mini|Ruth Rendell (1985) Ruth Barbara Rendell, Baroness Rendell of Babergh CBE (* 17. Februar 1930 in South Woodford, London; † 2. Mai 2015Author Ruth Rendell dies aged 85. auf: BBC News. 2. Mai 2015, abgerufen am 3. Mai 2015. in London), die auch unter dem Pseudonym Barbara Vine schrieb, war eine britische Bestseller-Autorin. Sie wurde sowohl durch ihre Kriminalromane als auch durch ihre psychologischen Romane bekannt; als Barbara Vine schrieb sie Thriller und als Ruth Rendell Kriminalromane.

Ihre Werke zeichnen sich durch ihre elegante Prosa aus und wurden, wie auch Rendell selbst, wiederholt mit angesehenen Literaturpreisen ausgezeichnet. Die britische Zeitung The Guardian nahm im Jahr 2009 nicht weniger als fünf ihrer Romane und Thriller in die Liste der 1000 Romane auf, die jeder gelesen haben sollte.1000 Novels everyone must read: the definitive List. Abgerufen am 12. März 2015.

Leben

Ruth Rendell wurde 1930 als Ruth Barbara Grasemann in London geboren. Ihre Eltern waren beide Lehrer. Ihre Mutter, Ebbe Elise, war Schwedin, wuchs jedoch in Dänemark auf. Ihr Vater Arthur war Engländer. Arthur Grasemann hatte auf Grund der sehr begrenzten finanziellen Verhältnisse seiner Familie die Schule bereits mit vierzehn Jahren verlassen und eine Lehre in einer Werft absolviert. Er fand jedoch anschließend keine Stelle, setzte seine schulische Ausbildung fort und wurde schließlich Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften.Martha Hailey Dubose: Women of Mystery. S. 364. Ruth Rendell war das einzige Kind des Ehepaares. Ihre Mutter erkrankte kurz nach der Geburt der Tochter an Multipler Sklerose.

Rendell wuchs in South Woodford am nordöstlichen Stadtrand von London auf. Sie ging in Loughton, Essex zur Schule und arbeitete danach einige Zeit als Journalistin bei ihrer lokalen Zeitung, der Chigwell Times, und ab 1948 für den Essex Express and Independent.Biografie v. Ruth Rendell Während der Arbeit für diese Zeitung lernte sie Donald Rendell kennen, der zu dem Zeitpunkt ebenfalls als Journalist für dieses Blatt tätig war. Sie heirateten und nach der Geburt ihres einzigen Sohnes war Rendell zehn Jahre lang Hausfrau. Parallel zu ihrer Hausarbeit begann sie in unterschiedlichen literarischen Gattungen zu schreiben. Sowohl ihre ersten Romane als auch ihre Kurzgeschichten fanden jedoch keinen Verleger. Rendell begann in den frühen 1960er Jahren an einem Kriminalroman zu arbeiten, weil ein Roman dieser literarischen Gattung aus ihrer Sicht die größte Chance bot, veröffentlicht zu werden. Rendell selbst hatte kein besonderes Interesse an Kriminalromanen, auch wenn sie sich zu erinnern glaubte, als Mädchen Agatha Christie und Dorothy L. Sayers, zwei der bedeutenderen Vertreterinnen des sogenannten Goldenen Zeitalters des Whodunnit, gelesen zu haben.Martha Hailey Dubose: Women of Mystery. S. 364. Ein Lektor des Hutchinson-Verlages, den ihr Ehemann kannte, nahm sich des Romans an. From Doon With Death (dt. Alles Liebe vom Tod), Rendells erster Kriminalroman um Detektive Inspector Reginald Wexford, erschien 1964. Rendell erhielt für den Roman £75.

Wexford wurde zum Protagonisten einer ganzen Reihe, die bis 2014 auf 24 Romane anwuchs und Rendell zu einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Großbritanniens machte. Sie schrieb bis 2014 weitere 28 Kriminalromane ohne den Protagonisten Wexford und seit 1986 außerdem eine Reihe von Psychothrillern als Barbara Vine, einem Pseudonym, das zusammengesetzt ist aus ihrem Mittelnamen und dem Geburtsnamen ihrer Großmutter. Die Wahl eines zusätzlichen Pseudonyms hatte nie das Ziel, die wahre Identität der Autorin zu verschweigen, sondern wurde breit publiziert. Es sollte dem Leser eine Orientierungshilfe sein, welche Form von Roman er zu erwarten habe. Die unter dem Pseudonym Vine geschriebenen Romane weisen nur am Rande Elemente eines Kriminalromanes auf. Meistens setzen sie sich damit auseinander, dass Ereignisse der Vergangenheit weitreichende Auswirkungen auf die Romanprotagonisten haben. Anders als in den unter dem Namen Ruth Rendell publizierten Romanen und Kurzgeschichten konnte Rendell hier auf kriminalroman-typische Elemente wie Hinweise, Forensik, Zeugenbefragungen und gelegentlich sogar vollständig auf die Beschreibung einer polizeilichen Ermittlung verzichten.Martha Hailey Dubose: Women of Mystery. S. 369. mini|hochkant|Ruth Rendell (2007)

