Die Fuchsien (Fuchsia) sind eine artenreiche Gattung in der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae).
Zu dieser Gattung gehören derzeit 107 Arten und etwa 12.000 Sorten, von denen die meisten aus den Bergwäldern Mittel- und Südamerikas stammen. Einige wenige Arten kommen auf Tahiti und in Neuseeland vor.
In Europa sind Fuchsien seit dem frühen 18. Jahrhundert bekannt. Im 19. Jahrhundert wurden sie zu einer begehrten Zierpflanze und werden bis heute in Mitteleuropa häufig als Kübelpflanze, Balkonpflanze oder Gartenstaude gepflegt. In klimatisch begünstigteren Regionen sind sie eine weit verbreitete Zierpflanze.
Benannt sind sie nach dem deutschen Mediziner und Botaniker Leonhart Fuchs (1501–1566).
Erscheinungsbild Habitus der Pflanze Fuchsien-Arten sind meist laubabwerfende bis immergrüne, verholzende Pflanzen, Halbsträucher, Sträucher und Bäume. Verschiedene Fuchsienarten unterscheiden sich in ihrem Erscheinungsbild sehr stark voneinander. Zur Gattung gehören niedrig wachsende Arten wie etwa Fuchsia procumbens, die nur wenige Zentimeter hoch wird und in Mitteleuropa gelegentlich in Steingärten kultiviert wird, genauso wie Fuchsia excorticata, die zu einem Baum heranwächst und eine Wuchshöhe bis über 10 Metern erreicht.
Die Mehrzahl der Arten sind jedoch Sträucher, die je nach Art unterschiedlich dicht verzweigt sind. Einige wenige Arten wachsen auch rankend an anderen größeren Pflanzen empor. Fuchsia tunariensis wächst sogar als Epiphyt auf Baumzweigen oder an Felsen (Lithophyt). Sie zeichnet sich durch knollige Wurzeln aus. Die einfachen, meist wechsel- seltener gegenständigen bis wirteligen Laubblätter sind mehrheitlich gestielt und weisen einen schwach bis mittel gezähnten, teils drüsigen Blattrand auf. Die kleinen Nebenblätter sind meist abfallend.
Die Blüten mini|Fuchsien-Blüte mini|Fuchsien-Blüte: die leuchtend roten Kelchblätter sind zurückgebogen. Die Kronblätter sind von purpurner Farbe mini|Gefüllte Blüte einer Fuchsiensorte Die Pflanzen können zwittrig, diözisch oder gynodiözisch sowie selten auch polygam oder subdiözisch sein. Die Blüten erscheinen einzeln oder in traubigen oder rispigen Blütenständen. Die zwittrigen oder funktionell eingeschlechtlichen, vierzähligen Blüten der Fuchsien befinden sich am Ende von Blütenstielen. Die Farbe des Blütenstiels ist abhängig von der Art und kann rot oder grün sein. Auch der unterständige Fruchtknoten, der am Ende des Stiels sitzt, kann rot oder grün gefärbt sein. Er besteht aus vier Kammern, die die Samenanlagen beinhalten.
An den Fruchtknoten schließt der sogenannte „Tubus“ an, der oft nicht ganz exakt als Kelchröhre bezeichnet wird. Es ist jedoch die röhrenförmig verlängerte Blütenachse, die häufig auch kronblattartig gefärbt ist und auch Hypanthium genannt wird, sie ist nicht beständig an der Frucht. Der Blütenbecher ist also zweigliederig, im oberen Glied (Tubus), über dem Fruchtknoten, sind Nektarien ausgebildet. Besonders lang ist diese Röhre, dieses Glied (Tubus), bei Fuchsia boliviana und Fuchsia fulgens. Bei anderen Fuchsienarten ist sie kurz und dick. An einer Kelchröhre setzen dann die in der Regel vier Kelchblätter an. Sie sind meist etwas zurückgebogen. Kleinere Kronblätter sind meist vorhanden, sie können selten aber auch fehlen, und bilden die Blütenkrone, botanisch auch Corolla genannt. Einfache Blüten haben vier, halbgefüllte Blüten fünf bis sieben und gefüllte Blüten mehr als sieben Kronblätter. Kelch- und Kronblätter sind bei vielen Fuchsienarten und -sorten verschieden gefärbt. Das Farbspektrum reicht von violett über rot und rosa bis weiß oder gelb. Blüten, die rote Kelchblätter haben, können weiße oder blaue bis purpurne Kronblätter besitzen. Daneben gibt es aber auch Arten, bei denen Kelch- und Kronblatt identisch gefärbt sind.
