mini|Eingang zum zentralen Campus Holländischer Platz

Die Universität Kassel ist die nördlichste Universität Hessens. Die Gründung erfolgte 1971 als Gesamthochschule Kassel (GhK). Seit 2003 heißt die Hochschule Universität Kassel.

Die Forschung an der Universität ist traditionsgemäß vielfältig und interdisziplinär, z. B. seit 1978 über die unabhängig von den Fachbereichen organisierten Wissenschaftlichen Zentren.Wissenschaftliche Zentren. Das Forschungsprofil umfasst Schwerpunkte u. a. in Umwelt-, Klima- und Energieforschung, Informationstechnik-Gestaltung, Nanostrukturwissenschaften und Bildungsforschung. 2024 verstärkte die Universität ihren Nachhaltigkeitsschwerpunkt durch neue Studiengänge und ein Institut.

Die Universität Kassel hat neben dem zentralen Campus Holländischer Platz die weiteren Standorte Heinrich-Plett-Straße, Menzelstraße, Wilhelmshöher Allee und Damaschkestraße in Kassel sowie zwei Standorte in der Stadt Witzenhausen.

Geschichte der Universität mini|Ursprüngliches Logo der Gesamthochschule Kassel von 1971 bis 2000 Bereits ab 1633 durfte sich Kassel für die nächsten zwanzig Jahre aufgrund der alten Universität Kassel Universitätsstadt nennen, bevor die hessische Landesuniversität aus dem Renthof in das wiedergewonnene Marburg zurückverlegt wurde. Landgraf Friedrich II. gründete 1777 die heutige Kunsthochschule als Akademie der Künste, die nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Werkkunstschule und später Hochschule für bildende Künste (HbK) war, bis sie heute unter dem Namen Kunsthochschule Kassel firmiert.

Auch die 1832 gegründete Höhere Gewerbeschule (Polytechnikum Kassel), an der u. a. die Chemiker Heinrich Buff, Friedrich Wöhler und Robert Wilhelm Bunsen lehrten und forschten, und die Baugewerkschule Kassel (später Staatsbauschule Kassel, ab 1963 Staatliche Ingenieurschule)siehe Literatur 40 Jahre Bauingenieurstudium in Kassel. können als Vorläufer der Kasseler Universität angesehen werden. Bereits 1866 gab es Pläne, das Polytechnikum zu einer Technischen Hochschule oder Universität auszubauen; aus Geldmangel konnte das Vorhaben in Kassel nicht realisiert werden (stattdessen wurde 1870 die Technische Hochschule Aachen gegründet).

Erste Forderungen nach Gründung einer Universität in Kassel wurden 1958 laut. Später erfolgte die Gründung einer Bürgerinitiative zur Erreichung dieses Ziels. 1970 beschloss der hessische Landtag die Gründung einer integrierten Gesamthochschule. Das Kasseler Gesamthochschulkonzept beinhaltete die Integration verschiedener Vorgänger-Hochschulformen, hier waren es die Hochschule für Bildende Künste, das Pädagogische Fachinstitut, die Ingenieurschule sowie die Höhere Wirtschaftsfachschule, in einer einzigen Hochschule. Ludwig von Friedeburg, der hessische Kultusminister, gilt als Gründer der Kasseler Gesamthochschule (GhK). Angeregt hatte es Stephan Freiger, damals Dozent am Pädagogischen Fachinstitut Kassel. Am 25. Oktober 1971 wurde der Lehrbetrieb aufgenommen. Gründungspräsidentin wurde ein Jahr später Vera Rüdiger. Die praxisorientierte und experimentelle Schwerpunktsetzung in den gestuften Diplomstudiengängen, die seit 1973 als Kasseler Modell entwickelt wurde, basiert aus dem Zusammenschluss der unterschiedlichen Teilbereiche Kunst, Technik, Agrarwirtschaft, gesellschafts- und umweltbezogene Disziplinen. Als Reformansatz wurde dies bis in die ausgehenden 1990er Jahre praktiziert.

Der erste gestufte Diplomstudiengang nach dem neuen Kasseler Modell begann 1974. Ein Jahr später wurde Ernst Ulrich von Weizsäcker neuer Präsident der GhK. Der Studiengang Wirtschaftswissenschaften wurde zum Wintersemester 1978 in der damaligen „Organisationseinheit Wirtschaft“, heute Fachbereich 7 (Wirtschaftswissenschaften) eingerichtet. Erster neugebildeter Fachbereich am „Holländischen Platz“ (Hopla) wurde der interdisziplinär ausgelegte Studiengang Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung (ASL) zu dessen Gründungsgeneration u. a. Lucius Burckhardt, Michael Wilkens und Karl-Heinrich Hülbusch zählen.

