mini|Zur schmerzhaften Mutter Bödingen mini|Bödingen, Kirche – Pfarrhaus mini|Innenansicht Die Wallfahrtskirche Zur schmerzhaften Mutter Gottes ist ein seit 1991 denkmalgeschütztes römisch-katholisches Kirchengebäude in Hennef-Bödingen. Sie ist eine von 5 Kirchen im Pfarrverbund Hennef-Ost und gehört zum Erzbistum Köln. 1408 war der Bau des Gotteshauses vollendet und es wurde der Allerseligsten Jungfrau Maria und den Heiligen Drei Königen geweiht. Das Gebäude ist seit 1834 Pfarrkirche der Pfarrgemeinde Zur Schmerzhaften Mutter und liegt direkt neben dem ehemaligen Kloster Bödingen weithin sichtbar auf dem ersten Höhenzug des Nutscheid. Die spätgotische Basilika besteht aus zwei Teilen: der ältere Teil mit einem geosteten dreischiffigen Langhaus und einbezogenem Westturm sowie dem neueren Teil – ergänzt in zwei Bauabschnitten ab 1439 mit dem Querhaus und zwischen 1490 und 1500 mit einem neuen Chor im Osten.
Geschichte Legende Um 1350 hat der einfache Arbeiter Christian von Lauthausen nach einer Marienerscheinung in einer Kölner Werkstatt das Vesperbild der „Mater Dolorosa“ schnitzen lassen und es zunächst in einem Bildstock neben seiner Klause im Wald bei Altenbödingen (das damals noch Bödingen hieß) aufgestellt. Wegen der vielen Pilger wollte er dieser Pietà dort eine Kapelle bauen, was aber nicht gelang, weil die Mauern über Nacht immer wieder einstürzten. Da hatte er erneut eine Erscheinung der Mutter Gottes, die ihm befahl, seinen Maulesel zu beladen und diesem zu folgen. Dort, wo der Maulesel in der Wildnis stehen blieb, wurde dann die Kapelle erbaut.
Wallfahrtskirche und Kloster Gemeinsam mit Pfarrer Peter Meisenbach aus Geistingen begann Christian von Lauthausen 1397 mit dem Bau einer großen Kirche, die dem wachsenden Pilgerstrom zu diesem Ort gerecht wurde. Die Wallfahrtskirche entstand zu Ehren des Gnadenbildes der Mater Dolorosa. 1408 wurde die Kirche der Schmerzhaften Mutter und den Hl. drei Königen geweiht. Es handelt sich um den ältesten Wallfahrtsort der Schmerzhaften Mutter in Deutschland. 1417 starben beide Erbauer der Kirche, Christian von Lauthausen ebenso wie Peter Meisenbach, letzterer am 17. September, und wurden in der Kirche beigesetzt. Nach der Einführung des Kompassionsfestes wurde 1424 das Kloster Bödingen der Augustiner-Chorherren gegründet, um die nochmals gestiegene Anzahl von Pilgern betreuen zu können. Um die klösterlichen Stiftsgottesdienste von den Wallfahrten besser trennen zu können, wurde die Kirche 1439–1500 um ein Querhaus und um einen Chor erweitert. In diesem Kloster wirkte der berühmte Klosterreformer Johannes Busch (1399–1480) als Diakon. Seit Aufhebung des Stiftes ist sie katholische Pfarrkirche. Seit 1991 steht sie unter Denkmalschutz.Denkmale in Hennef Denkmalliste der Stadt Hennef, Teil A, Baudenkmäler; abgerufen am 28. August 2020.
Beschreibung Architektur mini|Schlusssteine im südlichen SeitenschiffDer Eindruck des Außenbaus wird bestimmt durch das Zusammenwirken des viergeschossigen Westturmes und des Chores mit zehneckigem Zeltdach. Die Kirche ist eine dreischiffige gotische Pfeilerbasilika mit eingezogenem Turm, der im Mauerwerk 24 m und bis zur Helmspitze 43,5 m hoch ist. Fünfseitig schließen die Kreuzarme ab. Das Chorhaus entstand 1480 bis 1500 anstelle einer kleineren Choranlage. Das Traufgesims dieses Chorhauses liegt ca. 0,7 m höher als das des Querschiffes während die Sockelhöhe gleich ist. Das spitze Chordach war ursprünglich höher, seine Höhe wurde bei der großen Renovierung 1884 aus Kostengründen um 6 m vermindert. Ebenso wurden die Dächer der beiden Seitenschiffe wieder flacher: nachdem sie bis zur Renovierung am Hauptgesims des Mittelschiffes über den Obergadenfenstern ansetzten und diese somit komplett verdecktenZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST 1888, Heft 9, Sp. 297f, setzen sie in der jetzigen und auch ursprünglichen Ausführung (s. Fundationsbild von 1621) wieder darunter an. Der Grund für die zwischenzeitliche Änderung lag wohl darin, dass ein direkt an das Dach des Mittelschiffes angesetztes Dach leichter abzudichten war. Weitere größere Renovierungen fanden nach Ende des Zweiten Weltkriegs und in den 1960er Jahren statt.
