Arnoldus Buchelius, auch Aernout van Buchel (* 18. März 1565 in Utrecht; † 15. Juli 1641 ebenda) war ein niederländischer Humanist, Jurist, Altertumsforscher („Antiquar“), Genealoge und Heraldiker.

mini|Arnoldus Buchelius im Alter von 49 Jahren, Kupferstich von Crispin de Passe d. Ä., 1614.

Leben Buchelius stammt ausweislich seines Wappens und verschiedener Notizen in seinen Tagebüchern aus der Kölner Ritterfamilie Büchel, die ihren Stammsitz in einen Hof auf dem Büchel (noch heute im Straßennamen „Krummer Büchel“ erhalten) am Großen Griechenmarkt 6 (früher „Aufm Kronen-Büchel 2“, Nro. 6567) hatteVgl. Anton Fahne von Roland: Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter, Bd. I, Köln / Bonn: Johann Matthias Heberle / Heinrich Lempertz 1848, S. 55f.. Die Familie „van dem Buchel“, in den Kölner Schreinsbüchern auch lateinisch „de Monticulo“ oder „de Cumulo“, ist seit dem 12. Jahrhundert belegtVgl. Hartmut Bickel: Beinamen und Familiennamen des 12. bis 16. Jahrhunderts im Bonner Raum (Rheinisches Archiv 106), Bonn: Röhrscheid 1978, S. 193, u. a.. Sie war im Köln-Bonn-Godesberger Raum reich begütertVgl. Dietrich Hörold (Bearb.): Die Urkunden des Archivs von Burg Rösberg (Inventare nichtstaatlicher Archive 26) Köln: Rheinland Verlag 1981, S. 39–41; Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (Reichskammergericht, Teil III: E 351/1235)..

Buchelius’ Großvater Edmund von Buchell (um 1463–1546)Auch Emond von Buchell u. ä., verheiratet mit Juht (Judith) von Zuylen-Blasenburg († 1548), Sohn von Johann von Buchell und Agnes von Stromberg; vgl. Dietrich Hörold (Bearb.): Die Urkunden des Archivs von Burg Rösberg (Inventare nichtstaatlicher Archive 26) Köln: Rheinland Verlag 1981, S. 39–41; Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (Reichskammergericht, Teil III: E 351/1235), S. 36–42, 108 u. a.; Erbteilungsverträge (1533, 1536–1649), Stammtafeln, Aufstellung des Allodialbesitzes, der Lehen- und Kurmutsgüter im Erzstift und in der Stadt Köln, in Jülich, Essen und anderen Territorien von 1536 bis 1649 im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf. war aus der Nähe von Köln, nach Arnolds Vermutung aus BocklemündBuchelius hat keine genaue Vorstellung mehr von seiner Kölner Verwandtschaft, s. den Artikel Büchel (Familie); auf „Bocklemünd“ (ältere Form „Buchelmund“) kommt er wohl rein wegen des sprachlichen Anklangs von „Böckle“ an „Buchel“. oder aus Düren,Vgl. A. Buchelius bei Hermann Keussen: Die drei Reisen des Utrechters Arnoldus Buchelius nach Deutschland, insbesondere sein Kölner Aufenthalt I. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere das Alte Erzbistum Köln, 84, 1907, S. 26 und 75. nach Holland übersiedelt und Drost von Büren und Beusichem in Gelderland gewesenVgl. Archiv von Gelderland (Bestand 0370 Herren und Grafen van Culemborg, Nr. 2793) (1504) und andere Urkunden..

