Das Bremer Rathaus ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Backsteingotik und der Weserrenaissance in Europa. Seit 1917 steht es unter Denkmalschutz. in der Denkmaldatenbank des Landesamtes für Denkmalpflege Bremen Im Juli 2004 wurde es zusammen mit dem Bremer Roland von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.

Das Gebäude ist Sitz des Senats und des Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen zugleich auch einer der beiden Bremer Bürgermeister.

Lage { "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q19479, Q19665"} Das Bremer Rathaus liegt mitten in der Bremer Altstadt an der Nordostseite des Marktplatzes. Gegenüber an dessen Südwestseite steht der Schütting und an der Südostseite das moderne Haus der Bremer Bürgerschaft. Die Türme des Doms erheben sich südöstlich des Rathauses. Nördlich, nur durch die Straße Schoppensteel getrennt, steht die Kirche Unser Lieben Frauen. Im Winkel zwischen (Altem) Rathaus und Kirche sowie um diese herum erstreckt sich der Liebfrauenkirchhof. Auf dem Marktplatz steht vor dem Rathaus der Bremer Roland, an der Nordecke des Alten Rathauses auf dem Liebfrauenkirchhof die Bronzeplastik der Bremer Stadtmusikanten von Gerhard Marcks.

Aus sprachlicher Vereinfachung wird die dem Markt zugewandte Südwestseite oft als Südseite bezeichnet, die Schmalseiten als West- und Ostseite, die weitgehend mit dem Neuen Rathaus zugebaute Nordostseite als Nordseite.

Geschichte Das erste, romanische Rathaus mini|hochkant=0.7|1596, umgebaute (?) Giebel des romanischen Rathauses vor dem Verkauf mini|Bremen 1603 (nach der Dilich-Chronik): Das erste Bremer Rathaus stand am Südende der Häuserzeile zwischen Sögestraße, Liebfrauenkirchhof und Obernstraße und erstreckte sich mit einem Torbogen über die Einmündung der Sögestraße.Christian Nikolaus Roller: Versuch einer Geschichte der Kaiserlichen und Reichsfreyen Stadt Bremen (1799), E-Book bei brema.suub.uni-bremen.de (Titelblatt), Theil 1 › III. Kapitel › A. b. a. (a) 1. Das Rathaus Es ist in einer Urkunde von 1229 als domus theatralisBremisches Urkundenbuch. 1. Band (1863), S. 172/173, Urkunde Nr. 150 (brema.suub.uni-bremen.de). und ab 1251 als domus consulum erwähnt. Ferdinand Donandt (1803–1872) nahm in seiner Darstellung der Rechtsgeschichte Bremens an, dass es vor der Emanzipation der Bürger gegenüber dem Erzbischof schon als Gerichtsgebäude gedient hatte und über mindestens eine offene Halle verfügte, da zu damaliger Zeit nicht in geschlossenen Räumen Gericht gehalten werden durfte.Bremisches Jahrbuch. 5. Band (1870), F. Donandt: Der bremische Civilprocess im XIV. Jahrhundert (bei brema.suub.uni-bremen.de) Der Bogen über der Sögestraße und die Reparatur durch einen MaurerBremisches Urkundenbuch. Band 5, S. 326, Urkunde Nr. 308 (brema.suub.uni-bremen.de). deuten auf einen Steinbau, dessen Alter auf romanischen Baustil. Eine eindeutige Beschreibung gibt es nicht, aber zwei Jahre bevor die Stadt das Gebäude (bzw. den Gebäudekomplex) schließlich verkaufte, wurde es in einem Kupferstich des Marktes mit dargestellt. Er zeigt drei Giebel zur Obernstraße mit einem Saalgeschoss über einem Sockel. Aus der Zeit, da es noch als Rathaus diente, gibt es etliche Urkunden über die dort befindlichen tabernae oder boden der Wandschneider. Besonders ausführlich ist ein Vertrag vom 29. März 1382 über die Zustimmung der Wandschneider zum freizügigeren Verkauf von Wollstoffen zu Zeiten der beiden Jahrmärkte (Pfingstmarkt und Freimarkt). Er unterscheidet drei Gruppen bestehender oder noch zu errichtender Wandschneiderbuden, unter dem Rathaus der Obernstraße zugewandt, unter dem Rathaus der Kanzlei zugewandt, sowie unter der Kanzlei selber.Bremisches Urkundenbuch › Band 2 (1301–1350) › Nr. 13 vom 29. März 1382 (S. 13–14.) Schon in der ersten Hälfte jenes Jahrhunderts hatten sich Tuchschneiderbuden auch unter der Treppe befunden, die am Liebfrauenkirchhof zur oberen Etage des Rathauses hinauf führte.Bremisches Urkundenbuch › Band 2 (1301–1350) › Nr. 364 vom 8. März 1334 (S. 367–368): „quicunqu(a)e pannicid(a)e, tabern(a)e sub gradu domus consulum sit(a)e“ = „diejenigen Wandschneider, deren Buden sich unter der Treppe des Rathauses befinden“ Die Treppe wird auch im Zusammenhang mit einem Straßenkampf im Jahr 1366 erwähnt.Renner: Chronica der Stadt Bremen (im Lesesaal des Bremer Staatsarchivs), fol. 280r. (anno 1366) online an der SuUB Bremen: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:46:1-430 Je nachdem, ob man die Präposition „sub“ („unter“) als „im Untergeschoss“Buden auch als Räume im Untergeschoss siehe Roller-Chronik, Band 1, 1799, S. 18610. Gottesbuden § 73: Unter Gottesbuden werden hieselbst "Keller oder schlechte Häuslein, worin, kraft eines Vermächtnisses, arme Leute umsonst oder um Gottes Willel wohnen"[i] → [i] S. Bremisch-Nieders. Wörterbuch, B. II, S. 475. f. → „Versuch eines bremisch-niedersächsische Wörterbuchs, II Theil, G–K, Verlag Georg Ludewig Förster, Bremen 1767: „Gades-Boon“, (auch) Gaes-boon, ein Keller oder schlechtes Häuslein, worinnen, Kraft eines Vermächtnisses, arme Leute umsonst, oder um Gottes Willen, Lebenslang (Großschreibung) wohnen. Entweder von Gaden, ein Häuslein, Hütte; oder von God, Gott, welches vor Zeiten in unserer Mundart, im Zeugungsfall, (die Form) Gades hatte. In Hamburg sagt man Gottes-Wahnung. R. Man sehe auch beym Strodtmann nach in gaden“ versteht oder als „zu Füßen“, ergeben sich sehr unterschiedliche Vorstellungen von Gestalt und Umfeld des ersten Rathauses.

