Die Labkräuter (Galium) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Die meisten der über 600 Arten gedeihen im gemäßigten Klima der Nord- und Südhalbkugel.
Beschreibung und Ökologie mini|Illustration des Waldmeisters (Galium odoratum) mini|Illustration des Kletten-Labkrautes (Galium aparine)
Erscheinungsbild und Blätter Die Galium-Arten sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen, selten Halbsträucher. Die aufrechten oder kletternden Stängel sind, mindestens so lang sie jung sind, vierkantig und oft deutlich stachelig oder klettenartig. Es sind RaphidenKristalline Einschlüsse, auf biologie.uni-hamburg.de vorhanden.
Bei vielen Arten sieht es so aus, als sei ein vielblättriger (vier bis zwölf) Blattquirl vorhanden. Es handelt sich um gegenständige Laubblätter und ihre gleichgeformten, laubblattähnlichen Nebenblätter. Diese Blätter sind meist sitzend, nur selten gestielt. Blätter und Nebenblätter können miteinander verwachsen sein. Die interpetiolaren Nebenblätter sind bei manchen Arten reduziert. Die Blattränder sind glatt oder gesägt. Auf der Blattunterseite können Drüsen vorhanden sein. Auf den Blattflächen ist meist ein Hauptnerv vorhanden, aber es können manchmal auch drei oder mehr sein.
Blütenstände und Blüten Die Blüten stehen einzeln oder zu vielen in einem einfachen oder verzweigten, zymösen Blütenstand zusammen. Der Blütenstiel verlängert sich manchmal bis zur Fruchtreife, aber meist ist er relativ kurz bis fehlend.
Die Blüten sind meist zwittrig, manchmal sind sie eingeschlechtig und dann sind die Arten andromonözisch, seltner polygamo-diözisch oder diözisch. Die relativ kleinen Blüten sind radiärsymmetrisch und meist vierzählig, seltener drei- oder fünfzählig. Der Blütenbecher (Hypanthium) ist mit den Fruchtknoten verwachsen. Es sind meist vier, manchmal drei oder fünf Kelchblätter vorhanden, oft aber ist der Kelch nur rudimentär ausgebildet oder fehlt. Die meist vier, selten drei oder fünf Kronblätter sind mehr oder weniger breit trichterförmig bis selten glockenförmig verwachsen; manchmal ist die Kronröhre so kurz, dass es wirkt, als seien die Kronblätter frei. Die Farbe der innen kahlen Kronblätter ist weiß bis gelb, gelblich-grün bis grün, seltener rosafarben über rot bis purpurfarben. Es ist nur ein Kreis aus meist vier, selten drei oder fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Die gut entwickelten bis mehr oder weniger reduzierten Staubfäden sind in der Nähe der Basis der Kronröhre inseriert. Die Staubbeutel sind dorsifix. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen, zweikammerigen, eiförmigen, ellipsoiden oder kugeligen Fruchtknoten verwachsen, dessen Oberfläche je nach Art glatt, papillös, warzig, mit hackenförmigen oder selten geraden Trichomen bedeckt ist. Es ist nur eine aufrechte Samenanlage je Fruchtknotenkammer vorhanden. Die ursprünglich zwei Griffel sind bis oben hin frei oder verwachsen, dann aber mit zwei deutlichen Narbenästen, die die Blütenkrone überragen. Es ist ein Diskus vorhanden. Die Bestäubung erfolgt meist durch Insekten (Entomophilie).
Früchte und Samen Die Früchte sind bei Reife grün, grau, selten weiß, rot, orangefarben oder schwarz. Die ellipsoid bis fast kugeligen Spaltfrüchte zerfallen in zwei einsamige Teilfrüchte. Die Spaltfrüchte sind meist trocken bis ledrig, seltener schwammig, selten mehr oder weniger fleischig sowie beerenartig. Die fast kugeligen, ellipsoid-länglichen oder nierenförmigen Teilfrüchte sind glatt sowie kahl bis warzig und/oder mit Trichomen, die oft hakenförmig sind, bedeckt. Die relativ kleinen Samen sind auf der Bauchseite gerillt. Die Samenschale (Testa) ist häutig. Der gekrümmte Embryo besitzt zwei laubblattähnliche Keimblätter (Kotyledone).
Namensherkunft
Der Name Labkraut geht auf seine Verwendung als Gerinnungsmittel bei der Käseherstellung zurück. Auch der wissenschaftliche Name Galium (v. griech.: Gala = Milch) leitet sich davon her.
