mini|hochkant|Wappen derer vom „Stain“ (sic) in der Zürcher Wappenrolle, um 1340
Die Herren von Stein (auch Herren vom SteinSchwoerbel, Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald. S. 100.) waren ein Ministerialen- und Adelsgeschlecht, das im 13. und 14. Jahrhundert im Südschwarzwald nachgewiesen ist. Es besaß dort die Burgen Altenstein (wahrscheinlich auf der Gemarkung des heutigen Häg-Ehrsberg) und Neuenstein (bei Raitbach) und stand als Meier in Diensten des Stifts Säckingen. Durch Erbschaft kam sein Besitz an die elsässische Familie der Herren von Schönau und begründete damit deren wichtige Rolle an Ober- und Hochrhein.
Stammtafel Folgende Herren von Stein sind bekannt:Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel. S. 525. Heinrich I., verstorben 1283 Seine Söhne Heinrich II. (verheiratet mit Katharina von Hünenberg; verstorben 1321) und Rudolf I. (verstorben 1302) sowie eine Tochter Elisabeth (⚭ Ulrich III. von Büttikon) Heinrichs II. Sohn Heinrich IV. (vermutlich minderjährig verstorben) und eine Tochter unbekannten Namens Rudolfs I. Söhne Heinrich III. (verstorben 1349/50), Rudolf II. (verstorben 1321) und Mathis (1339 verstorben). Heinrichs III. TochterDiese Tochter wird von Merz, Die mittelalterlichen Burganlagen und Wehrbauten des Kantons Aargau und Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert. S. 101 als Margareta bezeichnet; Merz sieht sie außerdem als Tochter Heinrichs II., Kreutzer schlägt vor, sie als Tochter Heinrichs III. anzusehen, ebenso Gutmann in seiner Stammtafel des Geschlechts
Heinrich III. von Stein verheiratete seine Tochter unbekannten Namens um 1330 mit Rudolf I. von Schönau. Da er ansonsten kinderlos blieb, starben die Herren von Stein in der Mitte des 14. Jahrhunderts im Mannesstamm aus, und ihr Besitz kam an die Herren von Schönau.Schubring, Die genealogische Entwicklung der Familie. S. 83.
Von einer möglichen Nebenlinie sind 1324 ein Ritter Johannes vom Stein mit Besitz bei Zell im Wiesental und zwischen 1327 und 1347 ein Säckinger Priester und Chorherr Jakob vom Stein genannt. In welchem Verhältnis Johannes und Jakob zueinander und zu den anderen urkundlich erwähnten Herren vom Stein standen, ist jedoch nicht bekannt.Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel. S. 277 f.
mini|hochkant|Wappen der Herren von Wieladingen in der Zürcher Wappenrolle, um 1340
Eine Stammverwandtschaft bestand wahrscheinlich zwischen den Herren von Stein und den Herren von Wieladingen. Zum einen besteht eine große Ähnlichkeit der beiden Wappen, die beide das Motiv der Fidel aufweisen. Zum anderen war das säckingsche Meieramt offenbar auf die beiden Familien aufgeteilt. Diese Aufteilung des Meieramtes könnte auf eine Erbteilung desselben hindeuten.Schwoerbel, Die Burgruine Wieladingen bei Rickenbach im Hotzenwald. S. 101 f. Eine Möglichkeit ist, dass die Linienteilung des ursprünglichen Meiergeschlechts (und überhaupt die Aufteilung des Meieramtes) auf die Linienteilung der Habsburger in der Mitte des 13. Jahrhunderts zurückging, aus der neben der „älteren“ Linie (der späteren Königsdynastie) die „jüngere Linie“ Habsburg-Laufenburg hervorging. Bei dieser Linienteilung wurde auch die Kastvogtei über das Stift Säckingen unter den beiden Brüdern Albrecht IV. und Rudolf III. aufgeteilt, und möglicherweise führte dies auch zu einer Linien- und Aufgabenteilung der zugehörigen Ministerialen. Die Lage der von den beiden Familien verwalteten Meierhöfe spricht dafür, dass die Herren von Stein zur jüngeren Linie Habsburg-Laufenburg kamen, die Herren von Wieladingen zur älteren Linie.siehe Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel, Abschnitt 6.1.3 Mit zwei Zeugen namens Hartmann und Rudolf findet sich das Namensgut der späteren Herren von Wieladingen und Stein bereits in einer Urkunde 1207 in der Säckinger Ministerialität. Ob und wie die beiden Zeugen mit den beiden späteren Meierfamilien in Verbindung stehen, ist aber unklar.Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel. S. 354.
