Mußbach, in der örtlichen Mundart Muschbach, das als Winzerdorf seit 1935 den Namenszusatz „an der Weinstraße“ trug, wurde 1969 durch die rheinland-pfälzische Gebietsreform als Ortsteil in die rund 3 km südwestlich gelegene kreisfreie Stadt Neustadt/Wstr. eingemeindet. Seither erhöhte sich die Zahl der Einwohner auf rund 4000. Damit ist Mußbach in dieser Hinsicht der drittgrößte Ortsteil von Neustadt.

Geographie Lage Mußbach liegt in der Vorderpfalz im rebenbestandenen Hügelland an der Deutschen Weinstraße auf etwa Höhe.Lage und Höhe von Mußbach auf: . Abgerufen am 6. März 2021. Nach Osten und vor allem nach Südosten hat es sich allmählich weiter in die Rheinebene ausgebreitet. Südöstlich des Ortes erstreckt sich der Ordenswald.

Nachbarorte Nachbarorte sind im Südwesten die Kernstadt von Neustadt, im Westen bzw. Nordwesten die Neustadter Stadtteile Gimmeldingen und Königsbach, im Norden die Stadt Deidesheim, im Nordosten die Ortsgemeinde Meckenheim, im Osten die verbandsfreie Gemeinde Haßloch und im Süden der Stadtteil Lachen-Speyerdorf.

Gewässer

Der Ortsname stammt vom knapp 12 km langen Mußbach. Dieser fließt, aus dem Pfälzerwald kommend, zunächst durch Gimmeldingen, dann durch Mußbach und mündet schließlich 2 km südöstlich der Wohnbebauung von links in den Rehbach, den nördlichen Mündungsarm des Speyerbachs.

Im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit wurden mit dem Wasser des Mußbachs zwölf Mühlen betrieben, davon zwei in Mußbach. Alle Standorte sind heute über einen Mühlenwanderweg verbunden. Im 19. und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Bach als Abwasserkanal benutzt. Mittlerweile ist er teilweise offengelegt und renaturiert, teilweise aber auch noch verrohrt.

Bis in die 1960er Jahre diente das Wasser des Bachs, durch Kieselsteine in großen Betonbecken mechanisch geklärt, zur Befüllung des Mußbacher Freibads.

1 km östlich der Wohnbebauung erstreckt sich in West-Ost-Richtung der Mußbacher Baggerweiher (). Er ist rund 500 m lang und 150 m breit, seine Wasserfläche bedeckt 7,5 Hektar.

Klima mini|

Die Lage des Ortes am Rand der Vorderpfalz, die Teil der von Mittelgebirgen umgebenen Rheinebene ist, bedingt ein mildes Klima. Die Temperaturen betragen im Jahresmittel etwa 10 °C, im Winter 0 °C und im Sommer 20 °C. Im Lee des hohen Weinbiets, das zum Ostrand des Pfälzerwalds gehört, beläuft sich der durchschnittliche Jahresniederschlag auf unter 500 mm; damit liegt Mußbach in einer der niederschlagsärmsten Gegenden Deutschlands.

Geschichte Einen Überblick bietet eine Zeittafel des Weindorfs. Wichtige Epochen und Ereignisse sind nachfolgend aufgeführt.

Mittelalter Um das Jahr 780 wurde der Ort erstmals als Muosbach im Inventar des Klosters Fulda erwähnt. Der mittelhochdeutsche Ausdruck für den Wasserlauf und danach auch für den Ort bedeutet so viel wie „moosiger Bach“ im Sinne von „sumpfig“; naturbelassene Wasserläufe mäandrierten damals und bewirkten in der Umgebung einen hohen Grundwasserspiegel.

Im Jahr 985 gehörte auch Mußbach zu den Gemeinden, die dem Kloster Weißenburg beim sogenannten Salischen Kirchenraub verlustig gingen.

18. und 19. Jahrhundert mini|hochkant|Durchgangsverbot (1807)

Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Musbach – so die damalige Schreibweise – in den Kanton Neustadt (Donnersberg) eingegliedert und besaß eine eigene Mairie. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1817 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Neustadt an; aus diesem ging das Bezirksamt Neustadt hervor.

mini|hochkant|Früheres Rathaus, heute Sitz der Ortsverwaltung

Mußbach wuchs schon im 19. Jahrhundert mit dem westlichen Nachbarort Gimmeldingen zusammen und besaß mit ihm eine auf 500 m gemeinsame Straße, die eine ungewöhnliche Grenze bildete: Die Häuser auf der Nordseite gehörten als Mußbacher Straße zu Gimmeldingen, die auf der Südseite als Gimmeldinger Straße zu Mußbach. Die Straßenfläche lag vollständig auf der Gemarkung Mußbachs, das die Straße auch zu unterhalten hatte. Seit beide Orte nach Neustadt eingemeindet wurden, heißt die gemeinsame Ader einheitlich Kurpfalzstraße, die unsichtbaren Gemarkungsgrenzen existieren allerdings weiterhin.

