Die Burgruine Winterstein ist die Ruine einer Höhenburg auf im Gemeindeteil Winterstein der Gemeinde Simmelsdorf im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land in Bayern.

Geschichte Die Entstehungszeit und der Erbauer der Burg sind unbekannt. Die nach Winterstein benannte Familie gehörte wahrscheinlich ursprünglich zum Dienst- oder Lehnsverband der Reichsministerialen von Hiltpoltstein-Rothenberg. Es ist nicht gesichert, dass die Wintersteiner selbst die Burg errichteten; als Bauherr kommt auch einer ihrer Dienstherren in Betracht. Als frühester möglicherweise mit dem Geschlecht zusammenhängender Namensträger erscheint 1305 ein Nendunch de Hilpolstain. Ob er mit dem späteren Neidung von Winterstein identisch war, ist nicht gesichert. Der erste greifbare Hinweis auf einen Herrschaftsträger in Winterstein stammt aus dem Jahr 1326. Damals veräußerte Neidung von Winterstein, ein Sohn des bereits verstorbenen Rienolt von Osternohe, Güter an den Deutschen Orden. Sein Bruder Hartmann von Diepoltsdorf trat dabei als Bürge auf. Um 1331 besaßen beide gemeinsam ein Lehen der Schenken von Reicheneck.

Nach der Mitte des 14. Jahrhunderts war die Burg in mehrere Besitzanteile aufgeteilt und dürfte zeitweilig den Charakter einer Ganerbenburg gehabt haben. 1369 verkauften Albrecht und Hans von Winterstein ihre Anteile an ihren Bruder Neidung. In den folgenden Jahren gingen die Anteile schrittweise an die Herren von Egloffstein über. 1372 verkauften die Wintersteiner zunächst ein Drittel der Burg an Albrecht und Otto von Egloffstein; 1378 befand sich schließlich die gesamte Herrschaft Winterstein im Besitz Albrechts von Egloffstein des Jüngeren.

Während des Ersten Markgrafenkrieges zogen 1450 Nürnberger Truppen zweimal gegen Winterstein. Die Burg stand damals unter dem Kommando des egloffsteinischen Vogtes Cunz Sixt und konnte nicht eingenommen werden. Die Nürnberger brannten jedoch die außerhalb der Befestigung gelegenen Anwesen nieder und plünderten bei einem weiteren Zug die bäuerlichen Hofstellen.

Um 1500 saß Claus von Egloffstein auf Winterstein. 1519 verkaufte Christoph von Egloffstein die Burg für 1400 Gulden an Pankraz Lochner, der einem oberfränkischen Ministerialengeschlecht entstammte. Pankraz Lochner erwarb 1528 zusätzlich das Rittergut Hüttenbach. Nach seinem Tod 1546 wurde der Besitz zunächst vormundschaftlich verwaltet und später zwischen seinen Söhnen Andreas und Georg Lochner geteilt. Andreas erhielt Winterstein. Nach dessen Tod ohne männliche Nachkommen fiel die Herrschaft an seine Neffen Hans Georg und Wolf Pankraz Lochner; nach einem Vergleich von 1592 übernahm Wolf Pankraz Winterstein.

Nach dem Tod Wolf Pankraz Lochners im Jahr 1639 geriet dessen Familie zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Seine Töchter Katharina und Maria Magdalena veräußerten das Rittergut Winterstein 1662/64 an ihre Gläubiger, die Nürnberger Patrizierfamilie Tucher von Simmelsdorf, die sich in der Folge Tucher von Simmelsdorf und Winterstein nannte. Für den 1664 vollzogenen Verkauf wird ein Kaufpreis von 18.735 Gulden genannt. Die Burg wurde nun von einem Tucherschen Vogt verwaltet und nur noch gelegentlich als Jagdaufenthalt genutzt.

Bei der Übernahme war die Anlage bereits stark instandsetzungsbedürftig. Noch 1662 ließ die Tuchersche Verwaltung das Torhaus und mehrere Nebengebäude ausbessern. 1665 mussten Mauern des sogenannten alten Schlosses mit Hölzern gesichert werden; zwischen 1666 und 1669 sind weitere Dach- und Bauarbeiten nachweisbar. In den späten 1680er und frühen 1690er Jahren erfolgten erneut umfangreichere Reparaturen. Um 1689/90 wurde offenbar auch das heute erhaltene Obergeschoss des Torhauses umgebaut.

Eine um 1677 entstandene Radierung nach einer Vorlage von Johann Keill zeigt die Burg noch in wesentlich vollständigerem Zustand. Zu erkennen sind das zweigeschossige Torhaus mit einem Fachwerkerker, ein östlich anschließendes Gebäude sowie ein Rundturm. Weiter südöstlich befanden sich ein mehrgeschossiger, wohnturmartiger Hauptbau auf einem Felsriff und ein weiteres Gebäude mit mächtigem Halbwalmdach.

Aus dem Jahr 1740 sind zwei Entwürfe des Hüttenbacher Maurermeisters und Stuckators Johann Wurm erhalten. Einer zeigt den geplanten Anbau eines sechseckigen Treppenturmes mit Spindeltreppe an das Hauptgebäude, der zweite den Entwurf einer reich stuckierten Decke für einen etwa acht Meter langen und sechseinhalb Meter breiten Saal. Ob insbesondere der geplante Treppenturm tatsächlich ausgeführt wurde, ist nicht geklärt.

Wann die größeren Wohngebäude der Burg verschwanden, ist nicht sicher bekannt. Nach Otto Röder wurden wesentliche Teile erst nach einem Verkauf der Anlage an Bauern gegen Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen. Nach dem späteren Rückerwerb durch die Familie Tucher wurde das inzwischen ebenfalls baufällig gewordene Torhaus zu Beginn der 1930er Jahre instand gesetzt. Weitere Renovierungsarbeiten erfolgten in den 1970er Jahren.

Baubestand Von der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Burganlage sind heute vor allem der Torbau sowie Mauerzüge des ehemaligen Hauptgebäudes erhalten. Der zweigeschossige massive Torbau besitzt ein Satteldach und eine rundbogige Tordurchfahrt. Östlich davon schließen die Mauerreste eines rechteckigen Hauptgebäudes mit dem Stumpf eines Eckturmes an. Weitere Teile der Burgmauern wurden in jüngere Wirtschaftsgebäude einbezogen. Das erhaltene Mauerwerk des Hauptgebäudes wird in das 14. Jahrhundert, der Torbau in das 16. oder 17. Jahrhundert datiert.

Die erhaltenen Bauteile sind als Baudenkmal unter der Aktennummer D-5-74-158-82 in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Darüber ist der Bereich der Burgruine als Bodendenkmal D-5-6333-0010 geschützt.

Literatur Volker Alberti: Die Herrschaft Winterstein. In: Fundgrube. 39. Jahrgang, Nr. 1, 1998, S. 1–5. Volker Alberti, Lorenz Baumann, Horst Holz: Burgen und Schlösser im Schnaittachtal. (= Fränkische Adelssitze. Band 1). Simmelsdorf-Hüttenbach 1999.

Ruth Bach-Damaskinos, Jürgen Schnabel, Sabine Kothes: Schlösser und Burgen in Mittelfranken. Verlag A. Hoffmann, Nürnberg 1993, ISBN 3-87191-186-0, S. 143–144. Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold Frhr. von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft. Altnürnberger Landschaft, Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 497–499. Otto Röder: Winterstein. Geschichte eines Herrensitzes. Nürnberg 1985. Gustav Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100 bis 1400. (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 20). Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1979, S. 302–304.

Einzelnachweise

Weblinks Burgruine Winterstein, burgenwelt.de Burgruine Winterstein, burgen-und-schloesser.net

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