Arnoldus Buchelius war das uneheliche, 1585 legitimierteVgl. Akte van legitimatie door Hendrik van de Vecht, paltsgraaf, van Aernout van Buchel, zoon van Aernout van Buchel en Brigitta Jansdr, 1585; Het Utrechts Archief (Verzameling Van Buchel-Booth, 355–527). Kind des Aerent van Buchell (1505–1573), Kanoniker des Stiftes St. Peter in Utrecht, und der Britta (Brigitta) Jansdr. († nach 1594), Tochter des Rektors Johan (Jan) Evertsz. van Limburg (Lijmberich) († 1554)1532 bis 1550 Rektor der Lateinschule in der St. Nikolaus-Kirche (Bovenkerk) in Kampen; vgl. Johan Christian Bijsterbos: Mededeeling over de Geschiedenis van het Onderwijs te Kampen. In: Verzameling van Stukken, die betrekking hebben tot Overijsselsche Regt en Geschiedenis II/7 (1872), S. 28–83, bes. S. 40, 44, 52 und 58f u. ö.; Rudolf J. Kolman: De Latijnse School en de koorzang in de Sint-Nicolaaskerk tijdens het rectoraat van Johan Evertsz a Lymberich (1532–1554); de stichting van het Soete-Naeme-Jhesushuys. In: Kamper Almanak (1985/86), S. 155–225. Johan Evertsz. stiftete 1539 sein Vaterhaus als „Soete-Naeme-Jhesus“-Waisenhaus (Groot-Burgerweeshuis), Stifterbild mit seinen Eltern „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (Triptychon 1554/55) von Jakob Maeler (Maler) und Albert Maeler im Städtischen Museum Kampen (Inv.-Nr. 5997); vgl. Rudolf J. Kolman: De memorietafel uit het Soete-Naeme-Jhesushuys (Jacob en Albert Maler, ca 1554). In: De Panne. Mededelingenblad van de Vereniging Vrienden van het Kamper Museum 13 (1988), S. 41–46, und schrieb eine Grammatik der lateinischen Sprache. der Lateinschule in Kampen. Johan Evertsz., der auch als Drucker und Buchbinder arbeitete, druckte den Bericht des Dominikanerpriors Laurens Laurensen (um 1495–1553) über das Oldersumer Religionsgespräch von 1526Laurentius Laurentii: Een antwoort op de disputacie ghedruct in de naem Iuncker Ulricx van Doernum, Kampen: Jan Evertsoen 1527; wiederabgedruckt in: Martin Thielke (Hrsg.): Die Oldersumer Disputation von 1526. Zweisprachige Edition, Aurich: Ostfriesische Landschaft 2009, S. 269ff. und andere SchriftenSybe Jarichs: Een corte cronike, wt voele croniken toe samen mit groter neersticheyt vnde arbeyt gebracht, tracterende de oerspronck vnde crych der Vreisen wence tot dessen dach to, van Westvreislant, Grningherlant vnde Oestvreislant vnde wat daer omlandes ghescheen is, seer ghenuechlick om toe lesen, Kampen 1504 (Nachdruck: Kampen: Jan Euertssoon / Groningen: Teilman „Boeckverkoper“ 1536); Lodovicus de Vogele: Prophetie ofte bedudinge der hemelscher teykene van 1539–1550, Kampen: Jan Evertssoon 1538 u. a.. Arnoldus Buchelius' Mutter heiratete zwischen 1565 und 1569 den Landvermesser Johan Adriaensz. Ruysch († 1589)Sohn von Adriaen Ruysch und Enkel von Johan Ruijsch van Pijlsweert (um 1535–1615).. Von Oktober 1569 bis 1571 floh die Familie vor den spanischen Truppen aus Utrecht nach GorinchemVgl. Judith S. Pollmann: Religious Choice in the Dutch Republic: the Reformation of Arnoldus Buchelius (1565–1641) (Studies in Early Modern European History). University Press, Manchester 1999, ISBN 0-7190-5680-2, S. 34f und 215..

Vorfahren des Arnoldus BucheliusUrgroßelternJohann von Buchell d. Ä. (* um 1420/30; † nach 1466) ⚭ vor 1450 Agnes von Stromberg (* um 1420/30; † nach 1466)Johann von Buchell d. Ä. und seine Ehefrau Agnes von Stromberg trugen 1460 ihrem Sohn Heinrich ihr Hachenburger Erbe von dem verstorbenen Heinrich von Stromberg, Scholaster und Kanoniker zu Bonn auf (Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 620, Urkunde 2560). Agnes überlebte ihren Mann; als Verwandte (Brüder?) werden 1523 † Heinrich von Strombergh (aus Hachenburg) und † Johann von Strombergh genannt (Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Bestand Bonn, St. Cassius, Urkunde 516 von 1523). Elisabeth von Stromberg, Nonne zu Freiendiez, klagte 1507 vor dem Hachenburger Stadtgericht gegen Johann Buchel, kurkölnischen Registrator und Rat sowie Scholaster zu Bonn, bzw. Heinrich Buchel, wegen Gütern zu Hachenburg (Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 620, Nr. 1719); Johann (Henne) von Stromberg war 1423 bis 1451 Stadtschultheiß von Hachenburg.Arent Janszoon van Zuijlen (um 1465–1518), Herr von Blasenburg ⚭ um 1490 Zwederina van Culemborg (* um 1465), Dame von EssensteinEvert (Everhard) Jorijszoon [van Limburg] († 1548) ⚭ Barbara N. († 1534)[Pieter] N. ⚭ N.N.GroßelternEdmund von Buchell (um 1463–1546), Herr von Crayestein ⚭ um 1502 Judith von Zuylen (um 1490–1548), Dame von BlasenburgJohan Evertszoon van Limburg († 1554) ⚭ Geertge PietersElternAerent van Buchell (1505–1573) oo Britta Jansdochter († nach 1594)Arnoldus Buchelius (1565–1641)

Buchelius besuchte die Lateinschulen in Utrecht und Arnheim und studierte ab 1583 zusammen mit seinem Schulfreund Johan de Witt (1565–1622; Schepen der Stadt Dordrecht, Schatzmeister von 1611 bis 1619; nicht zu verwechseln mit dessen bedeutenden gleichnamigen Verwandten Johan de Witt) in Leiden. Er war Schüler von Justus Lipsius (1547–1606) und Hugo Donellus (1527–1591). Von 1584 bis 1585 besuchte er die Universität Douai. Von Juni 1585 bis 1586 studierte Buchelius an der Sorbonne oder am Collegium Trilingue in Paris. Dort lernte er unter anderen Jean Dorat (1508–1588), André Thevet (1516–1590) oder Paul Melissus (1539–1602) kennen und hörte Giordano Bruno (1548–1600).

