Das Archäologische Museum Hamburg – Stadtmuseum HarburgImpressum Archäologisches Museum Hamburg, 12. April 2021. (bis 2009 Helms-Museum – Hamburger Museum für Archäologie und die Geschichte Harburgs) in Hamburg-Harburg ist das Landesmuseum für Archäologie, Behörde für Bodendenkmalpflege der Freien und Hansestadt Hamburg und zugleich stadtgeschichtliches Museum für Harburg. Es konzentriert sich auf die Darstellung der norddeutschen Ur- und Frühgeschichte sowie die Präsentation der Stadtgeschichte Harburgs.

Das Museum besitzt – mit mehr als 2,5 Millionen katalogisierten Objekten – eine der umfangreichsten archäologischen Sammlungen Norddeutschlands.Articus, u. a.: Archäologisches Museum Hamburg, Helms-Museum: Ein Rundgang durch die Zeiten. S. 207. Zugleich ist das Museum mit den Aufgaben der staatlichen Bodendenkmalpflege im Bundesland Hamburg und Landkreis Harburg betraut und ist somit unter anderem auch für archäologische Betreuung in diesem Gebiet zuständig.

Das Museum verfügt über zwei Ausstellungsbereiche, im Haupthaus am Museumsplatz 2 (Sonderausstellungen, Bibliothek, zukünftiges Stadtmuseum Harburg) und in dem in unmittelbarer Nähe gelegenen Haus für die archäologische Dauerausstellung (Archäologisches Museum) am Harburger Rathausplatz 5.

Daneben betreut es die Ausstellungsfläche Bischofsturm aus dem 11. Jahrhundert in der Hamburger Altstadt, den Archäologischen Wanderpfad Fischbeker Heide sowie den Burgwall von Hollenstedt als Außenstellen.

mini|Haupthaus mini|Vorplatz mit dem Thörl-Brunnen

Haupthaus mini|hochkant|Barockportal des kriegszerstörten Ratskellers/Rathauses am Haupthaus (Lage: ) Das Haupthaus am Museumsplatz beherbergt neben einer Sonderausstellungsfläche die stadtgeschichtliche Ausstellung (derzeit geschlossen), die Verwaltung, Büros, eine Fachbibliothek und zahlreiche Arbeitsräume wie Restaurierungswerkstätten, Labors und Magazine.

Dem Gebäude ist ein Saal angeschlossen, der vom Harburger Theater genutzt wird und über das gemeinsam genutzte Foyer mit dem dortigen Café zugänglich ist. Neben dem Eingang befindet sich das in die Außenfassade eingelassene Portal des alten Harburger Rathauses. Auch der zuletzt 2007 neugestaltete Weg vom Haupthaus zum Archäologischen Museum und weiter zum Rathaus („Museumsachse“) ist mit einigen Objekten zur Kunst-, Stadt- und geologischen Geschichte, wie dem Herzog-Otto-Stein, einem 30-Tonnen-Findling der Saale-Eiszeit, ausgestattet.

Stadtgeschichtliche Ausstellung Die bis 2009 in einem dritten Standort, der alten Harburger Feuerwache, untergebrachte Dauerausstellung zur Harburger Stadtgeschichte ist geschlossen. Neben Sonderausstellungen zur Stadtgeschichte ist die Neueinrichtung einer Dauerausstellung beabsichtigt. Die künftige Ausstellung zeigt die Harburger Stadtgeschichte sowie die Regionalgeschichte der nördlichen Lüneburger Heide bis in das Jahr 1937. Schwerpunkt der Ausstellung ist der Zeitraum zwischen 1527 und 1642, als Harburg Residenzstadt der welfischen Herzöge Otto I., Otto II. und Wilhelm August der Harburger Linie des Hauses Braunschweig-Lüneburg war, in der die Stadt einen wirtschaftlich und kulturell nachhaltigen Aufschwung erlebte. Der danach folgende Ausbau Harburgs zur Garnisonsstadt mit dem Umbau des Schlosses zur Festungsanlage werden ebenso thematisiert wie die industrielle Entwicklung mit der Eisenbahnanbindung und Anlage des Seehafens im 19. und das starke Einwohnerwachstum am Übergang in das 20. Jahrhundert.