Die Kanzlei, lateinisch scriptoria genannt, stand an einer heute verschwundenen Querstraße zwischen Sögestraße und Liebfrauenkirchhof (heute Grundstück Sögestraße 9a / U.L.F. Kirchhof 21). 1382, man baute in dem Jahr neue Wandschneiderbuden darunter, stürzte sie ein. 1498 wurden auf dem Grundstück drei Wohnhäuser für Bedürftige errichtet.siehe Elmshäuser 2006 Vermutungen, sie habe noch bis ins 19. Jahrhundert bestanden, sind damit überholt.

Nach dem Bau des neuen Rathauses am Markt behielt die Stadt das alte Rathaus noch fast zwei Jahrhunderte, vermietete es allerdings 1483 an das Krameramt (d. h. die Gilde der Kleinhändler), später als Lagerhaus an das Hopfenamt. In der Zeit wurde von 10 Personen Miete für „Bogen auf dem Hopfenhause“ kassiert. Schließlich wurde das ehemalige Rathaus 1598 verkauft und durch zwei Privathäuser ersetzt, oder zu solchen umgebaut.

Das neue, heute Alte Rathaus mini|links|hochkant=0.8|Südostportal mit gotischem Sandsteingewändegleichartiges Gewände auch am Nordwestportal. Die umgebenden rechteckigen Putzflächen waren wohl mit Wappen geschmückt, Vgl. Gemälde eines Hochzeitszuges bald nach 1653, Original im Fockemuseum, Abdruck bei Stephan Albrecht mini|Rathaus und Palatium zwischen Liebfrauenkirche und Bremer Dom 1588/89 (Hogenberg-Plan) mini|1596, Rathaus noch mit gotischen Spitzbogenfenstern zum Marktplatz (Vorläufer der Dilich-Chronik) Um 1400, auf dem Höhepunkt der städtischen Entwicklung, wurde ein neues Rathaus geplant. Dieses Alte Rathaus wurde 1405–1410Konrad Elmshäuser, Hans-Christoph Hoffmann, Hans-Joachim Manske: Das Rathaus und der Roland auf dem Marktplatz in Bremen (Druck des UNESCO-Welterbeantrages); Edition Temmen, Bremen, 2002, ISBN 3-86108-682-4. als gotischer Saalgeschossbau erbaut. Es waren Bürgermeister Johann Hemeling, die Ratsherren Friedrich Wigger und Hinrich von der Trupe, die Baumeister Salomon und Martin sowie die Steinbildhauer Johannes und Henning, die für die Verwirklichung dieses gotischen Rathauses verantwortlich zeichneten.