Die Basilika ist aus Bruchstein gemauert und nach Osten ausgerichtet. Sie hat vier Joche mit niedrigem Obergaden. Im Chor befindet sich ein Glasfenster mit einer Kreuzigungsdarstellung, auch der Stifter Erzbischof Hermann von Hessen (1450–1508) wird im Bild gezeigt.Rheinlande und Westfalen: Baudenkmäler. 5. Auflage. Reclam, Stuttgart 1975, ISBN 3-15-008401-6, S. 82–83. Im Mittel- und den beiden Seitenschiffen bietet die Kirche 230 Personen Platz. Seit der Renovierung von 1960 bis 1967 sind im Inneren die Steine der tragenden Elemente – vor allem der Pfeiler, Bögen und Rippen – sichtbar. Außerdem wurde auf der Spitze des Chordaches eine Marienfigur des Bildhauers Manfred Saul montiert, die der Schlange den Kopf zertritt.
Die Gesamtlänge beträgt 35,3 m, die Seitenschiffe haben eine lichte Weite von 3,70 m und das Mittelschiff ist 5,50 m breit. Abweichend von üblichen gotischen Architekturen hat das Querschiff eine andere Breite als das Mittelschiff nämlich 4,45 m. Das Mittelschiff setzt sich aus 4 Jochen zusammen, von denen nur das westliche eine quadratische Grundform hat. Die Vierung hingegen hat einen Trapez-förmigen Grundriss. Dadurch wird die Aufweitung vom schmaleren Mittelschiff in den breiteren Chorraum möglich.
Außer dem Schlussstein im Chor, der einen geöffneten Pinienzapfen darstellt, sind alle anderen Schlusssteine mit Blattornamenten verziert. Im südlichen Seitenschiff unterscheiden sich jedoch drei Schlusssteine in den Kreuzrippen dadurch, dass sie zusätzlich Gesichter zeigen. Sie gehören zur Originalausstattung und sind somit über 600 Jahre alt. Es darf angenommen werden, dass diese unfreundlich wirkenden groben Darstellungen wohl als Bedrohung von oben zu sehen sind, gegen die die Gottesmutter die Betenden schützen soll. Warum nur diese drei Schlusssteine ein solches Gesicht zeigen, ist ungeklärt, besonders da die Pietà erst im 17. Jhd. im südlichen Querhaus ihren Platz fand.
Die Gewölbebildung der beiden Bauabschnitte ist durchaus unterschiedlich. Im älteren Mittelschiff entspringen einfach profilierte Rippen aus den Pfeilern und Wänden. Im neueren Teil (Chor und Querschiff) werden die Rippen von Diensten aufgenommen, die tief heruntergeführt sind und auf schön gearbeiteten Konsolen aufsitzen. Diese sind im südlichen Querschiff aufwändiger gestaltet, was den Schluss zulässt, dass sich früher hier mehr Pilger aufhielten.
Orgel Geschichte Eine Orgel ist bereits im frühen 17. Jahrhundert auf dem Fundationsbild zu sehen. Das Instrument befand sich im nördlichen Querschiff hoch aufgehängt als sogenannte Schwalbennestorgel, die über ein eigenes Treppentürmchen erreichbar war. Das Bödinger Memorienbuch dokumentiert eine Schenkung von 40 Reichstalern 1674 für die Erneuerung der Orgel sowie den Tod des Organisten Heinrich Luttegelhe 1730.
Im Jahr 1847 wird von der Revision einer Orgel durch Eberhard Kraft aus Poppelsdorf berichtet, die die Königliche Regierung in Auftrag gab. Das Ergebnis war, dass sich das Instrument besonders durch Holzwurmbefall in einem sehr schlechten Zustand befand.
Im Jahr 1912 hat der Orgelbauer Johannes Klais (Fa. Klais, Bonnhttp://www.orgelbau-klais.com/_klais/bilder/pdf/Opusliste.pdf) aus Bonn eine neue Orgel geliefert (Opus 479), die im zweiteiligen Prospekt auf der damals noch vorhandenen Westempore aufgestellt wurde. Der Spieltisch war frei auf der rechten Emporenseite aufgestellt und verfügte über zwei Manuale, Pedal und ursprünglich 13 Register. Ergänzt wurde später eine Trompete 8′.
Im Jahr 1963 verschwand die Empore im Rahmen der Kirchenrenovierung und die Orgel wurde wieder im nördlichen Querschiff aufgestellt. Diese Orgel wurde vom Orgelbauer Peter Busch aus Troisdorf zu großen Teilen aus der alten Klais-Orgel aufgebaut. Es wurde ein Gehäuse in Kastenform, in dem die beiden Windladen übereinander gesetzt wurden und aus der Trompete 8′ eine Trompete 4′ wurde.