Systematik und Verbreitung mini|Galium andrewsii mini|Ungleichblättriges Labkraut (Galium anisophyllum) mini|Galium antarcticum auf der Macquarieinsel mini|Kletten-Labkraut (Galium aparine) mini|Habitus, Blätter und Blüten von Galium arenarium mini|Galium bifolium mini|Nordisches Labkraut (Galium boreale) mini|Galium buxifolium mini|Blätter und Blüten von Galium catalinense mini|Habitus und Blüten von Galium cespitosum im Habitat mini|Habitus und Blätter von Galium friedrichii mini|Blaugrünes Labkraut (Galium glaucum) mini|Galium grayanum mini|Galium hypocarpium mini|Glanz-Labkraut (Galium lucidum) mini|Galium obtusum mini|Waldmeister (Galium odoratum) mini|Blätter und Blütenstand von Galium oreganum mini|Sumpf-Labkraut (Galium palustre) mini|Weißgelb-Labkraut (Galium ×pomeranicum) mini|Vierzählige Blüten von Galium pyrenaicum mini|Rundblättriges Labkraut (Galium rotundifolium) mini|Dreiblütiges Labkraut (Galium rotundifolium) mit Blattwirtel und den für diese Art typischen drei Blüten mini|Harzer Labkraut (Galium saxatile) mini|Galium scabrum mini|Galium serpenticum mini|Galium setaceum mini|Kleinfrüchtiges Kletten-Labkraut (Galium spurium) mini|Vierzählige Blüten von Galium stellatum var. eremicum mini|Habitus, Blätter und Blütenstand des Wald-Labkraut (Galium sylvaticum) mini|Dreihörniges Labkraut (Galium tricornutum) mini|Habitus, Blätter und Blütenstand des Traunsee-Labkraut (Galium truniacum) mini|Moor-Labkraut (Galium uliginosum) mini|Echtes Labkraut (Galium verum)
Die Gattung Galium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, Seite 105. aufgestellt. Synonyme für Galium sind: Aparinanthus , Aparine , Aparinella , Bataprine , Chlorostemma , Eyselia , Galion , Gallion , Gallium , Relbunium , Trichogalium , Aspera .
Die Gattung Galium gehört zur Subtribus Rubiinae der Tribus Rubieae in der Unterfamilie Rubioideae innerhalb der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae).
Die Gattung Galium ist fast weltweit verbreitet. Die Arten gedeihen hauptsächlich in meridionalen bis gemäßigten Zonen, aber auch in alpinen sowie arktischen Gebieten oder in subtropischen bis tropischen Zonen in größeren Höhenlagen. In China gibt es etwa 63 Arten, 23 davon nur dort. Beispielsweise Galium saxatile, Galium schultesii, Galium verum gelten in einigen Gebieten, beispielsweise Kalifornien, als invasive Pflanzen.
Die Gattung Galium wird in Sektionen gegliedert (Auswahl): Galium Sektion Aparinoides Galium Sektion Baccogalium Galium Sektion Bataprine Galium Sektion Depauperata Galium Sektion Galium Galium Sektion Hylaea Galium Sektion Jubogalium Galium Sektion Kolgyda Galium Sektion Leiogalium Galium Sektion Leptogalium Galium Sektion Lophogalium Galium Sektion Miscellaneous Galium Sektion Orientigalium Galium Sektion Platygalium Galium Sektion Relbunium Galium Sektion Trachygalium
Arten Die Gattung Galium enthält über 600 Arten: Galium abaujense Galium abruptorum Galium absurdum Galium achurense Galium acrophyum Galium acuminatum Galium acutum Galium adhaerens Galium advenum Galium aegeum Galium aetnicum Galium afropusillum Galium agrophilum Galium aladaghense Galium ×albertii : Diese Hybride aus Galium boreale × Galium verum kommt nur in Frankreich vor. Galium albescens Weißes Labkraut (Galium album ): Es gibt fünf Unterarten: Galium album subsp. album: Sie kommt von Europa bis ins westliche Sibirien und von Nordafrika bis zum Sudan vor. Galium album subsp. amani : Sie kommt von der südlichen Türkei bis zum Libanon vor. Galium album subsp. prusense : Sie kommt von der nördlichen Türkei bis Transkaukasien, auf der Balkanhalbinsel und auf der Krim vor. Galium album subsp. pycnotrichum : Sie kommt von Osteuropa bis zur westlichen Türkei vor. Galium album subsp. suberectum : Sie gedeiht in den östlichen Karpaten. Galium amatymbicum Galium amblyophyllum Galium amorginum