Eine große Rolle der wahrscheinlichen Stammverwandtschaft lässt sich aus den späteren Urkunden nicht ersehen; zwar scheinen die Familien ein freundliches oder freundschaftliches Verhältnis gehabt zu haben, jedoch gibt es keine Hinweise auf ein weiter gepflegtes Verwandtschaftsverhältnis.Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel, Abschnitt 6.3 Auch die ursprüngliche Zuweisung an die beiden Habsburger Familien scheint sich mit der Zeit umgekehrt zu haben. Etwa ab den 1270er Jahren näherten sich die Herren von Stein der älteren Habsburger Linie an, während die Wieladinger in den 1290er Jahren und wahrscheinlich im Zuge der Thronstreitigkeiten zwischen Albrecht von Österreich und Adolf von Nassau in das Gefolge der Grafen von Habsburg-Laufenburg eintraten.Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel, Abschnitt 6.1.3 und 6.4
Besitz Die Herren vom Stein standen als Ministeriale in Diensten des Damenstifts Säckingen und hatten dort das Meieramt über mehrere Dinghöfe inne.Ab dem frühen 15. Jahrhundert wurde in den Urkunden zwischen dem "kleinen" Meieramt der Herren von Wieladingen und dem "großen" Meieramt, das die Herren von Schönau von den Herren von Stein geerbt hatten, unterschieden. Für die Zeit der Herren von Stein ist eine solche Unterscheidung aber nicht urkundlich erwähnt; siehe Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel. S. 101 f. Ihren ursprünglichen Sitz hatten sie auf Burg Altenstein (siehe hierzu unten mehr). Der Umfang des Steinschen Meieramtes lässt sich nur schwer bestimmen, da fast alle urkundlichen Erwähnungen darüber erst aus der Zeit ihrer Schönauer Erben stammen. Wahrscheinlich oblag ihnen jedoch in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Verwaltung über die Meierhöfe in Zuzgen, Kaisten, Ittenthal, Mettau, Sulz und Zell im Wiesental. Umfangreiche Gerichtsrechte in Wegenstetten dürften auch auf das Stift Säckingen zurückgehen.Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel. S. 295 f. Daneben hatte die Familie auch mehrere Höfe, Güter und andere Rechte als Eigenbesitz, oft in den gleichen Dörfern, in denen sie auch das Meierrecht innehatten (so zum Beispiel in Zell, Zuzgen und Stetten).Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert, 104-107 Frese, Die Herren von Schönau. S. 102–107. Das Meieramt über Stetten wird aber von Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel. S. 296, angezweifelt Ein Eigengut hatte die Familie offenbar auch bei Wegenstetten: 1303 übergab Heinrich von Stein seine Rechte dem Hochstift Basel und erhielt den Hof von diesem wieder zu Lehen.Bader: Regesta des ehemaligen Hochstifts Basel von 1281 bis 1341. S. 367 in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 1853, S. 356–384 (online beim Münchener Digitalisierungszentrum). Weiterer Eigenbesitz bestand bei Schwörstadt, Obersäckingen, Säckingen, Wieladingen, Laufenburg, Mettau und Kaisten.Frese, Die Herren von Schönau. S. 99 ff.
Eine weitere „Herrschaft Neuenstein“ bestand auf St. Blasischem Gebiet südlich und südöstlich des Zeller Dinghofes; Der ursprüngliche Umfang der Herrschaft lässt sich nicht genau bestimmen;Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert. S. 104 f. als die Herrschaft 1400 von den Erben der Steiner an die Markgrafen von Sausenberg verkauft wurde, umfasste sie die Burg Neuenstein (siehe unten), die Dörfer Gersbach, Schlechtbach, Schweigmatt, Raitbach und weitere Höfe und Rechte zwischen Wehra- und Wiesental,Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg, Band 1, Urkundennummer h857 also grob gesprochen den östlichen Teil der Gemarkung des heutigen Schopfheim. Möglich ist, dass auch Hausen im Wiesental ursprünglich zur Herrschaft Neuenstein gehörte, aber Anfang des 14. Jahrhunderts durch einen Erbgang an die Basler Familie zer Sunnen gelangte.Ausführlich hierzu siehe Klaus Schubring: Die Herrschaft Neuenstein und Hausen im Wiesental. In: Das Markgräflerland – Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur. Jahrgang 1994, Heft 1, S. 43–63.
Neben diesen Besitzungen im Wiesental und im Hochrheingebiet erwarb Heinrich III. von Stein im Jahr 1342 auch das halbe Dorf Marzell im Kandertal.Kreutzer, Besitz- und Herrschaftserwerb am Hochrhein im 14. Jahrhundert. S. 107. Verkäufer waren die Herren von Neuenfels, die den Verkauf von Heinrich aber sogleich wieder zu Lehen erhielten.Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. Band 2, S. 153 (online bei der Universitätsbibliothek Heidelberg). Einnahmen bestanden darüber hinaus aufgrund von habsburgischen Pfandschaften, so unter anderem in Wehr, Siggenthal, Baden AG, Rheinfelden AG und der Grafschaft Hauenstein.Frese, Die Herren von Schönau. S. 95 f. Bis zum Jahr 1325 dürften sich diese Pfandschaften auf einen Gesamtwert von 460 Mark Silber beziffert haben.Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel. S. 328.
Die Rechtsgeschäfte, in denen Mitglieder des Geschlechts als Akteure urkundlich erwähnt werden, geben das Bild einer ökonomisch und sozial erfolgreichen Familie ab. Ihr gelang es, sich neben dem stiftsäckingschen Meieramt weitere Besitzschwerpunkte zu erschaffen und von der abhängigen Ministerialität in den niederen Adel aufzusteigen. Spätestens in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts scheint die Familie die soziale und personenrechtliche Emanzipation vom Stift abgeschlossen zu haben – in der Folgezeit verfügte sie offenbar frei über Eigengüter, trat sowohl als Lehensnehmer als auch als Lehensherr auf, und alle männlichen Familienmitglieder, welche die Volljährigkeit erlebten, führten den Rittertitel. Dieser soziale Aufstieg manifestiert sich auch in den Eheverbindungen, welche die Familie, soweit bekannt, mit einflussreichen Ministerialengeschlechtern und teilweise sogar Familien freiherrlichen Standes schloss.Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel, Kapitel 4.2.6 und 4.4.11 Mit ein Grund für den wirtschaftlichen und sozialen Erfolg der Familie dürfte der Anschluss an die ältere Linie der Grafen von Habsburg gewesen sein, in deren Umfeld die Herren von Stein ab Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen, denen sie in der Folge die Treue hielten und von denen sie mehrmals für militärische und andere Dienste entlohnt wurden.Gutmann, Unter dem Wappen der Fidel. S. 373–376.
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