In der Schule ist Fach der Ausdruck für die thematische Gliederung dessen, was jeweils unter Bildung verstanden wird. Ein Unterrichtsfach, in Österreich offiziell Unterrichtsgegenstand, ist damit Artikulationselement des Lehrplans (Fächerkanons), der in der Verantwortlichkeit der jeweiligen Bildungspolitik unter Berücksichtigung der Traditionen und der jeweils aktuellen Diskussionen festgelegt wird. Die Stundentafel einer Schulform schreibt vor, welche Anteile der für den Unterricht vorgesehenen Anzahl an Stunden pro Woche auf die einzelnen Fächer entfallen, der Stundenplan, wann welche Klasse welches Fach unterrichtet bekommt.

Bildungsorganisation

Auf die Stundentafeln der verschiedenen Schulformen beziehen sich in der Bildungsorganisation: die Zusammensetzung des Lehrerkollegiums nach unterschiedlichen Fächern; die Spezialisierung der Lehrerausbildung und -fortbildung; die Ausstattung der Schulen mit Fachräumen, Sammlungen, Fachliteratur und sonstigen Medien; Produktion und Vertrieb der Lehr- und Arbeitsmittel für Schüler und Lehrer seitens der Schulbuchverlage; die berechtigungsrelevante Dokumentation der Schülerleistungen in Schulzeugnissen und deren überregionale Vergleichbarkeit; die Legitimation der je aktuellen Stundenpläne einer Schulklasse/-stufe.

Die Schulfächer bilden also das inhaltliche Strukturgerüst des gesamten schulischen Bildungswesens. Ein Mindestmaß an Stabilität der Fächergrenzen ist eine Bedingung übersichtlicher Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit des Bildungsangebotes und der Lernanforderungen der Schulen einer Region, eines Zeitalters und der Schulformen und -stufen, die der jeweiligen Schulpflicht unterliegen.

Im Rahmen der Ganztagsschule werden fachliche Inhalte teilweise in reine Arbeitsgemeinschaften ohne versetzungswirksame Benotung verlagert. Das gilt für Sport, Musik und Theater, aber auch für in der Oberstufe gering angewählte Fremdsprachen wie Latein, Altgriechisch oder Hebräisch (Jüdische Gymnasien). An Schulen wird daneben auch der Muttersprachliche Unterricht in der Herkunftssprache angeboten, etwa der Polnischunterricht, der sich an immigrierte polnische Schulkinder wendet (Polonia).

Zur Erarbeitung komplexer Unterrichtsinhalte oder zum Erwerb nichtfachspezifischer Kompetenzen können Fächergrenzen im Rahmen von fächerverbindendem Unterricht oder Projektunterricht aufgebrochen werden.

Unterrichtsfächer in Deutschland

In Deutschland umfasst der Begriff „Fach“: Unterrichtsfächer im eigentlichen Sinne (Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik und so weiter, siehe unten). Berufliche Fachrichtungen (Elektrotechnik, Sozialpädagogik, Wirtschaft etc.). Sonderpädagogische Fachrichtungen bzw. Förderunterricht (Förderschwerpunkt Sehen, Förderschwerpunkt Hören, Sprachförderung etc.).

Formale Unterteilung der Unterrichtsfächer In Deutschland wird zwischen Pflicht- und Wahlfächern sowie Haupt- und Nebenfächern unterschieden:

Ein Pflichtfach ist ein Fach, das im Lehrplan eines bestimmten Schultyps zwingend vorgesehen ist. Im deutschsprachigen Raum sind etwa neben den Hauptfächern auch Musik oder Sport für fast alle Schultypen Pflichtfach. Daneben gibt es Wahlfächer, die – bis auf die Wahlpflichtfächer – freiwillig vom Schüler in seinen Stundenplan aufgenommen werden können und nicht bei der Versetzung ausschlaggebend sind. Die Wahlpflichtfächer können zwar anfangs frei gewählt werden, sind dann aber reguläre Pflichtfächer. Sie repräsentieren typischerweise die speziellen Schwerpunkte einer Schule (beispielsweise kann sich der Schüler zwischen Englisch oder Französisch als erste Fremdsprache entscheiden, bleibt dann aber bis zum Schulabschluss dabei, oder zwischen Biologie oder Physik/Chemie als naturwissenschaftlichem Schwerpunkt). Hauptfächer bzw. Hauptgegenstände oder Langzeitfächer, sind Fächer, die als wichtiger als die anderen Fächer (Nebenfächer) angesehen werden und deswegen mehr Unterrichtsstunden (3–6 Wochenstunden) zur Verfügung haben. Die typischen Hauptfächer sind Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache in der Allgemeinbildung, in berufsbildenden Schulen oft die Kerninhalte des Berufsbilds. Neben Hauptfächern werden in manchen deutschen Bundesländern alle Fächer als Kernfächer gekennzeichnet, in denen Schulaufgaben bzw. schriftliche „Große Leistungsnachweise“ (Klassenarbeiten) von den Schülern gefordert werden. Diese Kernfächer haben dann ggf. auch bei der Entscheidung, ob die Versetzung in die nächsthöhere Jahrgangsstufe erfolgt, ein größeres Gewicht. Je nach Schulprofil können weitere Fächer Hauptfächer sein, z. B. naturwissenschaftlich-technische Fächer, weitere Fremdsprachen, wirtschaftliche- oder musische Fächer. Nebenfächer oder Kurzzeitfächer haben weniger Unterrichtsstunden (1–3 h) zur Verfügung, sind aber von der Benotung her meist den sogenannten Hauptfächern gleichgestellt. So können manchmal mangelhafte Noten durch befriedigende Noten in anderen Fächern ausgeglichen werden, um die Versetzung zu ermöglichen.