Beim 20-jährigen Jubiläum der Hochschule 1991 waren mehr als 16.000 Studenten eingeschrieben. Der Hochschulkonvent beschloss zwei Jahre später die Änderung des Namens in „Universität Gesamthochschule Kassel“. Seit diesem Jahr ist die Uni weiterhin Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zum Wintersemester 2001 wurden mit Hilfe externer Sponsoren zwei neue interdisziplinäre Studienangebote eingerichtet: Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Die Universität feierte am 15. Februar 2002 – dreißig Jahre nach Gründung der Hochschule – ihren ersten Universitätstag. Mit einem Senatsbeschluss fiel 2003 der Namensteil „Gesamthochschule“ weg, die Uni heißt seitdem nun nur noch „Universität Kassel“. Ein Jahr später wurden neue Bachelor- sowie Masterstudiengänge eingerichtet und noch im selben Wintersemester kamen weitere Diplom-Studiengänge wie Mechatronik und Nanostrukturwissenschaften zum Angebot der Universität hinzu. Mit der Modularisierung unter den Rahmenbedingungen des Bologna-Prozesses begann die Vorbereitung von Credit-Point-System und zentraler, automatisierter Studienleistungserfassung.

Campus Holländischer Platz mini|Westlicher Vorplatz des Campus Center mini|Vorplatz der Zentralmensa an der Ahna Ebenfalls kennzeichnend für die Neugründung der Hochschule in den 1970er Jahren war die Umnutzung des in unmittelbar nordöstlich der Innenstadt im Stadtbezirk Nord-Holland gelegenen Industriestandorts der 1810 gegründeten Lokomotivfabrik Henschel, die bereits im Verlauf der 1960er Jahre durch die Eingliederung in das Unternehmen ThyssenKrupp abgewickelt worden war. Entgegen vielfacher Bemühungen um einen Erhalt der alten Gebäude auf dem Gelände und deren alternative Umnutzung (Konversion und Transformation) als Hochschule, wurde in einem langwierigen Prozess der heutige Campus Holländischer Platz neu bebaut. In den 1980er und 1990er Jahren wurde der Campus maßgeblich nach Plänen des Stuttgarter Ingenieurbüros Höfler und Kandel ausgeführt.

In der Zeit zwischen 1982 und 1987 wurde auf dem zentralen Campus das Mahnmal „Die Rampe“ der Künstlerin und Bildhauerin E.R. Nele aufgebaut. Es erinnert an Holocaust und Zwangsarbeit und mahnt, der Opfer des Faschismus zu gedenken.

Seit 2011 wird der Campus Holländischer Platz auf Grundlage des 2005 beschlossenen Baustrukturkonzeptes in nördlicher Richtung zwischen Gottschalk-, Moritz- und Mombachstraße erweitert. Ziel ist neben der Schaffung zusätzlicher Studierendenkapazitäten, die Fachbereiche und Einrichtungen von der Heinrich-Plett-Straße in Kassel-Oberzwehren dorthin zu verlegen.uni-kassel.de. Im Jahr 2002 hatte das Land Flächen der ehemaligen Zeltfabrik Gottschalk & Co. erworben. Seit dem Jahr 2008 wurden die Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Unternehmen Henschel (K18 / K19), Gottschalk & Co. sowie Kohlen Koch abgerissen. Die Ergebnisse des zweistufigen städtebaulichen Wettbewerbs sehen als wesentliche Bestandteile auf dem 8,5 Hektar großen Gelände vor allem Neubauten vor, die Bestandsgebäude wurden nur teilweise in der Masterplanung berücksichtigt.

In einem ersten Schritt entstanden ab 2011 ein Hörsaal- und Campus-Center, neue Gebäude für den Fachbereich Architektur Stadtplanung Landschaftsplanung, ein SciencePark für Existenzgründer und universitätsnahe Unternehmen, ein Wohnheim des Studentenwerks und ein Kindergarten. Zudem wurde die Zentralmensa um 400 Plätze erweitert und ältere Gebäude saniert. Für das Bauprogramm stellt das Land Hessen 226 Mio. Euro aus dem HEUREKA-Programm bereit. Weitere Mittel sind in Aussicht gestellt. Noch nicht umgesetzt sind Gebäude für die Naturwissenschaften.

