mini|297px|Blick auf Altenriet und über den Neckar von Südwesten

Altenriet ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Die Gemeinde gehört zum Gemeindeverwaltungsverband Neckartenzlingen.

Geographie mini|Altenriet von Mittelstadt aus gesehen, dazwischen das Neckartal. Altenriet ist flächenmäßig eine der kleinsten Gemeinden. Der naturräumlich zum Schönbuch gerechnete Ort ist fast bis zum Steilabfall gegen das Neckartal vorgeschoben und bietet freie Sicht auf die Schwäbische Alb.

Zur Gemeinde gehören außer dem Dorf Altenriet keine weiteren Orte. Zum Gemeindegebiet gehört eine 31 Hektar große, unbewohnte Exklave. Dieses Waldgebiet ist vier Kilometer vom Ortskern entfernt und liegt im Schaichtal auf der Markung von Walddorfhäslach.

Angrenzende Gemeinden sind im Norden Schlaitdorf, im Osten und Süden Neckartenzlingen, beide im Landkreis Esslingen und im Westen Walddorfhäslach sowie Dörnach ein Ortsteil von Pliezhausen im Landkreis Reutlingen.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Altenriet.

Schutzgebiete

Altenriet hat im Osten des Gemeindegebiets Anteil am Landschaftsschutzgebiet Neckar-, Erms- und Autmuttal im Verwaltungsraum Neckartenzlingen. Durch die unbewohnte Exklave im Gewann Stänglich hat die Gemeinde zudem auch Anteile am Naturschutzgebiet Schaichtal und am Schönbuch, der hier als Landschafts-, FFH- und Vogelschutzgebiet als Naturpark ausgewiesen ist.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Frühe Geschichte mini|Altenriet 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch Altenriet wurde als Riet um 1100 erstmals als Name des ortsansässigen Adelsgeschlechts urkundlich erwähnt. Der Name erscheint vom Wort Ried für Sumpf abgeleitet. Die Benennung Rieth ist bereits im 12. Jahrhundert feststellbar. Der Ortsname stellt ursprünglich keine Siedlungs-, sondern eine Flurbezeichnung dar (im/am Ried) und wird erstmals im Jahre 1446 urkundlich erwähnt. Die 1446 nachweislich verwendete Schreibweise war ''Altenryet''. Bereits im ausgehenden 11. Jahrhundert erscheinen die Brüder »Drutwin« und »Ludwig de Riet« in der zwischen 1135 und 1138 abgefassten Zwiefalter Chronik als Stifter für das 1089 neu gegründete Kloster. Auch im Reichenbacher Schenkungsbuch erscheint ein »Liutfrido de Rieth« in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts als Stifter für das 1082 gegründete Hirsauer Priorat in Reichenbach. Die hohe Obrigkeit lag im 11. Jahrhundert wohl bei den Grafen von Achalm, ab dem 12. Jahrhundert bei den mit ihnen verwandten Grafen von Urach. 1344 wird erstmals der Ort Riet als zur Grafschaft Eberhards von Württemberg erwähnt. Württemberg übte seither die herrschaftlichen Rechte aus. Teilweise wurden vom Untervogt die Gerichtstage in Altenriet abgehalten. An herrschaftlichen Abgaben wurden nur die Steuer und der Landgarbenwein (ein Sechstel von 2,25 Morgen Weingarten) eingezogen. Der Zehnt ging seit 1448 an das Stift Oberhofen bei Göppingen. Württemberg beanspruchte noch den großen und kleinen Frevel sowie das Hauptrecht bei den leibeigenen Männern; die Frauen waren vom Hauptrecht befreit. Weitere Rechte kamen über den Erwerb des Schönbuchs von den Grafen von Tübingen an Württemberg. 1383 erscheint Altenriet im Urbar der Schönbuchämter als Ort des mittleren Schönbuchamts und musste für Holznutzung, Weiderecht und Fuhrrecht Abgaben leisten. Die Gemeinde hatte zudem eine Getreideabgabe als Ersatz für einen in früheren Zeiten eingeforderten Ackerfrondienst zu leisten. Einige Steuerrechte tauschte Württemberg dann noch von den Grafen von Zollern 1473 ein. Die Württemberger Grafen teilten Altenriet dem Oberamt Tübingen zu. In diesem Amtsbezirk gehörte Altenriet im 18. Jahrhundert zum Unteramt Walddorf.

Burg Riet Wahrscheinlich gelangte (Alten-)Riet zwischen 1254 und 1265 an die Grafschaft Württemberg. 1268 werden die Brüder Ludwig und Ulrich von Riet erwähnt, genannt »von der Mühle«, da sie auf der Burg an der Neckarmühle bei Neckartenzlingen (Neckarburg) saßen. Im 13. Jahrhundert errichteten die Herren von Riet eine Burg im Bereich des heutigen evangelischen Kirchhofs. Später entstand außerhalb des Ortes die Burg Neuenriet, die „Burg Altenriet“ verfiel bereits im 15. Jahrhundert. In den Quellen erscheinen die Herren von Riet bis ins 14. Jahrhundert, als der letzte namentlich bekannte Lutz von Riet 1344 seinen Anteil an der Burg und seine Güter im Dorf an Friedrich Herter von Schilteck verkaufte. Die Herren von Riet waren verwandt mit den Herren von Metzingen und wohl edelfrei, denn die Burg war freies Eigengut. In der entstandenen Siedlung übten sie die orts- und grundherrlichen Rechte aus. Der Grundbesitz der Herren von Riet ging 1344 an Friedrich Herter von Schilteck, an dessen Familie auch die restlichen Anteile an der alten Burg kamen. 1404 übergab Hans Herter den Burgstall und seine Güter im Dorf dem Kloster Denkendorf, das zum größten Grundbesitzer im Ort wurde. Insgesamt verfügte es über zwei große Lehengüter, die beide Erbgüter und Trägereien waren.

Burg Neuenriet Noch vor dem Abgang der alten Burg der Herren von Riet wurde ostnordöstlich des Ortes die genannte Burg Neuenriet errichtet und war mit einem Teil des Orts württembergisches Lehen. Ihr ältester bekannter Inhaber war Hans von Oßweil. Über eine Reihe weiterer zum Teil adliger Familien kam sie 1429 an Berthold Kaib, dessen Familie schon 1364 im Dorf begütert war. 1436 erwarben die Dürner von Dürnau das Lehen, das über weitere Hände an Barbara von Ow fiel, die es von Württemberg 1466 als freies Eigen übertragen bekam. Die Besitzer wechselten noch mehrfach, bis die Burg 1525 im Bauernkrieg zerstört wurde. Reste derselben, namentlich des Bergfrieds, sind noch 1685 auf der Kieserschen Forstkarte zu sehen. Die Ruine blieb bis 1823 erhalten und wurde dann von der öffentlichen Bürgerschaft zum Abbruch an den Meistbietenden verkauft. Danach wurde sie vollständig abgetragen und die Sandsteinquader zum Hausbau der Familie Trautwein im Gässle verwendet. Die Burg und die dazugehörigen Güter, unter anderem ein Maierhof auf Neckartenzlinger Markung, waren steuerfrei.

Kirchliche Einrichtungen In Altenriet waren im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit mehrere geistliche Einrichtungen begütert. Neben Denkendorf waren im Mittelalter noch die Klöster Reichenau und Pfullingen im Ort begütert. Auch die Heilig-Dreifaltigkeits-Pfründe in Nürtingen zog von vier Gütern Abgaben ein. Die Frühmesspfründe in Neckartenzlingen besaß die außerhalb des Weilers gelegene und 1523 erstmals erwähnte Kelter. Darüber hinaus besaß die Pfründe ein Tagwerk Wiesen in Neuenriet. Auch die Unser-Frauen-Pfründe in Neckartenzlingen verfügte über ein Feldlehen, Ackerland und Wiesen. Als weiterer Grundbesitzer wird das Spital Esslingen genannt. Örtliche Gemeindestrukturen lassen sich im 15. Jahrhundert nachweisen, denn 1468 werden Schultheiß und Gemeinde als Stifter einer Kaplaneipfründe in der örtlichen Kapelle genannt. Altenriet musste auch Beiträge zu Bau und Unterhalt des Neckarstegs bei Neckartenzlingen leisten.

