alternativtext=Festakt zu 50 Jahren Notruf 110/112 in Berlin: Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr, und Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung|mini|Festakt zu 50 Jahren Notruf 110/112 in Berlin: Volker Wissing, Bundesminister für Digitales und Verkehr, und Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung alternativtext=Siegfried Steiger telefoniert mit einem aufgestellten Notruftelefon in Anwesenheit eines Polizisten, 1971|mini|Siegfried Steiger telefoniert mit einem aufgestellten Notruftelefon in Anwesenheit eines Polizisten, 1971 Die Björn Steiger Stiftung ist eine Stiftung des bürgerlichen Rechts mit dem Ziel, die Notfallhilfe und das Rettungswesen in Deutschland zu verbessern. Sie ist nach dem achtjährigen Björn Steiger benannt, der im Jahr 1969 nach einem Verkehrsunfall wegen fehlender zeitnaher und professioneller Hilfe starb. Die Björn Steiger Stiftung hat einen wesentlichen Anteil zum Aufbau eines modernen Rettungsdienstes in Deutschland beigetragen. Einheitliche Notrufnummern, Notrufsäulen am Straßenrand, Luftrettung, Baby-Notarztwagen, Handy-Ortung durch Rettungsleitstellen und Laien-Defibrillatoren gegen den Herztod gehören zu den Projekten, die die Stiftung angestoßen hat.
Vorgeschichte mini|Björn-Steiger-Stiftung: Initiativen bei der Unfallrettung Björn Steiger wurde am 10. Mai 1960 in Winnenden geboren. Am 3. Mai 1969 wurde er auf dem Nachhauseweg vom Schwimmbad von einem Auto angefahren. Obwohl wiederholt die Polizei und die Rettungskräfte alarmiert wurden, dauerte es fast eine Stunde, bis der Krankenwagen am Unfallort eintraf. Björn Steiger starb noch während des Transports ins Krankenhaus an einem Schock.
Entwicklung alt=Siegfried Steiger 2016|mini|Siegfried Steiger, Juli 2016 in Winnenden Angesichts dieses einschneidenden Erlebnisses wurde den Eltern, Siegfried (* 1929, † 2022) und Ute Steiger (* 1933, † 2022) bewusst, dass das Rettungswesen in Deutschland unterentwickelt und in ländlichen Regionen kaum vorhanden war. Deshalb machten es sich die beiden zur Lebensaufgabe, ein bundesweit funktionierendes Rettungssystem zu etablieren. Dieses Ziel verfolgt die Björn Steiger Stiftung weiterhin.
Ende der 1960er Jahre gab es in der ganzen Bundesrepublik weder rund um die Uhr besetzte Leitstellen noch eine Koordinierung der Hilfsorganisationen. Engmaschig aufgestellte Notrufsäulen, eine gute Zusammenarbeit von Feuerwehr, Krankenhäusern oder Rettungsstationen und die Einführung einer einfachen einheitlichen und kostenlosen Rufnummer in ganz Deutschland waren die wichtigsten Ziele. Ute und Siegfried Steiger gründeten die Björn Steiger Stiftung – erst als Verein, der später zu einer Stiftung umgewandelt wurde – und suchten Partner in der Politik, bei Banken und in der Wirtschaft. Unterstützung erhielten sie u. a. von Hilda Heinemann, der Ehefrau des damals neu gewählten Bundespräsidenten. Um die Ziele der Stiftung finanziell umzusetzen, setzte das Ehepaar Steiger nicht nur auf Spenden und Sponsoren, sondern verpfändete sogar dreimal das eigene Wohnhaus, um Hubschrauber und Rettungsfahrzeuge usw. zu finanzieren. Erste Ergebnisse waren die Einführung des BOS-Funksystems im Rettungsdienst, Entwicklung des ersten modernen Rettungswagens, der erste 24-Stunden-Notarztwagen, das Aufstellen von Notruftelefonen an deutschen Straßen und der Beginn der zivilen Luftrettung. Die Einführung der bundeseinheitlichen Notrufnummer 110/112 sowie die dazugehörige Leitstellenstruktur im Jahr 1973 zählt zu den größten Errungenschaften der Stiftung. Ute und Siegfried Steiger betrachteten die Gründung der Stiftung als ihr Lebenswerk.Wie Siegfried Steiger den Rettungsdienst revolutionierte auf Pro Sieben, 9. Oktober 2018.TV-Sendung auf ZDFinfo, 17. November 2018: Geschichte der Rettungstechnik. alt=Familie Steiger, Björn Steiger Stiftung|mini|Familie Steiger (von links): Siegfried, Ute, Pierre-Enric, Nicole Steiger; Vierzigjahrfeier der Björn Steiger Stiftung, 7. Juli 2009, Winnenden Die Stiftung ist laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für einen ganz wesentlichen Teil der modernen deutschen Notfallhilfe verantwortlich. alternativtext=Vorstand und Geschäftsführung der Björn Steiger Stiftung|mini|Vorstand und Geschäftsführung der Björn Steiger Stiftung, 2024
Verbesserung der Notfallhilfe im Allgemeinen
Forderungen zur Verbesserung der Notfallhilfe und Einführung einer einheitlichen Notrufnummer
Die Stiftung forcierte die Verbesserung der Kommunikation im Rettungswesen: Zahlreiche Notrufsäulen an deutschen Bundes-, Land- und Kreisstraßen konnten aufgestellt werden; ebenso wurden der heute selbstverständliche BOS-Sprechfunk im Rettungswesen und die bundeseinheitlichen Notrufnummern 110 und 112 eingeführt. Es dauerte noch viele Jahre, bis das Rettungswesen den heutigen Stand erreicht hatte. Auch neue Gesetze wurden beschlossen, die beispielsweise garantieren sollen, dass maximal 15 Minuten vergehen, bis Rettungskräfte an einen Einsatzort gelangen.
