mini|300px|Blick über die Stadt zum Bodensee

Pfullendorf ist eine Kleinstadt im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen. Pfullendorf erhielt 1220 das Stadtrecht und war von 1282 bis 1803 Freie Reichsstadt.

Geographie Lage mini|hochkant=1.35|Blick auf die Altstadt mini|hochkant=1.35|Blick vom Oberen Tor

Die Stadt Pfullendorf liegt in topographischer Hanglage, rund 20 Kilometer nördlich des Bodensees im hügeligen Gelände des Linzgaus.Siegfried Volk (siv): Pfullendorf. Geschichtsträchtige Industriestadt. In: Die Region stellt sich vor. Wir sind hier. Sonderbeilage des Südkurier. 19. November 2010, S. 24.

Das Pfullendorfer Gemeindegebiet liegt auf der Europäischen Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Donau. Der Andelsbach fließt vom Höchsten () in die Ablach und von dort in die Donau. Die Linzer Aach fließt in den Bodensee (Rhein). Die Wasserscheide verläuft durch Straß, südlich des Pfullendorfer Teilortes Denkingen, nach Aftholderberg auf einem Moränenwall der äußeren Würmendmoräne.Wanderweg entlang der Europäischen Wasserscheide. Am Sonntag startet die Tour durchs Bodensee-Hinterland. In: Schwäbische Zeitung. 20. November 2008. Die Wasserscheide kreuzt anschließend die Straße Pfullendorf – Aach-Linz und verlässt nördlich von Aach-Linz das Gemeindegebiet.

Geologie Pfullendorf befindet sich an einem Molassehang. Die Moränenlandschaft ist durch verschiedene Eiszeiten entstanden.

Nachbargemeinden Pfullendorfs Nachbargemeinden sind Krauchenwies im Norden, Ostrach im Osten, Illmensee im Südosten, Heiligenberg im Süden, Herdwangen-Schönach im Südwesten sowie Wald im Westen.

Raumplanung Pfullendorf bildet ein Mittelzentrum des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben. Der Mittelbereich umfasst die südwestlichen Gemeinden des Landkreises Sigmaringen, im Einzelnen die Städte und Gemeinden (in alphabetischer Folge) Herdwangen-Schönach, Illmensee, Leibertingen, Meßkirch, Pfullendorf, Sauldorf und Wald.

Stadtgliederung Die Stadt Pfullendorf unterscheidet die Kernstadt Pfullendorf (mit der Stadt Pfullendorf, dem Weiler Brunnhausen, der Siedlung Am Galgenbühl, den Höfen Im Galgenteich, St. Ruhe, Schönbrunnerhof und Vorderstock und den Häusern Am Andelsbach, Maria Schray und Theuerbach) sowie die Ortschaften Aach-Linz (mit dem Ort Aach-Linz, dem Dorf Sahlenbach, dem Weiler Reute, den Höfen Mittlere Mühle, Schallerhof, Schlegelhof und Untere Mühle und den Häusern Auf der Haige, Buchschoren, Klein-Karlsruhe und Steinbruch), Denkingen (mit den Dörfern Denkingen, Langgassen und Straß, den Weilern Andelsbach und Hilpensberg und den Häusern Forsthaus und Straßmühle), Gaisweiler (mit dem Dorf Gaisweiler, dem Weiler Tautenbronn und dem Gehöft Bethlehem), Großstadelhofen (mit dem Dorf Großstadelhofen, den Weilern Kleinstadelhofen, Sylvenstal und Wattenreute, den Höfen Egelsee und Krähenried und dem Haus Furtmühle), Mottschieß (mit dem Dorf Mottschieß), Otterswang (mit dem Dorf Otterswang, den Weilern Litzelbach und Weihwang und den Höfen Hilarihof und Sägmühle) und Zell am Andelsbach (mit den Dörfern Zell am Andelsbach und Schwäblishausen).Vgl. Pfullendorf. In: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 834–841.