20. Jahrhundert Ab 1939 war Mußbach Bestandteil des Landkreises Neustadt an der Weinstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des Regierungsbezirks Pfalz im damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Mußbach am 7. Juni 1969 in die kreisfreie Stadt Neustadt an der Weinstraße eingemeindet.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Mußbach ist heute als Wohnvorort von Neustadt von Bedeutung. 1815 hatte es 1.400 Einwohner, zur Zeit der Eingemeindung 1969 etwa 3.500 Einwohner. Aufgrund der Ausweitung der Wohnbebauung vor allem nach Südosten stieg die Zahl allmählich auf über 4.000. Im Jahr 2008 hatte sie mit 4.255 Einwohnern ihren Höchststand. Im Juni 2011 hatte Mußbach 4.063, im Jahr 2019 3.986 Einwohner.

Religion Christentum Im Ortszentrum liegt die in hochgotischem Stil erbaute alte Johanneskirche. Ihr Chor überstand während des Dreißigjährigen Krieges eine Feuersbrunst, als 1621 Truppen des spanischen Generals Córdoba den Ort verwüsteten; das Kirchenschiff brannte aus und wurde später – etwas niedriger als vorher – neu errichtet. Bereits 1689, als während des Pfälzischen Erbfolgekrieges französische Truppen die Pfalz verheerten, wurde die Johanneskirche erneut schwer durch Feuer beschädigt; anschließend wurde sie mehrmals teilrestauriert. 1707 wurde zwischen dem Chor und dem Schiff eine Trennwand eingebaut; der Chor wurde den Katholiken, das Schiff den Protestanten zugeteilt.

Der katholische Kirchenteil wird seit einem gleichnamigen Neubau 1959 nicht mehr genutzt und wurde im Lauf der Zeit sehr renovierungsbedürftig. Mittlerweile gehört das gesamte Gotteshaus der Evangelischen Kirche, die um eine einheitliche Restaurierung bemüht ist.

Seit Dezember 2004 fehlte der neuen Johanneskirche, die 1959 als Rundbau am Südostrand des ausgedehnten Herrenhof-Areals errichtet wurde, der ursprünglich 30 m hohe Turm. Dieser musste, nur 45 Jahre nach Fertigstellung, wegen Baufälligkeit abgebrochen werden, weil der Beton den Schwingungen der vier Glocken nicht standgehalten hatte und brüchig geworden war. Der Turm wurde 2015 als 17 m hohe Stahlkonstruktion neu errichtet und trägt nun zwei Bronzeglocken. Diese hatten kurz vor ihrer Aufhängung Schlagzeilen gemacht, als sie vor den Augen von zahlreichen Bauarbeitern durch zwei Diebe entwendet wurden; nach einem halben Monat wurden die Glocken unversehrt aufgefunden.

Judentum Vor Ort existierte einst eine jüdische Gemeinde, die seinerzeit zum Bezirksrabbinat Dürkheim–Frankenthal gehörte. Am 22. Oktober 1940 wurden mit einer einzigen Ausnahme alle in Mußbach lebenden Juden im Zuge der Wagner-Bürckel-Aktion nach Südfrankreich deportiert; wer die Deportation überlebt hatte, starb 1942 im Konzentrationslager.

Politik Ortsvorsteher Roland Ipach (FWG) wurde am 2. Juli 2024 Ortsvorsteher von Mußbach. Bei einer Stichwahl am 23. Juni hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 55,9 % gegen eine SPD-Mitbewerberin durchgesetzt, nachdem bei der Direktwahl am 9. Juni keiner der ursprünglich drei Bewerber eine ausreichende Mehrheit erreicht hatte.

Ipachs Vorgänger Dirk Herber (CDU), der seit der Landtagswahl 2016 das Direktmandat für den Wahlkreis 42 (Neustadt an der Weinstraße) innehat, war seit 2014 Ortsvorsteher und kandidierte 2024 nicht erneut für dieses Amt.

Ortsbeirat Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 verlor die CDU einen Sitz und ist nun gleichauf mit der FWG, die ebenfalls fünf Sitze innehat. Die SPD gewann einen Sitz hinzu und verfügt nun wieder über drei, auf die Grünen entfallen weiterhin zwei. Für weitere Informationen siehe die Ergebnisse der Kommunalwahlen in Neustadt an der Weinstraße.

