Ostrach ist die flächengrößte Gemeinde des Landkreises Sigmaringen und liegt an dessen südlichem Rand in Oberschwaben. Durch Ostrach führen die Oberschwäbische Barockstraße, die Hohenzollernstraße und die Schwäbische Dichterstraße.
Geographie Geographische Lage Ostrach liegt zwischen Donau und Bodensee, Sigmaringen und Ravensburg, Bad Saulgau und Pfullendorf am gleichnamigen Fluss, der hier durch eine Engstelle zwischen zwei Moränenrücken – wie dem Wagenhart im Osten – des Rheingletschers aus der letzten Eiszeit hindurch fließt und das Burgweiler-Pfrunger Ried zur Donau hin entwässert. Die Landschaft ist hügelig und waldreich. Durch Kiesabbau in zwei Kieswerken sind Baggerseen nördlich und südlich des Ortsteils Jettkofen entstanden. Die Gemeinde erstreckt sich auf etwa 10.893 Hektar (Stand: 31. Dezember 2010),Angaben nach Renate Döring, Gemeinde Ostrach, vom 11. Januar 2011. mit 757 Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche.Ursula Mallkowsky (sky): Verwaltung blickt in die Zukunft der Gemeinde. In: Südkurier. vom 9. November 2010.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Ostrach unterscheidet den Hauptort Ostrach (mit dem Weiler Dichtenhausen) sowie die Ortschaften Burgweiler (mit den Teilorten Waldbeuren, Ochsenbach, Oberochsenbach, Zoznegg, Egelreute, Ulzhausen, Hahnennest, Mettenbuch und den Höfen Freudenberg, Rothenbühl und Sturmberg), Jettkofen, Kalkreute-Spöck (mit den Teilorten Kalkreute und Spöck sowie dem Hof Arnoldsberg), Laubbach (mit den Teilorten Oberweiler und Unterweiler sowie den Häusern Laubbacher Mühle und der Wüstung Oberstirndorf), Magenbuch-Lausheim (mit den Teilorten Magenbuch und Lausheim, dem Junghof, der Weihermühle sowie der Wüstung Sternberg), Tafertsweiler (mit den Teilorten Bachhaupten, Eschendorf, Gunzenhausen und Wirnsweiler sowie der Wüstung Birkweiler), Wangen und Weithart (mit den Teilorten Eimühle, Einhart, Habsthal, Bernweiler und Levertsweiler sowie der Wüstung Werlishausen).Die Ortschaften von Ostrach; abgerufen am 9. März 2015.Vgl. Ostrach in: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 827–833. Wappen Ortschaften Einwohner(Stand: 31. Juli 2014) Fläche(Stand: 31. Dez. 2010) 30px|Ostrach Ostrach (Hauptort) 3559 916 Hektar (ha) 30px|Burgweiler Burgweiler 960 2474 ha 30px|Jettkofen Jettkofen 253 431 ha 30px|Kalkreute30px|Spöck Kalkreute-Spöck 223 779 ha 30px|Kein Wappen Verfügbar Laubbach 222 853 ha 30px|Magenbuch Magenbuch-Lausheim 262 1651 ha 30px|Tafertsweiler Tafertsweiler 292 1950 ha 30px|Wangen Wangen 139 283 ha 30px|Kein Wappen Verfügbar Weithart 769 1555 ha
Schutzgebiete Im Gebiet der Gemeinde Ostrach sind zurzeit drei Naturschutzgebiete, das Pfrunger-Burgweiler Ried, das Schwarze Moos und das Taubenried, drei Landschaftsschutzgebiete, die typische oberschwäbische Schmelzwasserlandschaft Altshausen-Laubbach-Fleischwangen, das Gebiet um den Lausheimer Weiher und das Taubenried, sowie das Vogelschutzgebiet Pfrunger und Burgweiler Ried ausgewiesen (Stand: März 2015).
