mini|hochkant=1.5|Die naturräumliche Lage des Teltow
Der Begriff Teltow [] bezeichnet heute sowohl eine geologische Hochfläche als auch eine historische Landschaft in den Bundesländern Brandenburg und Berlin. Als historische Landschaft war der Teltow eines der acht Gebiete, aus denen im 12. und 13. Jahrhundert die Mark Brandenburg entstand. Durch den Teltow-Krieg (1239–1245) entschied sich hier endgültig die Herrschaftsfrage auf dem neu entstandenen Kerngebiet der expandierenden Mark. Zwischen 1816 und 1952 existierte ein Landkreis Teltow, zudem trägt eine direkt südlich von Berlin, im heutigen Landkreis Potsdam-Mittelmark gelegene Stadt den Namen Teltow.
Geografie und Geologie
Abgrenzung Der Teltow ist weder in geschichtlicher noch in landschaftlicher Hinsicht ein einheitliches Gebiet. Der heute gängige Begriff ist über eine eiszeitliche Hochfläche definiert, die meist aus Grundmoränenflächen besteht. Ihre natürlichen Grenzen sind die Flussläufe der Dahme im Osten, der Spree im Norden und der Havel und Nuthe im Westen. Im Südwesten wird, allerdings ohne feste Begrenzung, die Landschaft um das Pfefferfließ ebenfalls dem Teltow zugerechnet. Die landschaftliche Grenze im Süden ist unscharf, da die Grundmoränenfläche dort oft von Urstromtalungen erodiert wurde. So existieren dort zahlreiche kleine Hochflächeninseln. Als kulturlandschaftliche Grenze wird allgemein das Baruther Urstromtal angenommen. Weiter im Süden schließt sich der Fläming an.
Die Havel trennt den Teltow von der nordwestlich gelegenen Nauener Platte. Die Nuthe-Nieplitz-Niederung, eine Urstromtalung, trennt ihn von der Sanderhochfläche der Zauche im Südwesten und das Berliner Urstromtal bildet die Grenze zum Barnim.
Es ist jedoch umstritten, ob die bis zu hohen Müggelberge im Südosten Berlins dem Teltow zuzuordnen sind. Hinsichtlich der geologischen Einordnung ist das bedingt richtig, da die Berge eine ähnliche Entwicklungsgeschichte haben. Allerdings liegen sie als Hochflächenrest völlig isoliert innerhalb des Berliner Urstromtals. Mit der Festlegung der Dahme als östlicher Begrenzung des Teltow werden die Müggelberge dem Teltow sowohl geologisch als auch kulturlandschaftlich nicht zugerechnet.
Geologie, Geomorphologie und Böden
Festgesteinsvorkommen Eine geologische Besonderheit stellt der 80 Meter hohe Sperenberger Gipsberg am Nordrand des Baruther Urstromtales dar. Dort steht, einmalig für Brandenburg, Gips an. Der Aufstieg von zechsteinzeitlichem Salz in einem Salzstock hat dort alle jüngeren Ablagerungen durchstoßen. Da alle leicht löslichen Salze bereits abgelaugt wurden, blieb an der Oberfläche der Gips als Lösungsrückstand übrig. Steinsalz befindet sich dort in lediglich 45 m Tiefe (etwa ). Der Gipsberg ist auch wissenschaftshistorisch von Interesse, da dort 1867 die weltweit erste Bohrung abgeteuft wurde, die mehr als 1000 m Tiefe erreichte. An ihr wurde, ebenfalls erstmals, der geothermische Gradient mit etwa 3 K/100 m bestimmt.
Der Sperenberger Gips wurde vom Mittelalter bis 1957 in mehreren Steinbrüchen abgebaut. Weitere Salzstöcke, die allerdings die Oberfläche nicht ganz erreicht haben, befinden sich unter Mittenwalde und dem Blankensee. Für den geologischen Bau des Teltow besitzen sie aber nur eine untergeordnete Bedeutung.
Saaleeiszeit Während die tief verschütteten Ablagerungen der Elstereiszeit für das heutige Aussehen des Teltow praktisch keine Bedeutung haben, besitzen die sandig-kiesigen Sedimente des sogenannten Berliner Elbelaufes im Untergrund eine großflächige Verbreitung. Diese Ablagerungen entstanden zwischen den elster- und saalezeitlichen Eisvorstößen, als die Elbe etwa vom heutigen Torgau aus nach Norden floss und den damals noch nicht existierenden Fläming querte. Als Grundwasserleiter und für die Baustoffversorgung besitzen sie große wirtschaftliche Bedeutung. Ihr einziger Aufschlusspunkt ist eine kleine Sandgrube am Lindenberg bei Jühnsdorf.
