Knetzgau ist eine Gemeinde im Landkreis Haßberge im Osten des bayerischen Regierungsbezirks Unterfranken.
Geographie Lage Die Gemeinde liegt am nördlichen Rand des Naturparks Steigerwald auf einer Höhe von etwa . Sie liegt am Main, etwa fünf Kilometer südöstlich von Haßfurt am Rande der Haßberge. Innerhalb der Gemeinde liegen unter anderem folgende Berge: Hollacher Berg (409 m ü. NHN), Kleiner Knetzberg (447 m ü. NHN), Großer Knetzberg (488 m ü. NHN), Böhlberg (485 m ü. NHN) sowie der Gangolfsberg (469 m ü. NHN). Durch die Gemeinde fließt mit dem Stöckigsbach, der auch Böhlbach genannt wird, ein Zufluss des Mains durch die Gemeinde.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Haßfurt, Zeil am Main, Sand am Main, Oberaurach, Donnersdorf und Wonfurt.
Gliederung Es gibt neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Naturschutz Die Wälder im südlichen Teil der Gemeinde liegen innerhalb der Schutzzonen des FFH-Gebiets Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwalds sowie des Vogelschutzgebiets Oberer Steigerwald. Außerdem liegt mit dem Naturwald Knetzberg-Böhlgrund ein großes und bedeutendes Waldschutzgebiet in Knetzgau. Ebenfalls im Gemeindegebiet liegen die beiden geschützten Landschaftsbestandteile Kalkgrube und Eichelberg bei Westheim.
Geschichte Knetzgau ist eine Gemeinde mit einer über 1200-jährigen Geschichte. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes erfolgte um das Jahr 780 in der sogenannten Ilbicschen Schenkungsurkunde, in der Knetzgau unter dem Namen Knetzcegewe genannt wird. Diese frühe Nennung belegt die Besiedlung des Gebietes bereits zur Zeit der Karolinger und macht Knetzgau zu einem der ältesten dokumentierten Orte der Region. Die günstige Lage am Main, die Nähe zu fränkischen Handelswegen und die fruchtbaren Böden begünstigten die Entwicklung des Dorfes als landwirtschaftlich geprägte Siedlung.
Im Mittelalter war Knetzgau Teil des Amtes Zeil des Hochstifts Bamberg, das ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte. Die Bevölkerung lebte überwiegend von der Landwirtschaft, wobei der Weinbau, der Getreideanbau und die Viehzucht zentrale Erwerbszweige darstellten. Die kirchliche Bindung prägte das Dorf stark: Die Pfarrkirche St. Bartholomäus, deren Ursprünge vermutlich im 12. Jahrhundert liegen, bildete das religiöse Zentrum und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und erweitert. Sie war nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Symbol für die soziale und kulturelle Identität der Dorfgemeinschaft.
Ein besonders markantes Bauwerk war die sogenannte Kirchenburg, eine befestigte Anlage rund um die Pfarrkirche, die sakrale und wehrhafte Architektur vereinte. Sie diente der Bevölkerung als Zufluchtsort bei kriegerischen Auseinandersetzungen und Überfällen. Die Anlage bestand aus Wehrmauern, Türmen, Speichern und einem zentralen Kirchbau und war ein typisches Beispiel für die Verbindung von religiöser und defensiver Bauweise in ländlichen Regionen Frankens. Im Jahr 1525 wurde die Kirchenburg im Zuge des Deutschen Bauernkriegs zerstört. Sie wurde nach ihrer Zerstörung nicht wieder aufgebaut. Heute befindet sich an ihrer Stelle die Pfarrkirche St. Bartholomäus, die mehrfach umgestaltet wurde. Vom ursprünglichen Befestigungscharakter sind keine sichtbaren baulichen Reste mehr erhalten, doch ihre historische Bedeutung bleibt ein zentraler Bestandteil der Ortsgeschichte.
Ebenfalls im Bauernkrieg wurde die Burg Knetzgau, eine mittelalterliche Wasserburg nordöstlich der Dorfmitte (heutige Adresse: Schloßweg 12), zerstört. Sie wurde später als Wasserschloss wieder aufgebaut, verfiel jedoch bereits Mitte des 18. Jahrhunderts und ist heute nicht mehr erhalten. Diese Burg war ein bedeutendes Herrschaftszentrum und prägte die Ortsstruktur über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Knetzgau wie viele Orte in Franken stark in Mitleidenschaft gezogen. Plünderungen durch durchziehende Truppen, Seuchen und Hungersnöte führten zu einem drastischen Rückgang der Bevölkerung und zu wirtschaftlicher Not. Der Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgte nur langsam und wurde maßgeblich von kirchlichen Institutionen und lokalen Grundherren begleitet. mini|Einer der letzten Schelche, der in Knetzgau gebaut worden ist (1933) Im 18. und 19. Jahrhundert war Knetzgau ein regionales Zentrum des Baus der Schelche, traditioneller fränkischer Flachbodenboote, die auf dem Main eingesetzt wurden. Diese handwerkliche Spezialisierung trug zur wirtschaftlichen Bedeutung des Ortes bei und ist ein bemerkenswerter Aspekt der lokalen Kulturgeschichte.Fred Hanke: Traditionelle Boote in Deutschland. Teil 3: Holzbootsbau am Mittelmain. In: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Wissenschaftliches Jahrbuch des Deutschen Schiffahrtsmuseums. Jg. 18, 1995, S. 261–294, hier S. 291.
Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses fiel Knetzgau im Jahr 1803 zunächst an Bayern. Durch Grenzbereinigungen kam es 1810 mit dem Amt Zeil zum Großherzogtum Würzburg, das unter der Herrschaft des Großherzogs Ferdinand von Toskana stand. Nach dem Wiener Kongress fiel das Gebiet 1814 endgültig an das Königreich Bayern.
Im 19. Jahrhundert erlebte Knetzgau im Zuge der allgemeinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche eine Phase der Modernisierung. Die Einführung neuer landwirtschaftlicher Techniken, der Ausbau der Infrastruktur und die zunehmende Einbindung in die bayerische Verwaltung führten zu einer schrittweisen Veränderung des Dorflebens. Auch das Vereinswesen entwickelte sich in dieser Zeit, mit Gründungen von Gesangs-, Sport- und Schützenvereinen, die bis heute das kulturelle Leben prägen. mini|Das Kriegerdenkmal Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1927 ein Kriegerdenkmal errichtet, das an die gefallenen Soldaten erinnert und Ausdruck des kollektiven Gedenkens der Dorfgemeinschaft ist. Während des Zweiten Weltkriegs blieb Knetzgau von größeren Zerstörungen verschont, erlebte jedoch wie viele ländliche Gemeinden die Auswirkungen von Flucht, Vertreibung und wirtschaftlicher Umstellung in der Nachkriegszeit. In den 1950er und 1960er Jahren setzte eine Phase des Wachstums ein, die durch Zuzug, Neubaugebiete und die Modernisierung der Infrastruktur geprägt war.
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden mehrere umliegende Gemeinden in die Gemeinde Knetzgau eingegliedert: Am 1. Juli 1972 schlossen sich Oberschwappach und Unterschwappach an, am 1. Januar 1973 folgte Wohnau, am 1. Juli 1974 kamen Eschenau, Westheim bei Haßfurt und Zell am Ebersberg hinzu. Größere Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Hainert wurden schließlich am 1. Januar 1976 eingemeindet. Dadurch wuchs Knetzgau nicht nur flächenmäßig, sondern auch in seiner kulturellen und sozialen Vielfalt.
Die Gemeinde engagiert sich aktiv in der Pflege ihrer Geschichte. Historische Bauwerke wie das barocke Schloss Oberschwappach, das Kriegerdenkmal, mehrere denkmalgeschützte Fachwerkhäuser und die Pfarrkirche St. Bartholomäus zeugen von der reichen Vergangenheit des Ortes. Knetzgau verbindet heute Tradition und Moderne und ist ein lebendiges Beispiel für die historische Entwicklung fränkischer Gemeinden. Die Gemeinde legt großen Wert auf kulturelle Identität, bürgerschaftliches Engagement und nachhaltige Entwicklung und präsentiert sich als attraktiver Wohn- und Lebensort in der Region Mainfranken.Rainer Wailersbacher: 1200 Jahre Knezcegewe – Knetzgau. Haßfurt, 1980.