Im Juni 2011 teilte die Stiftung mit, dass in allen Bundesländern außer in Baden-Württemberg die Säulen an Bundes-, Land- und Kreisstraßen bis zum Jahresende abgebaut würden.Notrufsäulen verschwinden bis zum Jahresende. In: www.faz.net. Die Notrufsäulen seien nicht mehr finanzierbar. Auch die heute selbstverständliche Handynutzung und die Möglichkeit, Mobiltelefone zu orten, tragen ihren Teil dazu bei, dass Notruftelefone am Straßenrand immer seltener gebraucht werden. Zu Hochzeiten betrieb die Stiftung nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 7600 Notruftelefone an über 35.000 Kilometern Straße. Heute sind es noch knapp 1200 Notruftelefone in Baden-Württemberg.Beispiele für Ausschreibungen in verschiedenen Bundesländern, abgerufen am 17. November 2018.
Die Initiative LifeService 112 optimierte bis zum Jahr 2009 die Notfallversorgung durch schnellere Handyortungen im Notfall. Bis 2011 nutzten alle Notrufzentralen in Deutschland das von der Stiftung entwickelte und bis 2009 betriebene System, um Notrufende zu lokalisieren. Aufgrund einer Gesetzesänderung im Telekommunikationsgesetzes ist dies seither nicht mehr mit einer zentralen Lösung möglich. Die Handyortung wurde von der „Björn Steiger Stiftung Service GmbH“ angeboten. Diese wurde zwischenzeitlich im Rahmen einer Steuernachforderung durch die Allianz SE im Jahre 2009 übernommen.Helmut Lorscheid: Allianz will Handys orten – Das Geldhaus ist am Geschäft mit der Lebensrettung per Handyortung aufgrund der Übernahme der Björn Steiger Stiftung Service GmbH interessiert. Telepolis, 6. Mai 2009. mini|Rettungshubschrauber Eurocopter BK-117B-2 für die Luftrettung
Verbesserung der Luft- und Landrettung Auf Initiative der Stiftung entstand im Bereich der Luftrettung die Deutsche Rettungsflugwacht e. V. (DRF). Der Spiegel. Nr. 21, 1999. Rückspiegel, Pressekonferenz mit Siegfried Steiger. die daraufhin federführend in der Bundesrepublik als Initiative der Björn Steiger Stiftung die Luftrettung aufbaute. Am 1. August 1990 wurde die Luftrettung als Projekt der Björn Steiger Stiftung auch in der DDR aufgebaut. Des Weiteren wurde das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) und später der Baby-Notarztwagen entwickelt, die beide inzwischen weit verbreitet sind.
Mit der zunehmenden Verkehrsdichte der 1960er Jahre entstand die Notwendigkeit, insbesondere eingeklemmte Unfallopfer trotz hohen Verkehrsaufkommens schnell aus dem Fahrzeug zu befreien, um ihnen medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Die gängigen Geräte- und Rüstwagen der damaligen Zeit waren jedoch zu groß und schwerfällig, um in Staus noch schnell vorankommen zu können. Außerdem besaßen sie keine hydraulischen Rettungsgeräte an Bord. Im Jahr 1974 wurde seitens der Stiftung und der Stuttgarter Feuerwehr unter Verwendung der ersten aufkommenden Schneid- und Spreizgeräte der Firma Hurst das Konzept eines Schnellbergungswagens entwickelt und auf einem Range-Rover-Fahrgestell aufgebaut. Das Fahrzeug wurde am 15. Mai 1974 in Dienst gestellt. Abgeleitet von diesem Prototyp entwickelten sich die Vorauseinsatzfahrzeuge, erst die Vorausgerätewagen und später die Vorausrüstwagen mit fest eingebauten Hydraulikaggregaten.
