Bempflingen ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen im Ermstal in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet Bempflingens liegt im Albvorland, umfasst im Westen einen kurzen Abschnitt des Flusstales der Erms und erstreckt sich ostwärts bis fast an den Lauf der Autmut. Durch die Gemeinde verläuft der Eduard-Mörike-Wanderweg, abgerufen am 23. Juli 2010 und der Ermstalobst-Radweg, abgerufen am 23. Juli 2010.. Südlich des Reinerwalds Richtung Altdorf (Bempflinger Höhe) kann man das Panorama der Schwäbischen Alb vom Hohenzollern über den Jusi bis zu den drei Kaiserbergen sehen.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind reihum Neckartenzlingen im Nordwesten, Altdorf im Norden, Großbettlingen mit einer kleinen siedlungsfreien Exklave ebenfalls im Norden sowie mit dem Hauptgebiet im Nordosten, alle im Landkreis Esslingen; Grafenberg im Südosten, Riederich im Süden sowie Reutlingen im Südwesten, diese im Landkreis Reutlingen.
Gemeindegliederung Bempflingen besteht aus den beiden Ortsteilen Bempflingen und Kleinbettlingen.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Bempflingen.
Geschichte mini|300px|Bempflingen 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch Bempflingen Bempflingen wurde vermutlich im 5. Jahrhundert von Alemannen gegründet. Dies kann auch aus dem Ortsnamen geschlossen werden, der wohl mit dem Vornamen Beonfil verknüpft ist. An der Stelle, an der das alemannische Reihengräberfeld gefunden wurde, stand zuvor ein römischer Gutshof.
Bempflingen wurde erstmals 1090 erwähnt, als die Grafen Kuno von Wülflingen und Liutold von Achalm mit ihrem Neffen, Graf Werner von Grüningen, in Biemphelingin den sogenannten Bempflinger Vertrag zur Nachlassregelung und insbesondere zur Absicherung ihrer Stiftung für Kloster Zwiefalten unterzeichneten. Damals gehörte Bempflingen noch zur Grafschaft Achalm.
Seit dem frühen 14. Jahrhundert gehörte die Ansiedlung der Familie Kaib. Später ging der Ort durch Verkauf und Erbschaft an die Herren von Baustetten und die Herren von Mansberg. 1448 erwarb Württemberg den Baustettischen und 1465 auch den Mansberger Teil des Ortes. 1639 kam Bempflingen mit der Pfandschaft Achalm für zehn Jahre unter österreichische Herrschaft, mit dem Westfälischen Frieden jedoch wieder an Württemberg und war dem Unteramt Metzingen zugeordnet. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg kam Bempflingen schließlich direkt zum Oberamt Urach. Im Zuge der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Bempflingen 1938 zum Landkreis Nürtingen. 1945 bis 1952 gehörte die Gemeinde zum Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war. 1952 gelangte Bempflingen zum neuen Bundesland Baden-Württemberg. Die Landkreisreform von 1973 führte zur Zugehörigkeit zum Landkreis Esslingen.
Eingemeindung von Kleinbettlingen x50px|KleinbettingenDer Name des Ortes wird erstmals 1313 als Clainbaettelingen urkundlich eindeutig erwähnt. Im Zuge der Gemeindereform wurde Kleinbettlingen am 1. Januar 1972 nach Bempflingen eingemeindet.
