mini|295px|Europastadt Röttingen mini|298x298px|Luftausfnahme von Röttingen

Röttingen ist eine Landstadt im unterfränkischen Landkreis Würzburg und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Röttingen.

Geographie Röttingen liegt etwa 35 Kilometer südlich von Würzburg in Bayern direkt an der Grenze zu Baden-Württemberg. Sie ist die südlichste Stadt im Landkreis Würzburg.

Gemeindegliederung Röttingen hat vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Aufstetten (Pfarrdorf) Gossenmühle (Einöde) Röttingen (Hauptort) Strüth (Pfarrdorf)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Aufstetten, Röttingen und Strüth. Die Gemarkung Röttingen hat eine Fläche von 18,646 km². Sie ist in 4585 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4066,77 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Gossenmühle.

Klima Der Tauberraum gehört trotz des Wasserreichtums im Talbereich zu den relativ trockenen Gebieten Frankens und ist durch Merkmale des kontinentalen, trocken-warmen Klimatyps mit geringen Niederschlagsmengen gekennzeichnet. Es werden jährlich mehr als 30 Sommertage mit Temperaturen über 25 °C und weniger als zehn Frosttage mit Temperaturen unter 0 °C gezählt.

Geschichte 13. und 14. Jahrhundert – Herrschaft Hohenlohe und Hochstift Würzburg Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung Röttingens war im Jahre 1103, während der Zeit der Stammesherzogtümer liegt der Ort im Herzogtum Franken. Ende 12. / Anfang 13. Jahrhundert gelangte Röttingen in den Besitz der Staufer (Hohenstaufen), die den Titel „Herzoge von Rothenburg“ trugen. 1229 schenkte Kaiser Friedrich II. den Reichshof Röttingen an die Brüder Konrad I. von Hohenlohe (* um 1195; † nach 1249) und Gottfried I. von Hohenlohe (* um 1190; † 1254) als Anerkennung für ihre Verdienste auf dem 5. Kreuzzug. Zudem verlieh er ihnen die Vogtei über einen dortigen Hof. Zum Reichshof gehörte auch eine Vogtei des Klosters Fulda, die zuvor die Staufer bzw. die Schenken von Schüpf als Lehen hatten. Um 1230 existierten in Röttingen noch verschiedene, nebeneinander herlaufende Herrschaftsrechte: die Burg, das fuldische Lehen, die dem Kaiser unterstehende Vogtei und die Zehntrechte. Den Herren von Hohenlohe gelang es als Stadtgründern erstmals, diese zersplitterten Rechte in einer einzigen Hand zusammenzuführen. Ab etwa 1230 verfügten sie ausschließlich über den Ort.

Im Konflikt um das Fuldaer Lehen im Jahre 1230 brach um dieses Lehen ein Streit zwischen den Brüdern Gottfried (von Weikersheim) und Konrad (von Brauneck) aus. Die beiden anderen Brüder, die Deutschordensritter Andreas und Heinrich, vermittelten mit dem Ergebnis, dass Gottfried von Hohenlohe die Vogtei und den Zehnt zu Röttingen im Alleinbesitz erhielt. Am 29. Dezember 1230 wurde in diesem Zusammenhang auch erstmals die Burg urkundlich erwähnt. Die darauffolgenden 115 Jahre unter hohenlohischer Herrschaft wurden für Röttingen prägend. Um 1250 erlangte unter Gottfrieds I. Sohn Konrad I. von Hohenlohe-Röttingen († 1276) der Ort große Bedeutung. Er baute Röttingen zu seinem festen Herrschaftssitz aus, wodurch die Stadt Residenzfunktion erhält. Für Konrad war der Schutz seines Herrschaftssitzes zentral. Die Befestigung wurde vorangetrieben, für das Jahr 1275 ist die Stadtmauer bereits fest urkundlich belegt, Röttingen erhielt offiziell die Stadtrechte. Mit Gottfrieds (* 1265; † 5. November 1309 in Mergentheim) jüngstem Sohn (ebenfalls Gottfried) wurde die eigenständige Linie Hohenlohe-Röttingen begründet. Ab jetzt liegen präzisere Berichte über das Schicksal der Burg vor. 1290 erlosch die Linie Hohenlohe-Röttingen, das Lehen fiel vorübergehend an das Kloster Fulda zurück. 1293 übertrug das Kloster Fulda die Lehenschaft Röttingen (zusammen mit Reichenberg) an die Hohenloher Linie zu Weikersheim. 1298 wurde die Stadt zum Ausgangspunkt der judenfeindlichen Rintfleisch-Pogrome. Im Jahre 1313 erbte Gottfried von Hohenlohe-Möckmühl (* 1294; † 1339) von seinem Bruder unter anderem Reichenberg (neben den Burgen Röttingen und Ingolstadt/Reichelsberg). Unter ihm lebte die alte Herrschaft Hohenlohe-Röttingen und damit auch die Residenzfunktion des Ortes wieder auf. Gottfried vermachte 1316 Burg und Stadt Röttingen seinem Bruder Konrad († zwischen 17. Februar 1329 und 5. Januar 1330). Konrad trieb den baulichen und rechtlichen Ausbau der Stadt massiv voran. Er erreichte bei Kaiser Ludwig IV. dem Bayern 1337 das offizielle Stadtprivileg, welches das Stadtrecht feierlich bestätigte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle einzelnen, alten Herrschaftskomponenten verschwunden. Röttingen besaß nun wichtige städtische Rechte und Funktionen: das Marktrecht, den Sitz eines Amtes und eines Gerichtes (Zentrum eines Gerichtssprengels) und in kirchlicher Hinsicht die Errichtung eines Dekanats (Verwaltungsmittelpunkt) sowie den Neubau der Kirche. Röttingen war im Jahre 1336 erneut Ausgangspunkt von Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung (sogenannte Armledererhebung).

