Der DKW Munga ist ein leichter allradangetriebener Geländewagen, den die Auto Union GmbH in Ingolstadt zwischen Oktober 1956 und Anfang Dezember 1968 in Serie baute. 46.750 Fahrzeuge verließen in drei Karosserievarianten das Werk; außerdem wurde eine große Anzahl von Teilesätzen produziert.MUNGA IG für Auto Bild 27/1995, Hamburgso auch in Clausewitz, das Magazin für Militärgeschichte Heft 1/2013 + dto. Ullrich Märker in Heft 1/2014 In der Literatur wird auch von ca. 55.000 Einheiten gesprochen; doch selbst unter Berücksichtigung der Fertigungszahlen für den in Brasilien produzierten Typ „Candango“ sind diese Zahlen überhöht.so beispielsweise Automobil und Motorrad, März 1985, BLV Verlag, München. Munga ist die Abkürzung für Mehrzweck-Universal-Geländewagen mit Allradantrieb.
Entwicklungsgeschichte Ausschreibung, Erprobung und Einführung Der von der Auto Union GmbH gefertigte, allgemein als „Munga“ und auch als DKW MUNGA bezeichnete Geländewagen gehört zu den deutschen Militärfahrzeugen in der sogenannten 0,25-Tonnen-Klasse.
Am 19. Januar 1953 bat die Dienststelle Koblenz unter Leitung von Staatssekretär Theodor Blank, dem späteren Verteidigungsminister, den Verband der Automobilindustrie um Informationen darüber, welche Unternehmen der Kraftfahrzeugindustrie interessiert und in der Lage seien, Fahrzeugtypen und Modelle für die Bundeswehr zu entwickeln und später gegebenenfalls zu fertigen.Ullrich Märker, aus Kfz Beschaffung für die neue Bundeswehr und weitere Dienststellen des Bundes, hier Schreiben der Abt. V, Bonn bzw. Koblenz 19. Januar 1953 Nach dieser Anfrage liefen in der Automobilindustrie verschiedene Projekte zur Entwicklung entsprechender Kraftfahrzeuge an.
Öffentliche Mittel für diese Aufgaben standen anfangs nicht zur Verfügung.Ullrich Märker, u. a. aus Ausschreibung der Dienststelle Blank, Koblenz 1953, Schriftwechsel VdA 1953, Stellungnahmen der beteiligten Fahrzeughersteller 1954–1956, zur Übernahme der Entwicklungskosten BMVg, Koblenz/Bonn September 1956. Unter anderem bestand der Wunsch, in der kleinen Gewichtsklasse (0,25 t) als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg benutzten geländegängigen Motorradgespanne mit Seitenwagenantrieb einen leichten, geländegängigen Kübelwagen zur Verfügung zu haben.What’s a MUNGA – das Oliv der ersten Generation, auf munga-ig.de Die Auto Union GmbH bewarb sich aufgrund der früheren Erfahrungen (Horch 901 mittlerer geländegängiger Einheits-Pkw) um das Projekt in dieser Nutzlastklasse, gefolgt von Borgward. Beide Hersteller warteten mit Zweitaktmotoren auf – der DKW mit einem Drei-, der Goliath Typ 31 von Borgward mit einem Zweizylinder. Ein Prototyp von Porsche kam später mit dem Typ 597 als Konkurrent hinzu.
Von Anfang an beschleunigte die Auto Union GmbH dieses Projekt, trieb die Entwicklung zügig voran und griff auf das vorhandene Material aus dem Pkw- bzw. Lieferwagenprogramm zurück. Bereits im September 1953 wurden die ersten Prototypen vorgestellt.Ullrich Märker, u. a. aus EVG Ausstellung vom 17. bis 19. September 1953, aus Verband der Automobilindustrie u. a.