Geschichte mini|Karte mit der „Beschreibung des ostrachischen Bezirks“ (1697) mini|Die territoriale Gliederung der Ostracher Umgebung zwischen 1815 und 1952
Bis zum 18. Jahrhundert Die älteste urkundliche Erwähnung von Ostrach datiert aus dem Jahr 851, wenn sich auch hier bereits aus der Kupferzeit Metallfunde zeigten.Vgl. Oscar Paret: Württemberg in vor- und frühgeschichtlicher Zeit (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg Reihe B, Band 17). Kohlhammer, Stuttgart 1961. S. 117. Aus der Früheisenzeit und Späthallstattzeit finden sich im Ostrachtal mehrere Grabhügel, unter anderem der „Dreibühl“ im Laubbacher Holz oder im Wald Dachsbau bei Tafertsweiler.Vgl. Oscar Paret: Württemberg in vor- und frühgeschichtlicher Zeit (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg Reihe B, Band 17). Kohlhammer, Stuttgart 1961. S. 178, 180, 204, 268 u. 271. In der Zeit des Römischen Reichs führte hier die Römerstraße Altshausen–Ostrach–Wangen–Habsthal–Krauchenwies vorbei.Walter Kempe: Bernweiler und die Eimühle bei Habsthal. In: Hohenzollerischer Geschichtsverein (Hrsg.): Hohenzollerische Heimat, 43. Jahrgang, Nr. 1/März 1993. (PDF; 6,0 MB) S. 2–7, hier S. 2 f. Zudem fanden sich beim Wasserhochbehälter römische Reste.Vgl. Oscar Paret: Württemberg in vor- und frühgeschichtlicher Zeit (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg Reihe B, Band 17). Kohlhammer, Stuttgart 1961. S. 403.
1317 war das Gemeindegebiet und der Hauptort zwischen der Grafschaft Friedberg (östlich) und der Grafschaft Sigmaringen (westlich) geteilt. Die Grenze bildete von Norden her die Ostrach bis zur Brücke (an der Kirche) und von dort an die Straße über Laubbach nach Riedhausen.J. D. G. v. Memminger: Beschreibung des Oberamts Saulgau, 1829, Kap. A2, II. 1a 6 auf Wikisource. Beginnend im 13. Jahrhundert bis 1324 ging das Gebiet Ostrach-Burgweiler-Bachhaupten durch stückweise Verkäufe allmählich vom Reichsgut in den Besitz des Klosters Salem über. Später baute Salem mit dem planmäßigen Erwerb die Herrschaft Ostrach auf. Die Reichsabtei übte die Ortsherrschaft und die Niedergerichtsbarkeit aus.Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass…. In: Südkurier vom 26. Oktober 2011. 1637 kamen Burgweiler und seine engere Umgebung an die Grafschaft Heiligenberg des Hauses Fürstenberg und von dort 1806 zu Baden.
Am 21. März 1799 besiegten 50.000 Österreicher 20.000 Franzosen in der Schlacht bei Ostrach, der ersten Schlacht des zweiten Koalitionskriegs.Geschichte Ostrachs
19. Jahrhundert Ostrach und Bachhaupten kamen 1803 zu Thurn und Taxis und 1806 zu Hohenzollern-Sigmaringen. Bis 1862 war es Sitz des standesherrlichen Oberamtes Ostrach, es markierte zugleich den südöstlichsten Punkt der Hohenzollernschen Lande, abgesehen von der Exklave Achberg. Im Anschluss kam Ostrach an das Oberamt Sigmaringen, seit 1925 Landkreis Sigmaringen.Vgl. Verwaltungsraum Ostrach. In: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. hrsg. von d. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 827–833, hier: S. 832.
20. Jahrhundert
Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten bei Ostrach russische und französische Kriegsgefangene. Gegen Kriegsende wurden in Burgweiler Personenzüge bombardiert und von Tieffliegern beschossen.Josef Unger (ugr): Rätsel um die Ostrach-Brücke. In: Südkurier vom 12. März 2005. Der Zentrumspolitiker und Rechtsanwalt Reinhold Frank aus Bachhaupten wurde einen Tag nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 festgenommen und später hingerichtet.Jürgen Witt: Gedenken an Opfer der NS-Tyrannei. Nazi-Verfolgung in der Region. In: Südkurier vom 29. Januar 2015. Bei den Todesmärschen aus den Lagern des Unternehmens „Wüste“ in Richtung schwäbisches Oberland und Alpen wurde eine Kolonne von KZ-Häftlingen von Meßkirch über Wald und Aach-Linz nach Ostrach getrieben und traf dort am 22. April 1945 ein.Vgl. Volker Mall: Die Auflösung der Wüste-Lager: Bahntransporte und Todesmärsche. 2014. Vor der Ankunft in Ostrach wurden zwei entkräftete Häftlinge im Wald bei Buchschoren erschossen.Vgl. Jobst Bittner: Der Ebersbacher Pfarrer notierte damals in der Pfarrchronik: „Wer nicht mehr kann, erhält den Genickschuss – aus.