mini|Das Kreisgebiet 1905 Der Landkreis Guben (bis 1939 Kreis Guben oder früher Gubenischer Kreis) war ein Landkreis in der Niederlausitz vom 17. Jahrhundert bis 1950. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der östlich der Lausitzer Neiße gelegene Teil des Kreises von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt.

Territorium Der Landkreis Guben umfasste am 1. Januar 1945 die Stadt Fürstenberg (Oder), 106 weitere Gemeinden und zwei Forst-Gutsbezirke.

Verwaltungsgeschichte Kursachsen Nachdem das Gebiet mit der Niederlausitz 1635 zum Kurfürstentum Sachsen gekommen war, wurde der Gubenische Kreis gebildet.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790 : Maßstab ca. 1:200000. Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 108f. In ihn wurden die Stadt Guben sowie die Herrschaft Forst-Pförten und die Standesherrschaft Amtitz eingegliedert. Im Jahr 1765 kamen die Herrschaften Sorau und Triebel hinzu.

Königreich Preußen Nach dem Wiener Kongress kam der Kreis 1815 zur Provinz Brandenburg im Königreich Preußen. Er wurde 1816 im Zuge einer umfassenden Verwaltungsreform in zwei neue Kreise aufgeteilt:

Kreis Guben. Dazu gehörten die bisherige Standesherrschaft Amtitz, das ehemalige Ordensamt Schenkendorf, die ehemalige Stiftsherrschaft Neuzelle und die Stadt Guben im Nordteil des bisherigen Kreises. Die Orte Germersdorf, Groß Breesen und Kerkwitz kamen aus dem bisherigen Kreis Cottbus dazu, während die Orte Mochlitz, Niewisch, Pieskow, Speichrow, Trebitz und Ullersdorf in den Kreis Lübben wechselten.

Kreis Sorau mit den Herrschaften Sorau und Triebel sowie Forst-Pförten im Süden des bisherigen Kreises.

Beide Kreise gehörten zum neuen Regierungsbezirk Frankfurt.

Norddeutscher Bund / Deutsches Reich Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Am 1. April 1884 schied die Stadt Guben aus dem Kreis aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. Der Kreis Guben änderte dadurch seine Bezeichnung in Landkreis Guben.

Zum 30. September 1928 fand im Kreis Guben wie im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der nahezu alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt (Oder), Sonderausgabe vom 21. September 1928 (S. 244). Am 1. Dezember 1928 trat der Gutsbezirk Mückenberg vom Landkreis Guben zum Stadtkreis Guben.Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a.d. Oder, Stück 52 vom 29. Dezember 1928 Nr. 678, S. 335. 1939 wurde der Kreis in Landkreis Guben umbenannt. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Im Sommer 1945 stellte die Sowjetunion das Kreisgebiet teilweise unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen. In dem betroffenen Teil des Kreisgebiets begann nun die allmähliche Zuwanderung polnischer Bevölkerung. Die deutschen Einwohner wurden in der Folgezeit von den örtlichen polnischen Verwaltungsbehörden aus diesem Teil des Kreisgebiets vertrieben.

Sowjetische Besatzungszone / Deutsche Demokratische Republik Durch die Oder-Neiße-Grenze wurde der Landkreis geteilt. Der östlich der Neiße gelegene Teil des Landkreises wurde unter polnische Verwaltung gestellt, während der westlich der Neiße gelegene Teil nunmehr den Landkreis Guben im Land Brandenburg in der SBZ bildete. Er umfasste die Stadt Fürstenberg (Oder) und 50 weitere Gemeinden mit insgesamt 35.192 Einwohnern.

