mini|300px|Garagenanlage Erftstraße 9–11 in Düsseldorf-Unterbilk, erbaut 1953–1956 Die Architektur der 1950er Jahre in Düsseldorf wurde durch zwei Strömungen – die traditionelle und die moderne – bestimmt. Mitgewirkt hatten dabei namhafte Architekten.
Geschichte Stadtplanung 1930er Jahre Die nationalsozialistische Planung sah Düsseldorf als eine Gauhauptstadt vor. Heimeshoff verurteilt die Stadtplanung der 1930er Jahre: „Diese Planung sah einen weitestgehenden Abbruch der Altstadt zugunsten eines gigantischen Verwaltungszentrums vor, ferner die Anlage einer Nord-Süd-Achse unter Einbeziehung der Königsallee und einer Ost-West-Achse in Verlängerung der Luegallee über die Oberkasseler Brücke. Schnittpunkt der Achsen wäre der Hofgarten gewesen, der fast völlig verschwunden wäre. Die Identität der alten Residenzstadt wäre vollständig vernichtet worden. Die Befreiung vom Nationalsozialismus, so teuer sie die Stadt letztendlich auch zu stehen kam, hat Düsseldorf eine historische Kontinuität im Stadtbild bewahrt.“
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Stadtplanung in den 1950er Jahren 1945 waren von 176.000 Wohnungen 92.000 zerstört. Bei Kriegsbeginn wohnten in Düsseldorf noch 540.000 Bürger, nach dem Krieg 235.000 Menschen. Von 1945 bis 1954 wurden 250.000 Wohnungen gebaut. Die Bautätigkeit nach dem Krieg wurde durch ein Baulenkungsgesetz und eine Bausperre (18. Februar 1948 bis 31. Juli 1950) kontrolliert. Danach wurde das Stadtgebiet neu geordnet. Die Stadtplanung der Nachkriegszeit wurde durch verschiedene Gesetze geregelt. So die Neuordnungverfügung vom 2. Dezember 1940 und die Ergänzungsverordnung vom 14. Juli 1942; darauf basierend die Verordnung über vorläufige Neuordnungsmaßnahmen des Wiederaufbauministers von Nordrhein-Westfalen vom 29. Mai 1947.
Als Neuordnungsgebiet wurden 1950 in der Innenstadt nur 800 ha ausgewiesen; das Stadtgebiet umfasste zu diesem Zeitpunkt 16.000 ha. Weitere Neuordnungsgebiete wurden an der Bergischen Landstraße und in Oberkassel benannt. Die Bergische Landstraße sollte als wichtige Ost-West-Verbindung auf neuer Trasse ausgebaut werden. Die Innenstadt erhielt eine neue verkehrliche Ordnung, so die Berliner Allee und die Immermannstraße.
Architektenstreit Die erste Strömung war von Architekten wie Heinrich Rosskotten, Paul Bonatz, Emil Fahrenkamp, Wilhelm Kreis, Konstanty Gutschow, Hanns Dustmann, Rudolf Wolters und Arno Breker als Vertreter der Stuttgarter Schule geprägt. Diesen war eine Stadtplanung zu verdanken, die wünschte „strikter auf eine gewissen Einheitlichkeit des Stadtbildes zu achten und damit auf Vermittlung zwischen dem vorhandenen und den Neuplanungen“ zu setzen. Diese zeigen sich in der Altstadt, wo „heimatschützende Anpassung gewollt“ war. Eine zentrale Rolle spielten dabei die beiden Studienfreunde Tamms und Hentrich: Friedrich Tamms als Leiter des Stadtplanungsamtes und Wettbewerbsrichter und Helmut Hentrich als Architekt und Wettbewerbssieger. Hentrich erbaute 1951 das Haus Weber, das beispielhaft für die Heimatstilbauten ist, die nach 1950 im Stadtviertel Kalkum gebaut wurden. Heinrich zeichnete sich anfangs auch noch durch neuklassischen Entwürfe aus. Neuklassische Bauten mit Lochrasterfassaden aus Travertin und Muschelkalk sind die Industriebank von Rudolf Wolters und die Kreissparkasse von Hanns Dustmann. Dustmann war 1952 nach Düsseldorf übergesiedelt, wo er bei zahlreichen Schul- und Wohnbauten zunächst die Heimatschutzarchitektur weiterführte; bei Verwaltungsbauten und Banken vertrat er den Stil der gemäßigten Moderne mit „vereinzelte[m] Wiederaufgreifen von NS-Repräsentationsformen“. Julius Schulte-Frohlinde wurde auf Betreiben Tamms’ zum Leiter des Hochbauamtes berufen, der die Rekonstruktion des Opernhauses leitete, wofür er seinen Lehrer Paul Bonatz als Berater hinzuziehen konnte. Auch bei seinen Schulbauten verblieb er beim traditionell klassischen Stil, wobei er sich etwas der Moderne annäherte. Das Hotel Breidenbacher HofJürgen Wiener: Einführung in die Architekturgeschichte Düsseldorfs. In: Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf, Dietrich Reimer Verlag, 1. Auflage, Berlin 2001 wurde von Emil Fahrenkamp 1946–1948 im klassischen Stil wiederaufgebaut.