In Deutschland weit verbreitete Unterrichtsfächer

Welche Schulfächer im Einzelnen angeboten werden, hängt in Deutschland von den Bundesländern (auch der Name) und den einzelnen Schulen ab. In den Berufsbildenden Schulen und Fachgymnasien gibt es weitere ausbildungsbedingte Fächer mit einer eigenen Lehrerausbildung.

Folgende Fächer sind Standard in den Stundentafeln, der Beginn liegt teilweise in wechselnden Jahrgangsstufen der Sek. I: Deutsch Mathematik Fremdsprachen, meist Englisch, Französisch, Latein, Russisch, Spanisch oder eine andere dritte Fremdsprache. Sport Musik Kunsterziehung, Kunstunterricht Religion(slehre) Ethikunterricht oder Philosophie Physik Chemie Biologie Geschichte Erdkunde/Geografie Sozialkunde (auch genannt Politik, Gemeinschaftskunde, Politische Bildung) Sachunterricht (HSU/SU/HuS) für die Grundschule

Es gibt weitere für ausgewählte Schulformen zulässige Fächer: Naturwissenschaftlicher Unterricht (Nawi) als Integrationsfach der Naturwissenschaften in der Sek. I Gesellschaftslehre, Gesellschaftswissenschaften (Gewi) als Integrationsfach der Sozialwissenschaften, Geschichte und Geografie in der Sek. I. Informatik und Medienerziehung (noch nicht überall Pflichtfach in der Sek. I, Angebot in der Sek. II) Pädagogikunterricht in allgemeinbildenden (in einigen Ländern wie NRW) und beruflichen Schulen Psychologie oft in erziehungswissenschaftlichen Fächern integriert (berufsbildende Schulen), sonst an der gymnasialen Oberstufe in einigen Ländern Literaturunterricht (selten unabhängig vom Deutschunterricht, ausdrücklich zulässig in der Sek. II von NRW) Darstellendes Spiel, Theater, Tanz (in einigen Ländern) Niederdeutsch, Friesisch (in einigen norddeutschen Ländern), Sorbisch in Brandenburg und Sachsen Astronomie, Astrophysik (Unterrichtsfach in der DDR, erhalten in einigen ostdeutschen Bundesländern, sonst integriert in Physik oder Erdkunde) Geologie (Erdwissenschaften) (als Wahlfach in der gymnasialen Oberstufe von Bayern, BW, NRW) Wirtschaftskunde, Rechtskunde, oft integriert als Wirtschaft und Politik, Wirtschaft und Beruf, Arbeitslehre, Wirtschaft und Recht oder Arbeit/Wirtschaft/Technik (AWT) Hauswirtschaft, in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasium) und berufsbildenden Schulen Technik, Werken, in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasium) und berufsbildenden Schulen Technisches Zeichnen/Darstellende Geometrie (ehemals als Berufsorientierung bzw. Einführung in die sozialistische Produktion in der DDR)

Besondere Bezeichnungen Einige Unterrichtsfächer führen in einzelnen Bundesländern besondere Bezeichnungen. So heißt der Kunstunterricht in Baden-Württemberg und Hamburg Bildende Kunst. Vor allem der Gemeinschaftskundeunterricht hat unterschiedliche Bezeichnungen, z. B. in Hamburg „Politik, Gesellschaft, Wirtschaft“, in Schleswig-Holstein Wirtschaft/Politik. Teilweise wechseln Bezeichnungen zwischen Schulstufen. So heißt der Gemeinschaftskundeunterricht in Niedersachsen bis zur 10. Klasse Sozialkunde, ab der 11. Klasse Gemeinschaftskunde (GK). Außerdem heißt der Ethikunterricht hier in der Sek. I Werte und Normen, kurz W.u.N.