Rendell schirmte ihr Privatleben gegenüber der Öffentlichkeit konsequent ab. Bekannt ist, dass sie sich 1975 von ihrem Ehemann scheiden ließ. Die beiden heirateten jedoch Jahre später ein zweites Mal.Ruth Rendell obituary,in The Guardian, 2. Mai 2015, abgerufen am 3. Mai 2015. Rendells Sohn lebt heute mit seiner Familie in den Vereinigten Staaten und ist dort als Psychotherapeut tätig. Das Ehepaar Rendell lebte lange Zeit im ländlichen Raum von Suffolk.Martha Hailey Dubose: Women of Mystery. S. 364. Rendell zog in ihrem Leben 18 Mal um. Zuletzt wohnte und arbeitete Ruth Rendell wieder in London. Wie ihre 2014 verstorbene Freundin P. D. James war Rendell seit ihrer Erhebung in den Adelsstand 2007 Mitglied des Oberhauses.Angaben auf der Seite des Oberhauses, abgerufen am 3. Mai 2015. Anders als P. D. James vertrat Rendell dort Positionen der Labour Party. Rendell interessierte sich immer für soziale Themen – dies belegen auch ihre jüngeren Romane. Simisola (dt. Die Besucherin, erschienen 1994), Road Rage (dt. Wer Zwietracht sät, erschienen 1997) und Harm done (dt. Das Verderben, erschienen 1999) setzen sich unter anderem mit den sozialen Folgen von Rassismus, mit Umweltverschmutzung und häuslicher Gewalt auseinander.

Arbeitsweise Rendell faszinierten nach eigenem Bekunden die Verkettungen von Ereignissen, die aus einem eigentlich banalen Geschehen etwas mit unerwarteten Konsequenzen machen. In einem 1983 mit dem US-amerikanischen Herausgeber John C. Carr geführten Interview sagte Ruth Rendell:

Rendell legt häufig bereits zu Beginn eines Romans Tat und Täter offen. So beginnt ihr Roman A Judgement in Stone (dt. Urteil in Stein, 1977) mit den Worten:

Ausgehend von diesem Satz schildert Rendell die Kette an Zufällen und Missverständnissen, die dazu führten, dass vier Personen ermordet wurden, während sie der Radioübertragung einer Opernaufführung lauschten. Typisch für die Kriminalromane Rendells ist jedoch auch, dass die Täter in irgendeiner Form einer Strafe zugeführt werden.

Rendell ist bekannt für ihre elegante und geschliffene Prosa und ihre scharfsinnige Beobachtung menschlicher Verhaltensweisen. Zusammen mit P. D. James gilt sie in England als eine der wichtigsten Vertreterinnen des psychologischen Krimis, bei dem nicht mehr wie in den klassischen Krimis die Suche nach dem Täter im Vordergrund steht, sondern der sich mit den Umständen und Beweggründen von Verbrechen auseinandersetzt. Viele von Ruth Rendells Romanen wurden verfilmt, unter anderem gibt es eine Fernsehserie mit Inspektor Wexford.

Auszeichnungen für das literarische Lebenswerk 1991: Cartier Diamond Dagger lifetime achievement award der britischen Crime Writers’ Association (CWA) 1996: Vuoden johtolanka der finnischen Krimivereinigung Suomen dekkariseura 1996: Commander des Order of the British Empire 1997: Grand Master Award der amerikanischen Mystery Writers of America (MWA) 1997 wurde sie von Queen Elizabeth II. zu einem Life Peer ernannt und wählte den Titel Baroness Rendell of Babergh, of Aldeburgh im County Suffolk. Sie nahm einen Sitz für die Labour Party im britischen Oberhaus (House of Lords) ein.

