mini|hochkant=1.25|Pfarrkirche Sankt Bartholomä mini|hochkant=1.25|Die Kirche im August 2019 Die Pfarrkirche Sankt Bartholomä steht in der Gemeinde Sankt Bartholomä in der Weststeiermark. Sie ist die Pfarrkirche der römisch-katholischen Pfarre St. Bartholomä an der Lieboch. Die Pfarre gehört zum Seelsorgeraum Rein der Region Steiermark Mitte in der Diözese Graz-Seckau. Patron der Kirche ist der Apostel Bartholomäus. Zur Unterscheidung von der alten Pfarrkirche wird sie häufig Neue Kirche genannt.
Die Kirche wurde von 1864 bis 1867 im neugotischen Stil als Ersatz für die zu klein gewordene und renovierungsbedürftige alte Pfarrkirche erbaut. Sie war die erste Kirche in der Steiermark in diesem Stil. Der Bau wurde zu großen Teilen von der Pfarrbevölkerung selbst finanziert und durch Baumaterialien unterstützt. Bereits ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgten immer wieder Restaurierungs- und Instandhaltungsarbeiten.
Die Pfarrkirche von Sankt Bartholomä ist eine neugotische Saalkirche. Sie hat einen im Osten in das Langhaus eingestellten Kirchturm mit Spitzhelm. Die Kirchenausstattung, so etwa die Altäre und die Orgel, stammt fast vollständig aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Tischlerarbeiten stammen vom Grazer Josef Kainz, während fast alle Heiligenfiguren von Jakob Gschiel gefertigt wurden. Das gesamte Bauwerk steht unter Denkmalschutz ().
Lage mini|Lage der neuen und der alten Pfarrkirche im Ortsgebiet von Sankt Bartholomä Die Kirche steht im westlichen Teil der Gemeinde Sankt Bartholomä, zentral im Ortsgebiet des gleichnamigen Dorfes, auf einer Anhöhe, die im Norden vom Graben des Bartholomäerbachs und im Süden vom Einschnitt des Kaltenbachs begrenzt wird. Die Anhöhe selbst ist ein zum Liebochbach hin streichender Ausläufer des zwischen dem Fuchskogel und dem Kreuzegg verlaufenden Hügelrückens. Die Kirche steht auf einer Seehöhe von rund 500 Metern. Direkt südwestlich der Pfarrkirche liegt die Kreuzung der L316, der St.-Bartholomä-Straße, mit der Lichteneggstraße. Etwa 200 Meter nördlich steht die sogenannte Alte Kirche, die ehemalige Pfarrkirche des Ortes.
Geschichte Planungen und Bau der Kirche Vermutlich gab es bereits um 1200 in Sankt Bartholomä eine erste Kirche, aus der die heutige alte Pfarrkirche hervorging und die zuerst der Mutterpfarre Gratwein sowie ab 1607 dem Stift Rein unterstand. Beim Ausheben von Gräben an der Kirchmauer kam es 1834 zu einer Hangrutschung, wodurch sich ein großer Riss im Mauerwerk bildete. Bei den nachfolgenden Sicherungsarbeiten äußerte Ludwig Crophius, der damalige Abt von Rein, den Wunsch eines Kirchenneubaues. Einer der Gründe für diese Überlegung dürfte auch gewesen sein, dass die alte Kirche nicht mehr genug Platz für die zahlreichen Gläubigen bot. Da das Stift aber nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügte, blieb es zunächst nur bei der Idee eines Neubaus.
Ulrich Greiner, der 1857 Kaplan in Sankt Bartholomä wurde, griff die Pläne eines Neubaus aber erneut auf und sicherte sich zahlreiche mündliche Zusagen von Pfarrbewohnern, die den Bau mit Geld und Baumaterialien unterstützen wollten. Abt Crophius besuchte im Jänner 1859 die Pfarre und forderte, die per Handschlag gegebenen Zusagen schriftlich durch das Bezirksamt abzusichern. Dieses sollte außerdem den Bauzustand der bestehenden Pfarrkirche überprüfen. Das Amt forderte als Grundlage für die Verhandlungen im Februar 1859 einen Bauplan sowie eine Kostenaufstellung.
