Gieboldehausen [] () ist ein Flecken sowie Mitgliedsgemeinde und Sitz der Samtgemeinde Gieboldehausen im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen (Deutschland).

Geographie Gieboldehausen liegt ungefähr 11 Kilometer nördlich von Duderstadt und 22 Kilometer östlich von Göttingen am nördlichen Rand des Untereichsfeldes. Die Gemarkung befindet sich am Zusammenfluss von Hahle und Rhume am Rande der Goldenen Mark. Nördlich und östlich verläuft der Höhenzug des Rotenbergs (Heimkenberg: 274 m, Kethanteichskopf: ca. 260 m), im Südosten beginnen die nördlichen Ausläufer der Hellberge (Lohberg: 228 m). Am nördlichen Ortsrand liegt das Naturschutzgebiet Rhumeaue, Ellerniederung, Schmalau und Thiershäuser Teiche.

Nachbarorte sind Bodensee, Bilshausen, Hattorf am Harz, Rollshausen, Wollershausen, Wollbrandshausen und Rüdershausen.

Geschichte Mittelalter Erstmals erwähnt wurde Gieboldehausen am 25. Mai 1003 als Ausstellungsort einer Urkunde von König Heinrich II. unter dem Namen „Gebehildehuson“. Damit gehört der Ort zu den wenigen Siedlungen, deren Name sich auf einen weiblichen Personennamen – Gebehild – bezieht. Es wird vermutet, dass bereits zwischen 500 und 800 nach Christus aus umliegenden Wüstungen ein Haufendorf entstanden war. Verschiedene Erwähnungen lassen vermuten, dass es in Gieboldehausen bereits im 10. Jahrhundert eine Burg gab. Diese Vermutung entstand dadurch, dass das Kloster Gandersheim in den Jahren 1256 und 1324 zwei Besitzbestätigungen für die Kirche St. Laurentius in Gieboldehausen ausstellte. Vorangegangen war eine Übertragung des Grafen Biso zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt am Ende des 9. oder in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, welcher seine Burg und weitere Besitzungen in Gieboldehausen dem Kloster Gandersheim überlassen hatte. Diese Burg lässt sich eventuell im Bereich der Kirche lokalisieren. Am Südrand des Ortes ist aber auch eine stark verschliffene, ca. 1 ha große Befestigung namens Vogelsburg bekannt. Diese kann aber auch mit einem aufgrund des Aufenthalts von Heinrich II. zu postulierenden Königshof zusammenhängen.

Im Jahr 1291 findet die Burg Gieboldehausen des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg im Zusammenhang mit ihrer Zerstörung durch den Hildesheimer Bischof Siegfried II. von Querfurt eine weitere Erwähnung. Im gleichen Jahrhundert nahm die Burg zudem zentrale Verwaltungsaufgaben wahr. Sie war der Verwaltungsmittelpunkt für die umliegenden Ortschaften und der Sitz der Amtleute, die ab dem 14. Jahrhundert bezeugt sind. Als Sitz der Burgmannen trat die nicht mehr erhaltene Eulenburg nahe der Rhume in Erscheinung. Auch das „Haus auf dem Wall“, welches unter dem Namen Schloss Gieboldehausen bis heute besteht, wurde damals als Burgmannensitz genutzt. Ab dem 13. Jahrhundert war Herzog Heinrich I. im Besitz von Gieboldehausen, der den Ort an seine drei Söhne, Heinrich, Ernst und Wilhelm vererbte, die ea anschließend gemeinsam besaßen. 1334 verpfändete Ernst sein Drittel an seinen Bruder Heinrich, wobei dieser wiederum seine Hälfte des Ortes, mit dem Gericht zu Bernshausen, am 9. August desselben Jahres an Balduin den Erzbischof von Trier, als Pfand übergab. Dieser sollte die ihm überschriebenen Güter bis 1336 behalten, er zahlte 600 Mark und gab sein Versprechen ab, 100 Mark in die Burg Gieboldehausen zu investieren. Die Einlösung 1336 fand nicht statt, der Ort blieb bis 1341 verpfändet, bevor im folgenden Jahr Herzog Heinrich II. Gieboldehausen an den Kurfürsten von Mainz, Heinrich III. verkaufte. Jene Hälfte, die zwischenzeitlich an Graf Otto von Lutterberg verpfändet war, wurde mit 200 Mark eingelöst. Daraufhin leisteten Otto von Lutterberg, Hartmann von Sulingen und die übrigen Burgmannen, nebst den Einwohnern des Ortes, dem neuen Herrn die Huldigung. Dieser versicherte ihnen, sie bei ihren alten Rechten und Gewohnheiten zu belassen. Eine Fehde zu Beginn des 15. Jahrhunderts brachte Gieboldehausen in den Besitz des Grafen Heinrich von Hohnstein und seiner Söhne Heinrich, Ernst und Günther, sowie des hessischen Landgrafen Hermann II. Nach dem Friedensschluss traten diese den Ort wieder an den Mainzer Kurfürsten Johann II. ab, welcher Gieboldehausen an seinen Bruder Adolf von Nassau, dem Oberamtmann des Eichsfeldes verpfändete, jedoch die Bedingung daran knüpfte, dass dieser innerhalb von vier Jahren 2000 Gulden an dem Schloss verbauen sollte.