Wappen Stadtteil Einwohner(Stand: Mai/Juni 2015) Fläche 30px|Pfullendorf Pfullendorf (Kernstadt) 9709Jürgen Witt (jüw): Erst staufisch, dann Reichsstadt. In: Südkurier. 9. Juni 2015. ? 30px|Aach-Linz Aach-Linz 1258Jürgen Witt (jüw), Gudrun Beicht (bei): Geschichte, Zahlen und Fakten zu Aach-Linz. In: Südkurier. 12. Mai 2015. ? 30px|Denkingen Denkingen 935Jürgen Witt (jüw): Ein Landadliger zündete einst das Dorf an. In: Südkurier. 26. Mai 2015. ? 30px|Gaisweiler Gaisweiler 121Jürgen Witt (jüw): Jägerhof und Drachenfliegerin. In: Südkurier. 30. Juni 2015. 366 haLandkreis Sigmaringen (= Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl. Heft 58). Hrsg. vom Innenministerium und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Bearbeitung und Druck Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1972, S. 27 (destatis.de [PDF; 6,3 MB, abgerufen am 9. August 2019]). 30px|Großstadelhofen Großstadelhofen 412Kirsten Johanson (kaj): Großstadelhofen: Ideal für Naturverbundene. In: Südkurier. 19. Mai 2015, abgerufen am 9. August 2019. 1003 ha 30px|Mottschieß Mottschieß 131Kirsten Johanson (kaj): Mottschieß: Kleines Dorf mit vielen Kleinbetrieben. In: Südkurier vom 16. Juni 2015, abgerufen am 9. August 2019. 155 haMottschieß. In: Walther Genzmer (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns. Band 2: Kreis Sigmaringen. W. Speemann, Stuttgart 1948, S. 249 f. 30px|Otterswang Otterswang 195Kirsten Johanson (kaj): Otterswang: Wer echtes Dorfleben liebt. In: Südkurier. 2. Juni 2015, abgerufen am 9. August 2019. 529 haOtterswang. In: Walther Genzmer (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns. Band 2: Kreis Sigmaringen. W. Speemann, Stuttgart 1948, S. 273 f. 30px|Zell am Andelsbach Zell am Andelsbach 251Kirsten Johanson (kaj): Zell a. A.: Idylle im Andelsbachtal. In: Südkurier. 23. Juni 2015, abgerufen am 9. August 2019. ?

Schutzgebiete

In Pfullendorf gibt es mit den Gebieten Egelsee-Ried, Kreuzäcker und Taubenäcker insgesamt drei Naturschutzgebiete. Daneben hat Pfullendorf einen kleinen Anteil am Landschaftsschutzgebiet Ruhestettener Ried. Abgesehen von den Kreuzäckern gehören alle genannten Gebiete zum FFH-Gebiet Riede und Gewässer bei Mengen und Pfullendorf.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Frühgeschichte Bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit fanden sich in der Gegend um Pfullendorf Siedlungsspuren. Etwa einen Kilometer nördlich von Ruhestetten, einem Teilort der Nachbargemeinde Wald und rund fünf Kilometer westlich von Pfullendorf, findet sich im Wald ein Grabhügel. Südlich davon im Gewann Gertholz befinden sich die Reste einer Viereckschanze an der Straße von Aach-Linz nach Herdwangen. Diese Schanze aus der späten La-Tène-Zeit dürfte aus der Zeit um 100 v. Chr. stammen und könnte mit den spätlatènezeitlichen Streufunden (mögliche Siedlung) im Gewann Thiergarten zusammenhängen. Ebenfalls bei Aach-Linz, im Wald Remser Holz befinden sich die Reste einer vor- oder frühgeschichtlichen Wallanlage.Christoph Morrissey, Dieter Müller: Wallanlagen im Landkreis Sigmaringen. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-2107-7.

Römische Mauerreste einer Villa Rustica im Gewann Maueräcker (Aach-Linz) weisen auf eine spätere gallorömische Besiedlung hin. Diese Villa Rustica wie auch die entfernter liegenden in Mettenbuch und Burgweiler wurde möglicherweise im späten 3. Jahrhundert n. Chr. von einfallenden Germanenhorden zerstört oder aufgegeben.

Mittelalter Die Besiedlung des oberen Linzgaus erfolgte durch die hier von den Franken angesiedelten Alamannen erst nach 500 n. Chr. Das Dorf Pfullendorf (Dorf am Pfuhl = Sumpf) dürfte im 9. Jahrhundert n. Chr. gegründet worden sein, und zwar am Ort der heute so genannte „Vorstadt“. Östlich und unabhängig davon gründeten Bürger um die etwa 1150/55 auf einem Molassehügel errichtete Burg des Grafen Rudolf von Pfullendorf in deren Schutz, oberhalb der Senke des heutigen Stadtweihers, ihre Niederlassung. Sie entwickelte sich im 12. Jahrhundert zu einer Marktsiedlung, deren Häuser 1219 einer Feuersbrunst zum Opfer fielen.

Die Grafen von Pfullendorf werden erstmals gegen Ende des 11. Jahrhunderts erwähnt. Rudolf von Pfullendorf war wohl der mächtigste, aber auch letzte von ihnen; er besaß Ländereien und Besitzrechte im Linzgau und rund um den Bodensee. Er war der Schwiegersohn von Herzog Welf VI.Armin Wolf: Welf VI. – Letzter der schwäbischen Welfen oder Stammvater der Könige? In: Rainer Jehl (Hrsg.): Welf VI. Wissenschaftliches Kolloquium zum 800. Todesjahr Welfs VI. im Schwäbischen Bildungszentrum Irsee vom 5. bis 8. Oktober 1991 (= Irseer Schriften. Bd. 3). J. Thorbecke, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-4173-X, S. 43–58, hier: S. 47. Seine Frau Elisabeth (* um 1130/35; † 1164/80) war eine Cousine von Herzog Heinrich dem Löwen und von Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Weil Rudolf keinen männlichen Erben hatte, setzte er Barbarossa als Erben ein. Rudolfs Tochter Ita (* 1150/52; † vor 1191) wurde mit dem Grafen Albrecht III. von Habsburg vermählt, genannt „der Reiche“. Über Ita von Pfullendorf stammen die späteren Habsburger Könige und Kaiser cognatisch (in weiblicher Linie) von den Welfen ab.

mini|Peter Klink: Friedrich II., 2006 auf dem Platz vor dem Heimat- und Handwerkermuseum in der Metzgergasse

Die abgebrannte Marktsiedlung soll den damaligen Pfullendorfer Ortspfarrer Ulrich zum Bittgang bei König Friedrich II. veranlasst haben. Friedrich II. erhob Pfullendorf bei einem Reichstag in Frankfurt am Main Ende April 1220 zur königlich-staufischen Stadt, was am 2. Juni 1220 in Worms beurkundet wurde. Pfullendorf gehört zu den wenigen Städten, deren Stadterhebungsurkunde noch im Original erhalten ist.Peter Koblank: Pfullendorf 1220. Die Urkunde der Stadtrechtsverleihung an Pfullendorf durch den Stauferkönig Friedrich II. In: stauferstelen.net, abgerufen am 28. Oktober 2016. Es wurden vier Stadttore mit Wehrtürmen und eine Stadtmauer errichtet. Nachdem die Staufer 1268 in männlicher Linie ausgestorben waren, zog König Rudolf von Habsburg im Jahre 1282 die Stadt unmittelbar an das Reich. Von da an bis zum Jahre 1803 war Pfullendorf eine Reichsstadt. Noch heute führt die Stadt den Reichsadler im Wappen.

In Pfullendorf gab es zwei Frauenklöster. Die frommen Frauen des III. Ordens der Dominikanerinnen erhielten von den Dominikanern aus Konstanz deren Herberge als ersten Besitz und Urzelle ihres dann später ausgedehnten Klosters in der Stadt. Diese Herberge war die frühere Burg der Grafen von Pfullendorf, die nach deren Aussterben an ihre Ministerialen von Ramsberg gekommen war, die sie im Jahre 1255 den Dominikanern aus Konstanz überließen. Nach ihrem Kleid wurden sie „Weiße Nonnen“ genannt, und so auch das Kloster. Erst 1683 erhielt das Kloster eine Kirche „Maria zu den Engeln“, so dass man das Kloster auch „Gotteshaus Maria der Engeln“ nannte. Die Franziskanerinnen, auch anfangs eine fromme Frauengemeinschaft und seit dem 14. Jahrhundert dem III. Orden des Hl. Franziskus angehörig, bekamen im Jahre 1403 ein eigenes Kloster neben der Stadtkirche, das im 18. Jahrhundert sehr umfangreich inmitten der Stadt erweitert wurde. Nach dem Gewand dieser Nonnen wurde es das „graue Kloster“ genannt.

1257 wird erstmals in einem Lehensbrief des „magister hospitalis“ (Spitalpflegers) das Pfullendorfer Heilig-Geist-Spital erwähnt. Es gehört somit zu den ältesten Spitälern im Bodenseeraum und wurde wohl am Anfang des 13. Jahrhunderts kurz nach der Stadterhebung gestiftet. Das in der Stadtmitte gelegene erste Spitalgebäude brannte 1285 ab, wurde jedoch gleich darauf neu errichtet. Das Spital erhielt durch fromme Stiftungen und Erbschaften über die Jahre viele Gebäude, Wälder, Felder, Rechte und Kapitalien, die ihm die Erfüllung seiner Aufgaben in der Armen- und Krankenfürsorge ermöglichten. Das Spital, das unter Aufsicht des Bistums Konstanz weitgehend selbständig wirtschaftete, verschaffte der ansonsten wenig begüterten kleinen Reichsstadt Pfullendorf als größter Grundbesitzer der Region die Mittel, um politisch agieren zu können.

Im Jahre 1434 verlieh Kaiser Sigismund der Reichsstadt die „Hohe Gerichtsbarkeit“, den Blutbann. Nunmehr war Pfullendorf keinem Fürsten mehr hörig und nur noch dem Kaiser und Gott untertan. Seine Bürger lebten von Handwerk, zahlreichen Märkten und Viehhaltung.