Das Büro gegen Amts- und Verbandswillkür des Migros-Genossenschafts-Bundes war eine 1956 von Gottlieb Duttweiler gegründete bzw. von Werner Schmid aufgebaute Schweizer Ombudsman-Instanz, die dazu diente, Menschen zu helfen, „die unter die Räder der Justiz oder der Verwaltung geraten waren“. Das Büro behandelte auf privater Basis Fälle, bei denen sämtliche Rechtsmittel erschöpft waren, oft mit Erfolg. Finanziert wurde sie von der Migros-Genossenschafts-Stiftung. Besonders die zweite Leiterin des Büros, Gertrud Heinzelmann, verschaffte dem Büro durch brisante Fälle deutschschweizweite Bekanntheit in den späten 1960er sowie in den 1970er Jahren.Werner Schmid: Erlebnisse und Begegnungen: Politiker aus Leidenschaft. 1973, S. 194. Mit dem Rücktritt Heinzelmanns 1976 löste der Migros-Genossenschafts-Bund das Büro auf. Das Büro befand sich an der Limmatstrasse 152 in Zürich.

Leitung Schmid 1956–1963 Gottlieb Duttweiler berief 1956 einen seiner größten Kritiker, den Journalisten und Politiker Werner Schmid in den Vorstand des von ihm neu gegründeten Büros gegen Amts- und Verbandswillkür:

Schmid schrieb zu seiner Arbeit:

Und: „An Kunden fehlte es mir nie. Ich war froh, in meinem Mitarbeiter Karl Gasser auch grad noch einen gesetzeskundigen Berater zu bekommen.“Werner Schmid: Erlebnisse und Begegnungen: Politiker aus Leidenschaft. Peter Meili, 1973, 201.

Schmid leitete das Büro bis zu seiner Pension 1963.Werner Schmid: „Büro gegen Amts- und Verbandswillkür“. In: Werner Schmid: Erlebnisse und Begegnungen: Politiker aus Leidenschaft. Peter Meili, 1973, 194 ff., abgerufen am 6. Mai 2016.

Leitung Heinzelmann 1963–1976

Mitte Oktober 1963 übernahm die Frauenrechtlerin Gertrud Heinzelmann die Leitung des Büros gegen Amts- und Verbandswillkür.Barbara Kopp: Die Unbeirrbare: Wie Gertrud Heinzelmann den Papst und die Schweiz das Fürchten lehrte. Limmat Verlag, 2003, ISBN 3-85791-442-4, S. 266. Die „Stellung als erste Ombudsfrau der Schweiz“ wurde

Walter Biel, der als Chefredaktor der Duttweiler-eigenen Zeitung Die Tat half, brisante Fälle publik zu machen, kritisierte, dass Heinzelmann in ihrer formalistischen und akribischen Vorgehensweise „beinahe etwas Selbstgerechtes“. Ein Regierungsrat befand intern: „Die Auffassung Dr. Heinzelmann ist reines Wunschdenken einer in den Wolken schwebenden Frauenrechtlerin und Männerstaat-Hasserin.“

Als Leiterin des Büros brachte Heinzelmann unter anderem den Fall Meier 19 1967 ins Rollen. Meier 19 wurde „wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses angeklagt, weil er dem Büro gegen Amts- und Verbandswillkür Akten […] übergeben hatte.“ „In Zürichs grösster Polizei- und Justizaffäre verteidigt [Heinzelmann] den Detektivwachtmeister Kurt Meier, polizeiintern Meier 19 genannt, der im städtischen Polizeikorps Korruption festgestellt und den Chef der Kriminalpolizei des Diebstahls beschuldigt hatte“.Barbara Kopp: Die Unbeirrbare: Wie Gertrud Heinzelmann den Papst und die Schweiz das Fürchten lehrte. Limmat Verlag, 2003, S. 265.

1976 musste Gertrud Heinzelmann altershalber zurücktreten, und der Migros-Genossenschafts-Bund löste das Büro gegen Amts- und Verbandswillkür auf.

Einzelnachweise

Literatur und Quellen

Ein Dossier zur Leitung Werner Schmid im Migros-Archiv, Zürich. Nachlass von Gertrud Heinzelmann (PDF) im Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung.

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