Die Ketzgauer Sage vom lebendigen Skelett
An einem Feiertagsabend saßen mehrere Männer aus Knetzgau im Wirtshaus beisammen, darunter auch der Dorfschmied. Das Gespräch kam auf das Beinhaus am Friedhof, in dem die Knochen aus alten Gräbern gesammelt wurden. Besonders ein Skelett sorgte für Unruhe: Es wollte einfach nicht zerfallen, klapperte bei Wind und schien wie zusammengeleimt. Die Dorfbewohner vermuteten, mit diesem Skelett stimme etwas nicht. Als die Männer über das Fürchten und den Friedhof sprachen, lachte ein junger Bursche sie aus und wettete um zehn Maß Bier, dass er das Skelett noch in dieser Nacht ins Wirtshaus bringen würde. Gesagt, getan – er holte das Gerippe und stellte es in eine Ecke des Gastraums. Die Stimmung war gespannt, die Öllampe flackerte, und um Mitternacht geschah das Unfassbare: Das Skelett begann sich zu bewegen und sprach. Es offenbarte, einst ein Müller gewesen zu sein, der viel Unrecht getan habe. Er sei in Feindschaft mit den Dorfbewohnern gestorben und könne deshalb keine Ruhe finden. Besonders bat er um Vergebung – auch vom Schmied, denn mit dessen Urgroßvater habe er im Streit gelebt, und dieser habe ihm ewige Unruhe im Grab geschworen. Die Männer, tief erschüttert, gaben dem Skelett die Hand – auch der Schmied. In dem Moment zerfiel das Gerippe zu einem Haufen Knochen. Man brachte es zurück ins Beinhaus, und seitdem, so heißt es, herrscht wieder Frieden auf dem Friedhof.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 5585 auf 6518 um 933 Einwohner bzw. um 16,7 %. Im Jahre 2004 hatte die Gemeinde 6612 Einwohner. (Quelle: BayLfStat)
Politik
mini|hochkant=1.2| Rathaus der Gemeinde Knetzgau Gemeinderat Bei den Kommunalwahlen der vergangenen Jahre ergab sich jeweils folgende Sitzverteilung: Partei / Liste Sitze 1996 Sitze 2002 Sitze 2008 Sitze 2014 Sitze 2020 CSU 7 8 6 6 6 SPD 3 3 3 3 2 Christliche Wählergemeinschaft 5 4 5 5 4 Junge Liste 2 2 2 2 2 WG InteressierteR 1 1 – – - Mündige Bürger 1 2 2 – - FDP – – 2 3 3 Grüne/Ökologische Liste – – – 1 3 Gesamt 20 20 20 20 20
Bürgermeister 1972–1990 Franz Hofmann (CSU) 1990–2008 Werner Schneider (CSU) seit 2008 Stefan Paulus (SPD/CWG)
Wappen
Gemeindeteile mit Einwohnerzahlen Gemeindeteil Einwohner 2008* Einwohner 2006* Einwohner 2019* Knetzgau 3520 3568 3793 Eschenau 180 193 202 Hainert 338 337 406 Oberschwappach 542 543 552 Unterschwappach 163 172 155 Westheim 869 885 885 Wohnau 99 98 100 Zell am Ebersberg 765 786 797Gesamt 6476 6582 6890 * jeweils 31. Dezember
Einwohner der Gemeinde Knetzgau am 1. Juli 2015: 6770. Einwohner der Gemeinde Knetzgau am 31. Dezember 2019: 6890.
Gemeindepartnerschaft Seit 1990 pflegt Knetzgau eine Partnerschaft mit dem Ortsteil Gleichamberg der Gemeinde Römhild im Landkreis Hildburghausen, Thüringen.
Bildung, Kultur und Soziales
mini|Einfahrt zum Keltenspielplatz Knetzgau verfügt über folgende Einrichtungen: fünf Kindertageseinrichtungen Dreiberg-Schule – Grundschule Dreiberg-Schule – Mittelschule Volkshochschule und Gemeindebücherei Kirchengemeinden in Eschenau und Westheim für evangelisch-lutherische Gläubige und in Knetzgau für Katholiken eine Einrichtung für ältere Menschen mit 82 Plätzen und 72 Bewohnern (Stand 2020) sowie für Freizeit und Sport eine Mehrzweckhalle und ein Hallenbad. sieben Freiwillige Feuerwehren (Knetzgau, Zell am Ebersberg, Hainert, Westheim, Oberschwappach, Unterschwappach und Wohnau) sowie eine Löschgruppe in Eschenau (zugehörig zur Feuerwehr Westheim) BRK Bereitschaft Knetzgau (u. a. Sanitätsdienst, Blutspende, SEG Transport, SEG Behandlung) Jugendverkehrsschule (JVS)Jugendverkehrsschule (JVS) Kartbahn des MSC KnetzgauKartbahn Keltenspielplatz „Marswald“Keltenspielplatz „Marswald“
Bau- und Bodendenkmäler
Schloss Oberschwappach Steigerwaldrand Mainschleuse Knetzgau Pfarrkirche St. Bartholomäus, Knetzgau Siechkapelle Böhlgrund Zell am Ebersberg Schloßberg Zell am Ebersberg, Weinlage mit Mauerresten einer Burg
Verkehrsverbindungen Knetzgau liegt südlich des schiffbaren Flusses Main. Drei Kilometer sind es bis zur B 26. Die Autobahn A 70 (Bayreuth–Schweinfurt) verläuft einen Kilometer entfernt (eigene Abfahrt). Fünf Kilometer sind es bis zur Bahnstrecke Bamberg–Rottendorf (Bahnhof Zeil); ebenso weit ist es zum Bahnhof Haßfurt, jedoch verkehrstechnisch günstiger.
Besondere Ereignisse