1339 ging die Herrschaft Röttingen an Kraft II. von Hohenlohe-Weikersheim über. Mit dem Tod Krafts älteren Halbbruders Konrad kam Weikersheim 1329 zunächst an Krafts Bruder Gottfried II., der schon Röttingen besaß. Als Gottfried II. 1339 starb, erbte Kraft II. dessen Teile und herrschte bis zu seinem Tod 1344. Da die Stadt für die Weikersheimer Linie geografisch am Rand liegt, verlor sie ihre Residenzfunktion und sank an Bedeutung ab. Am 7. November 1345, nur ein Jahr nach seinem Herrschaftsantritt musste sein Sohn, Kraft III., aufgrund finanzieller oder strategischer Zwänge die Herrschaft Röttingen samt umliegender Orte (Riedenheim, Schönstein, Insingen, Sonderhofen, Oberhausen, Bolzhausen, Aufstetten und Sächsenheim) für 1.700 Pfund Heller an das Hochstift Würzburg (für 1.700 Pfund Heller, vorbehaltlich der formalen Genehmigung durch die Abtei Fulda, da es sich um fuldisches Lehen handelte). verkaufen. Röttingen kam unter die Landesherrlichkeit des Hochstifts Würzburg. Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Stadt Sitz eines Amtmannes, der als direkter Stellvertreter des Würzburger Fürstbischofs fungierte.

Mit dem Übergang an Würzburg wurde Röttingen Sitz eines Würzburger Amtmannes. Bei ihm lagen Herrschaft und Verwaltung in einer Hand. Ein entscheidender Unterschied zu früher war, dass der Amtmann kein erblicher Landesherr war, sondern ein Beamter, der vom Fürstbischof jederzeit abgesetzt werden konnte. Im Jahre 1356, nur elf Jahre nach dem Kauf, verpfändete der Würzburger Fürstbischof Albrecht von Hohenlohe die Burg und die Stadt Röttingen vorübergehend an den Grafen Eberhard von Württemberg. Röttingen war eine echte, strategisch ausgebaute Residenzstadt mit eigener Zentralfunktion für die Region (Gericht, Dekanat, Markt, Befestigung). Der Niedergang begann erst, als es durch Erbschaft zur Randnotiz der Weikersheimer Linie wurde, was schließlich den Weg für den Verkauf an das Hochstift Würzburg und die Umwandlung in eine reine Amtsstadt ebnete.

