mini|hochkant|Isabella Karle, 2009

Isabella Helen Karle (* 2. Dezember 1921 als Isabella Helen Lugoski in Detroit, Michigan; † 3. Oktober 2017 in Alexandria, VirginiaIsabella L. Karle, chemist who helped reveal structure of molecules, dies at 95, Washington Post, abgerufen am 21. Oktober 2017.) war eine US-amerikanische Physikochemikerin.

Leben mini|links|Jerome und Isabella Karle wurden im Juli 2009 nach gemeinsam 127 Jahren am Naval Research Laboratory in den Ruhestand verabschiedet. Isabella Lugoskis Eltern, Zygmunt und Elizabeth Lugoski, waren polnische Einwanderer, die großen Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Tochter legten. Nach einem Semester an der Wayne State University in Detroit wechselte Isabella an die University of Michigan in Ann Arbor, wo sie 1941 einen Bachelor in Chemie erwarb und 1942 ihr Studium mit einem Master abschloss. Im selben Jahr heiratete sie den späteren Chemie-Nobelpreisträger Jerome Karle. Das Paar bekam drei Töchter. Jerome und Isabella Karle erwarben beide 1944 bei Lawrence Olin Brockway einen Ph.D., Isabella in physikalischer Chemie (The structure of biphenyl, o-terphenyl and tetraphenylene). Anschließend arbeiteten beide kurz am Manhattan Project an der University of Chicago, wo sie eine Methode entwickelte reines Plutoniumchlorid aus einer Mischung mit Plutoniumoxid zu erhalten.Donna McKinney, Jerome and Isabella Karle Retire from NRL Following Six Decades of Scientific Exploration, NRL Press Release 2009, web archive Isabella Karle wurde das erste weibliche Mitglied des Lehrkörpers der University of Michigan, bevor sie 1946 gemeinsam mit ihrem Mann an das Naval Research Laboratory in Washington, D.C. ging. Isabella Karle übernahm 1959 die Leitung der dortigen Abteilung für Röntgenbeugung (X-ray Diffraction). Die Karles blieben dem Naval Research Laboratory über 60 Jahre treu, bevor beide 2009 durch den Marinestaatssekretär Ray Mabus in den Ruhestand verabschiedet wurden..

Wirken Isabella Karle veröffentlichte zahlreiche Arbeiten zur Elektronen- und Röntgen-Beugung sowie zur Röntgenkristallographie. Anfangs befasste sie sich mit Strukturbestimmung von Molekülen im gasförmigen Zustand mit Elektronenbeugung. In der Röntgenkristallographie entwickelte sie Methoden wie die Symbolic Addition Procedure, mit der sie die von ihrem Ehemann Jerome Karle entwickelten, später mit dem Nobelpreis ausgezeichneten direkten Methoden der Röntgenkristallographie so praktikabel machte, dass die Phasen direkt aus den gemessenen Intensitäten der Röntgenbeugungsbilder erhalten werden konnten. Das wurde weltweit übernommen und führte zu einem „explosiven“ Ausstoß von Strukturbestimmungen zum Beispiel in der Biochemie, Mineralogie, Materialwissenschaften, Pharmaentwicklung. Sie selbst wandte das unter anderem auf Steroide, Alkaloide, Frosch-Toxine, durch Strahlung verursachte Veränderungen in Materialien, Nanoröhren und auf zahlreiche Peptide an, womit sie eine Pionierin der Strukturbiologie kleiner Moleküle wurde.

Isabella Karle veröffentlichte mehr als 350 Arbeiten in wissenschaftlichen Zeitschriften. thumb|Isabella und Jerome Karle am NRL

Auszeichnungen (Auswahl) 1976: Garvan-Olin-Medaille der American Chemical Society 1978: Mitgliedschaft in der National Academy of Sciences 1984: Chemical Pioneer AwardChemical Pioneer Award Winners beim American Institute of Chemists (theaic.org); abgerufen am 31. Juli 2011. 1988: Gregori-Aminoff-Preis 1992: Mitgliedschaft in der American Philosophical SocietyDr. Isabella L. Karle bei der American Philosophical Society (amphilsoc.org); abgerufen am 1. August 2011. 1992: Vincent du Vigneaud Award 1993: Mitgliedschaft in der American Academy of Arts and Sciences 1993: Bower Award and Prize for Achievement in Science des Franklin InstituteIsabella L. Karle beim Franklin Institute (fi.edu); abgerufen am 31. Juli 2011. 1995: National Medal of ScienceIsabella L. Karle bei der National Science Foundation (nsf.gov); abgerufen am 31. Juli 2011. 1995: NAS Award in Chemical SciencesNAS Award in Chemical Sciences bei der National Academy of Sciences (nasonline.org); abgerufen am 14. Januar 2016. 1998: Ralph F. Hirschmann Award in Peptide Chemistry der American Chemical Society 2007: R. Bruce Merrifield Award 2009: Distinguished Civilian Service Award

Außerdem erhielt sie den Hillebrand Award, den WISE Lifetime Achievement Award, die niederländische Bijvoet Medaille und den Robert Dexter Conrad Award des Office of Naval Research. Sie war Präsidentin der American Crystallographic Association.

Isabella Karle war Trägerin von acht Ehrendoktoraten (Universität Athen, Jagiellonen-Universität Krakau, Harvard University, University of Pennsylvania, University of Michigan, University of Maryland, Georgetown University, Wayne State University).

Literatur István Hargittai, Magdolna Hargittai: Isabella L. Karle. In: Candid Science VI. More Conversations with Famous Scientists. Imperial College Press, 2006, ISBN 978-1-86094-694-3, S. 403 ff.

Weblinks

Isabella Helen Lugoski Karle bei der University of Nebraska-Lincoln (unl.edu); abgerufen am 31. Juli 2011 Inventor of the Week. Isabella Karle. X-ray Crystallography beim Massachusetts Institute of Technology (mit.edu); abgerufen am 31. Juli 2011

Einzelnachweise

Kategorie:Theoretischer Chemiker Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (Manhattan-Projekt) Kategorie:Hochschullehrer (University of Michigan) Kategorie:Träger der National Medal of Science Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Mitglied der American Philosophical Society Kategorie:Ehrendoktor der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen Kategorie:Ehrendoktor der Jagiellonen-Universität Kategorie:Ehrendoktor der Harvard University Kategorie:Ehrendoktor der University of Michigan Kategorie:Ehrendoktor der University of Pennsylvania Kategorie:Ehrendoktor der Georgetown University Kategorie:Ehrendoktor der University of Maryland Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1921 Kategorie:Gestorben 2017 Kategorie:Frau