Die Entscheidung zum Rathausbau war eine der wenigen, für die überliefert ist, dass der Bremer Rat die Zustimmung der meenheit einholte, der Gemeinde als Gesamtheit aller Männer (sofern sie Haushaltsvorstand waren, wohl auch Frauen) mit Bremer Bürgerrecht. Sie wurden zu dem Zweck auf die Bürgerweide zusammengerufen, und es wurde auch gemessen, wie viel Platz sie brauchten. Gedrängt stehend hätte sich diese gesamte Bürgerschaft (im ursprünglichen Sinn des Wortes) später in der oberen Rathaushalle versammeln können.

Ort und Gestalt des Gebäudes waren eine Demonstration städtischen Selbstbewusstseins gegenüber der Autorität des Erzbischofs. Es dominierte nun mehr als der Dom und das erzbischöfliche Palatium den etwa hundert Jahre zuvor fertiggestellten Marktplatz. Seine Hallen waren ein paar Spannen länger und breiter als die große Halle im Erdgeschoss des Palatiums.Ernst Ehrhardt (1855–1944): Das Palatium der bremischen Erzbischöfe in der Stadt Bremen. In: Jahrbuch der bremischen Sammlungen. 3. Jahrgang 1910. (digitale Sammlung der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen: https://brema.suub.uni-bremen.de/urn/urn:nbn:de:gbv:46:1-610) Nach dessen Vorbild setzte man sogar die Eingänge – an die Enden, statt dem Platz zugewandt.

In diesem Gebäude befanden sich der Ratskeller, die Untere Halle und die Obere Halle, sowie nordseitig Einzelräume, die später mehrfach verändert wurden. Die Arkade an der südlichen Längsseite diente als Gerichtslaube und durfte nicht für Marktzwecke genutzt werden. Zwei Wehrgänge mit zinnengekrönten Brustwehren, einer an der Dachtraufe und ein gedeckter über der Arkade, gaben dem Bau einen etwas martialischen Charakter. Die Zinnen waren nicht dekorativ abgewandelt, auch wenn die vier erkerartige Ecktürmchen keine wehrhaften Dimensionen hatten. Andererseits wurden die Wände mit Skulpturen zwischen den Fenstern geschmückt. Seit der Bauzeit zieren die Figuren des Kaisers und der sieben Kurfürsten die Marktplatzseite, Darstellungen von Propheten und des Hl. Petrus die Ost- und die Westseite.

In der Mitte der Nordostseite hatte das Haus vor der oberen Rathaushalle einen von vier breiten Säulen getragenen Anbau. Er wurde ghevelen („Giebel“) genannt, maß in Längsrichtung des Hauses 21 m (Breite oder Länge) und stand 6 m vor (Tiefe). Er beherbergte die alte Wittheitsstube, in der der eigentliche Stadtrat tagte. Es wird angenommen, ist aber nicht bewiesen, dass er wie das Hauptgebäude ein Walmdach und Ecktürmchen hatte.

Aus der Säulenhalle unter dem Anbau führte wohl eine gedeckte Holztreppe zum Haupteingang der oberen Rathaushalle im westlichen Teil der Wand. Der dem Palatium zugewandte Teil der Rückwand östlich des Anbaus hatte weder Fenster noch Türen. Von den Kellerräumen unter dem Anbau (heute Senats- und Kaiserzimmer, Apostel- und Rosekeller) wird nicht zuletzt wegen ihrer schiefen Grundrisse angenommen, dass sie noch von den Häusern stammen, die vorher auf dem Grundstück standen.

1490 wurde die Säulenhalle unter der alten Wittheitsstube zur alten Kanzlei umgebaut. Ebenfalls Ende des 15. Jahrhunderts wurde über der Treppe zum Ratskeller eine Laube errichtet, die lange Zeit als Verkündigungslaube diente, indem dort alljährlich am 4. Fastensonntag Laetare die Kundige Rolle verlesen wurde.

Nach dem Aufstand der 104 Männer und der Wiederherstellung der Patrizierherrschaft im Folgejahr wurde 1532 das Außenportal der oberen Halle zugemauert und die Außentreppe abgebrochen und durch die noch heute bestehende Wendeltreppe von der unteren zur oberen Halle ersetzt.

Renaissance-Umbauten

1545 bis 1550 entstand am westlichen Teil der Nordwand, nur durch einen schmalen Durchgang von der Magdalenenkapelle des Palatiums getrennt, ein dreigeschossiger Anbau. Er wurde „nye dornßen“ genannt und beherbergte die zweite Wittheitsstube. Dabei wurde einer der vier Ecktürme entfernt. Die Renaissancefassade mit Erker harmonierte mit der gotischen Ostfassade besser, als die verzerrten zeitgenössischen Darstellungen vermuten lassen.