16. bis 18. Jahrhundert – Deutscher Bauernkrieg und Dreißigjähriger Krieg Röttingen war aufgrund seiner Lage an einer stark frequentierten Heerstraße regelmäßig von Truppendurchzügen betroffen. Dies führte durch Abgaben, Einquartierungen sowie die Beteiligung an Fehden und Kriegen wiederholt zu hohen finanziellen und personellen Belastungen für die Stadt. Während des Deutschen Bauernkriegs solidarisierte sich Röttingen mit den aufständischen Bauern und entwickelte sich zu einem zentralen Stütz- und Sammelpunkt der Bauernhaufen im Taubergrund. Am 20. April 1525 versammelten sich verschiedene regionale Bauernhaufen (unter anderem aus Lauda, Brettheim, Ohrenbach und Mergentheim) bei Röttingen. Auf dieser Versammlung wurde ein Entwurf von vierzehn Kriegsartikeln verfasst. Am 22. April 1525 wurde das Schloss Röttingen durch das sogenannte Brettheimer Fähnlein (eine militärische Einheit der Bauern) zerstört und brannte nieder. An den Folgetagen erfolgte die Einnahme des Schlosses Gelchsheim und Beschlagnahmung des dortigen Getreides aus den zwei Kornkästen sowie die Einnahme der Burg Reichelsberg. Am 18. Juli 1525 war die Bauernsache bereits verloren und Röttingen mußte dem anmarschierten Würzburger Bischof Konrad jegliche Gefolgschaft und Erbhuldigung schwören. Erst unter dem langjährigen Regiment des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn erstarkte die weitgehend vom Weinbau abhängige Wirtschaft der Stadt.

Während des Dreißigjährigen Krieges war das Taubertal, insbesondere zur Zeit des schwedischen Königs Gustav Adolfs, über längere Zeit Kriegsschauplatz. Ganz Franken litt unter ständigen Truppendurchzügen, schweren Schäden durch Einquartierungen und Seuchen. In der Folge verarmten viele Regionen und verloren ihre reichspolitische Bedeutung, während marodierende Soldaten und verarmte Bauern plündernd durch das Land zogen. Für Röttingen bedeutete der Krieg eine massive wirtschaftliche Ausbeutung und einen katastrophalen Bevölkerungsrückgang. Um das Jahr 1645 lebten nur noch etwa 400 Menschen in der Stadt. Nach der Schlacht bei Breitenfeld weitete sich der Krieg ab 1631/32 in vollem Umfang auf Franken aus. Truppen unter Gustav Adolf von Schweden und Bernhard von Sachsen-Weimar besetzten das Amt Röttingen. In diesem Zuge wurden die beiden Bürgermeister der Stadt festgenommen und auf die Festung Würzburg verschleppt. Bis 1650, über fast zwei Jahrzehnte, hinweg musste Röttingen immense Summen an Kriegskosten, Tributen und Verpflegungsaufwendungen aufbringen. Die Gemeinde zahlte insgesamt Tausende Gulden und Reichstaler (nach heutigem Wert weit über zwei Millionen Euro). Durch die ständigen Truppenbewegungen wurden schwere Krankheiten wie Pocken, Tuberkulose, Flecktyphus und die Pest eingeschleppt; zudem grassierte der Milzbrand beim Vieh. Den Höhepunkt der Seuchenwelle bildete das Jahr 1634, in dem allein in Röttingen 316 Menschen an der Pest starben. In den Jahren 1640 und 1645 in der Spätphase des Krieges wurde das Gebiet zusätzlich von französischen Truppen unter General Turenne drangsaliert. Die marodierenden Einheiten unternahmen Streifzüge durch die Region und plünderten die Stadt. Im Jahre 1640 umfasst die Stadtbefestigung insgesamt 14 Wehrtürme. 1750 entstand nach dem Abriss des spätgotischen Rathauses am selben Standort das bis heute bestehende, dreigeschossige Rathausgebäude.

19. und 20. Jahrhundert Es bedurfte eines Napoleon, um in den Jahren 1803 bis 1814 dem fränkischen Kleinstaatenindividualismus ein Ende zu bereiten. Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde. Im Zuge der Säkularisation wurde 1803 das geistliche Fürstentum aufgelöst. Röttingen kam an das Königreich Bayern (zunächst dem Untermainkreis zugeteilt, später dem Bezirksamt Ochsenfurt untergeordnet). Die Burg Brattenstein wird Sitz des Rentamtes. Um den Brandschutz zu verbessern, wurde 1814 eine neue Bauverordnung erlassen. Häuser dürfen im Stadtgebiet nur noch aus Stein errichtet werden. 1822 wurde das Bildungswesen erweitert, Röttingen erhält mit der Mädchenschule sein zweites Schulhaus. Durch die administrative Neugliederung des Königreichs Bayern um 1837 wurde die Region Franken in die Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken aufgeteilt. 1919 kam für Röttingen die Selbstverwaltung.