Seit 1450 wurde Gieboldehausen in den Quellen als Flecken bezeichnet und besaß Markt- und Braurecht. Der Aufstieg zum Flecken mag auch daran liegen, dass in dieser Zeit die, in der Gieboldehäusener Feldflur gelegenen Orte Bennigeshausen, Dodenhausen, Gerbershausen, Jakobshagen, Lemmershausen, Marsfeld und Werkshausen zerstört wurden. Ihre Anwohner siedelten nach der Aufgabe ihrer Dörfer nach Gieboldehausen über.

Neuzeit Während der Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts war der Ort von Einquartierungen und Kontributionszahlungen sowie von Plünderungen betroffen. Daneben traten auch Brände auf, die Teile von Gieboldehausen zerstörten. Diese ereigneten sich in den Jahren 1694, 1712 und 1850, wobei 1850 zudem, nur einige Tage nach dem Brand, eine Choleraepidemie den Ort befiel, die das Leben von 324 Menschen forderte. Bis zur Einführung der Kreisordnung 1885 war Gieboldehausen Gerichts- und Verwaltungssitz des gleichnamigen Amtes im Untereichsfeld. Mit dem Verlust des Amtssitzes im Rahmen der neuen Kreisordnung von 1885 ging ein tragendes Element des Ortes verloren, welches Gieboldehausen in seiner Geschichte stark geprägt hat. Lediglich das Amtsgericht blieb bis zum Jahr 1932 bestehen. Mittelpunkt der gleichnamigen Samtgemeinde wurde Gieboldehausen im Jahre 1971.

Gerichtswesen Erstmals wurde das Gericht zu Gieboldehausen im Jahre 1396 genannt. Entwickelt hat es sich wohl aus dem mainzischen Vogtgericht nach dem Übergang Gieboldehausens von Braunschweig an Mainz. Ursprünglich lag diese Gerichtsbarkeit im Gegensatz zum Gogericht, welches sich in Bernshausen befand. Die Lösung stellte schließlich das Aufgehen der vogteilichen Gerichtsbarkeit in die Gogerichtsbarkeit dar. Auf diese Weise hielten die Gieboldehäusener Vögte in Bernshausen seit Mitte des 15. Jahrhunderts, an Stelle der gekorenen Richter, das Landgericht ab, der Richter des Amtes Gieboldehausen führte von diesem Zeitpunkt an den Titel des Landrichters. Eine Verschiebung in der sozialen Stellung dieser Richter fand ab dem Ende des 15. Jahrhunderts statt. Nicht mehr der ortsansässige Adel belegte die Positionen, sondern bürgerliche Einwohner drängten vermehrt in das Amt des Richters. Schwerpunkt der Rechtsprechung im Amt Gieboldehausen blieb weiterhin Bernshausen, auch wenn Gieboldehausen nun ein eigenes Gericht besaß. Nach dem Reuterschen Lagerbuch von 1684 erschienen in Gieboldehausen hauptsächlich die im Ort ansässigen Einwohner vor dem Gericht in ihrem eigenen Dorf. Dabei bestand das örtliche Gericht, wie jenes in Bernshausen, außer dem Richter aus einem Aktuarius und zwölf Schöffen. Die bedeutende Stellung des Gieboldehäusener Amtsrichters wird deutlich, wenn man den Blick auf den Punkt wendet, dass er Stellvertreter des Rusteberger Oberamtmannes war, welcher an allen Gerichtsorten des Amtes den Vorsitz innehatte. Mit dem Duderstädter Stadtschultheißen versah der Amtsrichter daneben noch, bis zum Ende des Mainzer Kurstaates, das Westergericht vor Duderstadt. Die Trennung von Amtsverwaltung und Gericht fand erst, im Rahmen der Windthorstschen Justizreform, im Jahre 1852 statt. Als das Königreich Hannover, im Zuge der Verringerung der Amtsgerichte in ihrem Territorium das Amtsgericht Lindau auflöste, wurde es 1859 dem im Gieboldehausen zugeschlagen. Dieses wiederum fand sein Ende am 1. Oktober 1932, als es mit dem Duderstädert Amtsgericht vereinigt wurde.