Kampf dem Herztod (seit 2001) und HERZSICHER (seit 2013) mini|„Schnellbergungswagen“ SBW-1, 1984 Die Initiative HERZSICHER (ehemals Kampf dem Herztod) verfolgt das Ziel die jährlich 65.000 Opfer des Herztodes in Deutschland zu reduzieren. Durch das flächendeckende Aufstellen von sogenannten Laiendefibrillatoren, welche selbst unerfahrene Ersthelfer anweisen können, würden deutlich weniger Menschen Opfer eines Herztodes werden. Darüber hinaus fordert die Stiftung auch mehr öffentliche Schulungen, um Hemmungen beim Thema Erste Hilfe abzubauen. 2025 wurde die Plattform www.herzsicher.de gelauncht, auf der sich Gruppen ab 8 Personen eine Wiederbelebungs-Schulung zum Zeitpunkt und am Ort ihrer Wahl kostenlos buchen können. Seit 2013 stattet die Björn Steiger Stiftung im Rahmen des Folgeprojekts Herzsicher Städte und Landkreise mit Laien-Defibrillatoren aus und schult die Bevölkerung in erster Hilfe. Herzsicher ist eine Initiative der Björn Steiger Stiftung und der deutschen Herzstiftung.
Baby-Notarztwagen (seit 1974) mini|Ute und Siegfried Steiger vor dem ersten Baby-Notarztwagen „Rettungswagen für Frühgeborene Stuttgart“, 25. Juni 1974 Im Zuge der für eine westliche Industrienation sehr hohen Säuglingssterblichkeitsrate in Deutschland Mitte der 1970er Jahre initiierte die Björn Steiger Stiftung die Entwicklung sogenannter Baby-Notarztwägen. Hier können Ersthilfemaßnahmen für Frühchen und andere Säuglinge durchgeführt und ein sicherer Transport in spezielle Krankenhäuser ermöglicht werden. Mittlerweile gibt es die Baby-Notarztwägen in der 5. Generation.
HERZSICHER in der Schule (ehemals Retten macht Schule, seit 2007) Da nach Notfällen die ersten Minuten entscheidend sein können, möchte auch hier die Björn Steiger Stiftung bereits Schüler schulen und sensibilisieren. Die Stiftung bildet Schüler ab der siebten Klasse an weiterführenden Schulen in Erster Hilfe aus. Was als Initiative der Stiftung begann, soll laut dem Schulausschuss der Kultusministerkonferenz von 2014 Einzug in die Lehrpläne erhalten. In Mecklenburg-Vorpommern ist dies bereits seit 2010 der Fall. Seine Empfehlung ist, dass an allen deutschen Schulen ab der siebten Klasse flächendeckend Wiederbelebungskurse gegeben werden. Das Saarland, Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen haben bereits den Wiederbelebungsunterricht an Schulen verpflichtend verankert.
Sani Sanelli (2005 bis 2019) Sani Sanelli war ein Projekt, welches die Björn Steiger Stiftung bundesweit gestartet hatte. Im Rahmen dieses Projekts sollten Grundschüler spielerisch das Verhalten im Notfall und das richtige Absetzen eines Notrufs erlernen. Zu den Lernmaterialien gehörten Handy-Attrappen, zum Beispiel spezielle Kinderbücher (Durch Abenteuer mit Sani Sanelli für den Notfall lernen), ein Lied der Gruppe Bläck Fööss (112 Hilfe eilt herbei) und der rote Plüschkobold „Sani Sanelli“. Darüber hinaus gab es für die Lehrkräfte eine didaktische Anleitung. 2018 ist das Projekt Sani Sanelli in das Nachfolgeprojekt Ritter Björn übergegangen.
Ritter Björn (seit 2018) Während das Projekt Retten macht Schule sich auf Schüler ab der siebten Klasse fokussiert, richtet sich die Initiative Ritter Björn an Vorschulkinder in Kindergärten und Kitas. Hier lernen die Kinder schon die wichtige Notfallnummer 112 sowie das richtige Beantworten von Fragen im Notfall. Ebenfalls wird die stabile Seitenlage trainiert. Alle Kampagnen von Ritter Björn bis zu Retten macht Schule sind für die Einrichtungen sowie für die teilnehmenden Kinder kostenfrei.
Kongress „Wege zum Rettungsdienst der Zukunft“