Der Griffel reicht in der Regel weit aus der Blütenkrone hervor. Die keulenförmige, kopfige Narbe ist gelappt oder auch nicht. Der Griffel ist umgeben von acht, manchmal ungleich langen Staubblättern die fertil oder unfruchtbar sein können (Staminodien), die meist kürzer als der Griffel sind, jedoch noch aus der Krone herausragen.
Die zwittrigen Blüten sind oft protogyn. Auch sind wenige Blüten heterostyl.
Blütenformel:
Herkunft und Verbreitung Stammesgeschichtlich stammen ursprüngliche Fuchsien-Arten wohl aus den peruanischen Anden. Von dort aus breiteten sie sich nach Norden über die mittelamerikanische Landbrücke bis nach Mexiko und nach Süden bis nach Feuerland (Tierra del Fuego) aus.
Fuchsien haben heute ein sehr großes Verbreitungsgebiet. Es reicht in Amerika vom Norden Mexikos über Guatemala, Honduras, El Salvador, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Brasilien, Bolivien, Peru, Chile und Argentinien bis hinab nach Feuerland. Natürliche Vorkommen der Fuchsien finden sich außerdem auch in Neuseeland (4 Arten) und auf Tahiti (1 Art). Fossile Pollen von Fuchsien, die man in Neuseeland gefunden hat, werden auf ein Alter von 30 Millionen Jahre geschätzt. Diese besonders weit gewanderten Arten werden meist in die Sektion Skinnera gestellt und weisen besonders charakteristische Merkmale auf.
Heute sind etwa 100 Arten bekannt.
Als Gartenflüchtlinge haben sich Fuchsien in klimatisch begünstigten Regionen Europas angesiedelt. Formen der Fuchsia magellanica sind heute entlang der Westküste der Britischen Inseln von Cornwall bis nach Schottland und in Irland zu finden.
Standortanforderungen Fuchsien sind keine Tropenpflanzen im eigentlichen Sinne, obwohl sie in tropischen Breiten beheimatet sind. Sie kommen natürlich vorwiegend in höheren Gebirgsregionen im oder am Rand des tropischen Regenwaldes vor. Lediglich in ihren südlichsten Verbreitungsgebieten wachsen sie auch an Hängen und in Tälern.
Vermehrung
Fuchsien vermehren sich in der freien Natur über Samen. Die Beeren werden meist in großer Zahl gebildet. Je nach Art sind sie bei Reife grün, rötlich oder fast schwarz. Sie können bis zu pflaumengroß werden. Ausgereifte Beeren sind saftig, weich und geschwollen. Sie sind essbar. Die enthaltenen Samen sind sehr klein und verlieren ihre Keimfähigkeit sehr rasch.
Im Gartenbau wird meist die vegetative Vermehrung über Stecklinge bevorzugt. Fuchsienstecklinge wurzeln schnell, wenn die Bodenwärme 18 bis 20 Grad Celsius beträgt. In kommerziellen Gärtnereien stehen die Vermehrungsbeete deswegen gelegentlich auf beheizten Pflanztischen. Die Stecklinge müssen vor Zugluft, praller Sonne und Verdunstung geschützt werden. Ihre Bewurzelungsgeschwindigkeit erhöht sich, wenn die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Als Vermehrungssubstrat wird ein nährstoffarmes Torf-Sand-Gemisch (üblicherweise im Verhältnis 2:1) verwendet. Eine erfolgreiche Wurzelbildung zeigt sich in der Wiederaufnahme des Triebspitzenwachstums, also der Bildung neuer Blätter und der Streckung des Sprosses. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur bewurzelte Stecklinge müssen danach an geringere Temperaturen gewöhnt („abgehärtet“) werden. Weiche Pflanzenteile, also bei Wärme gebildete Pflanzenteile bewurzeln schneller als schon verholzende Teile; grundsätzlich kann man Kopf- und Teilstecklinge machen.
Hobbygärtner bewurzeln Stecklinge gelegentlich auch in Wassergläsern. Die Pflanzen werden dann eingetopft, wenn die Wurzeln zwei bis drei Zentimeter lang sind. Generell gilt die Vermehrung von Fuchsien über Stecklinge als einfach und auch von Privatgärtnern einfach zu praktizieren.
Winterharte Fuchsien und robustere Fuchsien-Hybriden bilden außerdem „Wurzelausläufer“ aus, es sind unterirdische Teile der Sprossachse und keine Teile der Wurzel. Diese können mit der anhängenden Wurzel abgetrennt und gleichfalls sofort in Töpfen kultiviert werden.