Darüber lagern die sehr mächtigen (40 Meter und mehr) Sedimente der Saaleeiszeit. Meistens handelt es sich dabei um Ablagerungen von Eisstauseen oder Geschiebemergel. An mehreren Stellen durchstoßen sie sogar die weichselzeitlichen Ablagerungen und stehen direkt oder zumindest sehr nahe an der Erdoberfläche an (zum Beispiel in Glienick bei Zossen). Da das saalezeitliche Eis die unterlagernden Ablagerungen kräftig gestaucht hat, finden sich vereinzelt auch tertiäre Ablagerungen in Oberflächennähe. So wurde in Schenkendorf bei Königs Wusterhausen in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Braunkohle abgebaut.
Weichselzeitliche und nacheiszeitliche Entwicklung mini|Geologische Übersichtskarte des Teltow
Die heutige Brandenburg-Berliner Hochfläche Teltow entstand vor rund 20.000 Jahren im Brandenburger Stadium der Weichseleiszeit. Das weichselzeitliche Inlandeis stieß noch komplett über den Teltow hinaus nach Süden vor und erreichte am Nordrand des Baruther Urstromtales seine maximale Ausdehnung nach Süden. Endmoränen finden sich dort zum Beispiel um Dobbrikow, in Luckenwalde (Weinberg) und bei Sperenberg. Allerdings ist der Endmoränenzug sehr lückenhaft und als Eisrandlage ausgebildet. Nördlich schließen sich Grundmoränenflächen an, die großflächig verschüttet wurden. Erst südlich von Ludwigsfelde beginnt das geschlossene Grundmoränenplateau des Teltow.
Die Ablagerungen der Weichseleiszeit sind auf dem Teltow relativ geringmächtig, der Geschiebemergel hat meist nur eine Dicke von zwei bis vier Metern. Vor allem im Westen des Teltow, im Grunewald und in der Parforceheide, sowie auf den kleinen Grundmoräneninseln südlich des geschlossenen Plateaus fehlt er großflächig. Dort stehen die darunter folgenden Sande aus der Vorstoßphase des weichselzeitlichen Eises mit wechselnder Schichtdicke an. Sie sind durchschnittlich 10–20 Meter mächtig. Im nordwestlichen Teil des Teltowplateaus, dem Grunewald, vereinzelt aber auch in den anderen Gebieten (zum Beispiel am Groß Machnower Weinberg), ist die Mächtigkeit der Vorschüttsande weitflächig deutlich größer. Dort hat das darüber vorstoßende Eis die Sande zum Teil gestaucht (gestört).
Für Fossiliensammler interessant ist der sogenannte Rixdorfer Horizont (nach Rixdorf, dem heutigen Neukölln). Er steht an der Basis der weichselzeitlichen Sedimente an, ist grobkörnig (Kiese und Gerölle) und enthält häufig Knochen eiszeitlicher Großsäuger, wie Mammut und Wollnashorn.
Mit dem Abschmelzen des jüngsten Eises entstand zunächst auf dem Teltow-Plateau eine tundrenähnliche Landschaft mit spärlichem Bewuchs und vom Wind aufgewehten Dünen. Erst mit der endgültigen Erwärmung am Ende der Eiszeit bildete sich ein geschlossener Wald heraus. Ohne Eingriffe des Menschen würde der Teltow mit Mischwäldern bewachsen sein, bei denen die Traubeneiche dominiert. Auf sandigen Flächen hingegen wird die Waldkiefer bevorzugt wachsen.
Oberflächenformen Das Teltowplateau besitzt eine typische Grundmoränenoberfläche. Sie ist flachwellig und recht seenarm. Die Höhe des Plateaus liegt zwischen 45 und . Der nordwestliche Teltow (mit dem Schäferberg) ragt darüber deutlich hinaus; er wird deswegen auch als Hoher Teltow bezeichnet. Vereinzelt finden sich auch in den anderen Gebieten isolierte Erhebungen bis zu mehr als 80 Meter Höhe, wie der Groß Machnower Weinberg.