Fächerverbünde/Integrationsfächer Mehrere Fächer können zu sogenannten Fächerverbünden oder Integrationsfächern zusammengefasst werden. Der Lehrer unterrichtet hier ohne eine Ausbildung in allen Fächern. Das ist insbesondere an Haupt- und Gesamtschulen der Fall, wenn der pädagogische Bezug zum Schüler als wichtiger eingestuft wird als die fachliche Ausbildung der Lehrkräfte.

Baden-Württemberg Durch die Bildungsplanreform 2004 wurden in Baden-Württemberg Unterrichtsfächer zu Fächerverbünden zusammengefasst: Die naturwissenschaftlichen Fächer Physik, Chemie und Biologie sind in den Hauptschulen zum neuen Fach Materie-Natur-Technik (MNT) und an den Realschulen zum Fach NWA (Naturwissenschaftliches Arbeiten) geworden. Mit dem Bildungsplan 2016 wurden diese Verbünde wieder aufgehoben. Die geisteswissenschaftlichen Fächer Geschichte, Geografie und Gemeinschaftskunde bilden an den Hauptschulen das neue Fach WZG (Welt-Zeit-Gesellschaft), an den Realschulen das Fach EWG (Erdkunde, Wirtschaftskunde, Gemeinschaftskunde), an den Gymnasien das Fach GWG (Geographie, Wirtschaft, Gemeinschaftskunde). Mit dem Bildungsplan 2016 wurden diese Verbünde wieder aufgehoben. Die ästhetischen Fächer Musik, Sport und Kunst bilden an den Hauptschulen den Fächerverbund Musik-Sport-Gestalten (MSG). Mit dem Bildungsplan 2016 wurden diese Verbünde wieder aufgehoben. Im Schuljahr 2018/19 startete das neue Unterrichtsfach Informatik, Mathematik, Physik (IMP) an 56 Gymnasien in Baden-Württemberg.

Bayern An den Mittelschulen wurden folgende Fächer zusammengefasst: Die naturwissenschaftlichen Fächer Physik, Chemie und Biologie sind in das Fach PCB zusammengefasst. Die Fächer Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde sind in das Fach GSE zusammengefasst. Die Fächer Arbeit, Wirtschaft, Technik sind in das Fach AWT zusammengefasst.

An Gymnasien dient das Fach „Natur und Technik“ als Mantel für de facto separate Fächer. Es wird nur eine Note im Zeugnis vergeben und der Lehrplan weist ein relativ hohes Maß an Bezügen auf das jeweils andere Teilfach auf, diese Teilfächer sind aber entkoppelt und von verschiedenen Lehrkräften unterrichtet: In der 5. Jahrgangsstufe wird Biologie und „Naturwissenschaftliches Arbeiten“ umfasst (je 1,5 Stunden nach Stundentafel). In der 6. Jahrgangsstufe wird Biologie und Informatik umfasst (2 bzw. 1 Stunde nach Stundentafel). In der 7. Jahrgangsstufe wird Physik und Informatik umfasst (2 bzw. 1 Stunde nach Stundentafel).

Niedersachsen/Bremen

An den Orientierungsstufen wurden Geschichte und Erdkunde als WUK (Welt- und Umweltkunde) zusammengefasst.

Thüringen 2009 wurden in der 5. und 6. Klasse die naturwissenschaftlichen Fächer zum Fach Mensch-Natur-Technik (MNT) zusammengeschlossen.

Unterrichtsfächer in Österreich In Österreich wird zwischen Pflichtgegenständen, alternativen Pflichtgegenständen, Wahlpflichtgegenständen, Verbindlichen Übungen, Freifächern und Unverbindlichen Übungen unterschieden.

Als Pflichtgegenstände werden meist geführt:

Mathematik (3 bis 4 Wochenstunden) Deutsch (3 bis 4 Wochenstunden) Englisch (als 1. lebende Fremdsprache) (3 bis 4 Wochenstunden) Zweite und eventuell dritte Fremdsprache (meist Französisch, Spanisch, Latein; selten auch Italienisch, Russisch und Altgriechisch) (3 bis 4 Wochenstunden) Biologie und Umweltkunde (0 bis 3 Wochenstunden) Physik (0 bis 3 Wochenstunden) Chemie (0 bis 3 Wochenstunden) Geographie und Wirtschaftskunde (0 bis 3 Wochenstunden) Geschichte und Politische Bildung (1 bis 2 Wochenstunden) Digitale Grundbildung Informatik Psychologie und Philosophie (1 bis 2 Wochenstunden) Musikerziehung (ab der 11. Schulstufe Wahl zwischen Musik und Bildnerischer Erziehung) (0 bis 2 Wochenstunden) Bildnerische Erziehung (ab der 11. Schulstufe Wahl zwischen Musik und Bildnerischer Erziehung) (1 bis 2 Wochenstunden) Werken