Wappen

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauwerke Kulturdenkmäler

Das Johanniterviertel und der Ortskern sind als Denkmalzonen ausgewiesen.

Hinzu kommen zahlreiche Einzeldenkmäler, darunter folgende Objekte:

Die alte Johanneskirche gehörte ursprünglich zum benachbarten Herrenhof (An der Eselshaut 18). Dieser stellt eine weitläufige Hofgutanlage dar, die einst dem Johanniterorden gehörte, dessen katholisch gebliebener Teil sich später in Malteserorden umbenannte. Das Hofgut lässt sich bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen; damit ist der Herrenhof das älteste Weingut der Pfalz, das bis heute ununterbrochen betrieben wurde, und möglicherweise auch der älteste derartige Betrieb in ganz Deutschland. Mit seinen zahlreichen repräsentativen Räumen und seinem riesigen gepflasterten Innenhof dient das ausgezeichnet restaurierte Ensemble der Stadt und dem Ortsteil als Kulisse für Kultur- und Festveranstaltungen und ermöglicht große Kunstausstellungen. In einem der Gebäude befindet sich das Weinbaumuseum Getreidekasten.

Das Weiße Haus (Kurpfalzstraße 77–79) besteht aus einem sehr großen gründerzeitlichen Haupthaus von 1890 am östlichen Rand einer viel älteren burgartigen Anlage, die um einen großen gepflasterten Innenhof herum gruppiert ist und auf den mittelalterlichen Ritter Erhardt von Rammingen zurückgeht. Von ihm, der aus einem württembergischen Adelsgeschlecht stammte, kündet noch ein schlecht erhaltenes Wappen aus dem Jahr 1600 an der wuchtigen und mit Zinnen versehenen Mauer.

Der 1709 im Barockstil erbaute Carl-Theodor-Hof (Kurpfalzstraße 99) ist das letzte Anwesen auf Mußbacher Gemarkung an der Grenze zu Gimmeldingen. Die Anlage erhielt erst nachträglich den Namen des Kurfürsten (1724–1799). Das Hauptgebäude ist ein imposantes quaderförmiges Herrenhaus.

600 m nordöstlich der Wohnbebauung wurde in einer kleinen Grünanlage nahe der Landesstraße 519 die Nachbildung einer Napoleonsbank aufgestellt, die nach dem französischen König Napoleon III. benannt und 1984 bezeichnet ist. Auf Mußbacher Feldgemarkung, aber 2 km nördlich des Siedlungsgebiets, steht nahe der Landesstraße 516, die nach Deidesheim führt, ein Wegekreuz, das 1827 bezeichnet ist.

Sonstige Bauwerke

Die Eselsburg (Kurpfalzstraße 62) entstand aus einem historischen Winzerhaus, das der Künstler Fritz Wiedemann (1920–1987) ab 1964 in dreijähriger Arbeit restauriert und zu einer Weinstube mit Innenhof umgestaltet hat. Überall, auch an der Außenfassade, hat Wiedemann skurrile Steinskulpturen installiert. Eine Dauerausstellung zeigt Bilder und Plastiken des Künstlers.

Sprache Umgangssprachlich wird in Mußbach die haardtgebirgische Variante (52-ACB-dfb) des Vorderpfälzischen gesprochen, das zu den pfälzischen Dialekten gehört. Die lokale Sprache dokumentiert seit den 1980er Jahren der 1947 im Ort geborene Pfälzer Mundartdichter Albert H. Keil, mehrmaliger Literaturpreisträger und Gewinner von Mundartwettbewerben.

Feste Wegen der Weinbau-Tradition sind auch die Dorffeste vom Wein geprägt. Drei größere Veranstaltungen finden im Laufe des Jahres regelmäßig statt:

Eselshautfest

Das sechstägige Eselshautfest findet im Juni/Juli an zwei Wochenenden statt. In den 1970er Jahren ins Leben gerufen, wird es mittlerweile zu den großen pfälzischen Weinfesten gezählt, die überregionale Ausstrahlung besitzen. Der Name stammt von der Weinlage Eselshaut, das Veranstaltungsgelände liegt innerhalb des seit mehr als 1300 Jahren ununterbrochen als Weingut betriebenen Herrenhofs.

Fest beim Neuen Wein

Das Fest beim Neuen Wein findet seit Anfang der 1980er Jahre am Kelterhaus der Weinbiet Manufaktur statt. Ab dem Beginn der Traubenlese Ende August dauert das Fest mit täglicher Öffnung bis Anfang November. Deshalb wird es scherzhaft als das „längste Weinfest der Welt“ beworben.

Johanneskerwe