1586 bis 1587 war er in Utrecht. 1587 reiste er über Amsterdam, Bremen, Kassel, Frankfurt am Main, Heidelberg und Speyer nach Köln zu seinem OnkelVgl. Dietrich Hörold (Bearb.): Die Urkunden des Archivs von Burg Rösberg (Inventare nichtstaatlicher Archive 26) Köln: Rheinland Verlag 1981, S. 108: Als Kinder des Edmund von Buchell und seiner Frau Judith van Zuylen werden 1629 von den Erbanwärter Martin und Judith von Buchell benannt: Johann (1504–1584; verheiratet mit Gijsberta van Wijnen), Aart (Aerent, Arnd) (1505–1573), Hybrecht (1513–1599; Kanoniker zu Utrecht), Agnes (1519–nach 1555; Witwe des Berndt van Wess zu Pluimenburg und gewesene Hausfrau des Hubrecht (Hubert) Dirksz. van Buren († um 1555), 1548 belehnt mit Haus Reigersfort bei Tricht) und Lucia (Witwe des Friedrich van Zuylen zu Nyevelt (1485–1564)); vgl. Het geslacht van Buchel. In: Algemeen Nederlandsch Familieblad 9 (1892), S. 189f, dort zusätzlich: Magdalena (verheiratet mit Gijbert van Dorn), etwas abweichend Judith S. Pollmann: Religious Choice in the Dutch Republic: the Reformation of Arnoldus Buchelius (1565–1641) (Studies in Early Modern European History). University Press, Manchester 1999, ISBN 0-7190-5680-2, S. XIV. Hubert van Buchell (1513–1599), einen ehemaligen Kanoniker des Utrechter Marienstifts. 150px|mini|Hubert van Buchell (1513–1599), Porträt von 1574 mit Familienwappen Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in der Domstadt reiste Buchelius im Herbst 1587 zusammen mit den Buchdruckern Maternus Cholinus (1528–1588), Arnold Mylius (1540–1604), Johann Gymnich III. (1547–1606) und anderen Personen per Schiff zur Frankfurter Buchmesse, von dort über Ulm, Augsburg (ab hier der „Via Romea“ folgend), Partenkirchen, Innsbruck, Brixen, Trient und Bozen nach Italien. Über Padua, Venedig und Ravenna gelangte er Ende des Jahres nach Rom. Auf der Reise durch Italien, zu der auch ein dreiwöchiger Abstecher nach Neapel gehörte, machte Buchelius Aufzeichnungen über römische Ruinen, Inschriften und Kunstwerke (Iter Italicum, Editio princeps 1901). 1588 kehrte er über Siena, Florenz, Bologna, Padua, den Brennerpass, Augsburg, Mainz, Bacharach, Koblenz und Köln über Ruhrort, Duisburg, Orsoy, Wesel, Rees, Emmerich und Arnheim nach Utrecht zurück.

1590 bis 1591 war Buchelius Sekretär des Grafen Walraf III. von Brederode-Kloetinge († 1614), Herr von Vianen, in Den Haag. In dieser Zeit besuchte er mehrmals die Maler Hendrick Goltzius (1558–1616/17) in Haarlem und Jakob de Gheyn II. (um 1565–1629) in Amsterdam. 1591 bis 1592 trat Buchelius in den Dienst des Grafen Johann (Jan) van Horne (1531–1606), Herr von Boxtel und Gouverneur von ’s-Hertogenbosch, mit dem er 1591 eine zweite Reise nach Deutschland unternahm. Die Reise führte über dieses Mal über Vegesack, Bremen, Verden, Hannover, Einbeck, Münden, Kassel, Fritzlar nach Treysa und ab hier - der „Brabanter Straße“ folgend – über Kirchhain, Marburg, Gladenbach, Dillenburg, Haiger, Siegen, Denklingen, Overath und Deutz nach Köln. Nach einem längeren Aufenthalt in Köln reisten Buchelius und Graf von Brederode über Mülheim, Düsseldorf, Ratingen und Broich nach Duisburg, wo sie wieder einen längeren Aufenthalt einlegten. Von dort ging es über Wesel, Rees, Griethausen, Emmerich und Schenkenschanz nach Arnheim.