Fünf Jahre später, am 30. Juni 1950, wurde der Landkreis Guben durch das Gesetz über die Änderung zur Verbesserung der Kreis- und Gemeindegrenzen aufgelöst: Das nördliche Kreisgebiet mit den Gemeinden Bahro, Bomsdorf, Bremsdorf, Bresinchen, Breslack, Coschen, Diehlo, Fünfeichen, Fürstenberg a./Oder, Göhlen, Groß Drewitz, Henzendorf, Kieselwitz, Kobbeln, Lauschütz, Lawitz, Möbiskruge, Neuzelle, Ossendorf, Pohlitz, Ratzdorf, Rießen, Schernsdorf, Schönfließ, Schwerzko, Sembten, Steinsdorf, Streichwitz, Treppeln, Vogelsang, Wellmitz, Wiesenau und Ziltendorf wurde in den neuen Kreis Frankfurt eingegliedert. Das südliche Kreisgebiet mit den Gemeinden Atterwasch, Bärenklau, Deulowitz, Grabko, Grano, Grießen, Groß Breesen, Groß Gastrose, Horno, Kaltenborn, Kerkwitz, Klein Gastrose, Krayne, Lübbinchen, Reichenbach, Schenkendöbern, Schlagsdorf und Taubendorf wurde in den Landkreis Cottbus eingegliedert. Gleichzeitig verlor die Stadt Guben ihre Kreisfreiheit und kam ebenfalls zum Landkreis Cottbus.

Bei der Verwaltungsreform von 1952 wurde ein neuer Kreis Guben gebildet, bestehend aus der Stadt Guben allen Gemeinden des alten Landkreises Guben, die 1950 zum Landkreis Cottbus gewechselt waren den Gemeinden Bresinchen, Groß Drewitz, Lauschütz und Sembten des alten Landkreises Guben, die 1950 zum Landkreis Frankfurt (Oder) gewechselt waren der Gemeinde Reicherskreuz aus dem Landkreis Frankfurt (Oder) den Gemeinden Drewitz, Jänschwalde, Pinnow, Schönhöhe, Staakow und Tauer aus dem Landkreis Cottbus.

Der neue Kreis Guben wurde dem Bezirk Cottbus zugeordnet. Der nordwestliche Teil des alten Landkreises Guben rund um Fürstenberg und Neuzelle ging 1952 im neuen Kreis Fürstenberg, dem späteren Kreis Eisenhüttenstadt-Land auf, der dem Bezirk Frankfurt (Oder) zugeordnet wurde.

Land Brandenburg Bei der Verwaltungsreform 1993 wurde dem Antrag, den alten Landkreis Guben (bis 1950) in einem neuen Oder-Neiße-Kreis wiederherzustellen, zugunsten der Bildung eines an Berlin und Polen grenzenden Großkreises nicht entsprochen, obwohl es dazu Beschlüsse der Kreistage von Eisenhüttenstadt-Stadt, Eisenhüttenstadt-Land und Guben sowie eine Verfassungsbeschwerde von 1993 gab.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1816 29.358 1840 40.545 Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., Harnecker, 1844, S. 30 1871 62.462 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871 1890 42.431 1900 43.189 1910 43.845 1925 45.708 1933 46.894 1939 45.390 1946 35.192 Volkszählung 1946

Kommunalverfassung bis 1945 Der Kreis Guben gliederte sich in Städte, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständiger Auflösung im Jahre 1928 – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Landräte 1816–1829 Hans Ernst Wilhelm von Manteuffel 1829–1849 Friedrich Heinrich Sigismund Gustav von Carlsburg 1849–1859 Max Heinrich Kaempffe 1859–1866 Ewald von Kleist (1825–1877) 1867–1877 Kurt von Reventlou (1834–1914) 1877–1890 Heinrich zu Schoenaich-Carolath (1852–1920) 1891–1899 Wolfgang Kapp (1858–1922) 1899–1900 Friedrich Dombois (1860–1931) 1900–1910 Karl von Kunow 1910–1920 Detlev von Reventlow (1876–1950) 1920–1931 Hans Günther Moes (1886–1966) 1931–1933 Ernst von Windheim (1891–1946) 1933–1945 Ernst Kaempfe (* 1877) 1945 Otto Pötschke 1945 Richard Voigt 1945–1950 Max Nitschke

