Die Kofferaner Musikantensprache, auch Kofferaner Rotwelsch, ist ein in Kofferen bei Linnich im westlichen Rheinland beheimateter Rotwelschdialekt.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 96. Diese Geheimsprache wurde von Mitgliedern und Familien reisender Kapellen des Ortes benutzt.

Geschichte Die anfänglich fast mittellosen Kofferaner Musikanten begannen zu ihrem Lebensunterhalt wohl kurz nach 1730 und gewiss vor 1750 mit meist einwöchigen Wanderungen oder Fahrten ins Umland.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 88. Sie erspielten sich über die Jahre eine hervorragende Reputation und wurden später von Köln bis zum Niederrhein für Feste, Prozessionen und Veranstaltungen gebucht, wobei immer weitere Kapellen entstanden, um die Nachfrage zu befriedigen. Um 1800 lebten in Kofferen bereits über 150 Musiker,Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 90. so dass beinahe das ganze Dorf vom Musizieren gelebt haben muss. Zu ihrer Blütezeit um 1850 bis 1870 waren Kofferaner als Militärmusiker oder Solisten für lange Zeit auswärts beschäftigt, es gab dutzende reisender Kapellen und sogar Schwindler, die unter dem Namen der Kofferaner ihren Reibach zu machen versuchten.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 93–94. Da war es naheliegend, Geschäftsbeziehungen, Engagements und Reiserouten möglichst geheim zu halten. Mit dem Aufkommen der Grammophone und später der Radios gingen die Engagements der Musiker zurück, die Weltkriege und die dazwischen liegende Wirtschaftskrise taten ein Übriges. Daher wurde die Musikantensprache immer weniger benutzt. Die letzte Kapelle hielt sich bis zum Ende der 1950er Jahre.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 93. Einzelne Ausdrücke und Wörter der Musikantensprache sind bis heute Anteil der täglichen Umgangssprache Kofferens geblieben, sie werden auch von jungen Leuten weiter benutzt.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 96–98 oben.

Das Wort Kofferer oder Kofferaner steht in vielen lokalen Dialekten der Gegenden, die noch von den Musikern aus Kofferen bereist wurden, als Synonym für einen herumziehenden Musikanten.Koffern. In: Josef Müller, Heinrich Dittmaier, Rudolf Schützeichel, Mattias Zender (Hrsg.): Rheinisches Wörterbuch. Im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde und des Provinzialverbandes der Rheinprovinz auf Grund der von Johannes Franck begonnenen, von allen Kreisen des Rheinischen Volkes unterstützten Sammlung bearbeitet und herausgegeben. Band 4: K. Klopp, Berlin 1938, Spalte 1010, .

Eigenschaften Der lokale Dialekt der Kofferaner gehört zum nordwestlichen Ripuarischen und ist nahe dem Übergang zum Niederfränkischen angesiedelt.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 97–101. Wie eine Vielzahl anderer ortsbezogener Rotwelschvarianten setzt auch die Kofferaner Musikantensprache auf dem lokalen Dialekt auf, ergänzt ihn und ersetzt einen Teil seiner Wörter. Für ripuarische oder ostlimburgische Sprecher klingt das Kofferaner Rotwelsch also vertraut. Die typischen Aussprachemerkmale, wie die rheinischen TonakzenteSiehe dazu auch Stoßton und Schleifton und Satzmelodien,Zu hören beispielsweise auf der CD zum Buch von Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000.Eines davon ist auch online als (MP3; 9,1 MB) auf der Website der Sprachabteilung am Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte beim Landschaftsverband Rheinland die typischen Koronalisierungen und Velarisierungen findet man hier durchgängig. Das zu einem leicht gehaucht klingenden (ach-CH) umgelautete endständige R des Westripuarischen im Aachener Umland kommt auch in Kofferen vor. All dies findet man ebenso bei den aus dem allgemeinen rotwelschen Inventar übernommenen Wörtern. So gibt es kein Wort, das mit G beginnt, diese sind alle nach J verschoben. Vergleichbares gilt für morphologische und grammatische Eigenschaften der Sprache.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 101.

Wortschatz Auffallend ist, dass bei der Kofferaner Musikantensprache die Anzahl der speziell auf die Musik, das Musizieren oder Instrumente bezogenen Wörter nicht besonders groß sind. Offenbar war es selten nötig, in diesem Bereich von Außenstehenden nicht verstanden zu werden, so dass die allgemeinen Möglichkeiten des Rotwelschen zur Verschleierung genügten.

Vom Wanderleben zeugt etwa die Unterscheidung zwischen doreme und pölte, die beide „schlafen“ bedeuten, ersteres in der Herberge, das zweite daheim im eigenen Bett (Pölt).Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 99.

Übereinstimmungen mit anderen Rotwelschdialekten sind bei speziell Kofferaner Wörtern rar. Dennoch gibt es sie vereinzelt, allerdings meist zu weiter entfernten Orten außerhalb des üblichen Reisegebietes der Kofferaner, so dass ernsthafte Sprachkontakte nicht bestanden haben dürften. Es sind auch keine überliefert. Einzelbegegnungen sind natürlich nie auszuschließen. Eine einzige Übereinstimmung gibt es mit dem Jenisch des Eifeldorfs Stotzheim, das Wort Datemcher (nur in der Mehrzahl), steht in beiden Sprachen für die weibliche Brust.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 100. Eine weitere besteht in dem Wort Knuut für ein Messer, das auch in der Vogelsberger Maurersprache vorkommt. Beide Wörter sind sonst in keinem weiteren Rotwelschdialekt belegt. Einige Kofferaner Wörter ähneln dem Bargoens der Niederlande, aber reichen auch nicht aus, einen Kontakt schlussfolgern zu können.

Für etliche Wörter und Wortfelder sind Einordnung und Herkunft unklar, davon lassen sich einige vielleicht dem Rheinischen als Umdeutungen zuordnen, bei vielen anderen gelingt das nicht.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 100–101

Einige Wortbeispiele aus dem Kofferaner Rotwelsch: Musikantensprache   Standarddeutsch   Quellen/Bemerkungen achele   essen Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 102.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 97. achiile gut essen, reinhhauen Siehe auch: acheln. In: Josef Müller, Heinrich Dittmaier, Rudolf Schützeichel, Mattias Zender (Hrsg.): Rheinisches Wörterbuch. Im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde und des Provinzialverbandes der Rheinprovinz auf Grund der von Johannes Franck begonnenen, von allen Kreisen des Rheinischen Volkes unterstützten Sammlung bearbeitet und herausgegeben. Band 1: A – D. Klopp, Berlin 1928, Spalte 31, . Baies Haus fenii Schluss, Ende, vorbei, aus Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 116. dä Fini der Schluss, das Ende Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 103. Kaferiines Bauer in den heutigen Ortsdialekt übergegangenHonnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 104. Kuuter Metzger Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 105. Leanspichler Nachtwächter Puderäi Erlaubnis zum Musizieren ähnlich Butterei in der Musikantensprache von HundeshagenHonnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 98.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 107. Schtotsem Kofferen Stotzheim heißt auch ein anderes Rotwelsch-Dorf.

Beispiele Kän, fläk dad-ens.  —  Ja, mache das mal. Na Koober, wi schäv-et?  —  Na, wie gehts?  (dient auch als Schibboleth) Dä Härjekoober he en de Häresch schäv-ene dofte Kooch.  —  Der Wirt hier im Gasthaus ist ein guter Koch.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 114. Ming Dooter hät jäts no-e Jroomesköbersche jetsop.  —  Meine Tochter hat jetzt noch einen Jungen zur Welt gebracht. On so-ne Trommler wer, de tsodel isch och noch. Ens roone.  —  Und so einen Trommler werde ich auch noch finden. Mal sehen. Med-os Läits hä-mer däne Kaferiinese Jramaas jeflek, dof Raibach jetsop, ovents näver der Tsäänse jehuk on dobei dov-achiilt.  —  Wir haben mit unserer Musik den Bauern eine Freude gemacht, gut verdient, haben abends neben den Honoratioren gesessen und dabei gut gegessen.Honnen: Geheimsprachen im Rheinland. 2000, S. 112.

Siehe auch Musikantensprache Musikantensprache von Hundeshagen

Literatur

Weblinks Tonbeispiel der Kofferaner Musikantensprache auf der Website der Sprachabteilung am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte beim Landschaftsverband Rheinland

Einzelnachweise

Kategorie:Kultur (Kreis Düren) Kategorie:Rotwelschvariante Kategorie:Tonsprache Kategorie:Linnich Kategorie:Musik (Nordrhein-Westfalen)