Ein Zeugma (, wörtlich ‚das Zusammengespannte‘, Plural „Zeugmata“) ist eine rhetorische Figur als Form der Brachylogie.
Zeugma im einen Sinne In dem einen Sinne besteht die Wortfigur darin, dass in Satzverbindungen das den einzelnen Sätzen gemeinschaftliche Verb nur einmal gesetzt wird. Beispiele sind:
Unter Zeugma versteht man auch diejenige Figur, die herkömmlich die Bezeichnung Syllepse trägt. Ein traditionelles Beispiel für eine Syllepsis ist:
Hier deckt das Verb „sehen“, das seinem eigentlichen Sinn nach nur zum ersten Satzglied passt, zugleich das weggelassene sinnverwandte „hören“ ab. Andere Übersetzungen wählen hier allerdings entweder ein neutrales Verb („merken auf“, Luther (revidierter Text 1984); „achten auf“, Zwingli) oder zwei („sehen“, „hören“, Einheitsübersetzung); im hebräischen Urtext steht überhaupt kein Verb ().
Ähnlich Lukas, Evangelium 15,25: .
Zeugma im anderen Sinne Im modernen Sinne meint man mit dem Begriff Zeugma oft überhaupt nur noch die Syllepsis, wobei man hierunter eine unlogische, sprachwidrige Verbindung zweier oder mehrerer Ausdrücke durch Einsparung eines logisch notwendigen Satzglieds versteht (vgl. dagegen das Beispiel im obigen Teil). Herbeigeführt wird diese Figur vielfach durch ein polysemes Verb, das zugleich zu den verschiedenen Ausdrücken in unterschiedlicher Bedeutung zu verstehen ist.
Es erscheint damit als beabsichtigtes Wortspiel meist in der Form, dass zwei Substantive ironisch oder satirisch durch ein Verb verbunden sind, das für den einen Fall konkrete, für den anderen übertragene Bedeutung hat.
Typische Situationen, die das Kreieren eines Zeugmas erlauben, sind: Ein Verb kann in mehreren zusammengesetzten Verben oder allein auftreten („heißen“, „willkommen heißen“). Ein Zeugma dieser Art ist der Satz „Ich heiße Heinz und Sie herzlich willkommen!“ (im Sinne von „Mein Name ist Heinz und ich begrüße Sie herzlich!“) Ein Verb kann mit unterschiedlichen Partikeln auftreten wie in „Er trat die Tür ein und den Rückweg an“. Ein Verb besitzt für sich allein trotz identischer Syntax unterschiedliche Bedeutungen wie in „Er schlug die Scheibe und den Weg nach Hause ein“.
Der sogenannte Zeugma-Test wird eingesetzt, um Vagheit einerseits und Polysemie/Homonymie andererseits zu unterscheiden: Das Zustandekommen eines Zeugma-Effekts bei Weglassen eines scheinbar nur wiederholenden Ausdrucks ist für Polysemie und Homonymie charakteristisch.Volker Harm: Einführung in die Lexikologie. WBG, Darmstadt 2015 (Einführung Germanistik), ISBN 978-3-534-26384-4, S. 50.
Zitate
Einzelnachweise
Kategorie:Rhetorischer Begriff