In der weiteren Entwicklungsarbeit bis 1955 wurden die Testfahrzeuge verbessert und militärischen Wünschen angepasst.Ullrich Märker, u. a. 28. April 1955 ff. „Vereinheitlichung von Militärfahrzeugen“, dto. besondere Bedingungen des Bundesministers für Verteidigung für die Lieferung von Kfz, Ausgabe Januar 1956, dto. VTL 2805, dto. VTL-A-003, dto. Schanzzeug für Militärfahrzeuge aus VDA Mai 1956
Nachdem bereits ab September 1953 die ersten handgefertigten Muster vorgestellt worden waren und erste Vergleichsfahrten folgten,Ullrich Märker, u. a. aus The Story of Munga, What’s a MUNGA – das Oliv der ersten Generation begannen 1955 die umfangreichen öffentlichen vergleichenden Erprobungen der Testkandidaten bei der Bundesgrenzschutz-Schule in Lübeck.MUNGA IG: Die Lübecker Erprobungen 1955, Berichte der Grenzschutzschule Lübeck, Lübeck 1955 und 1956 Auf der IAA 1955 in Frankfurt wurde der Geländewagen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und von Ludwig Erhard begutachtet. Die Lackierung dieses Prototyps war dunkelgrün.Ullrich Märker, The Story of Munga sowie Extra-Ausgabe zur 37. Internationalen Automobil-Ausstellung 1955 in Frankfurt am Main, Auto Union GmbH, Ingolstadt 1955
Der entscheidende Vergleich unter den deutschen Herstellern fand ab dem 2. Januar 1956 statt. Elf DKW-Geländewagen, zwölf Goliath Typ 31 und sechs Porsche 597 wurden dem Lehrregiment in Andernach zur vergleichenden Erprobung übergeben.MUNGA-IG: aus dem Abschlussbericht der Bundeswehrerprobung, Bundesminister für Verteidigung Koblenz, u. a. Bericht vom 18. Februar 1956
In der Verteidigungsausschusssitzung am 13. April 1956 und der gemeinsamen Sitzung des Verteidigungs- und des Haushaltsausschusses am 7. Mai 1956 wurde ein Auftrag über 5000 Fahrzeuge an die Auto Union GmbH und über je 50 Einheiten an die Firmen Porsche und Borgward (Goliath) vergeben. Nach einer weiteren umfassenden Erprobung sollte eine Entscheidung über den zukünftigen Typ in der ¼-Tonner-Klasse gefällt werden.Archiv MUNGA IG, Sitzungsprotokolle und Empfehlung des Beschaffungsausschusses der Bundesregierung Bereits 1956 nutzte die Auto Union GmbH verschiedene Veranstaltungen, um den Geländewagen werbewirksam zu präsentieren. Weitere positive Testberichte erschienen.Ullrich Märker … aus FINABEL Sitzung 23. Oktober 1956, internationale 6-Tage-Fahrt ADAC, September 1956 In der Abschlussbesprechung über die Prototypenvorstellung des Herstellers mit dem Bundesministerium der Verteidigung wurde Ende Juni 1956 das Fahrzeug samt militärische Ausrüstung und Ausstattung endgültig abgenommen.MUNGA-IG … aus Sitzungsprotokoll Bundesminister für Verteidigung vom 27. Juni 1956
Der Bundesminister für Verteidigung vergab entsprechend den Vorgaben von Mai 1956 am 11. April 1958 der Erprobungsstelle 41 der Bundeswehr in Trier den Erprobungsauftrag für die Fahrzeuge DKW 0,25 t, Goliath Jagdwagen mit 2000 mm und 2100 mm Radstand und Porsche-Geländewagen.dto. – Auftrag vom 11. April 1958 Im Oktober 1958 kam schließlich der Folgeauftrag in der 0,25-Tonnen-Klasse für die Auto Union GmbH, die Borgward – trotz des im Goliath Typ 34 mittlerweile eingesetzten Viertaktmotors – und Porsche endgültig aus dem Rennen warf. Erteilt wurde der Auftrag vom neuen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß. Er hatte sich im Frühjahr 1958 selbst ein Bild vom Fahrzeug gemacht.MUNGA-IG … aus dem persönlichen Aktenvermerk von Minister Dr. F. J. Strauß vom 2. März 1956 zum Vergabeauftrag, vergl. u. a. auch Bütt im Tribunal. In Der Spiegel, Ausgabe 36/1959 Auch ausländische Streitkräfte testeten den DKW Geländewagen und/oder ließen sich diesen von erfahrenen Werksfahrern vorführen. Bereits im Juni 1957 gab es einen umfangreichen detaillierten „Report“ vom Headquarters British Army of the RhineArchiv Ullrich Märker,. Die gewonnenen Erkenntnisse führten letztlich auch zu einer Bestellung und Nutzung der Typen MUNGA 4 und Munga 6 bei den Alliierten in Berlin (West) und NiedersachsenUllrich Märker, Der DKW-MUNGA Geländewagen der Auto Union GmbH Ingolstadt in Berlin. Hattingen 2020, ISBN 978-3-00-064570-9, DNB