Religionen Bempflingen ist seit der Reformation evangelisch geprägt. Jedoch gibt es auch eine kleine katholische Kirchengemeinde, die zum Dekanat Esslingen-Nürtingen gehört. Die heutige evangelische Kirchengemeinde BempflingenWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Bempflingen umfasst den Hauptort und den Teilort Kleinbettlingen und gehört zum Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohnerzahl 1602 326 1. Dezember 1871¹ 985 1. Dezember 1900¹ 1.032 17. Mai 1939¹ 1.233 13. September 1950¹ 1.865 6. Juni 1961¹ 2.184 27. Mai 1970¹ 2.657 25. Mai 1987¹ 3.100 31. Dezember 1995 3.146 31. Dezember 2000 3.220 31. Dezember 2005 3.363 31. Dezember 2010 3.348 31. Dezember 2015 3.474 31. Dezember 2020 3.482
Politik Bürgermeister 1875–1909: Christian Seybold 1909–1927: Gottlob Doster 1927–1946: Otto Helber 1946: Gotthilf Hahn (Amtsverweser) 1946: Friedrich Frank (Amtsverweser) 1946–1966: Erwin Albrecht Reich 1966–1994: Helmut Kölle 1994–2010: Berndt Heidrich 2010–2026: Bernd Welser seit 2026: Frank Lindner
Gemeinderat In Bempflingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Bempflingen besteht aus den gewählten 14 ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem EndergebnisWahlinformationen auf komm.one.
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWVFreie Wählervereinigung Bempflingen62,91950,247SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands––36,005UBUnabhängige Bürger37,09513,762gesamt100,014100,014Wahlbeteiligung66,98 %62,3 %
Wappen Blasonierung: Unter einem doppelreihig von Silber (weiß) und Schwarz geschachten Schildhaupt in Blau ein silberner (weißer) Schrägbalken, belegt mit drei roten Pfeilspitzen.
Das Wappen verweist mit dem blauen Schild und den mit drei roten Pfeilspitzen belegten silbernen Schrägbalken auf die früheren Ortsherren, die Herren von Baustetten, denen im 15. Jahrhundert drei Viertel des Ortes gehörten. Die Herren von Mannsberg, die ebenfalls Besitz in Bempflingen hatten, werden durch das Schachbrettmuster im Wappen repräsentiert.
Die Gemeindeflagge hat die Farben Rot-Weiß (Rot-Silber). Flagge und Wappen wurden der Gemeinde 1957 vom Innenministerium verliehen.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr 200px|mini|Haltepunkt Bempflingen Bempflingen ist durch die Bahnstrecke Plochingen–Immendingen, auf dem Abschnitt auch als Neckar-Alb-Bahn bekannt, an das überregionale Schienennetz angebunden. Der Bahnhof Bempflingen wurde 1993 zum Haltepunkt zurückgebaut. Er wird von der Metropolexpress-Linie MEX 12 (Heilbronn – Stuttgart – Tübingen) und einzelnen Zügen der Linie MEX 18 (Osterburken – Heilbronn – Stuttgart – Tübingen) bedient.
Aus Richtung Nürtingen kommend ist Bempflingen die letzte Station im Gebiet des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart. Zur Weiterfahrt Richtung Metzingen war bis 2008 noch ein DB-Fahrschein nötig; zum 1. Januar 2009 wurde Bempflingen in den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau integriert, so dass zur Weiterfahrt bis Tübingen nur noch ein naldo-Fahrschein nötig ist.
Über Alltagsradrouten aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Bempflingen über Riederich und Metzingen mit Reutlingen und über Neckartenzlingen und Neckartailfingen mit Nürtingen und mit Filderstadt verbunden.
Ebenfalls durch den Ort verläuft der Württemberger WeinradwegWürttemberger Weinradweg auf einer Internetseite der Projektstelle Weinwege Württemberg, c/o Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg, abgerufen am 6. Mai 2025, ein Radfernweg von Rottenburg am Neckar nach Niederstetten.
Bildung In Bempflingen gibt es die Grundschule „Auf Mauern“, der Besuch weiterführender Schulen ist in Neckartenzlingen, Metzingen oder Nürtingen möglich. Außerdem gibt es in Bempflingen drei Kindergärten, von denen sich zwei (Hanflandweg und Auf Mauern) im Hauptort und einer in Kleinbettlingen befinden.
