Die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek (Eigenschreibweise Herzogin Anna Amalia Bibliothek), kurz HAAB, wurde 1691 von Herzog Wilhelm Ernst in Weimar gegründet. Anlässlich des dreihundertjährigen Jubiläums im Jahr 1991 erhielt sie den Namen der Herzogin Anna Amalia, die ihre größte Förderin war.Zitiert nach dem Weblink der Klassik-Stiftung. Berühmt ist ihr ovaler und über drei Geschosse reichender Rokokosaal. Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek ist eine Forschungsbibliothek für Literatur- und Kulturgeschichte mit besonderem Schwerpunkt auf der deutschen Literatur von der Aufklärung bis zur Spätromantik. Seit 1998 gehört sie als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ zum UNESCO-Welterbe.

Geschichte 17. bis 19. Jahrhundert Die am Fürstenplatz (heute Platz der Demokratie) befindliche Herzogliche Bibliothek wurde im Jahr 1691 gegründet, als Herzog Wilhelm Ernst seine gesammelten 1.400 Bücher der Öffentlichkeit zugänglich machte. In den folgenden dreißig Jahren stieg ihr Bestand auf 11.000 Exemplare an. 1711 empfahl der Geograph und Universalgelehrte Johann Gottfried Gregorii alias Melissantes in seinem Regional- und Reiseführer Das jetzt florierende ThüringenMelissantes: Das jetzt florirende Thüringen. Erfurt 1711, S. 69/70. diesen bibliophilen Schatz der Stadt Weimar als besondere Sehenswürdigkeit. Bis 1766 war die Bibliothek im Residenzschloss untergebracht. Danach erfolgte der Umzug in das Grüne Schloss, das als Wohngebäude für Herzog Johann Wilhelm nach seiner Heirat mit der Pfalzgräfin Dorothea Susanna zwischen 1562 und 1569 vom Hofbaumeistern Nikolaus Gromann und Erhard van Mehren erbaut wurde. Der Name Grünes Schloss geht vermutlich auf die Patina der Kupferdeckung des Daches zurück. 1706 ernannte Herzog Wilhelm Ernst den Wittenberger Universitätsprofessor Konrad Samuel Schurzfleisch zum ersten Direktor der Fürstlichen Bibliothek.Zur Geschichte der Bibliothek von 1691–1758 vgl. Jürgen Weber: Konturen. Die Herzogliche Bibliothek 1691–1758. In: Michael Knoche (Hrsg.): Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek – Kulturgeschichte einer Sammlung. Wien 1999, S. 39–61. mini|hochkant|Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach (Gemälde von Johann Ernst Heinsius, 1769) Benannt wurde die Bibliothek 1991 nach Anna Amalia (1739–1807), der Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach.Zur Bibliothek der Herzogin Anna Amalia vgl. Bärbel Raschke: Die Bibliothek der Herzogin Anna Amalia. In: Michael Knoche (Hrsg.): Herzogin Anna Amalia Bibliothek – Kulturgeschichte einer Sammlung. Wien 1999, S. 83–86. Während ihrer Regentschaft erfolgte 1766 der Umzug der herzoglichen Büchersammlung in das Grüne Schloss. Mit der Volljährigkeit 1775 übernahm Anna Amalias Sohn Carl August die Regierung. Als neuer Landesherr baute er die fürstliche Bibliothek weiter aus. mini|hochkant|links|Carl August, Herzog von Sachsen-Weimar und Eisenach (Gemälde von Georg Melchior Kraus, 1796/1797)

