Martinair ist eine niederländische Frachtfluggesellschaft mit Sitz in Amsterdam und Basis auf dem Flughafen Amsterdam Schiphol. Sie ist eine Tochtergesellschaft der Air France-KLM und führte bis Oktober 2011 auch Passagierflüge durch.
Geschichte mini|de Havilland Dove der Martin’s Air Charter Anfang der 1960er-Jahre mini|Douglas DC-9-30 der Martinair im Jahr 1973
Eigenständige Entwicklung von 1958 bis 2008 Die heutige Martinair wurde 1958 vom ehemaligen niederländischen Luftwaffenpiloten Martin Schröder unter dem Namen Martin’s Air Charter, kurz MAC, gegründet. Seit den ersten Flügen mit Douglas DC-3 wurden Passagiere und Fracht befördert.
1966 wurde der Firmenname in Martinair Holland geändert, zwei Jahre später wurde mit einer Douglas DC-9 das erste Strahlflugzeug in die Flotte aufgenommen. Die McDonnell Douglas DC-10 ergänzte als erstes Großraumflugzeug ab 1973 die Flotte mit vier Exemplaren in der CF-Version, die sich kurzfristig vom Passagier- zum Frachtflugzeug umrüsten ließ.
Jüngere Geschichte seit der Übernahme durch KLM mini|Boeing 767-300ER der Martinair bei der letzten Landung am 31. Oktober 2011 mini|McDonnell Douglas MD-11F der Martinair Cargo im Jahr 2011 Am 17. Dezember 2008 stimmte die Europäische Kommission nach Einleitung einer Untersuchung im September 2008 einer vollständigen Übernahme durch KLM zu, die 1999 bereits einmal an Kartellauflagen gescheitert war. Eigentümer der Anteile des Unternehmens waren zuvor Air France und KLM mit zusammen 50 % sowie die dänische Unternehmensgruppe A. P. Møller-Mærsk mit ebenfalls 50 %.
Martinair selbst hielt eine Mehrheitsbeteiligung (58 %) an der kolumbianischen Tampa Cargo, welche 2008 an Avianca verkauft wurde. Der Flugzeugessen-Caterer Marfo (von Martinair Food) wurde ebenfalls 2008 veräußert. Heute gehört noch die Flugschule Martinair Vliegschool zum Unternehmen. (niederländisch), abgerufen am 13. Februar 2011
Ebenfalls 2008 feierte Martinair ihr fünfzigjähriges Bestehen unter anderem mit der Retrobemalung einer Boeing 767-300ER (Luftfahrzeugkennzeichen PH-MCL).
Im September 2010 wurde bekannt gegeben, dass Martinair zum Beginn des Winterflugplans 2011/2012 ab dem 1. November 2011 keine Passagierflüge mehr durchführen und sich auf das Frachtgeschäft konzentrieren sollte. Die Ziele der Passagierflüge wurden teilweise durch die Muttergesellschaft KLM übernommen.
Im November 2010 wurde Martinair zusammen mit zehn weiteren Fluggesellschaften wegen illegaler Preisabsprachen im Frachtgeschäft durch die Europäische Kommission zu einer Strafzahlung von 29,5 Millionen US-Dollar verurteilt.The New York Times – E.U. Fines 11 Airlines Over $1 Billion in Cargo Cartel (englisch), abgerufen am 10. November 2010.
Am 31. Oktober 2011 wurde mit einem Rundflug über die Niederlande der Passagierbetrieb eingestellt. Die genutzte Boeing 767-300ER, die seit 2008 eine Retrobemalung trug, wurde hierfür mit den Schriftzügen „Bedankt!“ und „Thank You!“ versehen. Anschließend wurden die drei bisher für Passagierflüge eingesetzten 767-300ER ausgeflottet.
Im Zuge einer Restrukturierung durch Air France-KLM wurden alle McDonnell Douglas MD-11F bis Juli 2016 ersatzlos ausgeflottet, dabei fielen etwa 330 Stellen weg.ch-aviation – Martinair to phase out MD-11(F)s by June 2016; 330 jobs at stake (englisch), abgerufen am 19. März 2015
Flugziele Die Flugziele waren bis 2008 je nach Saison besonders die Karibik bzw. Asien.
Heute führt Martinair Frachtflüge zu zahlreichen Zielen in Afrika, Mittel- und Südamerika sowie Europa durch. (englisch), abgerufen am 21. Juni 2017
Flotte Aktuelle Flotte Mit Stand November 2025 besteht die Flotte der Martinair aus vier Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 25,7 Jahren:
Flugzeugtyp Anzahl bestellt Anmerkungen Kapazität(in t) Durchschnittsalter Airbus A350-1000F 4 ersetzen die 747-400F 109 Boeing 747-400BCF 1 113,5 25,7 Jahre Boeing 747-400ERF 3 betrieben unter der Marke KLM Cargo Gesamt 4 4 25,7 Jahre
Zuvor eingesetzte Flugzeugtypen mini|Douglas DC-3 der Martin’s Air Charter, 1961 mini|Convair CV-640 der Martinair, 1968 mini|Airbus A310-200 der Martinair, 1991
In der Vergangenheit setzte Martin’s Air Charter/Martinair unter anderem folgende Flugzeugtypen ein:Ulrich Klee, Frank Bucher et al.: jp airline-fleets international. Zürich-Airport 1967 bis 2007.Ulrich Klee, Frank Bucher et al.: jp airline-fleets international. Sutton, UK, 2008 bis 2013.planespotters.net – Martinair Holland Fleet Details and History (englisch), abgerufen am 21. Juni 2017
Airbus A310-200 Airbus A320-200 Boeing 737-800 Boeing 747-200/300M Boeing 747-400ERF Boeing 747-400FSCD Boeing 757-200 Boeing 767-300ER Convair CV-440 Convair CV-640 De Havilland DH.104 Dove De Havilland DH.114 Heron Dornier 228 Douglas DC-3/C-47 Douglas DC-4 Douglas DC-6 Douglas DC-7 Douglas DC-8-30/50 Douglas DC-9-30 Embraer EMB 120 Fokker F28-1000 Fokker 70 Lockheed L-188C Electra McDonnell Douglas DC-10-30 McDonnell Douglas MD-11 McDonnell Douglas MD-82
Zwischenfälle Martinair verzeichnet in ihrer Geschichte zwei Unfälle mit Todesopfern:
Am 4. Dezember 1974 kollidierte eine Douglas DC-8-55 (Luftfahrzeugkennzeichen PH-MBH) beim Anflug auf Colombo mit einem Berg. Dabei kamen 191 Personen ums Leben – 182 indonesische Passagiere sowie 9 niederländische Crewmitglieder (siehe auch Martinair-Flug 138). Am 21. Dezember 1992 verunglückte eine McDonnell Douglas DC-10-30 (PH-MBN) bei der Landung auf dem Flughafen Faro in Portugal. Die Maschine zerbrach in zwei Teile und ging in Flammen auf. Gründe für das Unglück, bei dem 56 Menschen starben, waren schlechte Wetterbedingungen und menschliches Versagen (siehe auch Martinair-Flug 495).
Siehe auch Liste von Fluggesellschaften
Weblinks
Webpräsenz der Martinair (niederländisch, englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Fluggesellschaft (Niederlande) Kategorie:Frachtfluggesellschaft Kategorie:KLM Royal Dutch Airlines Kategorie:Unternehmensgründung 1958