In Kleinbettlingen befindet sich zudem die Bildungsstätte des „Bundes Deutscher PfadfinderInnen Baden Württemberg e. V.“ (BDP). Der gemeinnützige Verein bietet jedes Jahr ein umfangreiches Programm an Seminaren rund um die Jugendarbeit an. Darüber hinaus werden jede Pfingst- und Sommerferien eine Vielzahl von Kinder- und Jugendfreizeiten angeboten.
Bauwerke 200px|mini|Fabrikgebäude Brüder Elmer & Zweifel mit Wasserturm in Bempflingen Die Grundmauern der heutigen Bempflinger Mühle stammen aus dem Jahr 1659. Für die Mühle, die 1391 erstmals urkundlich erwähnt wird, wurde der Ermskanal angelegt. Die evangelische Stephanuskirche wurde Ende des 13. Jahrhunderts als Ersatz eines älteren Vorgängerbaus im spätromanischen Stil errichtet, davon sind im heutigen Gebäude noch die Nordwand und der untere Teil des Turms erhalten. Das Kirchenschiff wurde vom Stuttgarter Hochbaurat Christian Friedrich Roth 1827 als Hallenkirche im Kameralamtsstil mit einer Kanzelaltarwand und einer Drei-Seiten-Empore gebaut. Oberbaurat Christian Friedrich von Leins erhöhte 1869 den Turm im neoromanischen Stil.Eva-Maria Seng: Der evangelische Kirchenbau im 19. Jahrhundert. Die Eisenacher Bewegung und der Architekt Christian Friedrich von Leins; Tübinger Studien zur Archäologie und Kunstgeschichte Band 15, Dissertation von 1992, veröffentlicht Tübingen 1995, Bild Nr. 428 Architekt Heinz Klatte besorgte 1954 eine Innenrenovierung. Zwei Glocken aus den Jahren 1468 und 1514 sind erhalten. Das Schlössle Bempflingen wurde wahrscheinlich im späten Mittelalter errichtet und diente als Sitz des Ortsadels, später als Amtshaus Das Schulhaus wurde 1773 neu gebaut.
Ver- und Entsorgung Stromversorgung Das Stromnetz in der Gemeinde wird von der FairNetz GmbH betrieben.
Gasversorgung Das Erdgasnetz wird von der FairEnergie GmbH betrieben, einem Tochterunternehmen der Stadtwerke Reutlingen GmbH und der EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH.BDEW (Hrsg.): Karte der Gasnetzbetreiber 2012. Frankfurt 2012.
Wasserversorgung Die erste öffentliche Wasserversorgung wurde 1909 errichtet. Heute wird das gesamte Gemeindegebiet von Bempflingen und Kleinbettlingen mit reinem Bodenseewasser versorgt.
Abwasserentsorgung Der Zweckverband Abwasserreinigung Bempflingen-Riederich betreibt eine gemeinsame Kläranlage für die Abwasserentsorgung der Gemeinden Bempflingen und Riederich.
Abfallentsorgung Für die Abfallentsorgung ist der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen zuständig. Es bestehen getrennte Sammlungen für Biomüll, Hausmüll und Papier.
Söhne und Töchter der Gemeinde
Gottlieb Lukas Friedrich Tafel (1787–1860), Philologe, Professor an der Universität Tübingen Jörg Krauss (* 1958), politischer Beamter
Literatur
Hans Schwenkel: Heimatbuch des Kreises Nürtingen. Band 2. Würzburg 1953, S. 108–125. Sönke Lorenz (Hrsg.): Bempflingen und Kleinbettlingen, Wegra Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1991, ISBN 3-921546-28-1 Der Landkreis Esslingen, Band 1. hrsg. vom Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, Band 1, Seiten 330–342
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Bempflingen Bempflingen bei leo-bw, dem landeskundlichen Informationssystem Baden-Württemberg
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Esslingen
Kategorie:Ersterwähnung 1090 Kategorie:Ort an der Erms