Crophius legte bis zu seinem Tod im April 1861 auch nach mehrmaligem Ersuchen des Bezirksamtes keinen Bauplan vor, so dass eine kommissionelle Erhebung ausblieb. Der Bartholomäer Pfarrer Hermann Pferschy erreichte im November 1861, dass das Amt trotz des fehlenden Bauplans eine Kommission für den Kirchenbau einberief. Diese trat am 5. Dezember desselben Jahres zusammen. Dabei sicherte der Reiner Abt Vinzenz Knödl die Erstellung eines Bauplans für eine Kirche mit Platz für etwa 1000 Personen zu. Der Acker südlich vom Pfarrhof wurde als neuer Kirchenstandort festgelegt. Auch die von der Pfarrbevölkerung zugesicherten Beiträge zum Neubau wurden in verbindlicher Form niedergeschrieben. Das Stift Rein übermittelte am 18. Juli 1862 zwei Baupläne samt einer Kostenaufstellung an das Bezirksamt, das sich am 14. August für die erste Variante mit Baukosten in der Höhe von über 25.500 Gulden entschied. Mehr als die Hälfte der berechneten Kosten waren bis dahin schon von der Bevölkerung gespendet worden. Am 1. Dezember 1862 erteilte die k. k. Statthalterei die staatliche Baubewilligung.
Da die zur Pfarre gehörenden Gemeinden selbst die Bauleitung übernehmen mussten, wurde im Jänner 1863 ein Kirchenbaukomitee gewählt. Der erste Spatenstich erfolgte am 30. Juni 1863; Baubeginn war erst im Frühjahr 1864. Die Kirche war die erste in der Steiermark, die vollständig in einem neugotischen Baustil errichtet wurde. Vinzenz Knödl und der Seckauer Fürstbischof Ottokar Maria von Attems feierten am 4. Mai 1864 die Grundsteinlegung beim heutigen Frauenaltar. Die Mauerarbeiten führten der Grazer Baumeister Carl Eichinger oder Schaumburg aus. Das Kirchenschiff sowie der Kirchturm waren im Spätsommer 1865 fertig überdacht. Am 14. September desselben Jahres wurde das Turmkreuz gesegnet und aufgesetzt. Hochaltar und Kanzel kamen im Herbst 1867. Zur gleichen Zeit wurden die Turmuhr eingebaut und fünf Glocken im Kirchturm aufgehängt.
Am 17. November 1867 weihte der Seckauer Fürstbischof Johann Baptist Zwerger die Kirche. Die Feier begann mit einem Frühgottesdienst in der alten Pfarrkirche, vor dem Einzug in die neue Pfarrkirche und der Weihe. Der Gottesdienst in den nachfolgenden Tagen wurde zunächst noch weiter in der alten Pfarrkirche gehalten. Erst am ersten Adventssonntag 1867 wurde das Allerheiligste in die neue Pfarrkirche übertragen. In den folgenden Jahren wurde die Ausstattung der Kirche erweitert, so wurden 1868 die beiden Seitenaltäre und 1869 die Orgel aufgestellt.
Seit der Kirchweihe Bereits 1889 waren erste Stücke aus den Wänden der Kirche und aus dem Gesims gebrochen, und 1905 machte der zunehmend schlechte Zustand des Mauerwerkes erste Renovierungsarbeiten an den Außenmauern unumgänglich. Diesen ersten Instandhaltungsarbeiten folgten im 20. und 21. Jahrhundert weitere Maßnahmen. So wurde 1924 das Kirchendach neu mit Faserzementziegeln eingedeckt. 1947 folgten Renovierungsarbeiten am Kirchturm, und wegen eines Risses im Gewölbe 1950 eine Innenrenovierung. Dabei wurden der Innenraum neu ausgemalt und die Altäre und die Kanzel rot gefasst. Im September und Oktober 1973 wurden der Kirchturm neu gedeckt und das schadhafte Kirchendach ausgebessert. In den Jahren 1977/1978 erfolgte eine weitere Renovierung des Kircheninneren.
Im Jahr 1990 wurde die Pfarrkirche außen renoviert und 2009 innen. Bei der Innenrenovierung wurde unter anderem die ursprüngliche Farbgebung der Wände wiederhergestellt. Vermutlich 1895 war das Kircheninnere dunkelgrau ausgemalt und die Kirchenfenster waren neu gefasst worden. Auch die Altäre und die Kanzel hatten eine dunkelgraue Fassung erhalten und wurden nach einer Renovierung 1913 neu gesegnet. Bei der Renovierung 2009 wurde die ursprünglich hellgraue Farbgebung der Altäre und der Kanzel wiederhergestellt.
Im Sommer 2024 zeigte eine vom Bundesdenkmalamt durchgeführte Untersuchung, dass sich der Kirchturm langsam absenkt, wodurch auch Risse am Kirchenportal entstehen. Eine unmittelbare Gefahr für das Gebäude bestehe nicht, aber eine Sanierung und damit auch eine Behebung des Problems soll in den nächsten Jahren erfolgen.
Architektur Das neugotische Gebäude ist eine einschiffige Saalkirche mit einem hohen Kirchturm. Es ist nach Südwesten ausgerichtet und hat zwei an den Chor angebaute Räume, von denen der nördliche als Sakristei genutzt wird. Im Nordosten ist der Kirchturm als Fassadenturm in die Giebelfassade des Kirchenschiffes eingestellt.