Bibliothek Die Bibliothek des Archäologischen Museums Hamburg ist die umfangreichste wissenschaftliche Spezialbibliothek zur Archäologie Norddeutschlands. Die Funktion der Präsenzbibliothek besteht in erster Linie in der Versorgung der im Hause beschäftigten Mitarbeiter mit Fachliteratur, darüber hinaus steht sie, nach Anmeldung, auch der Allgemeinheit offen. Der Bestand umfasst die Themengebiete Archäologie, vornehmlich Vor- und Frühgeschichte, mit Schwerpunkt der Hamburger Region, nebst Deutschland und Europa, Harburger Stadt- und Regionalgeschichte, Volks- und Heimatkunde, sowie Grenzgebiete zur Archäologie wie z. B. Geologie und Geographie. Den Benutzern stehen in den Räumen drei Leseplätze und ein EDV-Arbeitsplatz für Recherchen im OPAC, im Internet und für CD-ROM-Anwendungen zur Verfügung. Die Bibliothek verfügte 2009 über einen Gesamtbestand von mehr als 50.000 Bänden sowie 250 laufenden Fachzeitschriften. Der Bestand wird sukzessive digital katalogisiert und kann online recherchiert werden.kataloge.uni-hamburg.de

Archäologische Dauerausstellung mini|250px|Ausstellungshaus Archäologie (Lage: )

Neben der archäologischen Dauerausstellung beherbergt das Gebäude am Harburger Rathausplatz großzügige Räume für die museumspädagogische Arbeit. Unter dem Motto Abenteuer Archäologie – Entdecken. Erleben. Verstehen. präsentiert die Dauerausstellung 200.000 Jahre kulturgeschichtliche Entwicklung der Menschen in Norddeutschland bis ins Mittelalter. Die Exponate sind in die sechs Themenkomplexe Werkstoff, Nahrung, Gewalt, Tod, Innovation und Mobilität gegliedert. Die als künstliche Ausgrabungslandschaft gestaltete Ausstellungsfläche im Erdgeschoss soll vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen. Im Obergeschoss werden themenbezogen Funde aus verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens präsentiert. Auf einer großflächigen Hamburger S-Bahn-Karte werden ausgewählte Funde aus den verschiedenen Stadtteilen gezeigt, außerdem geben ein Baucontainer und ein kleines Schaumagazin Einblicke in die tägliche denkmalpflegerische Arbeit der Archäologen.

Zu den herausragenden Exponaten der Ausstellung gehören unter anderen das mesolithische Paddel von Duvensee, das Stirnbein des Schädels von Hahnöfersand, die jungsteinzeitliche Schädelbestattung von Metzendorf-Woxdorf, das älteste erhaltene Feingebäck Europas, der Spitzwecken von Ovelgönne, die Überreste des Klapphockers von Daensen, der eisenzeitliche Holsteiner Gürtel von Hamburg-Altengamme, das Grabinventar der Kriegerbestattung Putensen Grab 150 und Kriegerbestattung Hamburg-Marmstorf Grab 216, die Scheibenfibel von Tangendorf, ein Teil eines Bohlenweges aus dem Wittmoor oder die sächsische Dreifach-Pferdebestattung von Wulfsen, die Scheibenfibel von Maschen, das Reitergrab von Schnelsen, die Münzschätze von Asendorf und Luhdorf oder die Kupferbarren von Wittenbergen.

Museumspädagogik Ein wichtiger Arbeitsbereich des Museums ist die Museumspädagogik. In drei Räumen bietet das Museum zahlreiche Angebote für Kinder, Schulklassen, aber auch Kurse für Erwachsene. Einer der Räume ist als nachgebildete Höhle eingerichtet, er besitzt abwaschbare Höhlenwände und ist mit einer speziellen Rauchabzuganlage ausgestattet, um beispielsweise gefahrlos das Feuermachen mit historischen Mitteln wie Feuerstein, Feuerstahl, Pyrit und Zunder vorführen zu können. Seit 2012 stellt das Museum einen interaktiven elektronischen Museumsführer als App zum Download bereit. Die App ist kostenfrei und bietet neben Basisinformationen auch eine umfangreiche Guided Tour für die Museumsbesucher.

Außenstellen Außerhalb des Haupthauses und der archäologischen Dauerausstellung unterhält das Museum mehrere Außenstellen.

Archäologisches Fenster Harburg (Lage: ) Im Nachgang der archäologischen Ausgrabungen in der Harburger Schloßstraße wurde 2017 im Erdgeschoss der Hausnummer 39 das Archäologische Fenster eröffnet, an dem in drei Fenstern an Multimedia-Stationen Informationen zur Geschichte der ältesten Straße Harburgs und den Ausgrabungsergebnissen präsentiert werden. Den Besuchern wurde über einen offenen WiFi-Zugangspunkt die Möglichkeit gegeben, ihr Feedback zu den Präsentationen über soziale Netzwerke zu teilen. Seit 2021 ist dieses Angebot nicht mehr verfügbar. An den Koordinaten befindet sich ein kolorierter Druck der Harburg-Ansicht von Matthäus Merian.

