Die Kirche Mutter Gottes vom Berg Karmel in Orzysz () ist ein Bauwerk aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Bis 1945 war es das evangelische Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Arys (Masuren) und ist heute eine der beiden römisch-katholischen Pfarrkirchen der Stadt Orzysz in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Die Stadt Orzysz liegt im südlichen Osten der Woiwodschaft Ermland-Masuren am Schnittpunkt der beiden polnischen Landesstraßen 16 und 63 und ist Bahnstation an der – allerdings nicht mehr regulär befahrenen – Bahnstrecke Czerwonka–Ełk (). Die Kreisstadt Pisz (Johannisburg) liegt 18 Kilometer in südwestlicher Richtung entfernt.
Der Standort der Kirche befindet sich an der ulica Giżycka / Ecke ul. Wojska Polskiego in der Stadtmitte.
Kirchengebäude Die KircheWalther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Bd. 2: Bilder ostpreußischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 118–119, Abb. 544. entstand nach der Säkularisation des Herzogtums Preußen vor 1530. Es handelt sich um einen verputzten Feldsteinbau mit einem fünfteiligen Ostgiebel. Der Oberbau und der Turm stammen aus dem 17. Jahrhundert. Beschädigungen durch den Stadtbrand von 1826 wurden 1832 bis 1872 behoben und die Kirche wurde innen ausgemalt. Der Innenraum mit seinen seitlichen Emporen und Ständen hat eine flache Holzdecke. Sie wurde 1937/38 neu bemalt. Der Altar aus der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde 1766 mit der Kanzel von 1596 vereinigt. Die Orgel wurde 1757 errichtet und 1875 umgebaut. Das Geläut bestand aus drei Glocken der Gussjahre 1603, 1648 und 1746. Von ihnen ist die letztere nicht mehr vorhanden. Seit 1945 ist die Kirche in römisch-katholischem Eigentum und sie ist heute eine der beiden Pfarrkirchen von Orzysz, gewidmet der Mutter Gottes vom Berg Karmel. Die alte Ausstattung wurde zwischen 1961 und 1976 entfernt und durch moderne Ausgestaltung ersetzt.
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Die Gründung der Kirche in Arys dürfte in vorreformatorische Zeit zurückreichen.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 491. In den 1530er Jahren bereits nahmen hier lutherische Geistliche ihren Dienst auf.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 17–18. Gepredigt wurde bis 1702 in masurischer Sprache, aber selbst noch im 20. Jahrhundert fanden Gottesdienste in dieser Mundart statt.
Bis 1715 gehörte die Kirche in Arys zur Inspektion Lyck (), dann bis 1945 zum Kirchenkreis Johannisburg (polnisch Pisz) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahre 1925 stellte eine Volkszählung 6.760 Gemeindeglieder fest. Sie wohnten in einem mehrere Orte umfassenden weitflächigen Kirchspiel. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Behörden.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten 1945 der Existenz der evangelischen Kirchengemeinde in der jetzt Orzysz genannten Stadt ein Ende. Heute leben hier nur wenige evangelische Kirchenglieder. Sie halten sich zur Pfarrei in Pisz in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum evangelischen Kirchspiel Arys gehörten vor 1945 neben dem Pfarrort noch 22 Orte, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort
Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name *Braunshof *Oszywilken Wolfsheide Oszczywilki Buwełno Vorwerk Ublick Buwełno *Pianken Altwolfsdorf Pianki *Czarnen Herzogsdorf Czarne Rzesniken Nickelsberg, Försterei Rzęśniki Gronden Grunden Grądy Scheelshof Działy Orzyskie Groß Schweykowen Scharnhorst Szwejkowo Stotzken Stoczki*Gurra Gebürge Góra *Strzelnicken (ab 1930)Schützenau Strzelniki Janowen Suchamühle Kaminsken Erlichshausen Kamieńskie Sumken Sumki Mittel Schweykowen Schweiken Szwejkówko *Ublick Ublik Mykossen Arenswalde Mikosze *Wiersbinnen Stollendorf Wierzbiny Odoyen Nickelsberg Odoje Wolfsnest, Forst Koźle-Leśniczówka