“Gerhard Reischmann: Fünf Kilometer Todesmarsch. In: Kontext Wochenzeitung, Ausgabe 163, vom 14. Mai 2014. Zeugen aus Denkingen bestätigten dies. In Ostrach wurde eine Kolonne von ausgemergelten, vielfach kranken Häftlingen zurückgelassen, andere mussten weitermarschieren. Die Zurückgelassenen wurden in eine Feldscheune getrieben, in der sie getötet werden sollten. Als französische Truppen heranrückten, ließen die Wachmannschaften von ihrem Plan ab und verschwanden. Auch die weitermarschierenden Transporte lösten sich auf. Die meisten Häftlinge wurden am 22./23. April 1945 in der Gegend von Ostrach und Altshausen von französischen/marokkanischen Truppenverbänden befreit.Todesmärsche und Befreiung auf schule-bw.de. Mehrere der in Ostrach zurückgebliebenen Häftlinge wurden ins Elisabethen-Krankenhaus gebracht; einige starben dort. Auf dem Ostracher Friedhof wurden insgesamt 13 Menschen beerdigt, zwei weitere im Wald zwischen Ostrach und Pfullendorf.Josef Unger: Todesmarsch vor 70 Jahren: Denkorte erinnern an die Opfer. In: Südkurier vom 22. April 2015.Siegfried Volk: Jacek Zieliniewicz: Er überlebte Auschwitz. In: Südkurier vom 23. April 2015. Ostrach wurde Teil der Französischen Besatzungszone; eine Kommandantur wurde eingerichtet und die Verantwortung einem polnischen Häftling übertragen. Kurz darauf kam es im Gemeindegebiet zu vereinzelten RacheaktenJosef Unger: Fünf Geiseln und zehn Schüsse. In: Südkurier vom 30. April 2005. und ungeklärten Morden.Peter Herrmann: Schreckliche Mordtaten in den ersten Tagen der Besatzung. In: Südkurier vom 5. Mai 2005.Josef Unger: Das Kriegsende 1945 im Ostrachtal. In: Edwin Ernst Weber (Red.): Von der Diktatur zur Besatzung. Das Kriegsende 1945 im Gebiet des heutigen Landkreises Sigmaringen. Hrsg. vom Landkreis Sigmaringen. Sigmaringen, 1995, S. 219–225.
Gemeindereform der 1970er Jahre mini|Ostrach im „Dreiländerkreis“ Sigmaringen
Die Neubildung der Gemeinde Ostrach im Zuge der Gemeindereform erfolgte in Etappen. Bereits am 1. Januar 1969 wurde die frühere badische Exklave Dichtenhausen von Burgweiler nach Ostrach umgemeindet. Am 1. Dezember 1971 wurden Spöck und Wangen nach Ostrach eingemeindet, Magenbuch (mit Lausheim) folgte am 1. April 1972, Einhart, Habsthal (mit Bernweiler), Laubbach (mit Unterweiler und Oberweiler), Levertsweiler und Tafertsweiler (mit Bachhaupten, Eschendorf und Gunzenhausen) am 1. Oktober 1974. Am 1. Januar 1975 schlossen sich Ostrach, Burgweiler (mit Hahnennest, Mettenbuch, Ochsenbach, Oberochsenbach, Zoznegg, Waldbeuren, Ulzhausen, Egelreute) und Kalkreute zur neuen Gemeinde Ostrach zusammen, Jettkofen kam hinzu. Schließlich wurde am 1. Januar 1978 die frühere württembergische Exklave Wirnsweiler von Saulgau getrennt und nach Ostrach umgegliedert.Vgl. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. hrsg. von d. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 784.
Ostrach ist die einzige Gemeinde in Baden-Württemberg, die ehemals selbständige Gemeinden aus allen drei Landesteilen (Baden, Hohenzollern und Württemberg) in sich vereint. Etwa einen Kilometer südlich von Laubbach befand sich das Dreiländereck, an dem die Gebiete von Baden, Hohenzollern und Württemberg aufeinanderstießen. Zwei weitere Dreiländerecke finden sich zwischen Ostrach und Levertsweiler sowie unweit der Straße zwischen Jettkofen und Repperweiler (Gemeinde Hohentengen).
Einwohnerentwicklung Jahr 1961 1970 1991 1995 2005 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 Einwohner 4527 4839 5708 6486 6843 6850 6759 6750 6714 6719 6623 6588 6704 6751 Bis zum Jahr 2013 handelt es sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (1961 und 1970) sowie amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Die Angaben von 1961 und 1970 beziehen sich auf das heutige Gemeindegebiet.
Religion In der Gemeinde Ostrach gibt es insgesamt sieben katholische Pfarrgemeinden. Sie gehören zur 1827 errichteten Erzdiözese Freiburg. Seit 1990 gehören sie alle dem Dekanat Sigmaringen-Meßkirch an. Sieben von ihnen bilden die Seelsorgeeinheit Ostrachtal. Dies sind die Pfarrgemeinden Ostrach, Burgweiler, Einhart, Habsthal, Levertsweiler, Magenbuch und Tafertsweiler.