mini|Landschaft im Einzugsgebiet von Göllheim, im Hintergrund der Donnersberg Göllheim (pfälzisch: Gellem) ist die gemäß der aktuellen Einwohnerzahl fünftgrößte Ortsgemeinde im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der sie auch selbst angehört. Göllheim ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
Geographie Lage Göllheim liegt in der Pfalz zwischen dem zum Rheinhessischen Tafel- und Hügelland gehörenden Göllheimer Hügelland und der Kaiserstraßensenke. Der äußerste Westen der Gemarkung mit dem sogenannten Göllheimer Wald reicht an die nördlichen Ausläufer des Pfälzerwaldes heran, genauer an dessen Teilbereich Stumpfwald. Der Ort liegt 40 km von Kaiserslautern, 50 km von Ludwigshafen und 55 km von Mainz, zu denen eine Direktverbindung per Autobahn besteht. Im näheren Umfeld finden sich die Städte Kirchheimbolanden, Worms und Frankenthal. Zu Göllheim gehören zusätzlich die Wohnplätze Am Ruhweg, Auf der Füllenweide, Esper und Gundheimerhof. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Marnheim, Rüssingen, Biedesheim, Lautersheim, Kerzenheim, Breunigweiler, Börrstadt und Dreisen.
Erhebungen und Gewässer Unmittelbar westlich des Siedlungsgebiets erstreckt sich der Hasenbühl und südwestlich an der Grenze zu Kerzenheim der Kriegsberg. Im Norden unweit der Grenze zu Marnheim befindet sich die 300,9 Meter messende Hohe Benn.
Im Nordwesten bildet der Hasenbach teilweise die Grenze zu Dreisen. Im äußersten Osten entspringt der Mohrbach.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt im langjährigen Mittel etwa 556 Millimeter.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Das Unternehmen Meteomedia betreibt eine Wetterstation auf dem Verwaltungsgelände des ortsansässigen Zementherstellers Dyckerhoff. An der Finanzierung beteiligten sich die Gemeinde und die Ortsgruppe Donnersberg des Vereins Pollichia. Die Daten der Station werden auf einer elektronischen Schautafel in der Nähe des Rathauses angezeigt. Sie gehen zusätzlich in den Wetterbericht ein, der durch das Unternehmen im Fernsehprogramm der ARD und des SWR täglich präsentiert wird.
Geschichte Frühgeschichte und Antike mini|Römischer Sarkophag aus dem dritten oder vierten Jahrhundert Der Ort wurde erstmals im Jahr 819 als Gylnheim urkundlich erwähnt, jedoch siedelten hier schon seit mehreren tausend Jahren Menschen, wie Funde innerhalb des Ortes und der ganzen Gemarkung belegen. So fanden sich beispielsweise Pfeilspitzen, Messer und Schaber aus der Jungsteinzeit. Im Bereich der Siedlung Füllenweide befinden sich zwei große Grabhügelfelder, die auf die Zeit um 700 vor Christus geschätzt werden.
Aus römischer Zeit sind verschiedene Siedlungen am Südhang des Mohrbaches bekannt. 1924 fand sich ein mächtiger Steinsarg mit einem Skelett. Anhand der Beigaben wird er auf den Übergang vom dritten zum vierten Jahrhundert datiert. Ebenso ist eine römische Villa anhand weiterer Artefakte nachgewiesen.
Wiederum im Bereich der Füllenweide liegen Kupfer- und Eisenerzminen, die von römischen Siedlern ausgebeutet worden sind. 1916 wurden einzelne Schächte wiederentdeckt und erforscht.Helmut Bernhard: Archäologische Funde und Befunde zur Vor- und Frühgeschichte des Göllheimer Raumes. In: Karl Scherer (Hrsg.): Göllheim - Beiträge zur Ortsgeschichte. Band I, 2006.
Mittelalter mini|Schlacht am Hasenbühl 1298 In fränkischer Zeit war der Ort ebenfalls besiedelt, wie ein ausgedehntes Gräberfeld mit zahlreichen Grabbeigaben des sechsten bis siebten Jahrhunderts im Südosten des Ortes belegt. Auf die Franken, genauer auf einen Franken namens Gilo, bezieht sich der Ortsname Göllheim: „Göll - Heim“, „Gyln - Heim“, „Gilo = Heim“, entsprechend „Heim des Gilo“.