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach beauftragte 1797 Johann Wolfgang von Goethe und dessen Kollegen im Geheimen Consilium Christian Gottlob Voigt (1743–1819) mit der Oberaufsicht über die Bibliothek. Goethe leitete sie bis zu seinem Tode 1832 als Bibliothekar 35 Jahre lang. Er führte sie zu einer der bedeutendsten Bibliotheken Deutschlands jener Zeit. Sie prägte die Weimarer Klassik mit und ist bis heute eines der wichtigsten Archive dieser Epoche. Beliefert wurde die herzogliche Bibliothek u. a. von dem Weimarer Buchhändler Hoffmann sowie mit Publikationen aus Frankreich und Europa durch die Straßburger Verlagsbuchhandlung Bauer, Treuttel und Würtz. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde das Herzogtum zum Großherzogtum erhöht und die „Herzogliche Bibliothek“ entsprechend in „Großherzogliche Bibliothek“ umbenannt. In Goethes Amtsperiode verdoppelte sich der Buchbestand auf 80.000 Bände.Zur Geschichte der Bibliothek von 1758–1832 vgl. Ulrike Steierwald: Zentrum des Weimarer Musenhofes. Die Herzogliche Bibliothek 1758–1832. In: Michael Knoche (Hrsg.): Herzogin Anna Amalia Bibliothek – Kulturgeschichte einer Sammlung. Wien 1999, S. 62–107. Das führte zur Platzknappheit. Unter Leitung von Clemens Wenzeslaus Coudray wurde zwischen 1821 und 1825 der angrenzende Turmbau zum Bibliotheksturm umgebaut und um einen Stock erhöht. Im Jahre 1849, an Goethes 100. Geburtstag, der in der Bibliothek gefeiert wurde, erhielt das Gebäude durch einen Anbau im Norden, von Coudray 1842–1844 geplant, seine heutige Dimension. Coudray hielt sich bei der Erweiterung nach Norden um zwei Achsen strikt an die Formensprache der Barockfassade und bewies dabei außerordentliches denkmalpflegerische Sensibilität. Auch die Ochsenaugen wurden beibehalten, jedoch entsprechend der geänderten Länge der Fassade versetzt, um zugleich zwei neue Eingänge zu schaffen.Rolf Bothe: Clemens Wenzeslaus Coudray: 1775–1845; ein deutscher Architekt des Klassizismus, Köln; Weimar; Wien: Böhlau, 2013, ISBN 978-3-412-20871-4, S. 605 f. Die Wiedereröffnung der Bibliothek 1849 nach dem Umbau nach seinen Plänen erlebte Coudray nicht mehr, da er am 8. Oktober 1845 in Weimar starb.Rolf Bothe: Clemens Wenzeslaus Coudray: 1775–1845; ein deutscher Architekt des Klassizismus, Köln; Weimar; Wien: Böhlau, 2013, ISBN 978-3-412-20871-4, S. 606. Im Rokokosaal der Bibliothek gibt es zahlreiche Porträtplastik und Porträts in Gemälde oder Zeichnung.

20. bis 21. Jahrhundert mini|Die Bibliothek im Jahr 1991

In der Weimarer Republik wurde die Großherzogliche Bibliothek in Thüringische Landesbibliothek umbenannt. Zur DDR-Zeit wurde sie 1969 mit der kleineren Institutsbibliothek vereinigt und unter dem Namen Zentralbibliothek der deutschen Klassik in die Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar (NFG) eingegliedert. Ihren gegenwärtigen Namen Herzogin Anna Amalia Bibliothek trägt sie seit 1991.Geschichte – Archiv- und Forschungsbibliothek

Seit 1998 gehört die Herzogin Anna Amalia Bibliothek als Teil des Ensembles „Klassisches Weimar“ zum Welterbe der UNESCO. Die Aufnahme in die Liste des Welterbes begründete die UNESCO mit der „großen kunsthistorischen Bedeutung öffentlicher und privater Gebäude und Parklandschaften aus der Blütezeit des klassischen Weimar“ und mit der „herausragenden Rolle Weimars als Geisteszentrum im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert“. Zum Welterbe zählen insgesamt elf Gedenkstätten in Weimar, „deren Wert sich aus der Verbindung von historischem Geschehen, baulicher Hülle und authentischer Ausstattung bildet“.Deutsche UNESCO-Kommission e. V.

2003 wurde die Fördergesellschaft Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek (GAAB) in Weimar gegründet. Am 1. Oktober wurde Reinhard Laube neuer Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Er folgt damit Michael Knoche, der seit 1991 im Amt war und im Rahmen eines Festakts zum 325. Jubiläum der Bibliothek am 30. September 2016 in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Ausbau der Bibliothek ab 2002 mini|Bau des Tiefmagazins der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Juni 2002 Im Mai 2002 wurde mit einem Ausbau zu einem Bibliothekszentrum für Weimar mit zwei unterirdischen Magazinen für 1,4 Millionen Bücher begonnen. Das Projekt, das 23 Millionen Euro kostete, wurde im Februar 2005 abgeschlossen. Anfang August 2004 begann man mit dem Umzug der Bücher. Unterdessen kam es am 2. September 2004 zum Brand der Bibliothek.