Campus Oberzwehren Die Universität Kassel (damals noch Gesamthochschule Kassel) nahm zum Wintersemester 1971/1972 ihren Lehrbetrieb auf, und zwar zum großen Teil in Gebäuden, die zuvor in nur sieben Monaten Bauzeit im Stadtteil Oberzwehren errichtet wurden. Im sogenannten Aufbau und Verfügungszentrum (AVZ) kamen zunächst die neu eingerichteten Lehramtsstudiengänge unter. Das AVZ wurde bis 1978 sukzessive erweitert. Wie der Name andeutet, war das AVZ als Provisorium geplant. Dennoch ist es bis heute in Betrieb und beherbergt vor allem den Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften. Im Zuge des hessischen Hochschulbau-Programms HEUREKA ist allerdings vereinbart, den Standort in den kommenden Jahren aufzugeben und die Fachgebiete an den Campus Holländischer Platz zu verlagern.

Campus Wilhelmshöher Allee Die neu gegründete Gesamthochschule übernahm die Gebäude der ehemaligen Staatsbauschule und der Ingenieurschule an der Wilhelmshöher Allee im Stadtteil Wehlheiden. Beide Institutionen gingen in die neue Hochschule auf. Die beiden miteinander verbundenen Gebäude stammen aus den fünfziger Jahren, das Ensemble wurde seitdem immer wieder erweitert. Es enthält reizvolle Sgraffiti der Fünfzigerjahre sowie im Foyer eine Skulptur von Alberto Viani, die auf der Documenta II (1959) gezeigt wurde. Heute ist hier der Fachbereich Elektrotechnik/Informatik untergebracht.Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen, Band 38, Stadt Kassel II (Vorderer Westen – Südstadt – Auefeld – Wehlheiden), Thomas Wiegand, 2005.Universität Kassel (Hrsg.): publik, Magazin der Universität Kassel. 40. Jahrgang, Nr. 2 2017: Gastgeber mit Vergangenheit, S. 10 ff.

Campus Menzelstraße In der Kasseler Südstadt, am Rande der barocken Karlsaue, steht die Kunsthochschule Kassel, die ein teilautonomer Bereich der Universität ist. Sie hat ihre Wurzeln in der Academie de Peinture et de Sculpture, 1777 von Landgraf Friedrich II gegründet, und verweist somit auf die Geschichte der Stadt als landgräfliche und kurfürstliche Residenz. Die Kunsthochschule residiert in zwei sehenswerten 60er-Jahre-Bauten. Der nördliche Teil (Architekt Paul Friedrich Posenenske) wurde für die Staatliche Hochschule der Bildenden Künste gebaut, an der documenta-Begründer Arnold Bode als Professor wirkte. Daran schließt sich der Bau der Werkkunstschule von Johannes Krahn und Josef Lucas an. 1970 wurden die beiden Institutionen vereinigt und gingen anschließend in der heutigen Universität auf.Universität Kassel (Hrsg.): publik, Magazin der Universität Kassel. 40. Jahrgang, Nr. 2 2017: Gastgeber mit Vergangenheit, S. 10 ff.

Campus Witzenhausen In der etwa 40 Kilometer entfernten Kleinstadt Witzenhausen befindet sich der Fachbereich 11 Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel. Er nutzt dort einen Standort im Norden der Stadt sowie im Zentrum ein ehemaliges Kloster der Wilhelmiten. In den Klostergebäuden wurde 1898 die Deutsche Kolonialschule (Tropenschule) gegründet, um Menschen für eine Übersiedlung in die deutschen Kolonien landwirtschaftlich auszubilden. Aus dieser ging 1957 als Nachfolger das Deutsche Institut für tropische und subtropische Landwirtschaft hervor. Mit der Gründung Universität Gesamthochschule Kassel 1971 wurde die hier vorher ansässige Ingenieurschule für Ausländische Landwirtschaft als Organisationseinheit Internationale Agrarwirtschaft (FB 21) und der Studiengang Landwirtschaft (FB 20) Teil der neu gegründeten Universität Gesamthochschule.1973 erfolgte am FB 20 die bundesweit erste Einführung eines Ergänzungsstudienganges für Ökologische Umweltsicherung.

Auf dem Gelände des Klosters an der Steinstraße befindet sich auch das Tropengewächshaus der Universität, das unter anderem seltene tropische Pflanzen beherbergt (darunter die Oman-Banane).

Studium und Lehre, Forschung, Wissenstransfer mini|Im Lernzentrum LEO („Lernort“) finden Studenten Platz für Gruppenarbeit und Selbststudium

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