Städte und Gemeinden Gemeinden westlich der Neiße Die folgenden Gemeinden des Landkreises Guben lagen westlich der Neiße und damit nach dem Zweiten Weltkrieg in der SBZ. Das Gebiet gehört heute zu den Landkreisen Oder-Spree und Spree-Neiße. Atterwasch Bahro Bärenklau Bomsdorf Bremsdorf Bresinchen Breslack Coschen Deulowitz Diehlo Fünfeichen Fürstenberg a./Oder, Stadt Göhlen Grabko Grano Grießen Groß Breesen Groß Drewitz Groß Gastrose Henzendorf Horno Kaltenborn Kerkwitz Kieselwitz Klein Gastrose Kobbeln Krayne Lauschütz Lawitz Lübbinchen Möbiskruge Neuzelle Ossendorf Pohlitz Ratzdorf Reichenbach Rießen Schenkendöbern Schernsdorf Schlagsdorf Schönfließ Schwerzko Sembten Steinsdorf Streichwitz Taubendorf Treppeln Vogelsang Wellmitz Wiesenau Ziltendorf Im westlichen Kreisteil lag außerdem der gemeindefreie Forst Siehdichum.

Gemeinden östlich der Neiße Die folgenden Städte und Gemeinden des Landkreises Guben lagen östlich der Neiße und kamen nach dem Zweiten Weltkrieg zu Polen, wo sie heute größtenteils zum Powiat Krośnieński in der Woiwodschaft Lebus gehören. Amtitz Beesgen-Plesse Beitzsch Birkenberge Buderose Dobern Döbern Germersdorf Göttern Grocho Groß Bösitz Groß Drenzig Gubinchen Haaso Jaulitz Jeßnitz Kaaso Kalke Kanig Klein Drenzig Kummeltitz Küppern Kuschern Laaso Lahmo Liebesitz Markersdorf Mehlen Merke Mückenberg Neudörfel Niemaschkleba Niemitzsch Ögeln Ossig Pohlo Pohsen Räschen Reichersdorf Sachsdorf Sadersdorf Saude Schenkendorf Schöneiche Seebigau Seitwann Stargardt Starzeddel Strega Tzschernowitz Vettersfelde Wald Wallwitz Weltho Wirchenblatt Zschiegern Im östlichen Kreisteil lag außerdem der gemeindefreie Gubener Stadtforst.

Vor 1939 aufgelöste Gemeinden Beesgen und Plesse, 1928 zu Beesgen-Plesse zusammengeschlossen Grötzsch, 1928 zu Beitzsch Grunewald, 1926 zu Groß-Breesen Raubarth, 1928 zu Jaulitz Jetzschko, 1928 zu Kaaso Augustwalde, 1929 zu Niemaschkleba Heideschäferei, 1929 zu Niemaschkleba Kummro, 1925 zu Neuzelle Schlaben, 1936 zu Neuzelle Schiedlo, 1939 zu Ratzdorf Wilschwitz, 1926 zu Schenkendöbern

Namensänderungen Die Gemeinde Wiesenau hieß bis 1919 Krebsjauche. Von 1935 bis 1937 fanden kleinere Änderungen in der Schreibweise mehrerer Ortsnamen statt: Beitzsch → Beitsch Crayne → Krayne Ögeln → Oegeln Tzschernowitz → Schernewitz Tschernsdorf → Schernsdorf Zschiegern → Schiegern Der sorbische Ortsname Niemaschkleba wurde aus ideologischen Gründen in „Lindenhain“ abgeändert, wobei den neuen Namen nichts mit dem ursprünglichen verband.

Literatur Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staates. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 103–104, Ziffer 12. Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 184–193. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. Verlag von Gustav Harnecker u. Co., 1867, S. 85–89. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Band 3, Brandenburg 1856, S. 520–553 (online). Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844, S. 77–90 (online). W. Riehl, J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 551–571 (online).

Rudolf Lehmann: Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 2: Die Kreise Cottbus, Spremberg, Guben und Sorau. Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde, Marburg 1979, ISBN 3-921254-96-5 Nachdruck: Klaus Becker Verlag, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-90-7, doi:10.35998/9783830542988 (Open Access).

Weblinks Landkreis Guben Verwaltungsgeschichte und die Landräte auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 8. Oktober 2013.

Urkunden aus dem Kreis Guben im 19. Jahrhundert Geheimes Staatsarchiv Berlin

Einzelnachweise

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