Das Infanterie-Regiment „von Boyen“ (5. Ostpreußisches) Nr. 41 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte Aufstellung und Namensgebung Im Jahr 1859 erfolgte eine umfassende Umstrukturierung der preußischen Heeresorganisation.

Durch A.K.O. vom 28. Juli 1859 wurde die Bildung von Landwehrstamm-Bataillonen befohlen. Das in Königsberg stehende 1. Infanterie-Regiment gab die Stämme für die zu bildenden Bataillone in Königsberg, Tilsit und Wehlau. Am 10. August 1859 formierte sich aus ihnen das „1. Landwehrstamm-Infanterie-Regiment“.Alfred Bülowius, Bruno Hippler: Das Infanterie-Regiment von Boyen (5. Ostpreußisches) Nr. 41 im Weltkriege 1914–1918. Verlag Tradition W. Kolk, Berlin 1929, S. 1. Der Regimentsstab verblieb in Königsberg. Im Jahr darauf, am 5. Mai 1860, wurde das Regiment in „1. kombiniertes Infanterieregiment“ umbenannt und geschlossen in Königsberg untergebracht. Diese Bezeichnung führte das Regiment bis zum 4. Juli 1860, ab diesem Zeitpunkt wurde per A.K.O. der Name „5. Ostpreußisches Infanterie-Regiment Nr. 41“ verliehen. Im Zuge dessen bildete das Regiment mit dem „1. Ostpreußischen Grenadier-Regiment Nr.1“ die „1. Infanterie-Brigade“.

Durch A.K.O. vom 27. Januar 1889 erhielt der Verband zu Ehren des ehemaligen Kriegsministers und Generalfeldmarschalls Hermann von Boyen dessen Namen als Zusatz. Die Bezeichnung „Infanterie-Regiment ‚von Boyen‘ (5. Ostpreußisches) Nr. 41“ trägt das Regiment bis Anfang Januar 1919.Alfred Bülowius, Bruno Hippler: Das Infanterie-Regiment von Boyen (5. Ostpreußisches) Nr. 41 im Weltkriege 1914–1918 (= Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Band 262). Verlag Tradition Wilhelm Kolk, Berlin 1929, S. 350 ff.

Standorte und Abtretungen mini|Garnison Tilsit, Kaserne in der Stolbecker Straße mini|Offizierskasino in Tilsit Nach der Gründung des 1. Landwehrstamm-Infanterie-Regiment am 28. Juli 1859, waren die Stationierungsorte der Bataillone I.–III. in Königsberg, Wehlau und Tilsit. Ab 1860 wurden alle Bataillone am Standort Königsberg untergebracht.

Nach dem Grenzschutz-Einsatz von 1863 bis 1864 verlegte das I. Bataillon wieder nach Königsberg. Das II. und III. Bataillon wurden zu ihrem neuen Einsatzort nach Pillau befohlen. Nach Einsatzende im Oktober 1864 erfolgte die Vereinigung des Regiments in Königsberg.

Standorte 1860–1867 Garnison Königsberg 1864–1867 Garnison Gumbinnen 1867–1885 Garnison Königsberg und Memel 1885–1889 Garnison Königsberg, Tilsit und Memel 1889–1897 Garnison Tilsit, Insterburg und Memel 1897–1918 Garnison Tilsit und Memel

Verlegungen Am 12. Dezember 1864 wurde die Verlegung des III. Bataillons nach Gumbinnen befohlen, um für Ersatz des II. Bataillons im Infanterie-Regiment „Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz“ (6. Ostpreußisches) Nr. 43 zu sorgen, welches vorher in ein anderes Einsatzgebiet abrückte. Das III. Bataillon kehrte am 12. Januar 1866 nach Königsberg zurück. September 1885, Verlegung des II. Bataillons von Königsberg nach Tilsit. 1. April 1889, der Regimentsstab bezog in Tilsit sein neues Quartier, das I. Bataillon bezog in Insterburg Garnison. Das III. Bataillon verblieb in Memel. April 1897, Verlegung des in Insterburg stationierten I. Bataillon in die Garnison nach Tilsit.

Abtretungen 27. September 1866, es erfolgte die Abgabe der 5., 13. und der 15. Kompanie an das Füsilier-Regiment „General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen“ (Hannoversches) Nr. 73.

1. April 1881, Abgabe der 8. Kompanie an das Danziger Infanterie-Regiment Nr. 128.

1. April 1887, Abgabe der 10. Kompanie an das 3. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 135. Die fehlenden Kompanien wurden zeitnah ersetzt.

1890 wird das IV. Bataillon an das 5. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 144 nach Metz abgegeben.