mini|Das Königskreuz im Thesaurus Palatinus, des Johann Franz Capellini von Wickenburg Im Mittelalter gehörte Göllheim zur Herrschaft Stauf. Nach dem Aussterben der Staufer um 1200 gelangten die Grafen von Eberstein über Heirat an deren Besitz. In die Zeit des 13. Jahrhunderts fällt auch die Schenkung der Göllheimer Kirche 1247 an das Kloster Rosenthal durch Eberhard IV. von Eberstein und dessen Frau Adelheid. An diese Schenkung und die Zugehörigkeit zum Kloster erinnert noch heute die steinerne Wappenrose der Ebersteiner bzw. des Klosters Rosenthal über einem gotischen Fenster im Turmuntergeschoß der protestantischen Kirche. Wieder durch Heirat gelangte die gesamte Herrschaft Stauf an die Grafen von Zweibrücken.
Am 2. Juli 1298 fand mit der Ritterschlacht bei Göllheim – alternativ als „Schlacht auf dem Hasenbühl“ genannt – ein bedeutendes Ereignis der mittelalterlichen Reichsgeschichte statt, in der der römisch-deutsche König Adolf von Nassau fiel. Die Schlacht war der Endpunkt des Kampfes zwischen Adolf von Nassau und Albrecht I. von Österreich um die Königswürde des Heiligen Römischen Reiches. An Adolfs Todesort, der sich mittlerweile innerhalb des Siedlungsgebiets befindet, steht das Königskreuz. Es ist das älteste Flurkreuz der Pfalz und wurde im 19. Jahrhundert mit einer Schutzkapelle nach Plänen Augusts von Voit überbaut.
Im gleichen Jahr 1298 nach der Schlacht trugen die Grafenbrüder Eberhard I. und Walram I. von Zweibrücken Dorf und Gericht Göllheim dem Wormser Bischof Emich zu Lehen auf. Die Zugehörigkeit zum Hochstift Worms währte nicht einmal 100 Jahre, denn zwischen 1378 und 1388 kaufte Graf Heinrich II. von Sponheim-Dannenfels die Herrschaft Stauf nach und nach auf. Doch bereits 1393 gelangte sie – abermals durch Heirat – in den Besitz von Philipp I. von Nassau-Saarbrücken.Michael Münch: Zur Geschichte Göllheims im Mittelalter. In: Karl Scherer (Hrsg.): Göllheim - Beiträge zur Ortsgeschichte. Band I, 2006.
Neuzeit In die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts fällt die Befestigung des Ortes. Ob ausschließlich mit Wall und Graben oder doch sogar einer Mauer ist nicht restlos geklärt. Auf jeden Fall besaß der Ort mehrere Tore und Wachtürme; von denen in der Gegenwart das Kerzenheimer und das Dreisener Tor sowie der Ullrichsturm übrig geblieben sind. Der Verlauf der mittelalterlichen Befestigungsanlage ist immer noch auf Luftaufnahmen um den alten Ortskern gut zu erkennen.
Bis zu den Umbrüchen im Nachgang der französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts blieb Göllheim bei den Nassauern; zunächst von beiden Linien Nassau-Saarbrücken und Nassau Weilburg gemeinsam beherrscht, nach dem Aussterben der Linie Nassau-Saarbrücken 1574 alleine von Nassau-Weilburg. Durch eben diesen Umstand der Herrschaftsteilung wurde die Einführung der Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts erschwert beziehungsweise zog sich über mehrere Jahrzehnte hinaus: denn Saarbrücken blieb katholisch, Weilburg wechselte zum Protestantismus.
mini|Das historische Rathaus von Göllheim
Bis zur Französischen Revolution war Göllheim Sitz eines Amtes der Grafschaft Nassau-Weilburg. 1798 wurde Göllheim Hauptort eines gleichnamigen Kantons im Département Donnersberg unter französischer Herrschaft. 1815 hatte der Ort insgesamt 1137 Einwohner. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress im Jahr 1815 getroffenen Vereinbarungen und einem Tauschvertrag mit Österreich kam die Region 1816 zum Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte Eisenberg dem Landkommissariat Kirchheim, später Kirchheimbolanden, an; aus diesem ging das Bezirksamt Kirchheimbolanden hervor.
Ab 1939 war der Ort Bestandteil des Landkreises Kirchheimbolanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Göllheim in der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Göllheim 1969 in den neu gebildeten Donnersbergkreis; drei Jahre später wurde die Gemeinde Verwaltungssitz der ebenfalls neu entstandenen gleichnamigen Verbandsgemeinde.