Weitere Literaturauszeichnungen 1975: Edgar Allan Poe Award – Kategorie Beste Kurzgeschichte für The Fallen Curtain (dt. Der gefallene Vorhang und andere Geschichten) 1976: Gold Dagger – Kategorie Bester englischsprachiger Kriminalroman für A Demon in My View (dt.: Dämon hinter Spitzenstores) 1980: Schwedischer Krimipreis – Kategorie Bester ins Schwedische übersetzte Kriminalroman für Drömmar till döds (Original: Make Death Love Me; dt.: Mancher Traum hat kein Erwachen) 1982: Prix du Roman d’Aventures für Master of the Moor (dt.: Der Herr des Moors) 1984: Silver Dagger für The Tree of Hands (dt.: Die Masken der Mütter) 1986: Gold Dagger für Live Flesh (dt.: In blinder Panik) 1987: Edgar Allan Poe Award – Kategorie Bester Roman unter dem Pseudonym Barbara Vine für A Dark-Adapted Eye (dt.: Die im Dunkeln sieht man doch) 1987: Gold Dagger – Kategorie Bester englischsprachiger Kriminalroman unter dem Pseudonym Barbara Vine für A Fatal Inversion (dt.: Es scheint die Sonne noch so schön) 1988: Deutscher Krimipreis – International 2 für Live Flesh (dt.: In blinder Panik) und Heartstones (dt.: Herzsplitter) 1991: Gold Dagger – Kategorie Bester englischsprachiger Kriminalroman unter dem Pseudonym Barbara Vine für King Solomon’s Carpet (dt.: König Salomons Teppich) 1994: Palle-Rosenkrantz-Preis für The Crocodile Bird (dt.: Der Krokodilwächter) 1994: Palle-Rosenkrantz-Preis unter dem Pseudonym Barbara Vine für King Solomon’s Carpet (dt.: König Salomons Teppich)

Werke

Inspektor-Wexford-Reihe 1964 From Doon With Death Alles Liebe vom Tod. dt. von Monika Wittek. Ullstein, Berlin 1979, ISBN 3-548-01969-2. ungekürzte Neuübersetzung von Edith Walter. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, ISBN 3-499-42731-1. 1967 A New Lease of Death Mord ist ein schweres Erbe. dt. von Renate Steinbach. Ullstein, Berlin 1978, ISBN 3-548-01879-3. Ungekürzte Neuübersetzung von Denis Scheck. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1987, ISBN 3-499-42789-3. 1967 Wolf to the Slaughter Schweiß der Angst. dt. von Ilse Bezzenberger. Ullstein, Berlin 1983, ISBN 3-548-10224-7. Neuausgabe: Den Wolf auf die Schlachtbank. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991, ISBN 3-499-42996-9. 1969 The Best Man to Die Mord am Polterabend. dt. von Renate Steinbach. Ullstein, Berlin 1975, ISBN 3-548-01681-2. Ungekürzte Neuübersetzung von Ilse Bezzenberger. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1987, ISBN 3-499-42848-2. 1970 A Guilty Thing Surprised Der Liebe böser Engel. dt. von Renate Steinbach. Ullstein, Berlin 1978, ISBN 3-548-01926-9. Ungekürzte Neuübersetzung von Denis Scheck. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988, ISBN 3-499-42830-X. 1971 No More Dying Then Schuld verjährt nicht. dt. von Ute Tanner. Ullstein, Berlin 1978, ISBN 3-548-01916-1. ungekürzte Neuübersetzung von Monika Elwenspoek. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988, ISBN 3-499-42878-4. 1972 Murder Being Once Done Die Tote im falschen Grab. dt. von Monika Wittek. Ullstein, Berlin 1979, ISBN 3-548-10007-4. Ungekürzte Neuübersetzung von Ilse Bezzenberger. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988, ISBN 3-499-42874-1. 1973 Some Lie and Some Die Phantom in Rot. dt. von Ursula Goldschmidt. Ullstein, Berlin 1977, ISBN 3-548-01842-4. Ungekürzte Neuübersetzung von Ute Tanner. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-499-42875-X. 1975 Shake Hands For Ever Der Kuss der Schlange. dt. von Renate Steinbach. Ullstein, Berlin 1977, ISBN 3-548-01824-6. Ungekürzte Neuübersetzung von Ilse Bezzenberger. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-499-42934-9. 1978 A Sleeping Life Leben mit doppeltem Boden. dt. von Ute Tanner. Ullstein, Berlin 1978, ISBN 3-548-01939-0. Ungekürzte Neuübersetzung von Ilse Bezzenberger. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1990, ISBN 3-499-42898-9. 1981 Put On By Cunning Durch Gewalt und List. dt. von Ilse Bezzenberger. Ullstein, Berlin 1982, ISBN 3-548-10151-8. 1983 The Speaker of Mandarin Durch das Tor zum himmlischen Frieden. dt. von Edith Walter. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1984, ISBN 3-499-42684-6. 1985 An Unkindness of Ravens Die Grausamkeit der Raben. dt. von Edith Walter. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1986, ISBN 3-499-42741-9. 1988 The Veiled One Die Verschleierte. dt. von Friedrich A. Hofschuster. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-499-26224-X. 1992 Kissing the Gunner’s Daughter Eine entwaffnende Frau. dt. von Christian Spiel. Blanvalet, München 1993, ISBN 3-7645-1072-2. 1994 Simisola Die Besucherin. dt. von Cornelia C. Walter. Blanvalet, München 1996, ISBN 3-442-43962-0. 1997 Road Rage