Der Große Preis von Italien 1972 (offiziell 43º Gran Premio d’Italia) fand am 10. September auf dem Autodromo Nazionale di Monza in Monza statt und war das zehnte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1972.
Berichte Hintergrund Aus Sicherheitsgründen hatte man die Rennstrecke von Monza mit zwei Schikanen modifiziert. Die Windschattenduelle bei Höchstgeschwindigkeit, die in den Vorjahren dort stets stattgefunden hatten, gehörten somit der Vergangenheit an. Stattdessen wurden die Bremsen aufgrund der veränderten Streckencharakteristik nun deutlich stärker als zuvor auf dieser Strecke belastet.
Bei Lotus befürchtete man in Italien nach wie vor gerichtliche Konsequenzen wegen des tödlichen Unfalls von Jochen Rindt im Jahr 1970 und trat dort deshalb, wie bereits im Vorjahr, nicht als offizielles Werksteam an. Stattdessen wurde ein Fahrzeug für Emerson Fittipaldi, der die Chance hatte, sich an diesem Wochenende den WM-Titel zu sichern, unter dem Teamnamen „World Wide Racing“ gemeldet. Emerson Fittipaldi führte mit 25 Punkten vor Jackie Stewart und Denis Hulme die Fahrerwertung an. In der Konstrukteurswertung führte Lotus mit 17 Punkten vor McLaren und mit 19 Punkten vor Tyrrell.
Mario Andretti stand als dritter Fahrer für Ferrari zur Verfügung. Das Team Surtees wurde auf vier Wagen aufgestockt, da sich Teamgründer John Surtees dazu entschloss, neben den drei Stammfahrern Tim Schenken, Mike Hailwood und Andrea de Adamich zu dem Rennen anzutreten. Es stellte sich heraus, dass dies sein letzter Grand-Prix-Start werden sollte. B.R.M. brachte ebenfalls, wie bereits mehrfach in der ersten Hälfte der Saison, vier Werkswagen an den Start. Bei Tecno wurden erstmals zwei Fahrzeuge gemeldet. Pilotiert wurden sie von Nanni Galli und Derek Bell, die sich zuvor in unregelmäßigen Abständen im Cockpit des einzigen Tecno abgewechselt hatten.
Mit Stewart, Surtees (jeweils zweimal), Peter Gethin, Graham Hill, Hulme und Clay Regazzoni (jeweils einmal) traten sechs ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.
Training Die erste Startreihe wurde aus zwei Fahrzeugen mit Zwölfzylinder-Motoren gebildet, nämlich dem Ferrari 312B2 von Jacky Ickx und dem Matra MS120D von Chris Amon. Dahinter qualifizierten sich Stewart, Regazzoni, Hulme und Emerson Fittipaldi.
Henri Pescarolo und Bell verfehlten die Qualifikation für das auf 25 Fahrzeuge limitierte Starterfeld.
Rennen Das Rennen begann im Moment des Fallens der Startflagge mit einer Schrecksekunde für Stewart, der aufgrund eines Kupplungsschadens nicht losfahren konnte. Da er auf dem dritten Startplatz stand, musste er befürchten, von einem der zahlreichen hinter ihm startenden Kollegen gerammt zu werden. Es gelang jedoch allen Fahrern, dem Hindernis reflexartig auszuweichen.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 165–167
Ickx setzte seine Pole-Position in eine Führung um. Es folgte sein Teamkollege Regazzoni vor Emerson Fittipaldi und dem dritten Ferrari von Andretti. Amon befand sich nach einem schlechten Start auf dem fünften Rang. Da die früher in Monza üblichen Windschattenduelle nicht mehr möglich waren, blieb die Reihenfolge der Fahrer in der Spitzengruppe recht lange konstant. Lediglich Amon gelang es, in den ersten Runden Andretti zu überholen.
Die beiden Ferrari von Ickx und Regazzoni setzten sich an der Spitze etwas vom Rest des Feldes ab. Durch eine kurze Unachtsamkeit verlor Ickx in Runde 14 die Führung an seinen Teamkollegen. Dieser kollidierte drei Runden später mit dem Nachzügler Carlos Pace, der sich in einer der Schikanen gedreht hatte und dort als Hindernis auf der Strecke stand. Sowohl für Regazzoni als auch für Pace war das Rennen dadurch beendet, sodass Ickx wieder die Führung übernahm. Emerson Fittipaldi, Amon und Hailwood folgten in Reichweite.
Nachdem Hailwood wegen des Verlustes seiner Airbox zurückgefallen und Amon wegen einer defekten Bremsanlage ausgefallen war, blieb ein Duell um die Spitzenposition zwischen Ickx und Emerson Fittipaldi. Neun Runden vor Schluss musste der Führende wegen eines Problems mit der Batterie aufgeben und Emerson Fittipaldi den Sieg überlassen. Hailwood erreichte trotz seines Defektes den zweiten Rang vor Hulme.
Es war der letzte Grand-Prix-Sieg für den Reifenhersteller Firestone. Trotz zwei noch ausstehender Rennen war Lotus in der Konstrukteurs-Wertung nun nicht mehr einzuholen. Zudem stand Emerson Fittipaldi im Alter von 25 Jahren als bis dato jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte fest. Diese Bestmarke blieb bestehen, bis Fernando Alonso im Jahr 2005 den Titel im Alter von 24 Jahren gewann.