Eine Kultivierung und Vermehrung von Fuchsien über eine In-vitro-Kultur ist ebenfalls möglich, wirtschaftlich und mengenmäßig jedoch nicht von Bedeutung. Ihren Einsatz findet diese Technik lediglich bei der Etablierung neuer Typen, der Produktion von Elitepflanzen oder der Pathogen-Eliminierung. Deshalb ist diese Vermehrungsmethode entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg eines Jungpflanzenproduktionsbetriebes und für gesunde Pflanzen in denjenigen Gärtnereien, welche die Jungpflanzen kaufen.
Krankheiten und Schädlinge Pilzkrankheiten mini|Weiße Fliege, einer der tierischen Schädlinge der Fuchsien Fuchsien, die optimale Kulturbedingungen haben, werden nur selten von Krankheiten und Schädlingen befallen. Grauschimmelfäule (Botrytis cinera) tritt jedoch auf, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Dann bilden sich in Nähe des Bodens an den Stängeln braun-schwarze und faulige Stellen, die dazu führen können, dass ganze Zweigpartien absterben. Befallen werden Fuchsien auch von dem sogenannten Fuchsienrost, einer Pflanzenkrankheit, die durch den Rostpilz Pucciniastrum epilobii f. sp. palustris ausgelöst wird. Er nutzt Weidenröschen als Zwischenwirt. Daher sollte diese Pflanzengattung nicht in der Nähe von Fuchsien kultiviert werden. Der Befall kann dadurch festgestellt werden, dass sich an der Blattunterseite gelb-braune bis rostrote Sporen zeigen. Fuchsien sind für diesen Pilz besonders dann empfindlich, wenn bei niedrigen Raumtemperaturen eine zu hohe Luftfeuchtigkeit herrscht.
Wurzelfäule wird durch verschiedene Bodenpilze verursacht. Sie treten vor allem dann auf, wenn der Fuchsientopf völlig austrocknet und die feinen Faserwurzeln der Fuchsie daraufhin absterben. Wird dann gegossen, verfaulen diese abgestorbenen Wurzeln und bieten Pilzen wie Phytophthora, Thieloaviopsis basicola und Fusarium ideale Wachstumsbedingungen. Sie können zu einem vollständigen Absterben des Wurzelsystems führen, so dass die Pflanze trotz ausreichender Bodenfeuchtigkeit nicht in der Lage ist, die Feuchtigkeit aufzunehmen.
Tierische Schädlinge mini|Raupe des Mittleren Weinschwärmers auf einer Fuchsienpflanze Von den verschiedenen Blattlausarten befällt vor allem die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) Fuchsien. Da die Läuse den Pflanzen Zellsaft entziehen, entstehen Blattverkrüppelungen oder Blattkräuselungen und die Blätter vergilben. Von den Spinnmilben befällt Tetranychus urticae Fuchsien. Auch sie stechen das Blattgewebe an und saugen den Zellsaft aus. Erkennbar ist ein Befall an weiß-gelblichen Blattflecken. Unter den Wanzen sind es vor allem die Trübe Feldwanze und die Grüne Futterwanze, die an den Fuchsienpflanzen zu starken Schädigungen führen. Auch hier führt das Entziehen von Zellsaft durch die Saugtätigkeit der Wanzen zu einer Blattverkrüppelung. Betroffen sind jedoch vor allem Knospen, die von diesen Wanzen besonders gerne angebohrt werden. Schaumzikaden richten dagegen an den Pflanzen nur wenig Schäden an, trotzdem kommt es gelegentlich durch andere Zikadenarten zu Fraßschäden an den Pflanzen. Zu größeren Fraßschäden kann es dagegen durch die Raupe des Mittleren Weinschwärmers kommen. Die bis zu acht Zentimeter langen Raupen sind sehr gefräßig. Bevorzugte Futterpflanzen sind allerdings weniger Fuchsien, sondern die zur gleichen Familie gehörenden Weidenröschen und Nachtkerzen. Hier ist das Risiko eines Befalls geringer, wenn diese Pflanzen nicht in der Nähe der Fuchsien wachsen.
Die Weiße Fliege gehört ebenfalls zu den blattsaugenden Insekten. Größeren Schaden richtet sie jedoch dadurch an, dass sie einen klebrigen Honigtau ausscheidet, der die Blattoberfläche überzieht und auf dem sich der Rußtaupilz ansiedelt. Stark befallene Blätter sind nicht mehr in der Lage, zu assimilieren.
Die Larven des Dickmaulrüsslers schädigt vor allem das Wurzelsystem, da die Larven dieses Käfers sich von Wurzeln ernähren und das gesamte Wurzelsystem einer Fuchsie zerstören können. Gleiches tun die Larven verschiedener Trauermückenarten. Sie treten vor allem in Gewächshauskulturen auf, in denen viel mit Torf gearbeitet wird.