Die zweite Strömung war durch die „radikaleren Modernisten“ geprägt. Deren Vertreter waren Paul Schneider-Esleben, Bernhard Pfau, Hans Schwippert und Josef Lehmbrock. Sie gehörten dem Architektenring Düsseldorf an, die Kritik an der (post)nationalsozialistischen Stadtplanung formuliert hatten. Gegen Tamms’ Widerstand wurden Pfaus Haus der Glasindustrie und Schneider-Eslebens Hanielgarage und Mannesmann-Hochhaus erbaut. Hentrich, der mit neuklassischen Entwürfen begonnen hatte, schwenkte später auf die Linie Pfaus und Schneider-Eslebens ein.Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf, Dietrich Reimer Verlag, 1. Auflage, Berlin 2001, S. 198 [Historisches Register].20. Jahrhundert … Bauten der 40er und 50er Jahre 4, 5, 22, 34, 49, 51, 52, 55, 56, 60, 61, 72, 76, 85, 88, 90, 102, 124, 127, 141, 145, 148, 153, 165, 168, 170, 173, 178, 183, 186, 188, 200, 209, 210, 215, 224, 235, 245, 251, 253, 258, 259, 268.
Der Eigenheimbau Die Architektur entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg „überwiegend als Fortsetzung der Gestaltungsweisen aus der Zeit vor dem Krieg […], wobei im allgemeinen auf die Verwendung symbolträchtiger Zierformen verzichtet wurde.“ Heimeshoff beschreibt die Architektur der 1950er Jahre im Eigenheimbau als Fortsetzung des Heimatstils aus der Vorkriegszeit: „Die Masse der Häuser vor allem im Wohnhausbau macht deutlich, daß die Architektur der Vorkriegszeit nicht überwunden war. Die Bauherren kleiner Wohnhäuser und Villen knüpften mit ihrem Geschmack an bewährte, konservative Formen an; Experimente waren kaum gefragt.“ Auch C. Hackelsberger folgt dieser Ansicht: „Es gab für den deutschen Normalbürger – Normalarchitekten keinen triftigen Grund, architektonische Erscheinungen, die er gestern bewundert hatte […] nicht weiter für gelungen und angemessen zu halten.“ (C. Hackelsberger, 1985)
Holzfertighaus, Max-Planck-Straße 7 (1947, Heinrich Ruckteschler) Das Gebäude war ein Typenhaus der Bayerischen Hallenbau GmbH, das unter der Bauleitung des Architekten Heinrich Ruckteschler erbaut wurde. Es wurde im Heimatstil erbaut: Das Holzfertighaus zeigt die gängigen Merkmale heimattümelnder Architektur, wie sie bei der überwiegenden Zahl der Siedlungsprojekte der zwanziger und dreißiger Jahre auftreten. mini|Leuchtenberger Kirchweg 47 Fachwerkhaus, Leuchtenberger Kirchweg Nr. 47 (R. Hogrefe). In den frühen 1950er Jahren erbaute der Bonn-Bad Godesberger Architekt Ralph (?) Hogrefe ein „eher ungewöhnliches Beispiel für die Architektur der frühen fünfziger Jahre. Es entstand ein Fachwerkhaus mit Nebengebäude. Das Gutachterkollegium der Stadt hatte trotz des Kontrastes des Fachwerks mit der umgebenden Bebauung keine Bedenken gegen die Erteilung der Baugenehmigung. Diese Gestaltungsweise blieb jedoch die Ausnahme.“ MAN-Stahlhaus, Kreuzbergstraße 97, Düsseldorf-Kaiserswerth (1952, MAN-Werk Ginsheim-Gustavsburg)Ein Haus aus Stahl rponline.de vom 8. Februar 2016 mini|Reichswaldallee 31MAN-Stahlhaus, Reichswaldallee 31, Düsseldorf-Rath (1952, MAN-Werk Ginsheim-Gustavsburg): Neben den Holz- und Mauerwerksbauten wurden auch Stahlhäuser erbaut. Die Breite des Stahlhauses wurde durch die Zulassungsurkunde auf 8 m festgelegt. Länge und Grundrissgestaltung waren jedoch flexibel. So konnte das Haus auch durch seitliche Anbauten verbreitert werden. Technisch war das Haus gut ausgestattet: „Die Stahlfertigteile wurden miteinander verschraubt. Die Wasserleitungen werden durch eine vorgefertigte Installationswand geführt. Die gegen Korrosion geschützten Stahlwände erhielten auf der Außenseite einen Ölfarbensanstrich.