Außenbeschreibung
Die Außenwände des Gebäudes werden durch Gesimse und Wandpfeiler sowie durch Fenster und Türen mit gemalten Rahmen gegliedert. Das Kirchenschiff hat ein Satteldach, das wie das Walmdach des niedrigeren Chors mit Ziegeln aus Faserzement gedeckt ist. Auf die Dachfläche des Kirchenschiffes sind an der Südseite ein Dachfenster und an der Nordseite drei Dachfenster aufgesetzt. Auch die nördliche Dachfläche des Chors hat ein Dachfenster. Die an die Außenmauer des Chors angebauten niedrigeren Räume mit der Sakristei haben ein mit Blech gedecktes Pultdach. Durch ein Spitzbogenportal an der Nordseite des Langhauses gelangt man in das Kircheninnere. Das Tympanon ist als Fensterfläche ausgeführt. Durch je fünf Spitzbogenfenster an der Nord- und Südseite fällt Licht in das Langhaus. Die Wand links und rechts vom Kirchturm ist durch je ein großes spitzbogiges Blindfenster unterbrochen. Durch je ein darunter befindliches Doppelfenster aus zwei schmalen Rechteckfenstern fällt Licht in den Bereich unterhalb der Empore und den Aufgang zur Orgel. Eine runde Maueröffnung an der Westmauer des Langhauses, über dem Dachfirst des Chordaches, bringt Licht auf den Dachboden. Jede der beiden Längsseiten des Langhauses wird durch sechs Strebepfeiler aus Naturstein mit Sockeln und Abdeckungen aus Sandstein verstärkt. Die Ost- und Westseite des Langhauses werden durch je einen Strebepfeiler an den Ecken verstärkt. Diese Pfeiler stehen im Verbund mit den jeweils äußersten Pfeilern der Längsseite und ragen etwas über die Dachfläche hinaus. Unter den Sohlbänken der Fenster verläuft ein Gesims, das sich über die Wandpfeiler fortsetzt. Der Chor hat fünf Spitzbogenfenster, der fünfeckige niedrige Anbau an den Chor vier rundbogige Doppelfenster. Ein Rundbogenportal im Westen bildet den Zugang zum Inneren des Anbaus und der Sakristei. Auch bei dieser Tür ist das Tympanon als Fensterfläche ausgeführt. An jeder der vier Gebäudeecken des Anbaus befindet sich ein Wandpfeiler, der sich über das Dach fortsetzt und sich auch zwischen den einzelnen Chorfenstern erhebt.
Der Kirchturm ist in die Ostfassade der Kirche eingestellt. Der wie auch das Kirchenschiff durch gemalte Rahmen gegliederte Turm hat einen mit Faserzementziegeln gedeckten achteckigen Spitzhelm. Das Dach endet in einer vergoldeten Turmkugel mit einem Kreuz. An der südöstlichen und der südwestlichen Ecke des Turms befinden sich je zwei miteinander verbundene abgetreppte Wandpfeiler, die fast bis auf Höhe des Dachfirsts des Kirchendaches reichen. Durch ein Spitzbogenportal mit Wimperg an der Ostseite des Turms kommt man in die Turmhalle. Im Tympanon des Portals war ursprünglich das Auge der Vorsehung aufgemalt, mittlerweile ist es aber schmucklos. Auf dem Wimperg ist ein Kreuz aufgesetzt. Nord- und Südseite haben je ein kleines Spitzbogenfenster, das die Eingangshalle erhellt. Über die beiden Fenster verläuft ein sich vom Langhaus fortsetzendes Gesims. Im hohen Geschoß über der Eingangshalle befindet sich auf jeder Turmseite ein hohes Spitzbogenfenster mit Wimpergen. Den Abschluss dieses Geschoßes bildet ein mächtiges umlaufendes Gesims. Über diesem Gesims schließt die Glockenstube an. Die Glockenstube hat auf allen vier Seiten je ein spitzbogiges Doppelfenster. An den Ecken der Glockenstube sind als Fortsetzung der Strebepfeiler des darunter liegenden Geschoßes verputzte Pfeiler gemauert, die in einer dreieckigen Abdeckung aus Sandstein enden. Über den Doppelfenstern ist das Zifferblatt der Turmuhr angebracht. Über dem Zifferblatt trennt ein umlaufendes Gesims die Glockenstube vom darüber liegenden Ziergeschoß mit dem Turmhelm. Auch das Ziergeschoß hat auf allen vier Seiten ein kleines Spitzbogenfenster. An den vier Ecken erhebt sich je eine Fiale, die auf jeder Seite durch einen steinernen Spitzbogen mit dem Mauerwerk verbunden ist. In der Öffnung des Spitzbogens ist eine Brüstung aus Stein angebracht.