mini|Überblick über Rheinbreitbach mini|Rheinfront von Rheinbreitbach

Rheinbreitbach ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied im Norden von Rheinland-Pfalz (Deutschland) und gehört der Verbandsgemeinde Unkel an.

Geographie Die Ortsgemeinde liegt als südlicher Vorort von Bad Honnef am nördlichen Mittelrhein gegenüber von Oberwinter und südlich des Siebengebirges. Naturräumlich lässt sich der im Unteren Mittelrheintal gelegene Westen des Gemeindegebiets der Honnefer Talweitung zuordnen, ein mittlerer Abschnitt den Linzer Terrassen und der Osten dem Rheinwesterwälder Vulkanrücken (Niederwesterwald). Die Gemeinde grenzt mit Bad Honnef im Rhein-Sieg-Kreis direkt an das Land Nordrhein-Westfalen

Die größte Nord-Süd-Ausdehnung des Gemeindegebietes beträgt etwa 2 km, die größte Ost-West-Ausdehnung etwa 7 km. Es umfasst ein von Westen (Rheinufer) nach Osten hin ansteigendes Gelände. Der Ortsteil Breite Heide liegt etwa in der Mitte zwischen Osten und Westen auf etwa . Das östlich der Breiten Heide liegende Gemeindegebiet ist etwa 200–300 m breit und, mit Ausnahme des Rottlandhofes () an der nordöstlichen Gemeindegrenze, unbewohnt. Unterhalb des Asbergs wird auf gut der höchste Punkt des Gemeindegebiets erreicht, der niedrigste mit am Rheinufer. Mit 8,4 % wird ein geringer Anteil des 6,58 km² großen Gemeindegebietes landwirtschaftlich genutzt, 51,8 % sind von Wald bestanden. Zu Rheinbreitbach gehören die Wohnplätze Rolandsmühle, Rottlandhof und (Häusergruppe) Ziegelei.

Die Wohnbebauung Rheinbreitbachs reicht von der Bundesstraße 42 und der rechten Rheinstrecke im Westen bis an die Hänge der Berge (von Nord nach Süd) Auf dem Hohn, Koppel, Mühlenberg und Müllershardt und in das Tal des für die Gemeinde namensgebenden Breitbachs im Osten. Dieser entspringt auf dem Stadtgebiet Unkels nördlich der Bruchhausener Grube Sankt Marienberg, in seinem Tal liegt an einer ehemaligen Schmelze die hälftig auch zur Gemarkung Scheurens gehörende Häusergruppe Ziegelei. Westlich von Bahnstrecke und B 42 sind der Wohnplatz Rolandsmühle an der Mündung des Grenzbachs Honnefer Graben südlich des Bad Honnefer Lohfelds und die Siedlung Mühlenweg die einzigen am Rhein gelegenen und ständig bewohnten Gebiete der Gemeinde. Dort liegen im sogenannten Maar auch zwei durch Abgrabung entstandene Teiche östlich und westlich der Bahnstrecke. Ebenfalls am Rhein befindet sich in der durch hohe Pappeln gesäumten Flur Auf dem Salmenfang ein Campingplatz. Nördlich des Rheinbreitbacher Ortszentrums erstreckt sich ein Trinkwasserschutzgebiet, dessen Kern das Bad Honnefer Lohfeld bildet.

Nachbargemeinden sind Bad Honnef im Norden, Windhagen im Osten, Unkel im Süden sowie Remagen im Westen, zu dem die Grenze in der Mitte des Rheins verläuft.

Geschichte Fundstücke aus der Römerzeit Da mehrfach römische Münzen aus dem Zeitraum 150 bis 350 n. Chr. im Bereich des späteren Bergwerks Virneberg (auch Firneberg; damals noch Tagebau) gefunden wurden, kann davon ausgegangen werden, dass schon in römischer Zeit in Rheinbreitbach Bergbau (Kupfer) stattgefunden hat. Andere Bergbautätigkeiten der Römer nördlich des Limes sind durch den Felsabbau (Trachitsteinbruch) am Drachenfels belegt.

Erste historische Erwähnung mini|Rheinbreitbach um 1840 Rheinbreitbach wurde vermutlich in fränkischer Zeit gegründet, aber erst 966 erstmals als „Breitenbach“ urkundlich erwähnt. „Rheinbreitbach“ heißt der Ort seit 1604. Im Mittelalter war er durch einen Wallgraben und vier befestigte Tore geschützt. Von der Unteren Burg ist nur ein Torbogen erhalten, die Grundmauern und das Gelände der Burg wurden in den vergangenen Jahren aufwändig saniert. Die Arbeiten fanden im Frühjahr 2009 ihren Abschluss. Die Obere Burg aus dem 15. Jahrhundert existiert noch vollständig. Ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammt die Pfarrkirche und aus dem 17. Jahrhundert die Leonhardskapelle.

