks gutt“ – neben einen „Gerichtshof“ (dem Erbgericht), zwei Mühlen und „Hans Heinrich v. Schönbergs holtz“, einem Wald, der mehr als 100 Jahre später gerodet und die Dorfflur eines großen Teils von Hetzdorf bildet. Anhand der im Kreisarchiv Freiberg vorhandenen Kaufbücher und der Tauf-, Trau- und Totenregister der Kirche Niederschöna sind folgende Besitzer des Freigutes nachweisbar:
1600: Hans Heinrich von Schönberg 1603–1609: Heinrich von Lindenau 1610–1616: Witwe Katarina von Lindenau 1617–1619: Hauboldt von Schönberg 1619: Hans Düppoltt von Gremsig 1622–1624: Caspar Rudolph von Schönberg 1627–1638: Sigmund von Maltitz 1646, 1653: Ernst Dittrich von Schönfeld 1660: Barbara von Schönfeld 1677: Adam Dieterich von Hartitzsch 1680, 1684: Dorothea von Hartitzsch 1702, 1704: Hans Haubold von Liebenau 1709–1727: Hannibal Johann von Schmertzing 1727–1742: Witwe des Herrn von Schmertzing 1742–1753: August Philipp von Mergenthal (auch Rittergut Naundorf) 1753–1792: Justus Israel Kretschmar 1792–1810: Witwe Kretschmars 1810–1841: Benjamin Friedrich Albert (neuer Ehemann von Kretschmars Witwe) 1841–1863: Carl Friedrich Albert 1863–1870: Johann August Heincke (1866 totaler Umbau des Freigutgebäudes) 1870: Arthur August Max von Oetzen 1875, 1878: Wilhelm Pfefferkorn 1880: Oscar Julius Kunath (1882 wurde aus „Freigutbesitzer“ „Rittergutbesitzer“) 1884: Georg Erdmann Alexander Jesnitzer 1887: Bruno Lantz 1902–1919: Franz Friedrich Schatz (umfangreicher Umbau des Freigutgebäudes) 1919–1923: Karl Hellmuth Kohlschmidt 1924: Reichsbahn-Arbeiterpensionskasse III Dresden (Einrichtung eines Kinderheims) 1937: Familien Fritsche und Conrad (Aufteilung des Rittergutlandes) 1960, 1969: LPG (Übernahme der Landwirtschaft und später der Viehwirtschaft) 1991: Agrargenossenschaft Niederschöna
Zur Geschichte des Herrenhauses (Wiesenweg 7)