1. April 1897, Abgabe des IV. Bataillon an das Infanterie-Regiment Nr. 146 .

Einsatzgeschichte Grenzschutz und Küstenschutz

Im Frühjahr 1863 kam es infolge der Januaraufstände im östlichen Polen zur Mobilmachung der im Osten positionierten deutschen Korps.Sebastian Franck: Zum 100. Jahrestag des Polnischen Aufstandes von 1863. S. 95–96, Download (PDF) Das „5. Ostpreußische Infanterie-Regiment (Nr. 41)“ wurde von Februar 1863 bis Juni 1864 zum Grenzschutz in der Gegend von Thorn eingesetzt.Alfred Bülowius, Bruno Hippler: Das Infanterie-Regiment von Boyen (5. Ostpreußisches) Nr. 41 im Weltkriege 1914–1918. Verlag Tradition W. Kolk, Berlin 1929, S. 3. Ende Juni 1864 erfolgte der Befehl zum Rückzug vom Grenzschutz, das I. Bataillon verlegte vom Einsatzort wieder in die Garnison nach Königsberg ab. Während das II. Bataillon und das Füsilier-Bataillon Befehl erhielten zur Verlegung nach Pillau, mit der Aufgabe des Küstenschutzes gegen die den Pillauer Hafen blockierenden dänischen Schiffe. Im Zuge dieser Aufgabe kam es zum vereinzelten Beschuss der vor Pillau liegenden dänischen Schiffe, welcher allerdings ohne Wirkungstreffer blieb. Nach Beendigung des Deutsch-Dänischen Krieges kehrten auch diese Einheiten nach Königsberg zurück.

Deutscher Krieg von 1866

Nach vollzogener Mobilmachung des Regiments, erfolgt am 23. Juni 1866 im Verband des I. Armeekorps der Einmarsch in Böhmen.Moltkes militärische Korrespondenz, aus den Dienstschriften des Krieges von 1866. S. 373 (Hrsg.) Großer Generalstab Abteilung Kriegsgeschichte, E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1896Alfred Bülowius, Bruno Hippler: Das Infanterie-Regiment von Boyen (5. Ostpreußisches) Nr. 41 im Weltkriege 1914–1918. Verlag Tradition W. Kolk, Berlin 1929, S. 2f.

Während des Krieges gegen Österreich kam das Regiment beim Treffen von Trautenau am 27. Juni 1866 und der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866 zum Einsatz.Paul von Abel: Stammliste der Königlich Preußischen Armee., E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1905. Beim Treffen von Trautenau waren die Bataillone des Regiments an der Besetzung von Trautenau und an den schweren Kämpfen um die strategisch wichtigen Anhöhen beteiligt. Die 1. Kompanie besetzte den östlichen Teil des Marktes, die 2. Kompanie stieß gegen den Galgenberg vor, die 6. Kompanie ging gegen den Hopfenberg vor. Richtung Kapellenberg stieß die 4., 7. und 8. Kompanie vor, dort angelangt stürmte die 7. Kompanie die Kapelle, welche von österreichischen Soldaten besetzt war. Es entwickelte sich innerhalb der Kapelle ein schweres Gefecht. Die österreichische Brigade Mondel musste zurückweichen. Die Bataillone konnten die Wegnahme des Galgenberges, des Hopfenberges und des Kapellenberges erreichen. Im weiteren Gefechtsverlauf änderte sich allerdings die Situation zu Gunsten der Österreicher. Aufgrund des ungünstigen Verlaufes des Gefechts mussten sich die beteiligten Verbände des I. Armeekorps aus Trautenau unter Feuerschutz der eigenen Artillerie zurückziehen. In der wenige Tage später folgenden Schlacht von Königgrätz kam das Regiment bei den schweren Kämpfen um das Dorf Chlum zum Einsatz, hier insbesondere um die strategisch wichtige Ortschaft Rosberitz.Allgemeine Militär-Zeitung, Nr. 27 vom 3. Juli 1869, Jahrgangs-Band 44, Herausgegeben von der Gesellschaft deutscher Offiziere und Militärbeamten, Leipzig 1869, S. 212.Gottfried Steuer: Geschichte des Danziger Infanterie-Regiments Nr. 128, 1881 bis 1906. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1906, S. 82. Rosberitz war von den sich zurückziehenden österreichischen Brigaden Hertwek, Waldstätten und Abele besetzt, den Resten der 1. Garde-Division. Zu diesem Zeitpunkt folgte das Eingreifen der Avantgarde des I. Armeekorps (Ostpreußisches). Das I. und III. Bataillon des „5. Ostpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 41“ setzten im Zusammenwirken mit dem „1. Ostpreußischen Grenadier-Regiment Nr. 1 Kronprinz“ und dem „Ostpreußisches Jägerbataillon Nr. 1“ zum Angriff auf Rosberitz an. Die Erstürmung war erfolgreich, über 3000 österreichische Soldaten gingen in Gefangenschaft. Mit zum Erfolg dieser Operation hat der gleichzeitige Flankenangriff der 11. Division beigetragen.Theodor Fontane: Der deutsche Krieg von 1866. I. Band (Hrsg.) R. v. Decker, Verlag der königlich Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1871, S. 667.