Am 23. Juni 1933 überfiel eine Gruppe von Nationalsozialisten das Pfarrhaus. Pfarrer Schwalb wurde verhaftet und zusammen mit einem ebenfalls verhafteten Lehrer ins Gefängnis nach Kirchheimbolanden transportiert, drei Tage später jedoch unter Auflagen aus der Haft entlassen. Schwalb, der seit 21 Jahren Pfarrer von Göllheim war, kehrte nicht in die Gemeinde zurück. Er litt nach den Misshandlungen und starb im April 1934 im Krankenhaus in Mannheim.Zeitgenössischer Bericht. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
Religion Christentum 200px|mini|Ausmaß der Pfarrei (farblich abgesetzt sind die ursprünglichen Pfarreien)
Katholischerseits ist Göllheim Sitz der Pfarrei Hl. Philipp der Einsiedler, die am 29. November 2015 (1. Advent) im Rahmen des Konzepts „Gemeindepastoral 2015“ im Bistum Speyer neu gebildet wurde. Die Pfarrei ist fast deckungsgleich mit der Verbandsgemeinde Göllheim, Ausnahmen bilden Bennhausen und Jakobsweiler (beide zur Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden gehörig). Sie gehört zum Dekanat Donnersberg im Donnersbergkreis. Pfarrkirche ist St. Johannes Nepomuk. Das Patrozinium bezieht sich auf den heiligen Philipp von Zell, der im 8. Jahrhundert auf dem Gebiet der Pfarrei lebte und wirkte. Sein Gedenktag ist der 3. Mai.
In den letzten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts wurden bereits viele Priesterstellen aus Personalmangel nicht mehr besetzt und mit benachbarten Pfarreien zusammengelegt. Auf diese Art entstanden die beiden Pfarreiengemeinschaften Göllheim–Weitersweiler und Ottersheim–Stetten–Zell. Um auf die sich ändernden Gegebenheiten zu reagieren und weiterhin ein funktionstüchtiges Pfarrsystem zu erhalten, wurde über mehrere Jahre hinweg ein Konzept mit neuen Strukturen für das Bistum Speyer entwickelt und unter dem Namen „Gemeindepastoral 2015“ verabschiedet. Dieses sah unter anderem die Zusammenlegung kleinerer Pfarreien und seit längerem bestehender Pfarreiengemeinschaften zu einer Pfarrei vor.
mini|hochkant|St. Johannes Nepomuk, ehemaliges Pfarrsiegel
Göllheim selbst war seit den 1680er Jahren wieder eine eigenständige katholische Pfarrei. Die Pfarrei umfasste anfänglich die Ortschaften der Herrschaft Stauf. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurden mehrere Filialen ausgegliedert und der nun selbstständigen Pfarrei Eisenberg angeschlossen, sodass zuletzt nur noch der Elbisheimerhof, Dreisen und Rüssingen als Filialen übrig blieben. Seit dem 1. Januar 2007 gehörte die Filiale Lautersheim St. Josef (vorher zu St. Oswald in Boßweiler) ebenfalls zu Göllheim.https://www.bistum-speyer.de/fileadmin/user_upload/1-0-0/Zentralstelle_und_Leitung/Downloads/OVB/2006/OVB_2006_08.pdfSiehe hierzu: Geschichte der Pfarrei St. Johannes Nepomuk
Judentum Eine jüdische Gemeinde befand sich ebenfalls im Mittelalter in Göllheim. Von ihr zeugen heute noch die Judengasse im alten Ortskern, eine stark verwitterte Judensau an der nordwestlichen Ecke des protestantischen Kirchturms, die in Richtung der Judengasse zeigt, sowie zwei jüdische Friedhöfe. Der ältere, mittlerweile aufgelassene, ist nur noch durch seine quadratische, mit Bäumen bewachsene Grundfläche zu erkennen und liegt inmitten von Feldern. Der neuere befindet sich direkt an der Straße zum Göllheimer Wald in Richtung Göllheimer Häuschen und Ramsen. Die Synagoge der jüdischen Gemeinde wurde während der Novemberpogrome 1938 ebenso wie jüdische Geschäfte geschändet und verwüstet, das Gebäude 1971 abgebrochen. Inzwischen erinnert an dem einstigen Standort eine Gedenkplakette an die Synagoge.
1925 hatte die jüdische Gemeinde in Göllheim noch 22 Mitglieder (1,4 % von ca. 1600 Einwohnern). 19 der in Göllheim geborenen oder längere Zeit dort wohnhaften jüdischen Personen kamen in der NS-Zeit ums Leben.Alemannia-Judaica.de. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
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