Bischofsturm mini|hochkant=0.7|Fundamente des Bischofsturms (Lage: )

Der Schauraum Bischofsturm (auch Bischofsburg) im Untergeschoss des St. Petri-Hofs in der Hamburger Altstadt zeigt die Fundamentreste eines Turmes und einer daneben gelegenen steinernen Brunneneinfassung aus dem 12. Jahrhundert. Der aus Findlingen gesetzte etwa 19 Meter im Durchmesser messende Steinring des Turmfundaments zählt zu den ältesten Steinbauten der Hamburger Altstadt. Er wurde 1962 bei Bauarbeiten entdeckt und aufgrund der Nähe zum Domplatz (heute Hammaburg-Platz) zunächst als Rest einer in alten Chroniken erwähnten „Bischofsburg“ gedeutet. Nach neueren Grabungen in der Umgebung 2008 mussten Datierung und Deutung jedoch korrigiert werden: Die Forscher gehen nunmehr davon aus, dass es sich um die Reste des ältesten Hamburger Stadttores im sogenannten Heidenwall handelt. Seit 1969 ist die Anlage in Form eines Schauraumes im Untergeschoss des St. Petri-Hofes der Öffentlichkeit zugänglich, seit 2023 mit neugestalteter Ausstellung.

Archäologischer Wanderpfad in der Fischbeker Heide (Lage: )

Der Archäologische Wanderpfad in der Fischbeker Heide wurde 1975 der Öffentlichkeit übergeben und umfasst die größte geschlossene Gruppe oberirdisch sichtbarer Bodendenkmäler auf Hamburger Gebiet. Auf dem 2002 restaurierten Wanderweg werden an elf Stationen durch Schautafeln Bodendenkmale aus der Jungsteinzeit bis in die Eisenzeit erläutert.

Burgwall Hollenstedt (Lage: )

Der Burgwall, als Alte Burg oder Karlsburg bezeichnet, befindet sich etwa 1,5 km südlich von Hollenstedt im niedersächsischen Landkreis Harburg. Die ehemalige Ringwallanlage mit einem vorgelagerten Graben liegt am Westufer der Este. Die Niederungsburg mit einem Durchmesser von etwa 80 Meter wurde auf einer von zwei Bächen umflossenen Sandzunge im 9. Jahrhundert errichtet. Der ursprünglich 8 Meter breite und bis zu 4 Meter hohe Wall wurde als Holzkonstruktion mit einer beidseitigen Verblendung aus Soden angelegt. Auf seiner Innenseite lagen Kasematten und mehrere Häuser. Der Zugang lag auf der Westseite, wo ein Bohlenweg in sanftem Bogen über das sumpfige Gelände auf ein Tor zulief. Der Wall wurde 1980 aufgrund von Grabungsergebnissen aus den 1970er Jahren in den Zustand nach Aufgabe der Burg rekonstruiert. Der damalige Ausgräber Claus Ahrens datierte die Burg anhand der Befunde auf das späte 9. Jahrhundert. Abweichend werden die Ergebnisse auch als Bau der Slawen zwischen 804 und 817 gedeutet, als die Abodriten das Gebiet durch Karl den Großen erhielten. Nach Zerstörung durch Feuer wäre die Burg dann nach längerer Zeit, vermutlich durch die Stader Grafen, um 900 wieder aufgebaut worden und später langsam verfallen.Johannes Hoops: Reallexikon der germanischen Altertumskunde. 2. Auflage. de Gruyter-Verlag, Berlin 2000, Band 15, S. 75–77.

Harburger Schloss (Lage: ) In der Planung ist die Einrichtung einer dauerhaften Ausstellung zur Entstehungsgeschichte der Stadt Harburg im Kellergewölbe des Harburger Schlosses.

ArchäoMobil Seit dem 21. Juli 2022 gibt es eine neue, mobile Außenstelle des Museums mit Bildungsprogramm: das ArchäoMobil. Dies ist eine Art Mini-Museum auf Rädern, das bei öffentlichen Veranstaltungen, an Schulen, Kitas und Bibliotheken Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Archäologie nahebringen soll. Im Inneren befinden sich 15 archäologische Highlight-Objekte, die angefasst und erlebt werden können. Dazu werden Multimedia-Anwendungen mit Hintergrundwissen und eine kleine Ausgrabung für Kinder angeboten. Das ArchäoMobil ist kostenfrei nutzbar und buchbar und wird gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg und die Johann-Max-Böttcher-Stiftung.

Magazine Das Museum unterhält zwei Großmagazine. Zunächst war der Objektbestand an verschiedenen Standorten ausgelagert. Der Großteil der Objekte war in der alten Feuerwache Harburg unter teilweise konservatorisch wie logistisch ungünstigen Bedingungen untergebracht.

Archäologisches Zentralmagazin