Das Regiment kehrt nach Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen mit Österreich am 17. September 1866 in die Garnison zurück. mini|1. Armee-Korps, Vorstoß auf Trautenau mini|Treffen von Trautenau, strategisch wichtige Anhöhen mini|Schlachtaufstellung Königgrätz Unterstellung II. Armee (Kronprinz) I. Armeekorps 1. Infanterie-Division 5. Ostpreußisches Infanterie-Regiment Nr. 41 1. Ostpreußisches Grenadier-Regiment Nr. 1 Kronprinz Ostpreußisches Jägerbataillon Nr. 1 Litauisches Dragoner-Regiment Nr. 1

Vorstoß auf Trautenau Rechtes Seitendetachement (unter Führung von Oberst von Koblinksi, über Schatzlar und Ober-Altstadt marschierend) 1. Eskadron des Litauischen Dragonerregiment Nr. 1 I. u. II. Bataillon des 5. Ostpreußischen Infanterieregiment Nr. 41 4. Kompanie des Ostpreußischen Jägerbataillons Nr. 1 2 Geschütze der 5. 4-Pfünder-Batterie Rechte Flügelkolonne Gros der Avantgarde (unter Führung von Generalmajor von Pape) 1., 2. u. 3. Kompanie des Ostpreußischen Jägerbataillons Nr. 1 III. Bataillon des Grenadier-Regiments Nr. 1 III. Bataillon des Ostpreußischen Infanterieregiment Nr. 41. 1. reitende Batterie 2. u. 4. Eskadron des Litauischen Dragonerregiment Nr. 1 Ostpreußisches Ulanenregiment Nr. 8 4 Geschütze der 5. 4-Pfünder-Batterie

Verluste Offiziere: ein Toter Mannschaften: 16 ToteKriegsgeschichtliche Abteilung des Großen Generalstabes (Hrsg.): Der Feldzug von 1866 in Deutschland. Verlustlisten Schlacht bei Trautenau, E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1867, S. 129. Vermisste: 16

Schlacht bei Königgrätz Einsatzverlauf Avantgarde, Säuberung des Dorfes Maslowed Marsch zum Nordende von Chlum (Direktionspunkt) Kämpfe um das Dorf Chlum Kämpfe um Rosberitz

Verluste Offiziere: 1 Toter Mannschaften: 9 ToteKriegsgeschichtliche Abteilung des Großen Generalstabes (Hrsg.): Der Feldzug von 1866 in Deutschland. Verlustlisten Schlacht bei Königgrätz, E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1867, S. 9. Vermisste: 3

Deutsch-Französischer Krieg 1870/71

mini|Schlacht bei Colombey-Nouilly mini|hochkant=1|Lageskizze Metz am 14. Aug. 1870 mini|Schlacht bei St. Quentin 1871 Am 15. Juli 1870 ordnete König Wilhelm I. die Mobilmachung der preußischen Armee an.

Das Regiment kam im Verband des I. Armee-Korps zum Einsatz, welches unter Befehl von Generalleutnant von Bentheim stand. Im Verband übernahm das 5. Ostpreußische Infanterie-Regiment Nr. 41 unter anderem die Deckung der Einschließungsarmee von Paris im Norden und im Westen.Helmuth von Moltke: Geschichte des Deutsch-französischen Krieges von 1870-71. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1895. Des Weiteren wurde das Regiment in der Schlacht bei Noisseville eingesetzt und war an der Einschließung und späteren Belagerung von Metz beteiligt.A. v. Schell: Die Operationen der I. Armee unter General von Steinmetz. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1872, S. 173–202. Insbesondere das Eingreifen des Regiments am 19. Januar 1871 in der Schlacht von St. Quentin trug mit zur Schlachtentscheidung bei. Der durch das Regiment erfolgreich ausgeführte Angriff auf den Südflügel der französischen Truppen hatte eine wichtige strategische Bedeutung für den Ausgang der Schlacht.

Unterstellung I. Armee-Korps 1. Division 1. Infanterie-Brigade Grenadier-Regiment „Kronprinz“ (1. Ostpreußisches) Nr. 1 Infanterie-Regiment „von Boyen“ (5. Ostpreußisches) Nr. 41 2. u. 3. Pionierkompanie mit Schanzzeugkolonne Dragoner-Regiment „Prinz Albrecht von Preußen“ (Litthauisches) Nr. 1 1. Fuß-Abteilung Feld-Artillerie-Regiment Nr. 1

Gefechtskalender (Quelle: Gefechtskalender des deutsch-französischen Krieges 1870/71, Großer Generalstab (Hrsg.).) 1870 14. August – Schlacht bei Colombey-Nouilly 17. August – Beschießung des südöstlichen Teils von Metz 26. August – Ausfallgefecht bei La Grange aux Bois 31. August bis 1. September – Schlacht bei Noisseville