Brand am 2. September 2004 mini|links|Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am 2. September 2004 mini|Brandschäden an der Herzogin Anna Amalia Bibliothek mini|Durch Brand beschädigtes Buch mini|Rekonstruktion des 2004 durch den Brand zerstörten Deckengemäldes Genius des Ruhms von Johann-Heinrich Meyer, nach Annibale Carracci mini|Außenansicht nach der Sanierung, 2008

Am Abend des 2. September 2004 brach im Dachstuhl des Hauptgebäudes ein Feuer aus, das die Feuerwehr im zweiten Geschoss des Rokokosaales aufhalten konnte. Die Brandursache ließ sich laut Abschlussgutachten des Bundeskriminalamtes nicht eindeutig klären. Der Brandherd war nach Aussagen der Erfurter Staatsanwaltschaft wahrscheinlich ein Schwelbrand, der durch ein defektes Elektrokabel ausgelöst worden war.Zur Brandursache vgl. Michael Knoche: Auf dem Weg zur Forschungsbibliothek. Frankfurt am Main 2016, S. 111.

Während des Brandes wurden aus dem Gebäude ca. 28.000 Bücher gerettet, darunter die Lutherbibel von 1534. 50.000 Bände sowie 35 Gemälde aus dem 16. bis 18. Jahrhundert gingen vollständig verloren, rund 62.000 Bände wurden durch Feuer und Löschwasser zum Teil stark beschädigt. Zwei Fünftel der Drucke bis 1850 sind davon betroffen. Der materielle Schaden am Bücherbestand wurde auf 67 Mio. Euro geschätzt.Zur Schadensbilanz vgl. Michael Knoche: Die Bibliothek brennt. Göttingen 2006, S. 84–86; Michael Knoche: Im Brandherd stand Jean Paul: Ein Zwischenbericht zur Schadensbilanz und Zukunft der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. In: Michael Knoche: Auf dem Weg zur Forschungsbibliothek. Frankfurt am Main 2016, S. 105–109. Noch in der Brandnacht wurden die ersten wassergeschädigten Bücher zur Gefriertrocknung in das Zentrum für Bucherhaltung Leipzig gebracht, in den folgenden Tagen auch die aus dem Brandschutt geborgenen, zum Teil stark verkohlten und feuchten Codices. Die Bücher wurden, nach Schadensklassen sortiert, bis 2015 restauriert.Michael Knoche: Organisatorische Sofortmaßnahmen nach dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. In: Michael Knoche: Auf dem Weg zur Forschungsbibliothek. Frankfurt am Main 2016, S. 111–122.

Der Wiederaufbau der Bibliothek wurde von zahlreichen privaten und öffentlichen Spendern aus aller Welt unterstützt, wie zum Beispiel von der Regierung des Fürstentums Liechtenstein, die im Oktober 2004 die Summe von 20.000 Euro bereitstellte. Die Wiederherstellung des Gebäudes wurde im Sommer 2007 abgeschlossen. Am 24. Oktober desselben Jahres, dem 268. Geburtstag der namensgebenden Herzogin Anna Amalia und dem Tag der Bibliotheken, wurde das Haus durch Bundespräsident Horst Köhler wiedereröffnet. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes betrugen 12,8 Millionen Euro. Eine Ausstellung unter dem Titel „Es nimmt der Augenblick, was Jahre geben“ widmete sich diesem Wiederaufbau.

Ab 2023 wird mit dem Zeitzeugen-Projekt „Future Memory“ in Interviews erfasst, wie sich der Brand im kollektiven Gedächtnis eingeschrieben hat und wie sich die Menschen in Weimar an die Brandnacht erinnern.

Verluste von Büchern und Handschriften Beim Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurden neben einem großen Teil der historischen Bausubstanz und Werken der Bildenden Kunst vor allem kulturgeschichtlich einmalige Buchbestände zerstört.

Stark betroffen sind die Herzogliche Musikaliensammlung und weitere Musikalien des historischen Bestandes – sowohl Handschriften als auch seltene Drucke. Unter den Verlusten befindet sich etwa ein Stimmbuch des Orlando di Lasso aus dem Jahr 1588. Verloren ist auch eine Handschrift aus dem Jahr 1788 von Pasquale Anfossi (1727–1797) La Maga Circa Farsetta a Cinque Voci (in un Atto Solo Musica). Die deutsche Übersetzung im Text stammte teilweise von Goethe. Beispiele für Musikalien, die mit starken Brandschäden geborgen wurden, sind eine handschriftliche Partitur mit Arien und Chören zu Lila, einem Feenspiel in vier Aufzügen von Siegmund Frh. v. Seckendorff für einen Text von Goethe aus dem Jahr 1777 und eine Handschrift der Grande Sonate für Klavier zu vier Händen As-Dur op. 92 von Johann Nepomuk Hummel. Insgesamt enthielt der Bestand 95 Werke Hummels; 15 von ihnen und ein kleines Fragment sind unversehrt erhalten, 14 weitere können restauriert werden. Von 52 Exemplaren besitzt die Bibliothek zumindest Mikrofilme.