Heute Die heutige Orgel am westlichen Haupteingang wurde 1997 von der Firma Orgelbau Schulte erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 24 Register auf drei Manualen und Pedal. Acht dieser Register konnten aus der alten Klais-Orgel übernommen werden. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.Nähere Informationen zur Orgel
II Hauptwerk C–g3 1. Bordun 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Flauto 8′ 4. Oktave 4′ 5. Flöte 4′ 6. Superoktave 2′ 7. Larigot ′ 8. Cornett 5fach 9. Mixtur 5fach 2′ 10. Trompete 8′ III Nebenwerk C–g3 11. Violon 8′ 12. Gedecktflöte 8′ 13. Viola di Gamba 8′ 14. Vox celeste 8′ 15. Flute travers 4′ 16. Oktavin 2′ 17. Nasard ′ 18. Terz ′ 19. Trompette harmonique 8′ 20. Hautbois 8′ 21. Tremulant Pedal C–f1 22. Subbass 16′ 23. Oktavbass 8′ 24. Gedecktbass 8′ 25. Posaune 16′ Manual I: Koppeln I/P, II/P; diverse elektrische Sub- und Superoktavkoppeln
Geläut Glocken mini|Glocke von 1757 über dem Chor 77 Treppenstufen führen in die in ca. 20 m Höhe gelegene Glockenstube im dritten Geschoss des Westturmes. Dort befinden sich drei der insgesamt vier Glocken aus Bronze von 1397, 1398, 1470. Die vierte Glocke von 1757 wurde vom Prior Heinrich Klein beschafft und hängt über dem Chor.
Glocke I II III IVName Maria Johannes der Evangelist - MariaGlockengießer Ailf von Wippervorde Gerhard Duisterwalt, Cöln Henricus Rosengarden, Cöln Henricus Ross, CölnGussjahr 1470 1397 1398 1757Metall Bronze Bronze Bronze BronzeDurchmesser [mm] 1430 1252 919 788Schlagringstärke [mm] 119(111/110) 88(81/82) 67(65/60) 74(63)Gewicht ca. [kg] 1740 1200 450 350Proportion (Dm/Sr) 1:12,0 1:14,3 1:13,7 1:10,6Schlagton/Nominal es’+4 (D) es’-3 (F) a’+4 es’’±0Konstruktion Überschwere Rippe Leichte Rippe Mittelschwere Rippe Überschwere RippeSchwingdauer [s] 2,4 2,25 2,0 - mini|Geläut der Glocken I - III zum Hochamt (im Vordergrund II, Mitte III und rechts I) Die älteste Glocke (genannt die Mittagsglocke) trägt die Inschrift HOC VAS ORNATUM JOANNES EVANGELISTA NOMINATUM. ANNO DOMINI MCCCXCVII GERARDUS DUISTERWALT ME FECIT. Die jüngste Glocke hängt nicht im Turm, sondern über dem Chor und trägt die dreizeilige Inschrift: MARIA HEISCHE ICH, ZU CHOR LEUTE ICH, DAS UNGEWITTER VERTREIBE ICH. - CONFLATA CAMPANA HAEC CONSECRATA SVB PRAELATO HENRICO KLEIN. - HENRICUS ROSS COLON. ME FACIT 1757. Der 27. Prior, Heinrich Klein, hat sie gießen lassen. Außer im großen Fest-Geläut läutet sie 5 Minuten vor Messebeginn. Die kleinste der drei großen Glocke von 1398 trägt die Inschrift IN HONORE BEATAR VIRGINIS MARIAE HINRICUS ROSENGARDEN ME FECIT ANNO DOMINI MCCCXCVIII, V. SEPTEMBRIS. Sie trägt ein kleines Reliefbild, das einen Ritter zu Pferde darstellt, der mit einem Lanzenstoss einen Drachen tötet. Die größte Glocke von 1470 trägt die Inschrift MARIA HEICCHEN (SO) ICH, IN EIR GOTZ LUEDDEN ICH, AL UNGEWEDDER VERTREIBEN ICH. ANNO DOMINI MCCCCLXX. Sie ist eine Meisterleistung gotischer Glockengusskunst und liegt in Klangvolumen und Singtemperatur weit über dem Durchschnitt der meisten mittelalterlichen Glocken. Sie wurde im letzten Krieg beschlagnahmt, kehrte aber 1947 unter dem Glöckner August Pütz unversehrt an ihren Einsatzort zurück. Diese Glocke wird außerdem für den Stundenschlag benutzt.
Pilgerzeichen mini|Pilgerzeichen an der Glocke von 1470 Die große Marien-Glocke von 1470 weist eine Besonderheit auf: sie trägt ein nachgewiesenes Pilgerzeichen, das sich noch in einem sehr gutem Zustand befindet. Pilgerzeichen sind kleine Metallgüsse, die seit der Mitte des 12. Jahrhunderts in Wallfahrtsorten an Pilger verkauft wurden. Auf ihnen ist der oder die jeweils verehrte Heilige, in diesem Fall die Gottesmutter Maria abgebildet. Jedes Pilgerzeichens ist mit einem bestimmten Herkunftsort verbunden.