Pfarrer (bis 1945) mini|Innenansicht der Kirche mini|Info-Kasten zur Geschichte der Kirche Bis 1945 amtierten an der evangelischen Kirche Arys als Pfarrer:
Matthias N., 1544 Agatheus von Thein, 1565 Sigismund Glinski, 1566–1573 Jacob Trentowius, bis 1603 Andreas Hoynowius, ab 1601 Paul Aretius, ab 1620 Bartholomäus Sadowius, bis 1625 N. Gritzau Paul Cibrowius, 1625–1530 Abraham Ferrarius, 1630–1668 Christ. Wannovius, bis 1648 Michael Gorlovius, 1653–1657 Christian Oberhüber, 1657–1674 Johann Ferrarius, 1668–1689 Friedrich Zielenski, 1674–1689 Georg Boretius, 1689–1693 Andreas Wedeck, 1690–1704 Matthias Boretius, 1693–1710 Michael Gregorowius, 1704–1710 Johann Chr. Wannovius, 1710–1767 Michael Lupochowius, 1711–1730 Johann Christ. Gutzeit, 1731–1739 Albert Czwalina, 1739–1763 Michael Schemien, 1764–1789 Johann Christ. Schultz(e), 1767–1785 Matthias Willamowski, 1789–1832 Daniel Labusch, 1790–1792 Wilhelm Jackstein, 1792–1844 Carl Heinrich Schrage, 1832–1838 Christian Ferdinand Haeber, 1838–1846 Franz Robert Floeß, 1842–1845 Vincentius von Balitzki, 1844–1846 Michael Mendrzyck, 1846–1858 Karl Schellong, 1846–1868 Leopold Czypulowski, 1858–1882Angehöriger des Corps Masovia Carl Emil Wiski, 1868–1873 Karl Gettkandt, 1874–1884 Karl August Bogdan, 1885–1887 Ernst August Heinrich Sack, 1887–1910 Fr. Joh. Anton von Popowski, 1889–1898 Ludwig Wilh. Paul Rosenow, 1898–1909 Gottfried Bienko, 1910–1917 Friedrich Karl Mitzka, 1910–1924 Max Mehlfeld, 1921–1928 Georg Friedrich Foltin, 1925–1933 Hermann Ippig, ab 1931 Gerhard Woytewitz. 1933–1945 Manfred Wilde von Wildemann, 1934
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der evangelischen Kirche Arys haben sich zahlreiche erhalten und werden im Evangelischen ZentralarchivChrista Stache: Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union. 3. Auflage. Berlin 1992, S. 21–22. (EZA) in Berlin-Kreuzberg bzw. bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig aufbewahrt:
EZA: Taufen: 1700 bis 1735, 1747 bis 1944 Trauungen: 1744 bis 1910, 1915 bis 1944 Begräbnisse: 1711 bis 1714, 1744 bis 1884, 1915 bis 1944
DZfG: Taufen: 1700 bis 1735, 1711 bis 1766 Trauungen: 1711 bis 1744 Begräbnisse: 1721 bis 1738, 1843 bis 1858.
Römisch-katholisch In der Stadt Arys resp. Orzysz gibt es seit dem Jahr 1913 eine römisch-katholische Kirche, die heutige Herz-Jesu-Kirche (, deutsch „Kirche zum heiligsten Herzen Jesu“). Lebten in der Stadt 1925 nur 50 Katholiken, so war die Kirche jedoch zugleich gottesdienstliches Zentrum für sehr weit gestreut liegende Orte der Pfarrei. Sie gehörte zum Dekanat Masuren II mit Amtssitz in Johannisburg im damaligen Bistum Ermland.
Die Ansiedlung polnischer Neubürger brachte Orzysz nach 1945 katholische Einwohner in großer Zahl, die nun auch die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus beanspruchten. Seit 1958 gibt es in der Stadt Orzysz zwei Pfarreien, die beide dem Dekanat Biała Piska (Bialla, 1938–1945 Gehlenburg) im Bistum Ełk in der Römisch-katholischen Kirche in Polen zugehören.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert Kategorie:Feldsteinkirche Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Maria-vom-Berg-Karmel-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Orzysz Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren