Bila Zerkwa (, , Belaja Zerkow, ) ist eine Stadt in der ukrainischen Oblast Kiew mit etwa 200.000 Einwohnern. Sie liegt am Ufer des Ros rund 80 Kilometer südwestlich von Kiew. mini|links|Katholische Kirche

Geschichte Die Stadt, deren Name „Weiße Kirche“ bedeutet, wurde 1032 von Kiewer Großfürst Jaroslaw I. gegründet. Grundmauern der frühen orthodoxen Kirche wurden freigelegt. Ab 1363 gehörte sie zum Großfürstentum Litauen, seit 1569 zu Polen-Litauen. 1651 wurde hier ein Vertrag zwischen Polen und den ukrainischen Kosaken unter Bohdan Chmelnyzkyj unterschrieben. 1589 erhielt die Ortschaft das Magdeburger Stadtrecht. 1646 gab es in Bila Zerkwa rund 100 jüdische Haushalte.Shaul Stampfer: What Actually Happened to the Jews of Ukraine in 1648? In: Jewish History, Jg. 17 (2003), S. 207–227, hier S. 215. mini|links|Dendrologischer Park Oleksandrija

Nach der dritten Teilung Polens 1795 kam die Stadt zum Russischen Reich. Im 19. Jahrhundert war Bila Zerkwa eine bedeutende Marktstadt. Zu Zeiten der Sowjetunion wurde Bila Zerkwa zu einer Großstadt und zu einem bedeutenden Industriestandort (Maschinenbau, Bauindustrie).

Während der deutschen Besetzung der Stadt im Zweiten Weltkrieg wurde im August 1941 beim Massaker in Bila Zerkwa die jüdische Bevölkerung der Stadt ermordet. Nachdem vom 8. bis 19. August bereits 800–900 ortsansässige jüdische Männer und Frauen erschossen worden waren, wurden am 22. August auch 90 jüdische Kinder im Alter von einem bis sieben Jahren durch die Einsatzgruppe C erschossen.Ernst Klee / Willi Dreßen / Volker Rieß (Hrsg.): „Schöne Zeiten“. Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer, S. Fischer, Frankfurt 1988, ISBN 3-10-039304-X, S. 131–145.

In Bila Zerkwa befindet sich das Mitte des 19. Jahrhunderts erbaute Gebäude der Großen Synagoge, das heute als Fachhochschule dient, sowie eine 400 Hektar große und prächtige Gartenanlage namens Oleksandrija, die bereits 1788 auf Befehl der Frau des polnischen Hetmans Franciszek Ksawery Branicki angelegt worden war. Des Weiteren befindet sich in der Stadt ein klassizistischer katholischer Kirchenbau, der gegenwärtig als Kirche und Konzertsaal genutzt wird.

Während des Russischen Überfalls auf die Ukraine wurde die Stadt in der Nacht vom 4. zum 5. Oktober 2022 Ziel eines Angriffs mit Iranischen HESA-Shahed-136-Kamikazedrohnen. Ein Feuer brach aus und es gab mindestens einen Verletzten.

Verwaltungsgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Bila Zerkwa (Білоцерківська міська громада/Bilozerkiwska miska hromada). Zu dieser zählen auch die Siedlung städtischen Typs Teresyne und die 15 in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten DörferКабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 715-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Київської області", bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Bila Zerkwa (Білоцерківська міська рада/Bilozerkiwska miska rada) unter Oblastverwaltung stehend im Zentrum des ihn umgebenden Rajons Bila Zerkwa.

Am 17. Juli 2020 kam es im Zuge einer großen Rajonsreform zum Anschluss des Rajonsgebietes an den Rajon Bila ZerkwaВерховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX Про утворення та ліквідацію районів.

Folgende Orte sind neben dem Hauptort Bila Zerkwa Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch Chrapatschi Храпачі Храпачи Drosdy Дрозди Дрозды Hajok Гайок Гаёк (Gajok) Hlybotschka Глибочка Глыбочка (Glybotschka) Hluschky Глушки Глушки (Gluschki) Horodyschtsche Городище Городище (Gorodischtsche) Masepynzi Мазепинці Мазепинцы (Masepinzy) Pischtschana Піщана Песчаная (Pestschanaja) Pylyptscha Пилипча Пилипча (Piliptscha) Schkariwka Шкарівка Шкаровка (Schkarowka) Skrebyschi Скребиші Скребыши Sydory Сидори Сидоры (Sidory) Teresyne Терезине Терезино (Teresino) Tomyliwka Томилівка Томиловка (Tomilowka) Wilna Tarassiwka Вільна Тарасівка Вольная Тарасовка (Wolnaja Tarassowka) Wolodymyriwka Володимирівка Владимировка (Wladimirowka)

Bevölkerung mini|links|Rathaus Nach den Daten der Volkszählung aus dem Jahr 2001 bestand die Stadtbevölkerung zu 87,4 Prozent aus ethnischen Ukrainern und zu 10,3 Prozent aus Russen. Daneben gibt es kleine jüdische, belarussische und polnische Minderheiten.

In Bila Zerkwa leben mehr Frauen als Männer (52,8 zu 47,2 Prozent).

Entwicklung der Einwohnerzahl (bis 2001 Volkszählungsdaten, ab 2014 Schätzungen jeweils zum 1. Januar): 1939 – 47.369 1959 – 70.633 1970 – 108.545 1979 – 151.318 1989 – 196.878 2001 – 200.131 2014 – 211.205 2022 – 207.273

Städtepartnerschaften Xinzhou, Volksrepublik China, seit 1997 Senaki, Georgien, seit 1997 Ostrowiec Świętokrzyski, Polen, seit 2001 Krementschuk, Ukraine, seit 2001 Púchov, Slowakei, seit 2004 Tarnów, Polen, seit 2007 Rajon Solomjanka, Ukraine, seit 2009 Bijelo Polje, Montenegro, seit 2011 Vilnius, Litauen, seit 2011 Itea, Griechenland, seit 2013 Braunschweig, Deutschland, seit 2022 Lüneburg, Deutschland, seit 2023

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Jelisaweta Woronzowa (1792–1880), Adlige, Hofdame und Vizekönigin des Kaukasus Isidor Hilberg (1852–1919), Gräzist, Rektor der Universität Czernowitz Michail Ossipowitsch Eisenstein (1867–1920), Architekt, Vater des Filmregisseurs Sergej Eisenstein Róża Czacka (1876–1961), römisch-katholische Ordensfrau Awrelija Iossifowna Dobrowolskaja (1881–1942), Opernsängerin und Gesangslehrerin Jossele Rosenblatt (1882–1933), ukrainischer Chasan und Komponist Moshe Lifshits (1894–1940), jiddischer Dichter Benzion Wul (1903–1985), Physiker Boris Samoilowitsch Jampolski (1912–1972), Journalist und Schriftsteller Juri Wladimirowitsch Linnik (1915–1972), russischer Mathematiker Ljudmila Pawlitschenko (1916–1974), sowjetische Scharfschützin Dawid Bronstein (1924–2006), Schachgroßmeister, Vizeweltmeister 1951 Wadim Tumanow (1927–2024), russischer Bergbau-Unternehmer Alexander Wassiljewitsch Medwed (1937–2024), Ringer und belarussischer Sportfunktionär Feofan Galinskij (1954–2017), russisch-orthodoxer Erzbischof von Berlin und Deutschland Artur Walerjewitsch Dmitrijew (1968–2026), Eiskunstläufer Wolodymyr Djudja (* 1983), Radrennfahrer Jewhenija Snihur (* 1984), Hürdenläuferin Switlana Tschernjawska (* 1984), Gewichtheberin Maksym Pustoswonow (* 1987), Basketballspieler Oksana Kljatschyna (* 1997), Radsportlerin

Mit der Stadt verbunden

Nikolai Iwanowitsch Wawilow (1887–1943), russischer Biologe

Weblinks

Informationen zu Bila Zerkwa Stadtplan Trolleybusnetz

Einzelnachweise

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