Galium andrewsii Galium andringitrense Galium anfractum Galium anguineum Galium angulosum Galium angustifolium Galium angustissimum Ungleichblättriges Labkraut oder Alpen-Labkraut (Galium anisophyllon ) Galium ankaratrense Galium antarcticum Galium antitauricum Galium antuneziae Kletten-Labkraut, auch Klebriges Labkraut (Galium aparine ) Galium aparinoides Galium aragonesii Galium araucanum Galium arenarium Galium arequipicum Galium aretioides Galium argense Grannen-Labkraut (Galium aristatum ) Galium arkansanum Galium armenum Galium ascendens Galium aschenbornii Galium asparagifolium Galium asperifolium Galium asperuloides Galium asprellum Galium atherodes Galium atlanticum Galium aucheri Galium auratum Galium australe Österreichisches Labkraut (Galium austriacum ) Galium avascense Galium azerbayjanicum Galium azuayicum Galium babadaghense Galium baeticum Galium baghlanense Galium baillonii Galium baldense Galium baldensiforme : Sie gedeiht in Höhenlagen von 2800 bis 4300 Metern in den chinesischen Provinzen Qinghai, Sichuan, Yunnan (nur in Lijiang) und in Tibet. Galium balearicum Galium ×barcinonense (= Galium lucidum × Galium maritimum): Sie kommt nur in Spanien vor. Galium basalticum Galium baytopianum Galium beckhausianum Galium belizianum Galium bellatulum Galium bermudense Galium bifolium Galium bigeminum Galium binifolium Galium blinii : Sie gedeiht in Höhenlagen von 800 bis 3000 Metern in den chinesischen Provinzen Guizhou, Hubei, Shaanxi, Sichuan, Yunnan und in Tibet. Galium boissierianum Galium bolanderi Nordisches Labkraut (Galium boreale ) Galium boreoaethiopicum Galium bornmuelleri Galium bourgaeanum Galium boyacanum Galium brachyphyllum Galium bracteatum Galium bredasdorpense Galium brenanii Galium brevifolium Galium breviramosum Galium brockmannii Galium broterianum Galium brunneum Galium bryoides Galium buchtienii Galium ×buekkense (= Galium abaujense × Galium vernum): Sie kommt nur in Ungarn vor. Galium bullatum Galium bulliforme Galium bungei Galium bungoniense Galium buschiorum Galium bussei Galium buxifolium Galium cajamarcense Galium californicum Galium caminianum Galium campanelliferum Galium campylotrichum Galium canescens Galium cankiriense Galium canum : Es gibt seit 2010 vier Unterarten: Galium canum subsp. antalyense : Sie kommt in der südlichen Türkei vor. Galium canum subsp. canum: Sie kommt von der Türkei bis ins westliche Syrien, in Zypern, in Saudi-Arabien und im nördlichen Ägypten vor. Galium canum subsp. ovatum : Sie kommt von Kreta bis zur südwestlichen Türkei und in Israel vor. Galium canum subsp. ulukislaense Yıld.: Sie wurde 2010 aus der Türkei erstbeschrieben. Galium capense : Es gibt drei Unterarten. Galium capitatum Galium cappadocicum Galium caprarium Galium capreum Galium carmenicola Galium ×carmineum (= Galium anisophyllon × Galium pumilum × Galium rubrum): Sie kommt nur in den Südalpen vor. Galium carterae Galium caspicum Galium cassium Galium catalinense Galium ×centroniae (= Galium pumilum × Galium rubrum): Sie kommt in den Alpen vor. Galium ceratoamanianum Galium ceratocarpon Galium ceratophylloides Galium ceratopodum Galium cespitosum Galium chaetopodum Galium chekiangense : Sie gedeiht in tiefergelegenen Bergwäldern in Höhenlagen von etwa 1400 Metern in den chinesischen Provinzen Fujian sowie Zhejiang. Galium chloroionanthum Galium chloroleucum Galium ciliare Galium cilicicum Galium cinereum Galium circae Galium circaezans Galium clausonis Galium clementis Galium cliftonsmithii Galium collomiae Galium coloradoense Galium comberi Galium cometerhizon Galium compactum Galium concatenatum Galium concinnum Galium confertum Galium conforme Galium consanguineum Galium coriaceum Galium cornigerum Galium coronadoense Galium correllii Galium corsicum Galium corymbosum Galium cossonianum Galium cotinoides Galium cracoviense