Sowohl das geschlossene Plateau als auch die umliegenden Urstromtalungen sind von glazialen Rinnen zerschnitten. Sie bilden heute Seenketten, wie die des Selchower Sees, des Blankenfelder Sees und des Rangsdorfer Sees. Auf dem Plateau selbst stellt der Ludwigsfelder Pechpfuhl den Rest einer derartigen Rinne dar. Die Rinnen beleben die sonst nur wenig bewegte Landschaft merklich. Einige kleinere, eher isoliert liegende Stillgewässer gingen wahrscheinlich aus Toteisblöcken hervor.
mini|Blick über Jungfernsee und Havel bei Potsdam auf den Westrand des Teltow mit dem Schäferberg in Wannsee
Die größten Erhebungen hat die Hochfläche auf dem heutigen Berliner Stadtgebiet mit dem hohen Schäferberg in Wannsee und den hohen Havelbergen im Grunewald.
Böden Auf den weit verbreiteten Geschiebemergelflächen haben sich Lessivés entwickelt.Information zu den Bodengesellschaften gibt es auf den Internetseiten des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg. Sie gelten als fruchtbar. Meistens finden sich Übergangsformen zwischen der Fahlerde und der Braunerde, zum Teil auch Parabraunerden. Stauvernässung in Form von Pseudogleyen kommt nur untergeordnet vor. Auf den Schmelzwassersandflächen bildeten sich eher nährstoffarme Braunerden. Je nach Zusammensetzung des Sandes können die Braunerden entweder schwach lessiviert oder schwach podsoliert sein.
Die feuchten Niederungen und tief gelegenen Urstromtalungen werden von Gleyen und Niedermooren dominiert. Die Moore zeigen deutliche Vererdungserscheinungen als Folge der Entwässerung.
Große Verbreitung besitzen die anthropogenen (also vom Menschen erzeugten) Böden und Stadtböden. Man kann sie als junge Rohböden ansprechen. Es überwiegen Lockersyroseme und Pararendzinen. Vereinzelt finden sich auch Hortisole (Gartenböden), Regosole und Kolluvisole.
Klima Auf Grund seiner bescheidenen Relativhöhe besitzt der Teltow, im Gegensatz zum Fläming und zum Barnim, keine ausgeprägten Witterungsunterschiede gegenüber seinem Umland. Er liegt, wie seine Umgebung auch, im Übergangsbereich vom ozeanischen Klima Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas. Kältester Monat ist der Januar mit Durchschnittstemperaturen um −1 °C, wärmster der Juli mit ca. 18 °C. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt um 550 mm (Station Großbeeren: 555 mm/Jahr von 1951–1980)Daten aus M. Hendl: Das Klima des Norddeutschen Tieflandes. In: H. Liedtke, J. Marcinek (Hrsg.): Physische Geographie Deutschlands. Gotha 1994, ISBN 3-623-00840-0, 559 S. mit einem ausgeprägten Sommermaximum und Winterminimum. Der höher gelegene nordwestliche Teltow dürfte etwas besser mit Niederschlag versorgt werden.
Die nördliche Grenze des Teltow in Berlin mini|Blick vom Nordhang des Teltow, vom Kreuzberg über Berlin
Auch der Berliner Kreuzberg im gleichnamigen Ortsteil zählt geologisch zum Teltow. Östlich des Kreuzberges rollt man, geologisch betrachtet, den Nordhang des Teltower Plateaus hinunter in das Tal der Spree beziehungsweise in das Berliner Urstromtal, wenn man auf dem leicht abschüssigen Mehringdamm vom Platz der Luftbrücke zur Gneisenaustraße fährt. Auch die zwischen Columbiadamm und Hermannplatz sanft abfallende Neuköllner Hermannstraße liegt auf dem Teltow-Nordhang. Die Tempelhofer Feldmark wurde bis 1920 unterschieden in das Oberland auf dem Teltow und das Unterland im Urstromtal; erst mit der Gründung Groß-Berlins und der Eingliederung des Unterlandes in den neu gegründeten Bezirk Kreuzberg war die Unterscheidung hinfällig. Auch das ehemalige Gebiet des Tempelhofer Feldes mit dem ehemaligen Flughafen Tempelhof liegt auf dem Plateau. Die nordwestliche Kante des Teltow beginnt im Mündungsbereich der Spree in die Havel mit den Murellenbergen, verläuft entlang der Siedlung Ruhleben um den Murellenteich herum und weiter über die ehemalige Spandauer Spitze am Spandauer Bock und dem Ruhwaldpark zum Steilhang oberhalb der Mineralwasserquelle Fürstenbrunn. An dieser Stelle, südlich der heutigen Rohrdammbrücke, erreicht das Teltowplateau seine nördlichste Spitze und nähert sich der Spree bis auf wenige Meter an. Danach knickt das Teltownordband entlang des Schlossgartens Charlottenburg nach Südosten ab (→ siehe historische Karte Nordband des Teltow).
mini|Berlin und Kölln zur Zeit ihrer Begründung, etwa 1230