Weinbau Der Rheinbreitbacher Weinbau ist fast so alt wie der Ort selbst. Im Jahr 1143 wird das Kloster Rolandswerth (heute Nonnenwerth) als Besitzer großer Weingärten in Rheinbreitbach genannt. Auch das im Westerwald liegende Zisterzienserkloster Marienstatt, das im Jahr 1222 gegründet wurde, war in Rheinbreitbach begütert. Weitere Weinberge besaßen das Kloster Schwarz-Rheindorf sowie die Kölner Kirchen St. Aposteln, St. Severin, St. Maria ad Gradus, St. Gereon und St. Martin. Neben dem Freiherrn von Breidbach hatte selbst der Herzog von Berg hier Weinberge. Die meisten der Rheinbreitbacher Winzer waren als Halfen oder Drittelhalfen auf den Gütern der Adeligen und der Geistlichkeit eingesetzt, sie mussten die Hälfte oder ein Drittel der Ernte an den Grundherren abführen. Um die ausgedehnten Weingärten, die sich bis zum Rhein erstreckten, vor Traubendieben zu schützen wurden von der Gemeinde „Traubenhüter“ eingesetzt.

Im Kirchenbuch von Rheinbreitbach wird 1661 von 110 Weingärten in Rheinbreitbach berichtet. Aus dem 17. Jahrhundert wird von häufigen Missernten aufgrund kalter Winter oder Unwetter berichtet. Im Jahr 1889 wurde eine besonders gute Ernte erzielt, die Einnahmen der Winzer wurden auf über 100.000 Mark geschätzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Umsatz der Rheinbreitbacher Winzer wegen Missernten (Frost) und des verstärkten Vorkommens von Rebschädlingen und Absatzschwierigkeiten des Rotweins durch billigere ausländische Konkurrenz deutlich gemindert. 1897 erfolgte als Konsequenz die Gründung des Winzervereins Rheinbreitbach. Das Auftreten der Reblaus in Rheinbreitbach 1907 und 1908 verstärkte den Niedergang des Rheinbreitbacher Weinbaus. Nach den beiden Weltkriegen folgte 1953 im Mai ein starker Frost und 1956 ein sehr kalter Winter, in dem Tausende Rebstöcke erfroren. Bis auf einen gaben die verbliebenen Winzer ihre Weinberge und -felder auf und spezialisierten sich auf Gemüse, Obst- und Kartoffelanbau. Der letzte Berufswinzer setzte den Weinbau bis 1975 fort. In den Folgejahren wurden einige wenige Weingärten noch von Freizeitwinzern gepflegt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts dominierten rote Burgundersorten den Rheinbreitbacher Weinbau, die weiß gekeltert wurden und in früheren Jahrhunderten unter dem Sammelnamen Rheinbleichart (Bleichert) bekannt wurden.

Seit 2017 befindet sich der Rheinbreitbacher Weinbau wieder im Aufschwung. Ein Winzer rekultivierte einen Teil des Hohnerbergs mit den historischen Weinbergslagen Im Hohn und Im Vogelsang unterhalb der Rheinblickstraße oberhalb eines früheren Weingutes. 2018 wurde in den Lagen auf einer Fläche von etwa 1,1ha eine Querterrassierung durchgeführt, die heute mit den Rebsorten Weißer Riesling und Roter Riesling sowie Cabernet Cubin und Merlot bepflanzt sind. Die Rebsorte Souvignier Gris befindet sich im Versuchsanbau.

Kupferbergbau mini|Ehemalige Kupfererz-Aufbereitungsanlage des Bergwerks Virneberg Der erste urkundlich belegbare Bergbau in Rheinbreitbach begann 1604 mit einem Bartholomäus Brück (Brüggen), der das kurfürstliche Bergwerk wieder in Betrieb gesetzt hatte. Aufgrund verschiedener Dokumente und Funde ist nachgewiesen, dass am Virneberg (heute Ortsteil Breite Heide) bereits im Mittelalter Kupfer im Untertagebau gewonnen und vor Ort verhüttet wurde. Brück erwähnt in einem Protokoll eine damals aufgefundene, über 200 Jahre alte Schlackenhalde und im 18. Jahrhundert fand man einen bis dahin unbekannten alten Hauptstollen in ca. 40 Meter Tiefe. 1629 wurden bereits fast 500 Zentner Kupfer produziert. Im Dreißigjährigen Krieg wurden von den durchziehenden Schweden wichtige Teile der Bergwerksanlagen zerstört.