“ mini|Beckbuschstraße 15 Beckbuschstraße 16, Düsseldorf-Stockum (Helmut Rhode): Das Haus wurde im Heimatstil der 1930er Jahre erbaut. Es unterscheidet sich von den älteren Bauten dadurch, dass eine Verbindung zum Garten geschaffen wird. So gehört das Gebäude zu den nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen vielen Wohnhäusern, die „auf den ersten Blick an die Bauten der ehemaligen Schlageter-Stadt von 1937 erinnern: klare, nüchteren Baukörper mit zurückhaltenden Gestaltungsvarianten an den Öffnungen, geschlämmtes Mauerwerk. Anders als bei den Häusern der dreißiger Jahre ist jedoch ihr Verhältnis zum umgebenden Garten bestimmt [wo] durch große Öffnungen und die Zwischenschaltung eines gedeckten Sitzplatzes eine Verbindung zwischen Haus und Garten angestrebt wird.“ mini|Holbeinstraße 18 Holbeinstraße 18 (1958, Helmut Rhode): Das Gebäude zeichnet sich durch seinen Stil der neuen Sachlichkeit aus. Bemerkenswert auch die Grundrissgestaltung, die dem kombinierten Wohn-Ess-Raum eine große Fläche zuweist: „Mauerwerksbau in eher konventioneller Gestaltungsweise der fünfziger Jahre. Die sachliche Formensprache hat sich von den Einflüssen, die man gemeinhin dem ‚Heimatstil‘ zuordnen könnte, gelöst. Die Gartenseite ist bis auf schmale Stützen völlig verglast. Auffällig ist bei der Grundrißgestaltung der enorme Raumbedarf für den kombinierten Wohn-Eß-Raum. Er nimmt etwa die Hälfte der Grundrißfläche des Erdgeschosses ein. Küche und Kinderzimmer wirken dagegen wie kleine Kammern. Dieses Verhältnis zeigt sich bei allen Bauten dieses Typs, die hier behandelt werden.“ Heinrichstraße 12 (Joachim Neiser) Niederrheinstraße 327 (Joachim Neiser) mini|Freytagstraße 4 Freytagstraße 4, Düsseltal (1954, Walter Brune): Es zeichnet sich durch eine plastische Gliederung der Fassade aus. Bemerkenswert ist die mittlere gerahmte Fassadenzone. Diese entsteht durch eine Rahmung der Fassade durch überstehende Schmalseiten und Gesimse: „Wie beim Haus Heinrichstraße 12 fällt auch beim Gebäude Freytagstraße 4 (Düsseltal) von Walter Brune die Rahmung der Wandflächen durch überstehende Schmalseiten und Gesimse auf. Die hierdurch bewirkte großformatige Volumengliederung in Verbindung mit den unterschiedlichen Helligkeitswerten in der Fassade lassen die Gliederung des 1954 fertiggestellten Gebäudes betont plastisch erscheinen. Durch das Zurücktreten des Fensterbandes am zweiten Obergeschoß und das Zurückspringen des Einganges erhält die mittlere, gerahmte Fassadenzone erhebliches Gewicht: Farb- und Materialverschiedenheit tun ein übriges.“ Am Bauenhaus 49, Rath (1954, Walter Brune): Das denkmalgeschützte Haus zeigt eine Verbindung von Innenarchitektur und Gartenanlage: „Brunes großzügiges Wohnhaus Am Bauenhaus 49 zeichnet sich durch eine große Leichtigkeit und Transparenz aus. Das Haus wurde 1954 in eine Parksituation hinein entworfen. Qualitätvoll gestalteter Innenraum und Parkanlage stehen in Wechselbeziehung zueinander.“ Leo-Statz-Straße 14 (Hans Schwippert) Kaiser-Friedrich-Ring 94 (Bernhard Pfau) An der alten Mühle 5 (Helmut Hentrich) Stephanienstraße 26 (Bernhard Pfau)
Der Geschosswohnungsbau Aus den 1930er Jahren blieb kaum etwas vom Wohnungsbau übrig, aus den 1920er Jahren waren jedoch viele Wohnungen erhalten geblieben, die auf genossenschaftliche oder städtische Bautätigkeit zurückführten. So wurde wieder an Organisationsformen der 1920er Jahre angeknüpft, indem Gemeinschaftswaschküchen im Haus oder Waschhäuser geplant wurden. Der Wohnungsbau der Nachkriegszeit war für die Millionen von Flüchtlingen und als Ersatz für das Drittel des Wohnungsbestandes gedacht, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die Gebäude haben verschiedene Gestaltungsmerkmale, wie Raster, Farbe, Lichtführung, Grundrissgestaltung und Erschließung.
Raster
Bonner Straße 18 und 20 (1952, Walter Köngeter/E. Petersen):Die beiden Häuser zeichnen sich durch ihre rasterhafte, traditionelle Fassadengestaltung auf der Rückseite aus, die an Fachwerkarchitektur erinnern soll: „Die Rückseite der Gebäude sind schlicht gerastert. Leben erhält die Struktur durch Farbwechsel, Klappläden und Reminiszenzen der Fachwerkarchitektur.“