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Tyrrell 005 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 1T Tyrrell 004Der Tyrrell 004 mit der Startnummer 1T stand sowohl Stewart als auch Cevert als T-Car zur Verfügung, kam jedoch nicht zum Einsatz. 2 Tyrrell 002 3 Ferrari 312B2 Ferrari 001/1 3.0 F12 4 5 6 Lotus 72D Ford Cosworth DFV 3.0 V8 7 Surtees TS14 8 Surtees TS9B 9 10 11 Tecno PA123/3 Tecno Series-P 3.0 F12 12 14 McLaren M19C Ford Cosworth DFV 3.0 V8 14T McLaren M19ADer McLaren M19A mit der Startnummer 14T stand sowohl Hulme als auch Revson als T-Car zur Verfügung, kam jedoch nicht zum Einsatz. 15 McLaren M19C Clarke-Mordaunt-Guthrie Racing 16 March 721G 18 19 20 Matra MS120D Matra MS72 3.0 V12 20T Matra MS120CDer Matra MS120C mit der Startnummer 20T stand Amon als T-Car zur Verfügung, kam jedoch nicht zum Einsatz. 21 BRM P180 BRM P142 3.0 V12 22 BRM P160C 23 24 25 March 721 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 26 March 711 28 Brabham BT37 29 Brabham BT34 30 Brabham BT37 Anmerkungen
Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:35,65 217,355 km/h 1 2 1:35,69 217,264 km/h 2 3 1:35,79 217,037 km/h 3 4 1:35,83 216,947 km/h 4 5 1:35,97 216,630 km/h 5 6 1:36,29 215,910 km/h 6 7 1:36,32 215,843 km/h 7 8 1:36,42 215,619 km/h 8 9 1:36,50 215,440 km/h 9 10 1:36,68 215,039 km/h 10 11 1:37,12 214,065 km/h 11 12 1:37,21 213,867 km/h 12 13 1:37,61 212,990 km/h 13 14 1:37,79 212,598 km/h 14 15 1:37,82 212,533 km/h 15 16 1:37,86 212,446 km/h 16 17 1:37,91 212,338 km/h 17 18 1:37,98 212,186 km/h 18 19 1:38,31 211,474 km/h 19 20 1:38,52 211,023 km/h 20 21 1:38,60 210,852 km/h 21 22 1:38,61 210,831 km/h 22 23 1:38,64 210,766 km/h 23 24 1:38,70 210,638 km/h 24 25 1:39,73 208,463 km/h 25 DNQ Pescarolo und Bell scheiterten an der Qualifikation, da das Teilnehmerfeld auf 25 Wagen begrenzt war. 1:40,21 207,464 km/h – DNQ 1:42,07 203,684 km/h – Anmerkungen
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 55 0 1:29:58,4 6 1:36,6 2 55 0 + 14,5 9 1:37,2 3 55 0 + 23,8 51:37,0 4 55 0 + 35,7 8 1:37,2 5 55 0 + 1:05,6 13 6 55 0 + 1:21,9 12 7 54 1 + 1 Runde 7 1:37,1 8 54 0 + 1 Runde 16 9 54 1 + 1 Runde 24 10 54 0 + 1 Runde 25 1:37,3 11 52 1 + 3 Runden 171:37,4 12 51 1 + 4 Runden 10 1:37,2 13 50 1 + 5 Runden 20 – 46 0 DNF 1 1:36,3 (44.) – 38 0 DNF 21:37,0 – 33 1 DNF 21 – 20 0 DNF 19 – 20 0 DNF 22 – 20 0 DNF 15 – 16 0 DNF 4 – 15 0 DNF 18 – 14 0 DNF 11 – 14 0 DNF 14 – 6 0 DNF 23 – 0 0 DNF 3–
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). In der Konstrukteurswertung zählten dabei nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams.
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Lotus-Ford 61 2 McLaren-Ford 313 Tyrrell-Ford274 Ferrari 255 McLaren-Ford 176 Surtees-Ford137 Ferrari 138 Matra 119 B.R.M. 910 March-Ford 911 Tyrrell-Ford 912 Brabham-Ford 413 McLaren-Ford 414 B.R.M.415 Surtees-Ford 316 Ferrari 317 March-Ford 318 Surtees-Ford 219 B.R.M. 1 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte20 Ferrari 121 Brabham-Ford 022 Brabham-Ford 023 March-Ford 024 B.R.M. 025 March-Ford 026 March-Ford 027 Lotus-Ford 028 Eiffelland-Ford 029 B.R.M. 030 Surtees-Ford 031 Ferrari / Tecno 0– B.R.M. 0– Lotus-Ford 0– Tyrrell-Ford 0– Tecno 0– Connew-Ford 0– Surtees-Ford 0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 612 393 334 295 186 14 Pos. Konstrukteur Punkte7 128 119 410 0– 0– 0 Weblinks
Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1
Einzelnachweise
#1972 Italien Kategorie:Sportveranstaltung in Monza Kategorie:Autodromo Nazionale di Monza