Etwa 1720 waren die Stollen bereits über 1.000 Meter lang. 1724/25 kam es zur wirtschaftlichen Trennung der bei Bruchhausen gelegenen Grube Im Siepen als St. Marienberg von der Grube Virneberg, sodass nach 1728 die im Breitbachtal gelegene Schmelze (eine Kupferschmelzhütte) nur noch vom Virneberg benutzt werden konnte. 1744 bestand die Belegschaft aus 80 Mann. In dieser Zeit muss die Grube auch in St. Josephsberg umbenannt worden sein. Am Eingangsbogen der Martinskapelle im benachbarten Selhof befindet sich ein Schlussstein mit der Inschrift S(t.) Josepsbergh und der Jahreszahl 1735 sowie der Abbildung der Bergmannszeichen Eisen und Bohrer. 1756 wurden für einen Kirchenglockenguss an der Bonner Münsterkirche 8.000 Pfund Breitbacher Kupfer verwendet. 1789 besuchte der junge Alexander von Humboldt auf einer seiner ersten Studienreisen die Rheinbreitbacher Bergwerke, 1791 kam der Kölner Kurfürst.

mini|Grubenwagen Bergwerk Virneberg Im Jahr 1794 kam der Bergbau vorübergehend zum Erliegen. Wenig später, im Jahr 1800, wurde durch Leopold Bleibtreu ein neuer Schacht bis in 85 Meter Tiefe angelegt. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte eine rege Tätigkeitsperiode ein. 1840 förderte die 51-köpfige Knappschaft 8500 Tonnen Erz aus dem Bergwerk. Um dieselbe Zeit wurde auch die Schmelze im Breitbachtal stillgelegt. Nach einigen guten Jahren erfolgte 1867 eine Einstellung des Tiefbaus, einer der Schächte hatte bereits eine Teufe von 138 m erreicht, 1870 wurde ein weiterer Schacht neu angelegt. Die Belegschaft stieg auf 164 Personen an und 1880 wurde eine Teufe von 255 m erreicht (etwa 115 m unter dem Rheinniveau). 1886 erfolgte die endgültige Stilllegung des „Virnebergs“. In den 1960er Jahren wurde ein Teil des ehemaligen Bergwerksgebietes erschlossen und der neue Ortsteil von Rheinbreitbach, die Breite Heide gebaut.

Im Heimatmuseum von Rheinbreitbach sind Zeugnisse aus der Bergbauzeit ausgestellt.

In einer Übersichtskarte des Oberbergamtes Bonn von 1912 sind in der Umgebung von Rheinbreitbach und Bruchhausen 38 verschiedene Grubenfelder eingetragen. Neben der hier beschriebenen Grube St. Josephsberg waren in Bruchhausen die Grube St. Marienberg und die östlich von Bruchhausen im Kasbachtal liegenden Gruben Phinchen und Clemenslust die bedeutendsten.

Seilbahn zum Asberg mini|Seilbahn zum Asberg am heutigen Rheinbreitbacher Waldfriedhof Von 1887 bis 1902 bestand in Rheinbreitbach eine mit Dampfkraft betriebene Seilbahn zum Transport von am Asberg abgebauten Basalt. Die 6,3 km lange Strecke begann unterhalb des Asberg-Plateaus auf Unkeler Gemarkung und endete an der Rheinuferböschung beim Mühlenweg, wobei sie einen Höhenunterschied von 362 m überwand und sieben Täler überbrückte. Die 120 Holzpfeiler der Seilbahn waren durchschnittlich etwa 10 m hoch und standen im Abstand von rund 50 m. Die Bahn verlief südlich der damaligen Rheinbreitbacher Ortsausdehnung und durchquerte auch Weinbauflächen. Am Mühlenweg, dem Ort der Weiterverschiffung, bestanden mehrere Gebäude und Anlagen zur Verwertung des Basalts. Die Seilbahn, deren Bau 1886 begonnen worden war, wurde 1901 auf Grund von Rechtsstreitigkeiten eingestellt – im darauf folgenden Jahr begann ihr Abbau.Drahtseilbahn – Basalt vom Asberg

Verwaltungsgeschichte Rheinbreitbach gilt als südlichster Ort des mittelalterlichen Auelgaus.Dorothea F. Voigtländer: 1000 Jahre Rheinbreitbach – Gemeinde zwischen Tradition und Fortschritt. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied 1977, S. 44 Landesherrlich gehörte die Ortschaft seit dem Jahr 1265R. Knipping: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 3, Nr. 2.318, S. 23 zum Kurfürstentum Köln. Seit dem 15. Jahrhundert unterstand sie der Verwaltung des kurkölnischen Amtes Linz, das um 1700 zum Oberamt erhoben wurde, und gehörte zum Kirchspiel und Stadtgericht Unkel.Hellmuth Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes. 2. Nachdruck. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1987, ISBN 3-922244-80-7, S. 477/478. Mit dem 1801 geschlossenen Friedensvertrag von Lunéville und dem Ergebnis des Reichsdeputationshauptschlusses wurde Rheinbreitbach 1803 als Teil des Amtes Linz dem Fürstentum Nassau-Usingen (ab 1806 Herzogtum Nassau) zugeordnet. Anschließend war es Teil des nassauischen Amtes Linz.