Kirchlich gehörte Altenriet seit dem Mittelalter zur Martinspfarrei in Neckartenzlingen. Deshalb zog die Pfarrei Neckartenzlingen den kleinen Zehnt ein. Auch die Besitzer und Einwohner des freien Maierhofes bei Neuenriet gehörten kirchlich nach Neckartenzlingen. Der große Zehnt ging an das Stift Oberhofen bei Göppingen, das seit 1448 die kirchlichen Rechte in den Orten ausübte. Eine Kapelle wird 1365 erstmals und wieder 1468 erwähnt, als eine Kaplaneipfründe in der Kapelle der Heiligen Maria, Katharina und Ulrich gestiftet wird. Bei der Kirche dürfte es sich um eine Gründung des Ortsadels handeln, da die Kirche im Burgbereich lag. Auch nach der Reformation wurde Altenriet weiterhin von Neckartenzlingen pastoral versorgt. Mit der Zeit wurde dies jedoch als mangelhaft empfunden und der Ort 1684 schließlich in die benachbarte Pfarrei von Schlaitdorf umgegliedert. Bis 1684 gehörte Altenriet mit Neckartenzlingen zum Dekanat Nürtingen, danach mit Schlaitdorf zum Dekanat Tübingen. Die heutige evangelische Pfarrkirche stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts (vermutlich 1538) und wurde 1737 umfassend erneuert. Sie verfügt über einen dreiseitig schließenden Chor und eine maßwerk- und stabverzierte Steinkanzel. Die Kinder gingen noch kurz nach dem 30-jährigen Krieg nach Neckartenzlingen in die Schule. Erst 1676 wird ein Lehrer in Altenriet erwähnt. Zunächst wurde nur Winterschule gehalten, im Laufe des 17. Jahrhunderts auch Sommerschule. 1713 ließ die Gemeinde anstatt des Hirtenhauses ein Schulhaus errichten.

Wirtschaft und Bevölkerung 1525 wurden 17 Herdstätten im Ort versteuert, die Bevölkerung kann mit etwa 70 bis 80 Einwohnern geschätzt werden. Bei der Steuerschätzung von 1598 wurden 37 Bürger zur Steuer veranlagt, die Bevölkerung ist also auf etwa 170 bis 180 Personen angewachsen. Um 1600 lebten in dem Ort etwa 200 Einwohner. Im Dreißigjährigen Krieg sank die Bevölkerung um mehr als die Hälfte. Nur langsam stieg die Einwohnerzahl wieder an. Bei der Visitation 1617 wurden 167 Einwohner im Ort gezählt; nach der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges schrumpfte die Zahl 1654 auf 92. Auch der Gebäudebestand ging zurück: gab es 1634 noch 94 Gebäude, so waren es 1655 nur noch 51. Die Bewirtschaftung der Wiesen blieb auf dem gleichen Stand (136 Tagwerk), von der Ackerfläche (1634: 362 Morgen) wurde ein Fünftel nicht bewirtschaftet. Auch bei den Weingärten lagen etwa zwei Drittel brach (9 Morgen anstatt 25). Die Bevölkerung erholte sich verhältnismäßig rasch von den Verlusten des Dreißigjährigen Krieges. 1661 wurden bereits 176 Einwohner gezählt und 1706 waren es 228. 1729 wurde bei der Steuerschätzung die Bevölkerung mit 50 Bürgern, neun Witwen und einem Beisitzer angegeben. Insgesamt gab es wieder 61 steuerpflichtige Gebäude. Die bewirtschaftete Fläche wurde auf rund 819 Morgen geschätzt, von denen 32 Morgen in Gemeindebesitz waren. Es gab einen gewerbsmäßigen Leinenweber, einen Schneider, zwei Bäcker, einen Küfer, einen Wagner und einen Gassenwirt. Haupterwerbsquelle war bis weit in die Neuzeit die Landwirtschaft. Altenriet war in die Mühle bei Neckartenzlingen (Neckarmühle) gebannt. Der Bann wurde erst im 19. Jahrhundert abgelöst. In Altenriet wurde auch Wein angebaut und eine Kelter betrieben, die der Frühmesspfründe Neckartenzlingen gehörte. Die Weinbauern in Altenriet waren in diese Kelter gebannt. Vor Ort wurde im 18. Jahrhundert auch eine Ölmühle betrieben. 1802 waren es wieder 376 Einwohner. In den letzten zwei Jahrhunderten wanderten 160 Altenrieter aus, insbesondere nach Amerika. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl, vor allem durch den Zuzug von 177 Heimatvertriebenen, wieder in bemerkenswertem Umfang an. Nachdem die Gemeinde sich 1970 durch vermehrte Ausweisung von Bauland „geöffnet“ hatte, verstärkte sich der Zuzug von Neubürgern.

Verwaltungszugehörigkeit Traditionell gehörte der Ort zum Unteramt Walddorf im Amt Tübingen. Bei der Neugliederung des jungen Königreichs Württemberg im Jahr 1806 blieb die Zugehörigkeit von Altenriet zum Oberamt Tübingen bestehen. Ab 1842 war der Ort dem Oberamt Nürtingen zugeordnet. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte der Ort 1938 zum neu umrissenen Landkreis Nürtingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Altenriet mit dem Landkreis in die Amerikanischen Besatzungszone und gehörte deshalb zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Seit der Kreisreform von 1973 ist Altenriet Teil des Landkreises Esslingen.

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