Politik

Rat Der Rat des Fleckens Gieboldehausen setzt sich aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen, einschließlich der nebenamtlichen Bürgermeisterin. CDU GfG SPD GRÜNE FDP Gesamt 2021 5 5 4 — 1 15 Sitze 2016 9 4 — 2 — 15 Sitze 2011 6 4 3 1 0 14 Sitze 2006 9 — 4 — 2 15 Sitze

Wappen Die Wappenbeschreibung lautet: Schild geteilt; oben in Gold ein roter Giebel mit schwarzen Fachwerkbalken; unten in Rot das sechsspeichige goldene Kurmainzer Rad.

Partnerschaft Gárdony, Ungarn (2007)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schloss mini|Ehemaliger Burgmannensitz von Minnigerode Das Schloss Gieboldehausen besteht aus dem Herrenhaus des ehemaligen Burgmannensitzes der Herren von Minnigerode in Gieboldehausen. Es liegt südlich des Ortskerns in einer Grünanlage und wird oft als „Schloss“ bezeichnet. Das repräsentative Gebäude ist der Rest einer größeren Gutsanlage. Es handelt sich um ein dreigeschossiges Gebäude mit zwei vorkragenden Fachwerkstockwerken über einem aus Bruchstein gemauerten Sockelgeschoss mit steilem, schiefergedecktem Dach mit mittigem Dachreiter. Das Haus wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtet, das massive Untergeschoss und der überwölbte Keller stammen jedoch von einem Vorgängerbau, der als befestigtes Steinhaus auch von Wassergräben umgeben war und seinerseits an Stelle einer älteren Motte errichtet worden sein könnte. Als ein früherer Besitzer des Hauses lässt sich ein Hans von Brudenhusen anführen, von dem Hans von Minnigerode der Jüngere im Jahre 1502 Haus, Hof Äcker und Wiesen in Gieboldehausen kaufte. Wahrscheinlich fand sich darunter auch das "Haus auf dem Wall" wieder. Hans von Minnigerode selbst war ab 1502 als Burgmann in Gieboldehausen genannt und fungierte in den Jahren 1521 bis 1532 als Amtmann. Nach 1520 ließ er das Haus in seiner heutigen Form errichten, wobei dendrochronologische Untersuchungen am Fachwerk auf das Jahr 1528 datieren.

Grabhügel auf dem Kleinen Lohberg Westlich von Gieboldehausen wurden bei archäologischen Bodenerkundungen auf dem Kleinen Lohberg eine Gruppe von 13 gut erhaltenen Grabhügeln entdeckt. Ihre Größe beträgt einen Durchmesser von 15 bis 20 m bei einer Höhe von 1 m. Durch Analogien zu ähnlichen Grabhügeln der Umgebung liegt eine Datierung der Grabhügel in die Bronzezeit nahe. Wenige Meter der nordöstlichen Hügel außerhalb des Waldes, fand man weiterhin drei kleine mittelneolithische Siedlungsareale.

Katholische Kirche St. Laurentius mini|Katholische Kirche St. Laurentius im Barockstil mit gotischen Teilen