Im Spätsommer 1963 fand eine Erprobung auf einem belgischen Übungsplatz bei den Belgischen Streitkräften (französisch Armée belge, niederländisch Belgisch leger) statt, ebenso eine umfassende Vorführung bei den niederländischen Streitkräften (niederländisch Nederlandse krijgsmacht). Während aus Belgien lediglich einige Fahrzeuge für den Zivilschutz geordert wurden („Civiele bescherming“) fanden mehr als 2100 Einheiten vom Typ Munga 4 mit Frischölautomatik bei der„Koninklijke Landmacht“ Verwendung.Auswertung der Exportlieferungen sowie Filmarchiv der Auto Union GmbH und Archiv Ullrich Märker,
Kritik und Nachfolger Wegen der geringen Leistung bei relativ hohem Eigengewicht, der begrenzten Transportkapazität und der veralteten Technik wie etwa dem Zweitaktmotor, wurde ab 1965 nach einem Nachfolger für den LKW 0,25t gl. gesucht. Die zu dieser Zeit gelegentlich auftretenden Schäden an Kurbelwellenlagern (bei den 1000er-Motoren) und die Produktionseinstellung des Zweitaktmotors im Konzern trugen wesentlich zu Änderungswünschen bei.MUNGA-IG aus Projektentwurf Lkw 0,5 t.gl. gemäß Lastenheft von Juni 1964 zum Thema trilaterale Entwicklung eines geländegängigen Lkw 0,5 t. BMVg, Bonn 1964 Als Nachfolger war ein trinational zu entwickelnder, schwimmfähiger Wagen der militärischen 0,5t gl. Klasse, der sogenannte Europa-Jeep, vorgesehen. Nachdem dieses Projekt gescheitert war, sollte im nationalen Rahmen ein Nachfolger gefunden werden. Im Februar 1966 wurde dem Bundesministerium für Verteidigung ein DKW Munga mit Audi-Motor vorgestellt. Die Erprobung fand ab Sommer 1966 statt. Parallel dazu gab es bereits seit Ende 1963 Entwicklungstendenzen zum Sechszylinder-Zweitaktmotor und einem modifizierten 5-Gang-Getriebe.MUNGA-IG: aus dem vertraulichen Bericht des Herstellers vom 14. Februar 1966, dto. aus dem Aktenvermerk des Bundesministeriums für Verteidigung, Abt. W, Bonn, Februar 1966
Ab 1969 kam als Zwischenlösung der „VW-Kurierwagen“.Der Spiegel, Artikel Aus dem Schlaf gerissen, Ausgabe 42/1965Der Spiegel, Artikel Käfer für Kämpfer, Ausgabe 29/1969 Der VW 181 wurde ab August 1969 ebenfalls als Fahrzeug für den zivilen Bedarf und für den Bedarf verschiedener Behörden gefertigt.Der Spiegel, Artikel NACH 24 JAHREN, Ausgabe 33/1969
Nach Erprobung der Angebote mehrerer Hersteller wurde der VW Iltis von der damaligen Audi NSU Auto Union AG eingeführt. Er war in Fortführung der Munga-Technik ab 1978 auf Basis der Karosserie vom Typ Munga 8 (verlängerter Pritschenwagen) entwickelt worden.
Verwendung Einführung Während ein Großteil der Fahrzeuge ab Dezember 1956 an die deutsche Bundeswehr ausgeliefert wurden (insgesamt weit mehr als 30.000 Einheiten, zu ca. 85 % vom Typ Munga 4),Ullrich Märker Auswertung der Nationale des Herstellers, Gesamtaufstellung aus dem Jahre 1997 sowie neuere Auswertungen und Recherchen aus dem Jahr 2009Ullrich Märker in „Die Bundeswehr“, Magazin des Deutschen Bundeswehr-Verbandes, Heft 8/2006 fanden weitere bei der Polizei, beim Bundesgrenzschutz, beim Technischen Hilfswerk und beim Luftschutzhilfsdienst sowie bei ausländischen Streitkräften und ebenso bei der Zollwacht in Österreich Verwendung.Ullrich Märker für MUNGA-IG, Daten, Fakten Zahlen aus MIG-Info Nummer 2/1999, DVD Munga-IG Über 2100 Fahrzeuge kaufte die niederländische Armee, fast ausnahmslos den Typ 4. Die ersten Testwagen wurden im Februar 1963 für die Abnahme ausgeliefert. Im März 1963 begann die Fertigung dieser leicht modifizierten NATO-Variante (u. a. Frischölautomatik). Bis 30. März 1963 rollten 15 Einheiten vom Band, im April 1963 wurden 91 Fahrzeuge gefertigt. Per Bundesbahn-Sammeltransport erfolgte die erste Auslieferung am 6. Mai 1963 an Ministry van Defensie in Grevenhagen. Einige wenige Bauteile, so beispielhaft die beiden 12-V-Batterien, wurden in den Niederlanden beschafft und montiert. Die letzten Munga 4 für die niederländische Armee wurden im Februar 1965 ausgeliefert.Ullrich Märker, Auswertung der Nationale des Herstellers, so u. a. in MIG-Info, Fertigungsmengen DVD der MUNGA-IG 2017 Bei einigen Fahrzeugen der niederländischen Armee des Fertigungsjahrganges 1964 kam es zu Getriebeproblemen, die auf Produktionsfehler zurückgeführt wurden. Die Fahrzeuge schalteten selbsttätig vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang. Bei einer Lieferserie traten an etwa 70 Fahrzeugen Fertigungsfehler an der Schaltgabel auf.Der Spiegel, Artikel Mungas im Rückwärtsgang, Ausgabe 48/1964 und MIG-Info Nr. 1/2007. Mungas im Rückwärtsgang